Unglaube auf der Akropolis 1936-071/1936.02

Freud, Sigmund (1936-071/1936.02): Unglaube auf der Akropolis

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  • S.

    9/VI 1936 Unglauben auf der Akropolis                 1

    Die nachstehende Begebenheit hat sich vor
    einem Menschenalter, im Jahr des Kriegs-
    zwischen Rußland und Japan mit mir selbst
    ereignet. Ich habe sehr oft an sie gedacht
    und sie heute erst verstanden.
    Ich pflegte damals alljährlich Ende August
    oder Anfangs September mit meinem
    jüngeren Bruder eine Ferienreise anzu-
    treten, die mehrere Wochen dauerte
    und uns nach Rom irgend einer
    Gegend des Landes Italien oder an
    eine Küste des Mittelmeers führte. In
    diesem Jahr erklärte mein Bruder seine
    Geschäfte gestatteten ihm keine längere
    Abwesenheit, er könnte höchstens eine
    Woche verreisen, wir müßten
    unsere Reiseziel einschränken. So beschlossen
    wir über Triest nach der Insel Korfu
    zu fahren um dort unsere wenigen
    Urlaubstage zu verbringen.
    In Triest suchte der Bruder einen Bekann-
    ten, einen Geschäftsfreund, der dort
    ansässig war, ich begleitete ihn. Nach
    Erledigung der geschäftlichen Interessen
    erkundigte sich der freundliche Mann
    nach unseren weiteren Absichten und
    als er hörte, daß wir nach Korfu wollten,
    riet er uns dringend ab. Was wollen
    Sie um diese Zeit dort machen? Es ist
    so heiß, daß Sie nichts unternehmen können.
    Gehen Sie doch lieber nach Athen. Der
    Lloyd dampfer geht nachmittags ab, läßt
    Ihnen zwei Tage da dort Zeit die Stadt
    und ganz nur das Wichtigste zu sehen
    und holt Sie hieher auf seiner
    Rückfahrt. Das wird eine lohnender
    Ausflug sein. Als wir den
    Gastgeber verlassen hatten, war ich beide
    in einer Stimmung übler Laune. Wir
    diskutierten den vorgeschlagenen Plan,
    fanden ihn unpassend und unpraktisch,
    sahen nur Hindernisse gegen seine
    Ausführung und bemerkten, daß
    wir ja keine Pässe hätten um
    in Griechenland einzulassen zu
    werden und hatten die Stunde bis
    zur Eröffnung des Lloydbureaus entschlossen
    tot und unvernügt in der Stadt
    herum. Als dies Zeit gekommen war,
     

    Cod. Ser. n. 39.685

  • S.

    gingen wir an den Schalter und lösten
    Fahrkarten nach Athen, wie selbstver-
    ständlich ohne uns um die angeblichen
    Schwierigkeiten zu kümmern ja ohne
    die Gründe für unsere Entscheidung
    gegen einander ausgesprochen zu haben.
    Diese Benähmen war doch recht sonderbar.
    Wir anerkannten später, daß wir im
    Moment nach Athen anstatt nach Korfu
    zu gehen sofort und bereitwillig ange-
    nommen hatten. Warum hatten wir also
    die Zwischenzeit bis zur Oeffnung der
    Schalter in so übler Stimmung ver-
    bracht und uns nur von Schwierigkeiten
    und Gefahren daselbst vorge-
    spiegelt?
    Als ich dann am Nachmittag nach der Ankunft
    auf der Akropolis stand und einen
    Blick die Landschaft umfasste, kam
    mir plötzlich der merkwürdige Gedanke:
    Also existiert das wirklich wie wir es in
    der Schule gelernt haben. Genauer be-
    schrieben die Person die eine Äußerung
    hat sonderte sich, weil schärfer als
    sonst möglich von einer anderen,
    die mit dieser Äußerung erst nahm und
    beide waren erstaunt, die beobachtende
    Person vornnehmlich über den Inhalt
    der einenbeinahe bewundert verwundert.
    Dabei benahm sie als müßte sie unter
    dem Einfluß einer unvorteilhaften
    Beobachtung von etwas glauben lassen.
    War etwa ihr bis dahin unsicher erschienen
    was – Mit einer mäßigen Übertreib-
    ung: als ob jemand entlang des schottischen
    Loch Ness spazierend plötzlich dem's
    Land geschilderten Lo Ungeheuer
    unbeschelter vor sich sähe und sich zum
    Geständnis gezwungen fände: Also ex-
    istiert sie wirklich die Seeschlange an die
    ich nicht geglaubt habe. Die andere
    Person war mit Recht erstaunt weil
    sie nicht gewusst hatte, daß die
    reale Existenz von Athen, der Akro-
    polis und dieser Landschaft jemals
    ausgepaukte Zweifel versucht gezogen worden war.
    Sie war eher auf eine Ausführung die
    Entwicklung des furchtbaren dieses
    Moments vorbereitet.

    1v

  • S.

    2

    Die beiden Phänomene gehören wahrscheinlich
    zusammen. Das erstere erscheint mir die Vor-
    bereitung für das spätere. Es mag leicht ver-
    ständlich sein und uns zum Verständnis des
    anderen verhelfen. Ich meine es ist auch
    nur der Ausdruck jener Ungläubigkeit.
    "Wir sollen Athen besuchen? Aber das geht
    ja gar nicht, das wäre zu schön!" Die
    begleitende Verstimmung ist vielleicht
    der Äußerung des Bedauerns, daß es
    nicht fast so wäre ja schon getan gewesen!
    Wie beim Ausruf: "it is the case
    von       'too good to be true'" wie er uns ge-
    läufig ist für Fälle von jenem Unglauben,
    der sich so häufig zeigt wenn man durch eine
    Glückbringende Nachricht überrascht wird.
    Wie sagt man eines Großen gedacht einen
    Preis bekommen hat für ein Mädchen
    daß der heimlich geliebte Mann bei den
    Eltern als Werber aufgetreten ist usw.
    Ein Phänomen, Konstation läßt
    natürlich sofort die Frage nach seiner Ge-
    rechtfertigung entstehen. Es ist in der Tat be-
    fremdend, daß man dem Prozeß machen
    sollte ein Stück der Realität abzu-
    lehnen – das will ja der Unglaube
    leisten – das es uns glücklich macht, denn
    nicht nur wenn vorbereitet sondern
    dahach ist man vorbereitet so sehr daß
    auch wenn es das Gegenteil so fest
    das heißt ein geradezu Verhalten. Ich
    erinnere mich dabei gerade an jene ein-
    zelnen Fällen jener Menschen
    besonders jener die am Erfolg scheitern.
    Einer diesmal ähnliche Ursache einer
    inneren Versagung als Wille der äußeren.
    Die innere Versagung tritt nun an
    die äußere Stelle. Man gönnt
    sich das Glück nicht. Warum nicht?
    Weil lautete die Antwort in einer Reihe
    von Fällen man sich vom Schicksal
    nichts so Gutes erwarten kann. Also
    wiederum das 'too good to be true' die
    Äußerung eines Pessimismus schon sein
    sogar von uns ein großes Stück
    in sich zu beherbergen scheinen. In
    anderen Fällen ist es ganz wie bei jenen
    die am Erfolg scheitern ein Schuld-
    oder Minderwertigkeitsgefühl, das man
    überhaupt nicht kann u sich über dieses
    nicht leisten eines solchen Glückes.

  • S.

    nicht würdig. Aber keine Motivierungen sind im
    Grunde gar nützlich. Sie alle ist uns eine
    4    Projektion des anderen dem das Schick-
    sal von dem man nur schlechte Behand-
    lung erwartet, ist die Angst bekannt,
    eine Abstraktion des Vaters als Autorität,
    unserer Bestimmung und Belohnung
    Anstalts Gewissens. Mitreidigeation
    Soweit meine ich ist unser auffälliges
    Verfahren in Triest erklärt. Wir konnten
    nicht glauben, daß uns eine Freude bestimmt
    sein sollte Athen zu sehen, daß das Stück
    Realität das wir ablehnten zunächst nur
    eine Möglichkeit war bestimmter durch
    die Eigentümlichkeiten unserer Dankes-
    Reaktion. Als wir dann auf der Akropolis
    standen war die Möglichkeit zur Wirk-
    lichkeit geworden und das Reakion
    absetzte sich in veränderter Form aber
    mit deutlicher erkennbaren Zügen.
    Ihr richtiger und entstellter Ausdruck hätte
    lauten sollen: Ich hätte mir nie euch
    gedacht, daß es mir ja gegönnt sein könnte
    Athen mit meinen eigenen Augen
    zu sehen wie es tatsächlich der Fall ist.
    Wenn ich mich erinnere mit welcher glühende
    Sehnsucht die Zeit zu Reisen über die
    Welt zu sehen auch in den Gymnasial-
    jahren beherrschte und wie spät sie
    sich in Erfüllung umzusetzen begann,
    wundert es mich dieser späte
    Nacherinnerung ich war damals 40 Jahre
    alt nicht. Ich habe meinen unter die
    sogenannten jüngeren Bruder auch
    befragt ob die Ursache wie ich es empfand
    für gewisse Reise lag aber dies
    ganze Erlebnis sei fast bereits
    da stand unser Gedankenaustausch
    befindet.
    Man wir aber als den Sinn meines
    "Einfalls" auf der Akropolis richtig er-
    raten haben er drückt meine ebendige
    Verwunderung darüber aus daß ich
    mich an diesem Ort befinde.
    Wenden wir uns jetzt jener zur Frage
    warum dieser Sinn im Inhalt eine
    so entstellte und entstellende Ein-
    kleidung gefunden hat.

    2v

  • S.

    Der eigentliche Inhalt des Gedankens ist auch in der
    entstellten Äußerung erhalten geblieben
    eine Unglaube. Nach dem Zeugnis meines
    Sinnes befinde ich mich jetzt auf der
    Akropolis allein ich kann es nicht glauben.
    Dieser Unglaube dieser Zweifel an einer
    Stück Realität wird an der Äußerung
    nur in die Vergangenheit gerückt und
    an einen Beisatze zum Akropolisauf-
    enthalt andrer doch die Existenz der Akropolis
    selbst verschoben! Das Resultat klingt etwa so:
    Bei Besichtigung der Akropolis ist früher
    an der realen Existenz der Akropolis ge-
    zweifelt, was die Erinnerung aber als un-
    richtig ja unmöglich ablehnt. Man kann
    dieses sich in den Entstehungsprozeß
    weiter zu verfolgen das Erstaunliche
    nach jener Einschiebung gewesen sein wie
    an dieser Situation ist etwas ungläub-
    würdig etwas unwirklich. Die Situation
    besteht aus meiner Person der Akropolis
    und meiner Wahrnehmung derselben.
    Ich kann diesen Zweifel nicht gut unter-
    bringen, ich bin ja meiner Sinnesbein-
    drücke gewiß der Akropolis nicht bezwei-
    feln aber ich erinnere mich, daß ich in
    ferner Vergangenheit einmal etwas ge-
    zweifelt hatte was mit eben dieser
    Akropolis zusammenhängt also fände ich
    die Ausflucht des Zweifels in die
    Vergangenheit zu versetzen. Aber ich
    erinnere mich auch nicht, jemals
    gezweifelt, nämlich daß so die Akropolis
    sein würde sondern das Schicksal andere
    fernen Zufall ich besorgte jetzt daß ich
    niemals der wirklichen Anblick der Akro-
    polis gegönnt hätte. Der Raum mit
    unter dem Entschluß des gegenwärtigen
    Situation möglich geworden sein ein ist
    nicht für ein solche Zweifel an einer
    Realität findet Klasse. Auch die
    ganze auffallende Person und
    so schweren Beeinflussbare psychische Situation
    klärt sich durch die Annahme daß auf
    der Akropolis etwas mein Moment
    daß ich das Gefühl hatte: was ich da
    sehe ist nicht wirklich man kennt
    das als Entfremdungsgefühl und
    daß ich diesen Versuch abwehrte, dieser
    Abwehr verdankten Beleg auf
    Kosten einer falsche Aussage über
    die Vergangenheit.

    3

  • S.

    Die II. synthetische Funktion.

    Das Ergebnis vorstehender Untersuchung ist also
    ich hätte in jenem Moment auf der Akropolis
    gerne etwas, das für begleitende Gefühle
    haben sollten! was ich da sehe ist nicht real
    ist als Täuschung zu beurteilen wie ich hatte mir
    selbst merkwürdig verändert vorkommen
    müssen als wäre ich nicht derselbe war
    sich viel schwerer für Worte fassen läßt.
    Das erstere bezeichne ich vor als Entfremdung
    zu bezeichnen im objektiven Sinn als
    andere als Depersonalisation. Beide
    Phänomene scheinen einander sehr nahe
    zu stehen. Ich kann eigentlich kaum von
    beiden aus unmittelbarer eigener
    Erfahrung ich stelle mir vor es mag oft
    leicht sein sie zu unterscheiden.
    Was ich auf der Akropolis wirklich erlebt
    habe war ja eine Abart eines solchen
    formveränderte Phänomens eine ungewöhn-
    liche Entstellung derselben. Aus dem
    Studium dieser Entstellung hoffe ich
    etwas Einsicht in die Entstehung der
    typischen Phänomene zu gewinnen.
    Es ist auch zu gewiss anzunehmen daß gerade
    Symptombildungen wie das Ich
    trotz ihrer abweichend gegensätzlichen
    Richtung der gleichen Reihe angehören.
    Einen allgemeinen Charakter der
    beiden Phänomene haben wir an unferm
    Beispiel erkannt ihre Absicht
    sie dienen der Abwehr es soll etwas sein
    gehalten werden. Mit einem raschen
    Schritt stellen wir an die Seite der
    Mechanismen die Abwehr bezeichnen
    wie Verdrängung und Verleugnung
    da sie aber ganz anders aussehen und eine
    wesentlich verschiedenes Ergebnis liefern
    als die Verdrängung müssen sie
    sich auch in irgend maßgebenden
    Punkte von den anderen Vorgängen
    mit ähnlicher Absicht unterscheiden.
    Ein Schritt weiter: Dieser Unterschied ist
    auch offen ein Kosten die Abwehr
    Verdrängung vollzieht sich zwischen Ich und
    Es. Nichts dergleichen bei den Ent-
    fremdungen aber da das Ergebnis

    3v

  • S.

    4

    der Entfremdungsvorgangs stets ein Unglaube
    ist ein Zweifel an der Realität, so liegt es
    nahe ihn vorhin zu bezeichnen als einen um
    das Stück der Realitätsprüfung handelt
    also in das Ich selbst das vieler Natur
    sozial umschließt doch noch soviel andere Bekannte
    Vorgänge und Funktionen umschließt.
    Also die Entfremdungsnormen sind Abwehr-
    vorgänge innerhalb des Ich in dem sich
    ein Teil des Ich gegen einen anderen
    Teil setzt und ihm etwas verweigert.
    Das Ergebnis ist daß entweder ein Stück
    des Ich fremdartig erscheint – dem anderen
    oder daß ein Stück der objektiven
    Außenwelt als unüral gehalten wird.
    Man soll dieses Dilemma aber nicht in
    seiner Bedeutung überschätzen die Fälle
    unterscheiden sich nach durch eine Pro-
    jektion jener Auffassungen uns
    aus einer unserer Wahrnehmungen
    ergebenen uns an jene Stücke von ihr
    überhaupt nicht nur an jenen
    Zweifeln nicht an der jenen Wahrnehm-
    ungen ungerade Ich war die ganz Außen-
    welt repräsentiert ist. Der Zwiespalt
    ist also immer im Ich     Es fragt sich dann
    was die beiden Teile des Ich einander
    verweigern.
    Unter alten Vorzügen, die die Psycho-
    analyse für jene Theorie hat eine starke
    Aufbau ist eines ganz besonderes flaches und
    unfehlbarer wie sie Beziehung auf den
    Sachverhalt und nach den Wegen geforscht
    ist. So lautet die Antwort hier befriedigend
    ein vollständiges Wirken ein Bedürfnisse
    für eine Erfüllung unter Gedankenregungen für-
    wahrhaft Psychopathische! Sonst würde
    Sie friedlich fortgesetzt als hätte die Ana-
    lyse niemals angerührt die einzelnen
    Vorgänge Elemente derer realer Er-
    scheinungen Zusammenhang gelöst
    bewirkt aus dem Zusammenhang zu kündbar
    sein durch die gleichzeitige angeordnete
    Verschiebung an die psychische Bahn
    an besondere Stellen zu verteilen können
    festzulegen oder so es gewollt hätte! Den Ausspruch

  • S.

    8  fernerer Übersicht daß im Seelenleben genauer
    gefragt in ununterbrochene psychische unaufgezehrt und
    unaufhaltsam ein Vorgang der Synthese am
    Werk ist so daß ein Element kaum aus
    seinem bisherigen Zusammenhang gelöst
    als bald von einem anderen ergriffen wird
    und in ihm seine Einreihung findet. Von
    dieser synthetischen Funktion des Ich wissen
    wir freilich lange nicht genug aber wir
    haben nie ihre Bedeutung unterschätzt.
    Sie mag wie alle anderen Leistungen
    unsere ihre Bedingungen und ihre Schwie-
    rigkeiten haben. Phänomene wie die Ent-
    fremdungen werden wahrscheinlich dazu
    versetzt diese zu studieren. Im folgenden
    werde ich versuchen eine Reihe Vorstellungen
    anzugeben die wir an ein solches Studium
    knüpfen mögen.
    a) Ein solches Prozeß der Synthese geht nur in
    dem Teil des Bereich des Ich vor über das Ich
    verfügt. Wir haben von ihm eine nur un-
    bestimmte Empfindung doch da wir unsere
    Aufmerksamkeit an eine Einheit des Ich gebunden.
    Störungen des selben machen sich weich weit-
    läufigure fühlbar. Ja es gibt in diesen Pro-
    zeß ist nicht ja das fehlen derselben.
    Statt einer der in wesentlicher Unter-
    schied der beiden statistischen Formationen
    hat. Nur dies haben gemeinsam es daß
    sind Elemente die unabhängig von ein-
    ander bestehen und entwickeln ihren In-
    halt weiter streben.
    b) Diese synthetische Funktion wird be-
    hindert von einer überall im Ich existit-
    ierenden nach unserer Terminologie be-
    zeichneten Libido jener an den Ichbe-
    setzungen Libido die eine Tendenz
    Herstellung immer größerer Einheiten
    in Leben oder Wirksamkeit zeigt.
    Es bietet keine Schwierigkeit diese
    Libido aus dem Vorrat der narzisst-
    ischen Narzissmus hervorgehen zu lassen.
    c) Auf welche Weise diese Libido den
    Teilen bewirkt eines der
    interessantesten Probleme unserer
    metapsychologischen Spekulation die

    4v

  • S.

    derzeit leider nur auf unbestimmte Annäher-
    ungen beschränkt ist und in Wahrheit
    5    nicht viel über die theoretische Vorstel-
    lungen hinausreicht die vor 20 Jahren von
    Breuer in seinen "Theoretischen Beiträgen
    zu den Studien über Hysterie" dargelegt
    wurden.Wahrscheinlich herrscht es auch
    den Weg einer Überbesetzung die
    die ursprüngliche aus dem Es über-
    nommene Energiebesetzung (Ladung) über-
    lagert und sie damit als sein Eigentum
    höher zu Steuern oder zu Sichern hat. Für
    diese art von Verwirklichung fehlt
    es uns an den geeigneten Begriffen.
    Physikalische Parallelen so wie Über-
    setzung, Parallelisierungen sind aber gangbare
    Ersetzung welche sie im Ich und Ver-
    schwendung des Bereich und ja den Vor-
    stellungen geschilderten in den
    Vorgängen Eigenvorgänge sich allein zulässig
    Sekundärvorgang untermauert.
                        III -
    Wenn es Störungen und Verweigerungen
    der synthetischen Funktion gibt, so gehören
    die Entfremdungserscheinungen zu ihnen.
    Aber es gibt offenbar viele solche Störung-
    en u. so fragt sich welche nur die besondere
    Bedingungen der Krankheitsphänomene
    ist allgemeinste Überlegung so machen,
    daß das Ich von zwei Seiten her seine
    Elemente zur Aufnahme in die Synthese
    erhält von der Welt der Wahrnehmungen
    und von der Innenwelt unter Mitwirkung
    als auch des Ich. Einer der es so sagen
    konnte mit Fortweit also ein Seite der
    Instinkte in das Ich gegen Seite der
    Abwehrleistungen der Unterwerfung.
    Realität   oh der    Man darf in diesem Moment ein wenig
    inne verhalten wenn man exakt wie wenig Fälle
    das zu unterscheidende Verhaltensweise
    aus sein mag für wunderbare
    Möglichkeit: Das berühmte Klagelied
    der spanischen Romanze "Ay de mi
    Alhama" erzählt wie der König Boabdil
    die Nachricht vom Fall seiner Stadt
    Alhama aufnimmt. Er weiß daß

  • S.

    10 dieser Verlust das Ende seiner Herrschaft be-
    deutet.  "Cartas le fueron venidas,
             de que Alhama era ganada,
             las cartas echo en el fuego,
             y al mensagero mataba."

    5v

    das Vorgehen des Maurerkönigs richtet
    sich an gewisse moralisch Verhaltens die
    eins u nliebsames Geschehen ungeschehen
    machen wollen. Er verleugnet die Realität
    die Tatsache nicht daß Alhama gefallen
    ist aber er demonstriert gegen sie indem
    er die Briefe verbrennt und den Boten
    töten läßt die Schiffe Maßnahmen dieser
    Reaktion ist rot wie kaufe einfach
    daß daß er von der Einsicht in die
    Ohnmacht verdrängt, in der er seinen
    Feind Macht bestätigen will. Eine derer
    weil abwehrender Fall ist die der
    negativen Haltung welche immer
    es zustande bringt die unerwünschte
    Wahrnehmung überhaupt vom Bewußt-
    sein abzuhalten. Und dazwischen
    liegen ungezählte andere Methoden,
    denen dies dieselbe Absicht Realität wegzu-
    setzen.
    Kehren wir zur Beobachtung zurück von
    der wir ausgegangen zur Äußerung des
    Unglaubens auf der Akropolis hin.
    Ich habe nun ich kann kaum geneigt-
    heit und gerade dieser Verspruch hält die
    Einschränkung der pathologischen wer-
    zufälligen ein wichtigeres Hilfe der
    Ursache der Störung ausgeht. Am Ende
    wird ja auch eine falsche Behauptung über
    die Vergangenheit aufgestellt. Ich habe
    damals in den Gymnasialjahren an
    der realen Existenz von Athen gezwei-
    felt. Es ist nicht wahr ich habe damals
    daran gezweifelt daß ich ja Athen selbst
    werde sehen können. Soweit zu reichen
    erschien mir als außerhalb jeder Mög-
    lichkeit das hing mit der Enge und
    Dürftigkeit unserer Lebensverhältnisse
    in meiner Jugend aber jener macht eine
    Sehnsucht zu Reisen.
    Folge des Wunsches fernen Land
    zu entkommen, dringend dem Drang,

  • S.

    11      6

    der soviel halbwüchsige Kinder dazu antreibt,
    vom Hause durchzugehen. Es war mir längst
    klar geworden, daß ein großes Stück
    der Lust am Reisen in der Erfüllung
    dieser frühen Wünsche besteht, also auch in
    der Unzufriedenheit mit Haus und Familie
    wurzelte. Wenn man zuerst das Meer
    sieht, den Ozean überquert, Städte und
    Länder als Wirklichkeiten erlebt, die so
    lange ferne, unerreichbare Wunschdinge
    waren, so fühlt man sich als hätte man
    große Thaten vollbracht, wie man sich
    nicht zugetraut hätte. Ich hätte damals in
    Athen meinen Bruder fragen können:
    Erinnerst du dich noch, wie oft wir in
    unserer Jugend Tag für Tag denselben
    Weg gegangen sind, vom Haus in der
    und in der Straße zum Gymnasium und
    am Sonntag höchstens in den Prater,
    und jetzt stehen wir auf der Akro-
    polis! Wir haben es doch weit gebracht.
    Und wenn man so Kleines mit Größerem
    vergleichen darf, hat nicht der erste Napoleon
    während der Krönung in Notre Dame
    sich umgewendet und zu einem seiner
    Brüder (gewiß war es der älteste Josef!)
    bemerkt: Was würde Monsieur notre
    père dazu sagen, wenn er jetzt dabei
    sein könnte? Gewiß, an der Befriedig-
    ung, es so weit gebracht zu haben, ist etwas
    unrechtes dabei, woran sich ein Schuldgefühl
    knüpfen kann. Etwas, was mit der
    Kritik am Vater, mit seiner Geringschätz-
    ung zu thun hat, als ob das Wesent-
    liche am Erfolg wäre, es weiter zu bringen
    als der Vater, und als ob es noch immer
    unerlaubt wäre, den Vater zu über-
    treffen.
    Zu dieser allgemeinen giltigen Motivirung
    gesellen sich in meinem Falle noch
    jene besonderen Momente. Erstens, daß das
    Thema Athen und die Akropolis schon an
    und für sich einen Hinweis auf denVater
    und den Söhnen Unterschied zwischen dem
    enthielt. Denn er war Kaufmann ohne
    Gymnasialbildung. Zweitens, daß in
    meinem Leben eine frühe Reise
    eine große Rolle spielt und einen
    nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben
                                    muss.

  • S.

    12      

    6v

    Ich war drei Jahre alt, als wir von unserem
    kleinen Wohnort in Mähren mit der
    Eisenbahn nach Leipzig reisten, um dort eine
    neue Existenz zu beginnen, die lange
    nicht so schön war wie die frühere, und
    mit dieser Übersiedlung nahm alles
    seinen Anfang, was das Kind dazu
    brachte, an der Größe des Vaters zu
    zweifeln. Diese Dinge der Vergangenheit,
    so weit entrückt, halb vergessen und
    dem Verdrängten so benachbart, besaßen
    wohl die Eignung, den Ausdruck der
    Empfindung in jenem Moment auf der
    Akropolis zu stören.

    Sigm. Freud