S.
9/VI 1936 Unglauben auf der Akropolis 1
Die nachstehende Begebenheit hat sich vor
einem Menschenalter, im Jahr des Kriegs-
zwischen Rußland und Japan mit mir selbst
ereignet. Ich habe sehr oft an sie gedacht
und sie heute erst verstanden.
Ich pflegte damals alljährlich Ende August
oder Anfangs September mit meinem
jüngeren Bruder eine Ferienreise anzu-
treten, die mehrere Wochen dauerte
und uns nach Rom irgend einer
Gegend des Landes Italien oder an
eine Küste des Mittelmeers führte. In
diesem Jahr erklärte mein Bruder seine
Geschäfte gestatteten ihm keine längere
Abwesenheit, er könnte höchstens eine
Woche verreisen, wir müßten
unsere Reiseziel einschränken. So beschlossen
wir über Triest nach der Insel Korfu
zu fahren um dort unsere wenigen
Urlaubstage zu verbringen.
In Triest suchte der Bruder einen Bekann-
ten, einen Geschäftsfreund, der dort
ansässig war, ich begleitete ihn. Nach
Erledigung der geschäftlichen Interessen
erkundigte sich der freundliche Mann
nach unseren weiteren Absichten und
als er hörte, daß wir nach Korfu wollten,
riet er uns dringend ab. Was wollen
Sie um diese Zeit dort machen? Es ist
so heiß, daß Sie nichts unternehmen können.
Gehen Sie doch lieber nach Athen. Der
Lloyd dampfer geht nachmittags ab, läßt
Ihnen zwei Tage da dort Zeit die Stadt
und ganz nur das Wichtigste zu sehen
und holt Sie hieher auf seiner
Rückfahrt. Das wird eine lohnender
Ausflug sein. Als wir den
Gastgeber verlassen hatten, war ich beide
in einer Stimmung übler Laune. Wir
diskutierten den vorgeschlagenen Plan,
fanden ihn unpassend und unpraktisch,
sahen nur Hindernisse gegen seine
Ausführung und bemerkten, daß
wir ja keine Pässe hätten um
in Griechenland einzulassen zu
werden und hatten die Stunde bis
zur Eröffnung des Lloydbureaus entschlossen
tot und unvernügt in der Stadt
herum. Als dies Zeit gekommen war,
Cod. Ser. n. 39.685
S.
gingen wir an den Schalter und lösten
Fahrkarten nach Athen, wie selbstver-
ständlich ohne uns um die angeblichen
Schwierigkeiten zu kümmern ja ohne
die Gründe für unsere Entscheidung
gegen einander ausgesprochen zu haben.
Diese Benähmen war doch recht sonderbar.
Wir anerkannten später, daß wir im
Moment nach Athen anstatt nach Korfu
zu gehen sofort und bereitwillig ange-
nommen hatten. Warum hatten wir also
die Zwischenzeit bis zur Oeffnung der
Schalter in so übler Stimmung ver-
bracht und uns nur von Schwierigkeiten
und Gefahren daselbst vorge-
spiegelt?
Als ich dann am Nachmittag nach der Ankunft
auf der Akropolis stand und einen
Blick die Landschaft umfasste, kam
mir plötzlich der merkwürdige Gedanke:
Also existiert das wirklich wie wir es in
der Schule gelernt haben. Genauer be-
schrieben die Person die eine Äußerung
hat sonderte sich, weil schärfer als
sonst möglich von einer anderen,
die mit dieser Äußerung erst nahm und
beide waren erstaunt, die beobachtende
Person vornnehmlich über den Inhalt
der einenbeinahebewundertverwundert.
Dabei benahm sie als müßte sie unter
dem Einfluß einer unvorteilhaften
Beobachtung von etwas glauben lassen.
War etwa ihr bis dahin unsicher erschienen
was – Mit einer mäßigen Übertreib-
ung: als ob jemand entlang des schottischen
Loch Ness spazierend plötzlich dem's
Land geschildertenLoUngeheuer
unbeschelter vor sich sähe und sich zum
Geständnis gezwungen fände: Also ex-
istiert sie wirklich die Seeschlange an die
ich nicht geglaubt habe. Die andere
Person war mit Recht erstaunt weil
sie nicht gewusst hatte, daß die
reale Existenz von Athen, der Akro-
polis und dieser Landschaft jemals
ausgepaukte Zweifelversuchtgezogen worden war.
Sie war eher auf eine Ausführung die
Entwicklung des furchtbaren dieses
Moments vorbereitet.1v
S.
2
Die beiden Phänomene gehören wahrscheinlich
zusammen. Das erstere erscheint mir die Vor-
bereitung für das spätere. Es mag leicht ver-
ständlich sein und uns zum Verständnis des
anderen verhelfen. Ich meine es ist auch
nur der Ausdruck jener Ungläubigkeit.
"Wir sollen Athen besuchen? Aber das geht
ja gar nicht, das wäre zu schön!" Die
begleitende Verstimmung ist vielleicht
der Äußerung des Bedauerns, daß es
nicht fast so wäre ja schon getan gewesen!
Wie beim Ausruf: "it is the case
von 'too good to be true'" wie er uns ge-
läufig ist für Fälle von jenem Unglauben,
der sich so häufig zeigt wenn man durch eine
Glückbringende Nachricht überrascht wird.
Wie sagt man eines Großen gedacht einen
Preis bekommen hat für ein Mädchen
daß der heimlich geliebte Mann bei den
Eltern als Werber aufgetreten ist usw.
Ein Phänomen, Konstation läßt
natürlich sofort die Frage nach seiner Ge-
rechtfertigung entstehen. Es ist in der Tat be-
fremdend, daß man dem Prozeß machen
sollte ein Stück der Realität abzu-
lehnen – das will ja der Unglaube
leisten – das es uns glücklich macht, denn
nicht nur wenn vorbereitet sondern
dahach ist man vorbereitet so sehr daß
auch wenn es das Gegenteil so fest
das heißt ein geradezu Verhalten. Ich
erinnere mich dabei gerade an jene ein-
zelnen Fällen jener Menschen
besonders jener die am Erfolg scheitern.
Einer diesmal ähnliche Ursache einer
inneren Versagung als Wille der äußeren.
Die innere Versagung tritt nun an
die äußere Stelle. Man gönnt
sich das Glück nicht. Warum nicht?
Weil lautete die Antwort in einer Reihe
von Fällen man sich vom Schicksal
nichts so Gutes erwarten kann. Also
wiederum das 'too good to be true' die
Äußerung eines Pessimismus schon sein
sogar von uns ein großes Stück
in sich zu beherbergen scheinen. In
anderen Fällen ist es ganz wie bei jenen
die am Erfolg scheitern ein Schuld-
oder Minderwertigkeitsgefühl, das man
überhaupt nicht kann u sich über dieses
nicht leisten eines solchen Glückes.S.
nicht würdig. Aber keine Motivierungen sind im
Grunde gar nützlich. Sie alle ist uns eine
4 Projektion des anderen dem das Schick-
sal von dem man nur schlechte Behand-
lung erwartet, ist die Angst bekannt,
eine Abstraktion des Vaters als Autorität,
unserer Bestimmung und Belohnung
Anstalts Gewissens. Mitreidigeation
Soweit meine ich ist unser auffälliges
Verfahren in Triest erklärt. Wir konnten
nicht glauben, daß uns eine Freude bestimmt
sein sollte Athen zu sehen, daß das Stück
Realität das wir ablehnten zunächst nur
eine Möglichkeit war bestimmter durch
die Eigentümlichkeiten unserer Dankes-
Reaktion. Als wir dann auf der Akropolis
standen war die Möglichkeit zur Wirk-
lichkeit geworden und das Reakion
absetzte sich in veränderter Form aber
mit deutlicher erkennbaren Zügen.
Ihr richtiger und entstellter Ausdruck hätte
lauten sollen: Ich hätte mir nie euch
gedacht, daß es mir ja gegönnt sein könnte
Athen mit meinen eigenen Augen
zu sehen wie es tatsächlich der Fall ist.
Wenn ich mich erinnere mit welcher glühende
Sehnsucht die Zeit zu Reisen über die
Welt zu sehen auch in den Gymnasial-
jahren beherrschte und wie spät sie
sich in Erfüllung umzusetzen begann,
wundert es mich dieser späte
Nacherinnerung ich war damals 40 Jahre
alt nicht. Ich habe meinen unter die
sogenannten jüngeren Bruder auch
befragt ob die Ursache wie ich es empfand
für gewisse Reise lag aber dies
ganze Erlebnis sei fast bereits
da stand unser Gedankenaustausch
befindet.
Man wir aber als den Sinn meines
"Einfalls" auf der Akropolis richtig er-
raten haben er drückt meine ebendige
Verwunderung darüber aus daß ich
mich an diesem Ort befinde.
Wenden wir uns jetzt jener zur Frage
warum dieser Sinn im Inhalt eine
so entstellte und entstellende Ein-
kleidung gefunden hat.2v
S.
Der eigentliche Inhalt des Gedankens ist auch in der
entstellten Äußerung erhalten geblieben
eine Unglaube. Nach dem Zeugnis meines
Sinnes befinde ich mich jetzt auf der
Akropolis allein ich kann es nicht glauben.
Dieser Unglaube dieser Zweifel an einer
Stück Realität wird an der Äußerung
nur in die Vergangenheit gerückt und
an einen Beisatze zum Akropolisauf-
enthalt andrer doch die Existenz der Akropolis
selbst verschoben! Das Resultat klingt etwa so:
Bei Besichtigung der Akropolis ist früher
an der realen Existenz der Akropolis ge-
zweifelt, was die Erinnerung aber als un-
richtig ja unmöglich ablehnt. Man kann
dieses sich in den Entstehungsprozeß
weiter zu verfolgen das Erstaunliche
nach jener Einschiebung gewesen sein wie
an dieser Situation ist etwas ungläub-
würdig etwas unwirklich. Die Situation
besteht aus meiner Person der Akropolis
und meiner Wahrnehmung derselben.
Ich kann diesen Zweifel nicht gut unter-
bringen, ich bin ja meiner Sinnesbein-
drücke gewiß der Akropolis nicht bezwei-
feln aber ich erinnere mich, daß ich in
ferner Vergangenheit einmal etwas ge-
zweifelt hatte was mit eben dieser
Akropolis zusammenhängt also fände ich
die Ausflucht des Zweifels in die
Vergangenheit zu versetzen. Aber ich
erinnere mich auch nicht, jemals
gezweifelt, nämlich daß so die Akropolis
sein würde sondern das Schicksal andere
fernen Zufall ich besorgte jetzt daß ich
niemals der wirklichen Anblick der Akro-
polis gegönnt hätte. Der Raum mit
unter dem Entschluß des gegenwärtigen
Situation möglich geworden sein ein ist
nicht für ein solche Zweifel an einer
Realität findet Klasse. Auch die
ganze auffallende Person und
so schweren Beeinflussbare psychische Situation
klärt sich durch die Annahme daß auf
der Akropolis etwas mein Moment
daß ich das Gefühl hatte: was ich da
sehe ist nicht wirklich man kennt
das als Entfremdungsgefühl und
daß ich diesen Versuch abwehrte, dieser
Abwehr verdankten Beleg auf
Kosten einer falsche Aussage über
die Vergangenheit.3
S.
Die II. synthetische Funktion.
Das Ergebnis vorstehender Untersuchung ist also
ich hätte in jenem Moment auf der Akropolis
gerne etwas, das für begleitende Gefühle
haben sollten! was ich da sehe ist nicht real
ist als Täuschung zu beurteilen wie ich hatte mir
selbst merkwürdig verändert vorkommen
müssen als wäre ich nicht derselbe war
sich viel schwerer für Worte fassen läßt.
Das erstere bezeichne ich vor als Entfremdung
zu bezeichnen im objektiven Sinn als
andere als Depersonalisation. Beide
Phänomene scheinen einander sehr nahe
zu stehen. Ich kann eigentlich kaum von
beiden aus unmittelbarer eigener
Erfahrung ich stelle mir vor es mag oft
leicht sein sie zu unterscheiden.
Was ich auf der Akropolis wirklich erlebt
habe war ja eine Abart eines solchen
formveränderte Phänomens eine ungewöhn-
liche Entstellung derselben. Aus dem
Studium dieser Entstellung hoffe ich
etwas Einsicht in die Entstehung der
typischen Phänomene zu gewinnen.
Es ist auch zu gewiss anzunehmen daß gerade
Symptombildungen wie das Ich
trotz ihrer abweichend gegensätzlichen
Richtung der gleichen Reihe angehören.
Einen allgemeinen Charakter der
beiden Phänomene haben wir an unferm
Beispiel erkannt ihre Absicht
sie dienen der Abwehr es soll etwas sein
gehalten werden. Mit einem raschen
Schritt stellen wir an die Seite der
Mechanismen die Abwehr bezeichnen
wie Verdrängung und Verleugnung
da sie aber ganz anders aussehen und eine
wesentlich verschiedenes Ergebnis liefern
als die Verdrängung müssen sie
sich auch in irgend maßgebenden
Punkte von den anderen Vorgängen
mit ähnlicher Absicht unterscheiden.
Ein Schritt weiter: Dieser Unterschied ist
auch offen ein Kosten die Abwehr
Verdrängung vollzieht sich zwischen Ich und
Es. Nichts dergleichen bei den Ent-
fremdungen aber da das Ergebnis3v
S.
4
der Entfremdungsvorgangs stets ein Unglaube
ist ein Zweifel an der Realität, so liegt es
nahe ihn vorhin zu bezeichnen als einen um
das Stück der Realitätsprüfung handelt
also in das Ich selbst das vieler Natur
sozial umschließt doch noch soviel andere Bekannte
Vorgänge und Funktionen umschließt.
Also die Entfremdungsnormen sind Abwehr-
vorgänge innerhalb des Ich in dem sich
ein Teil des Ich gegen einen anderen
Teil setzt und ihm etwas verweigert.
Das Ergebnis ist daß entweder ein Stück
des Ich fremdartig erscheint – dem anderen
oder daß ein Stück der objektiven
Außenwelt als unüral gehalten wird.
Man soll dieses Dilemma aber nicht in
seiner Bedeutung überschätzen die Fälle
unterscheiden sich nach durch eine Pro-
jektion jener Auffassungen uns
aus einer unserer Wahrnehmungen
ergebenen uns an jene Stücke von ihr
überhaupt nicht nur an jenen
Zweifeln nicht an der jenen Wahrnehm-
ungen ungerade Ich war die ganz Außen-
welt repräsentiert ist. Der Zwiespalt
ist also immer im Ich Es fragt sich dann
was die beiden Teile des Ich einander
verweigern.
Unter alten Vorzügen, die die Psycho-
analyse für jene Theorie hat eine starke
Aufbau ist eines ganz besonderes flaches und
unfehlbarer wie sie Beziehung auf den
Sachverhalt und nach den Wegen geforscht
ist. So lautet die Antwort hier befriedigend
ein vollständiges Wirken ein Bedürfnisse
für eine Erfüllung unter Gedankenregungen für-
wahrhaft Psychopathische! Sonst würde
Sie friedlich fortgesetzt als hätte die Ana-
lyse niemals angerührt die einzelnen
Vorgänge Elemente derer realer Er-
scheinungen Zusammenhang gelöst
bewirkt aus dem Zusammenhang zu kündbar
sein durch die gleichzeitige angeordnete
Verschiebung an die psychische Bahn
an besondere Stellen zu verteilen können
festzulegen oder so es gewollt hätte! Den AusspruchS.
8 fernerer Übersicht daß im Seelenleben genauer
gefragt in ununterbrochene psychische unaufgezehrt und
unaufhaltsam ein Vorgang der Synthese am
Werk ist so daß ein Element kaum aus
seinem bisherigen Zusammenhang gelöst
als bald von einem anderen ergriffen wird
und in ihm seine Einreihung findet. Von
dieser synthetischen Funktion des Ich wissen
wir freilich lange nicht genug aber wir
haben nie ihre Bedeutung unterschätzt.
Sie mag wie alle anderen Leistungen
unsere ihre Bedingungen und ihre Schwie-
rigkeiten haben. Phänomene wie die Ent-
fremdungen werden wahrscheinlich dazu
versetzt diese zu studieren. Im folgenden
werde ich versuchen eine Reihe Vorstellungen
anzugeben die wir an ein solches Studium
knüpfen mögen.
a) Ein solches Prozeß der Synthese geht nur in
dem Teil des Bereich des Ich vor über das Ich
verfügt. Wir haben von ihm eine nur un-
bestimmte Empfindung doch da wir unsere
Aufmerksamkeit an eine Einheit des Ich gebunden.
Störungen des selben machen sich weich weit-
läufigure fühlbar. Ja es gibt in diesen Pro-
zeß ist nicht ja das fehlen derselben.
Statt einer der in wesentlicher Unter-
schied der beiden statistischen Formationen
hat. Nur dies haben gemeinsam es daß
sind Elemente die unabhängig von ein-
ander bestehen und entwickeln ihren In-
halt weiter streben.
b) Diese synthetische Funktion wird be-
hindert von einer überall im Ich existit-
ierenden nach unserer Terminologie be-
zeichneten Libido jener an den Ichbe-
setzungen Libido die eine Tendenz
Herstellung immer größerer Einheiten
in Leben oder Wirksamkeit zeigt.
Es bietet keine Schwierigkeit diese
Libido aus dem Vorrat der narzisst-
ischen Narzissmus hervorgehen zu lassen.
c) Auf welche Weise diese Libido den
Teilen bewirkt eines der
interessantesten Probleme unserer
metapsychologischen Spekulation die4v
S.
derzeit leider nur auf unbestimmte Annäher-
ungen beschränkt ist und in Wahrheit
5 nicht viel über die theoretische Vorstel-
lungen hinausreicht die vor 20 Jahren von
Breuer in seinen "Theoretischen Beiträgen
zu den Studien über Hysterie" dargelegt
wurden.Wahrscheinlich herrscht es auch
den Weg einer Überbesetzung die
die ursprüngliche aus dem Es über-
nommene Energiebesetzung (Ladung) über-
lagert und sie damit als sein Eigentum
höher zu Steuern oder zu Sichern hat. Für
diese art von Verwirklichung fehlt
es uns an den geeigneten Begriffen.
Physikalische Parallelen so wie Über-
setzung, Parallelisierungen sind aber gangbare
Ersetzung welche sie im Ich und Ver-
schwendung des Bereich und ja den Vor-
stellungen geschilderten in den
Vorgängen Eigenvorgänge sich allein zulässig
Sekundärvorgang untermauert.
III -
Wenn es Störungen und Verweigerungen
der synthetischen Funktion gibt, so gehören
die Entfremdungserscheinungen zu ihnen.
Aber es gibt offenbar viele solche Störung-
en u. so fragt sich welche nur die besondere
Bedingungen der Krankheitsphänomene
ist allgemeinste Überlegung so machen,
daß das Ich von zwei Seiten her seine
Elemente zur Aufnahme in die Synthese
erhält von der Welt der Wahrnehmungen
und von der Innenwelt unter Mitwirkung
als auch des Ich. Einer der es so sagen
konnte mit Fortweit also ein Seite der
Instinkte in das Ich gegen Seite der
Abwehrleistungen der Unterwerfung.
Realität oh der Man darf in diesem Moment ein wenig
inne verhalten wenn man exakt wie wenig Fälle
das zu unterscheidende Verhaltensweise
aus sein mag für wunderbare
Möglichkeit: Das berühmte Klagelied
der spanischen Romanze "Ay de mi
Alhama" erzählt wie der König Boabdil
die Nachricht vom Fall seiner Stadt
Alhama aufnimmt. Er weiß daßS.
10 dieser Verlust das Ende seiner Herrschaft be-
deutet. "Cartas le fueron venidas,
de que Alhama era ganada,
las cartas echo en el fuego,
y al mensagero mataba."5v
das Vorgehen des Maurerkönigs richtet
sich an gewisse moralisch Verhaltens die
eins u nliebsames Geschehen ungeschehen
machen wollen. Er verleugnet die Realität
die Tatsache nicht daß Alhama gefallen
ist aber er demonstriert gegen sie indem
er die Briefe verbrennt und den Boten
töten läßt die Schiffe Maßnahmen dieser
Reaktion ist rot wie kaufe einfach
daß daß er von der Einsicht in die
Ohnmacht verdrängt, in der er seinen
Feind Macht bestätigen will. Eine derer
weil abwehrender Fall ist die der
negativen Haltung welche immer
es zustande bringt die unerwünschte
Wahrnehmung überhaupt vom Bewußt-
sein abzuhalten. Und dazwischen
liegen ungezählte andere Methoden,
denen dies dieselbe Absicht Realität wegzu-
setzen.
Kehren wir zur Beobachtung zurück von
der wir ausgegangen zur Äußerung des
Unglaubens auf der Akropolis hin.
Ich habe nun ich kann kaum geneigt-
heit und gerade dieser Verspruch hält die
Einschränkung der pathologischen wer-
zufälligen ein wichtigeres Hilfe der
Ursache der Störung ausgeht. Am Ende
wird ja auch eine falsche Behauptung über
die Vergangenheit aufgestellt. Ich habe
damals in den Gymnasialjahren an
der realen Existenz von Athen gezwei-
felt. Es ist nicht wahr ich habe damals
daran gezweifelt daß ich ja Athen selbst
werde sehen können. Soweit zu reichen
erschien mir als außerhalb jeder Mög-
lichkeit das hing mit der Enge und
Dürftigkeit unserer Lebensverhältnisse
in meiner Jugend aber jener macht eine
Sehnsucht zu Reisen.
Folge des Wunsches fernen Land
zu entkommen, dringend dem Drang,S.
11 6
der soviel halbwüchsige Kinder dazu antreibt,
vom Hause durchzugehen. Es war mir längst
klar geworden, daß ein großes Stück
der Lust am Reisen in der Erfüllung
dieser frühen Wünsche besteht, also auch in
der Unzufriedenheit mit Haus und Familie
wurzelte. Wenn man zuerst das Meer
sieht, den Ozean überquert, Städte und
Länder als Wirklichkeiten erlebt, die so
lange ferne, unerreichbare Wunschdinge
waren, so fühlt man sich als hätte man
große Thaten vollbracht, wie man sich
nicht zugetraut hätte. Ich hätte damals in
Athen meinen Bruder fragen können:
Erinnerst du dich noch, wie oft wir in
unserer Jugend Tag für Tag denselben
Weg gegangen sind, vom Haus in der
und in der Straße zum Gymnasium und
am Sonntag höchstens in den Prater,
und jetzt stehen wir auf der Akro-
polis! Wir haben es doch weit gebracht.
Und wenn man so Kleines mit Größerem
vergleichen darf, hat nicht der erste Napoleon
während der Krönung in Notre Dame
sich umgewendet und zu einem seiner
Brüder (gewiß war es der älteste Josef!)
bemerkt: Was würde Monsieur notre
père dazu sagen, wenn er jetzt dabei
sein könnte? Gewiß, an der Befriedig-
ung, es so weit gebracht zu haben, ist etwas
unrechtes dabei, woran sich ein Schuldgefühl
knüpfen kann. Etwas, was mit der
Kritik am Vater, mit seiner Geringschätz-
ung zu thun hat, als ob das Wesent-
liche am Erfolg wäre, es weiter zu bringen
als der Vater, und als ob es noch immer
unerlaubt wäre, den Vater zu über-
treffen.
Zu dieser allgemeinen giltigen Motivirung
gesellen sich in meinem Falle noch
jene besonderen Momente. Erstens, daß das
Thema Athen und die Akropolis schon an
und für sich einen Hinweis auf denVater
und den Söhnen Unterschied zwischen dem
enthielt. Denn er war Kaufmann ohne
Gymnasialbildung. Zweitens, daß in
meinem Leben eine frühe Reise
eine große Rolle spielt und einen
nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben
muss.S.
12
6v
Ich war drei Jahre alt, als wir von unserem
kleinen Wohnort in Mähren mit der
Eisenbahn nach Leipzig reisten, um dort eine
neue Existenz zu beginnen, die lange
nicht so schön war wie die frühere, und
mit dieser Übersiedlung nahm alles
seinen Anfang, was das Kind dazu
brachte, an der Größe des Vaters zu
zweifeln. Diese Dinge der Vergangenheit,
so weit entrückt, halb vergessen und
dem Verdrängten so benachbart, besaßen
wohl die Eignung, den Ausdruck der
Empfindung in jenem Moment auf der
Akropolis zu stören.Sigm. Freud
You are here
Unglaube auf der Akropolis
1936-071/1936.02
1936-071/1936.02