Über Psychoanalyse1910-001/1924
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    Meine Damen und Herren! Mit der Aufdeckung der infantilen
    Sexualität und der Zurückführung der neurotischen Symptome
    auf erotische Triebkomponenten sind wir zu einigen unerwarteten
    Formeln über das Wesen und die Tendenzen der neurotischen
    Erkrankungen gelangt. Wir sehen, daß die Menschen erkranken,
    wenn ihnen infolge äußerer Hindernisse oder inneren Mangels
    an Anpassung die Befriedigung ihrer erotischen Bedürfnisse in
    der Realität versagt ist. Wir sehen, daß sie sich dann in die
    Krankheit flüchten, um mit ihrer Hilfe eine Ersatzbefrie-
    digung für das Versagte zu finden. Wir erkennen, daß die krank-
    haften Symptome ein Stück der Sexualbetätigung der Person oder
    deren ganzes Sexualleben enthalten, und finden in der Fern-
    haltung von der Realität die Haupttendenz, aber auch den Haupt-
    schaden des Krankseins. Wir ahnen, daß der Widerstand unserer
    Kranken gegen die Herstellung kein einfacher, sondern aus mehreren
    Motiven zusammengesetzt ist. Es sträubt sich nicht nur das Ich
    des Kranken dagegen, die Verdrängungen aufzugeben, durch welche
    es sich aus den ursprünglichen Anlagen herausgehoben hat, sondern
    auch die Sexualtriebe mögen nicht auf ihre Ersatzbefriedigung
    verzichten, solange es unsicher ist, ob ihnen die Realität etwas
    Besseres bieten wird.

    Die Flucht aus der unbefriedigenden Wirklichkeit in das, was
    wir wegen seiner biologischen Schädlichkeit Krankheit nennen,
    was aber niemals ohne einen unmittelbaren Lustgewinn für den

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    Kranken ist, vollzieht sich auf dem Wege der Rückbildung
    (Regression), der Rückkehr zu früheren Phasen des Sexual-
    lebens, denen seinerzeit die Befriedigung nicht abgegangen ist.
    Diese Regression ist anscheinend eine zweifache, eine zeitliche,
    insofern die Libido, das erotische Bedürfnis, auf zeitlich frühere
    Entwicklungsstufen zurückgreift, und eine formale, indem zur
    Äußerung dieses Bedürfnisses die ursprünglichen und primitiven
    psychischen Ausdrucksmittel verwendet werden. Beide Arten der
    Regression zielen aber auf die Kindheit und treffen zusammen in
    der Herstellung eines infantilen Zustandes des Sexuallebens.

    Je tiefer Sie in die Pathogenese der nervösen Erkrankung ein-
    dringen, desto mehr wird sich Ihnen der Zusammenhang der
    Neurosen mit anderen Produktionen des menschlichen Seelen-
    lebens, auch mit den wertvollsten derselben, enthüllen. Sie werden
    daran gemahnt, daß wir Menschen mit den hohen Ansprüchen
    unserer Kultur und unter dem Drucke unserer inneren Ver-
    drängungen die Wirklichkeit ganz allgemein unbefriedigend finden
    und darum ein Phantasieleben unterhalten, in welchem wir durch
    Produktionen von Wunscherfüllungen die Mängel der Realität
    auszugleichen lieben. In diesen Phantasien ist sehr vieles von dem
    eigentlichen konstitutionellen Wesen der Persönlichkeit und auch
    von ihren für die Wirklichkeit verdrängten Regungen enthalten.
    Der energische und erfolgreiche Mensch ist der, dem es gelingt,
    durch Arbeit seine Wunschphantasien in Realität umzusetzen. Wo
    dies nicht gelingt infolge der Widerstände der Außenwelt und
    der Schwäche des Individuums, da tritt die Abwendung von der
    Realität ein, das Individuum zieht sich in seine befriedigendere
    Phantasiewelt zurück, deren Inhalt es im Falle der Erkrankung
    in Symptome umsetzt. Unter gewissen günstigen Bedingungen
    bleibt es ihm noch möglich, von diesen Phantasien aus einen
    anderen Weg in die Realität zu finden, anstatt sich ihr durch
    Regression ins Infantile dauernd zu entfremden. Wenn die mit
    der Realität verfeindete Person im Besitze der uns psychologisch

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    noch rätselhaften künstlerischen Begabung ist, kann sie
    ihre Phantasien anstatt in Symptome in künstlerische Schöpfungen
    umsetzen, so dem Schicksal der Neurose entgehen und die
    Beziehung zur Realität auf diesem Umwege wiedergewinnen.1) Wo
    bei bestehender Auflehnung gegen die reale Welt diese kostbare
    Begabung fehlt oder unzulänglich ist, da wird es wohl unver-
    meidlich, daß die Libido, der Herkunft der Phantasien folgend,
    auf dem Wege der Regression zur Wiederbelebung der infantilen
    Wünsche und somit zur Neurose gelangt. Die Neurose vertritt
    in unserer Zeit das Kloster, in welches sich alle die Personen
    zurückziehen pflegten, die das Leben enttäuscht hatte, oder die
    sich für das Leben zu schwach fühlten.

    Lassen Sie mich an dieser Stelle das Hauptergebnis einfügen,
    zu welchem wir durch die psychoanalytische Untersuchung der
    Nervösen gelangt sind, daß die Neurosen keinen ihnen eigen-
    tümlichen psychischen Inhalt haben, der nicht auch beim Gesunden
    zu finden wäre, oder wie C. G. Jung es ausgedrückt hat, daß
    sie an denselben Komplexen erkranken, mit denen auch wir
    Gesunde kämpfen. Es hängt von quantitativen Verhältnissen, von
    den Relationen der miteinander ringenden Kräfte ab, ob der
    Kampf zur Gesundheit, zur Neurose oder zur kompensierenden
    Überleistung führt.

    Meine Damen und Herren! Ich habe Ihnen die wichtigste
    Erfahrung noch vorenthalten, welche unsere Annahme von den
    sexuellen Triebkräften der Neurose bestätigt. Jedesmal wenn wir
    einen Nervösen psychoanalytisch behandeln, tritt bei ihm das
    befremdende Phänomen der sogenannten Übertragung auf,
    das heißt er wendet dem Arzte ein Ausmaß von zärtlichen, oft
    genug mit Feindseligkeit vermengten Regungen zu, welches in
    keiner realen Beziehung begründet ist und nach allen Einzel-
    heiten seines Auftretens von den alten und unbewußt gewordenen
    Phantasiewünschen des Kranken abgeleitet werden muß. Jenes


    1) Vgl. O. Rank, Der Künstler. Wien 1907, 2. Aufl. 1918.

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    Stück seines Gefühlslebens, das er sich nicht mehr in die
    Erinnerung zurückrufen kann, erlebt der Kranke also in seinem
    Verhältnisse zum Arzt wieder, und erst durch solches Wieder-
    erleben in der „Übertragung“ wird er von der Existenz wie
    von der Macht dieser unbewußten sexuellen Regungen überzeugt.
    Die Symptome, welche, um ein Gleichnis aus der Chemie zu
    gebrauchen, die Niederschläge von früheren Liebeserlebnissen (im
    weitesten Sinne) sind, können auch nur in der erhöhten Temperatur
    des Übertragungserlebnisses gelöst und in andere psychische
    Produkte übergeführt werden. Der Arzt spielt bei dieser Reaktion
    nach einem vortrefflichen Worte von S. Ferenczi1) die Rolle
    eines katalytischen Ferments, das die bei dem Prozesse
    frei werdenden Affekte zeitweilig an sich reißt. Das Studium der
    Übertragung kann Ihnen auch den Schlüssel zum Verständnis der
    hypnotischen Suggestion geben, deren wir uns anfänglich als
    technisches Mittel zur Erforschung des Unbewußten bei unseren
    Kranken bedient hatten. Die Hypnose erwies sich damals als eine
    therapeutische Hilfe, aber als ein Hindernis der wissenschaftlichen
    Erkenntnis des Sachverhaltes, indem sie die psychischen Wider-
    stände aus einem gewissen Gebiete wegräumte, um sie an den
    Grenzen desselben zu einem unübersteigbaren Wall aufzutürmen.
    Glauben Sie übrigens nicht, daß das Phänomen der Übertragung,
    über das ich Ihnen leider hier nur zu wenig sagen kann, durch
    die psychoanalytische Beeinflussung geschaffen wird. Die Über-
    tragung stellt sich in allen menschlichen Beziehungen ebenso wie
    im Verhältnis des Kranken zum Arzte spontan her, sie ist überall
    der eigentliche Träger der therapeutischen Beeinflussung, und sie
    wirkt um so stärker, je weniger man ihr Vorhandensein ahnt.
    Die Psychoanalyse schafft sie also nicht, sie deckt sie bloß dem
    Bewußtsein auf, und bemächtigt sich ihrer, um die psychischen
    Vorgänge nach dem erwünschten Ziele zu lenken. Ich kann

    1) S. Ferenczi, Introjektion und Übertragung. Jahrbuch für psychoanalytische
    und psychopathologische Forschungen, I. Band, 2. Hälfte, 1909.

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    aber das Thema der Übertragung nicht verlassen ohne hervor-
    zuheben, daß dieses Phänomen nicht nur für die Überzeugung
    des Kranken, sondern auch für die des Arztes entscheidend in
    Betracht kommt. Ich weiß, daß alle meine Anhänger erst durch
    ihre Erfahrungen mit der Übertragung von der Richtigkeit meiner
    Behauptungen über die Pathogenese der Neurosen überzeugt
    worden sind, und kann sehr wohl begreifen, daß man eine solche
    Sicherheit des Urteils nicht gewinnt, solange man selbst keine
    Psychoanalysen gemacht, also nicht selbst die Wirkungen der
    Übertragung beobachtet hat.

    Meine Damen und Herren! Ich meine, es sind von der Seite
    des Intellekts besonders zwei Hindernisse gegen die Anerkennung
    der psychoanalytischen Gedankengänge zu würdigen: erstens die
    Ungewohntheit, mit der strengen und ausnahmslos geltenden
    Determinierung des seelischen Lebens zu rechnen, und zweitens
    die Unkenntnis der Eigentümlichkeiten, durch welche sich unbe-
    wußte seelische Vorgänge von den uns vertrauten bewußten
    unterscheiden. Einer der verbreitetsten Widerstände gegen die
    psychoanalytische Arbeit – bei Kranken wie bei Gesunden –
    führt sich auf das letztere der beiden Momente zurück. Man
    fürchtet, durch die Psychoanalyse zu schaden, man hat Angst
    davor, die verdrängten sexuellen Triebe ins Bewußtsein des
    Kranken zu rufen, als ob damit die Gefahr verbunden wäre, daß
    sie dann die höheren ethischen Strebungen bei ihm überwältigen
    könnten. Man merkt, daß der Kranke wunde Stellen in seinem
    Seelenleben hat, aber man scheut sich dieselben zu berühren,
    damit sein Leiden nicht noch gesteigert werde. Wir können diese
    Analogie annehmen. Es ist freilich schonender, kranke Stellen
    nicht zu berühren, wenn man dadurch nichts anderes als Schmerz
    zu bereiten weiß. Aber der Chirurg läßt sich bekanntlich von
    der Untersuchung und Hantierung am Krankheitsherd nicht
    abhalten, wenn er einen Eingriff beabsichtigt, welcher dauernde
    Heilung bringen soll. Niemand denkt mehr daran, ihm die un-
     

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    Fünfte Vorlesung


    vermeidlichen Beschwerden der Untersuchung oder die Reaktions-
    erscheinungen der Operation zur Last zu legen, wenn diese nur
    ihre Absicht erreicht, und der Kranke durch die zeitweilige Ver-
    schlimmerung seines Zustandes eine endgültige Hebung desselben
    erwirbt. Ähnlich liegen die Verhältnisse für die Psychoanalyse;
    sie darf dieselben Ansprüche erheben wie die Chirurgie; der
    Zuwachs an Beschwerden, den sie dem Kranken während der
    Behandlung zumutet, ist bei guter Technik ungleich geringer,
    als was der Chirurg ihm auferlegt, und überhaupt gegen die
    Schwere des Grundleidens zu vernachlässigen. Der gefürchtete
    Endausgang aber einer Zerstörung des kulturellen Charakters
    durch die von der Verdrängung befreiten Triebe ist ganz un-
    möglich, denn diese Ängstlichkeit zieht nicht in Betracht, was
    uns unsere Erfahrungen mit Sicherheit gelehrt haben, daß die
    seelische und somatische Macht einer Wunschregung, wenn deren
    Verdrängung einmal mißlungen ist, ungleich stärker ausfällt, wenn
    sie unbewußt, als wenn sie bewußt ist, so daß sie durch das
    Bewußtmachen nur geschwächt werden kann. Der unbewußte
    Wunsch ist nicht zu beeinflussen, von allen Gegenstrebungen
    unabhängig, während der bewußte durch alles gleichfalls Bewußte
    und ihm Widerstrebende gehemmt wird. Die psychoanalytische
    Arbeit stellt sich also als ein besserer Ersatz für die erfolglose
    Verdrängung geradezu in den Dienst der höchsten und wert-
    vollsten kulturellen Strebungen.

    Welche sind überhaupt die Schicksale der durch die Psycho-
    analyse freigelegten unbewußten Wünsche, auf welchen Wegen
    verstehen wir es, sie für das Leben des Individuums unschädlich
    zu machen? Dieser Wege sind mehrere. Am häufigsten ist der
    Erfolg, daß dieselben schon während der Arbeit durch die
    korrekte seelische Tätigkeit der ihnen entgegenstehenden besseren
    Regungen aufgezehrt werden. Die Verdrängung wird durch
    eine mit den besten Mitteln durchgeführte Verurteilung
    ersetzt. Dies ist möglich, weil wir zum großen Teil nur Folgen

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    aus früheren Entwicklungsstadien des Ichs zu beseitigen haben.
    Das Individuum brachte seinerzeit nur eine Verdrängung des
    unbrauchbaren Triebes zustande, weil es damals selbst noch
    unvollkommen organisiert und schwächlich war; in seiner
    heutigen Reife und Stärke kann es vielleicht das ihm Feindliche
    tadellos beherrschen. Ein zweiter Ausgang der psychoanalytischen
    Arbeit ist der, daß die aufgedeckten unbewußten Triebe nun
    jener zweckmäßigen Verwendung zugeführt werden können, die
    sie bei ungestörter Entwicklung schon früher hätten finden
    sollen. Die Ausrottung der infantilen Wunschregungen ist nämlich
    keineswegs das ideale Ziel der Entwicklung. Der Neurotiker hat
    durch seine Verdrängungen viele Quellen seelischer Energie ein-
    gebüßt, deren Zuflüsse für seine Charakterbildung und Betätigung
    im Leben sehr wertvoll gewesen wären. Wir kennen einen weit
    zweckmäßigeren Vorgang der Entwicklung, die sogenannte
    Sublimierung, durch welchen die Energie infantiler Wunsch-
    regungen nicht abgesperrt wird, sondern verwertbar bleibt, indem
    den einzelnen Regungen statt des unbrauchbaren ein höheres,
    eventuell nicht mehr sexuelles Ziel gesetzt wird. Gerade die
    Komponenten des Sexualtriebes sind durch solche Fähigkeit zur
    Sublimierung, zur Vertauschung ihres Sexualzieles mit einem
    entlegeneren und sozial wertvolleren, besonders ausgezeichnet. Den
    auf solche Weise gewonnenen Energiebeiträgen zu unseren seelischen
    Leistungen verdanken wir wahrscheinlich die höchsten kulturellen
    Erfolge. Eine frühzeitig vorgefallene Verdrängung schließt die
    Sublimierung des verdrängten Triebes aus; nach Aufhebung der
    Verdrängung ist der Weg zur Sublimierung wieder frei.

    Wir dürfen es nicht versäumen, auch den dritten der mög-
    lichen Ausgänge der psychoanalytischen Arbeit ins Auge zu fassen.
    Ein gewisser Anteil der verdrängten libidinösen Regungen hat
    ein Anrecht auf direkte Befriedigung und soll sie im Leben
    finden. Unsere Kulturansprüche machen für die meisten der
    menschlichen Organisationen das Leben zu schwer, fördern dadurch

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    die Abwendung von der Realität und die Entstehung der Neu-
    rosen, ohne einen Überschuß von kulturellem Gewinn durch
    dies Übermaß von Sexualverdrängung zu erzielen. Wir sollten
    uns nicht so weit überheben, daß wir das ursprünglich Anima-
    lische unserer Natur völlig vernachlässigen, dürfen auch nicht
    daran vergessen, daß die Glücksbefriedigung des einzelnen nicht
    aus den Zielen unserer Kultur gestrichen werden kann. Die
    Plastizität der Sexualkomponenten, die sich in ihrer Fähigkeit zur
    Sublimierung kundgibt, mag ja eine große Versuchung herstellen,
    durch deren immer weiter gehende Sublimierung größere Kultur-
    effekte zu erzielen. Aber so wenig wir darauf rechnen, bei unseren
    Maschinen mehr als einen gewissen Bruchteil der aufgewendeten
    Wärme in nutzbare mechanische Arbeit zu verwandeln, so wenig
    sollten wir es anstreben, den Sexualtrieb in seinem ganzen
    Energieausmaß seinen eigentlichen Zwecken zu entfremden. Es
    kann nicht gelingen, und wenn die Einschränkung der Sexualität
    zu weit getrieben werden soll, muß es alle Schädigungen eines
    Raubbaues mit sich bringen.

    Ich weiß nicht, ob Sie nicht Ihrerseits die Mahnung, mit
    welcher ich schließe, als eine Überhebung auffassen werden. Ich
    getraue mich nur der indirekten Darstellung meiner Überzeugung,
    indem ich Ihnen einen alten Schwank erzähle, von dem Sie die
    Nutzanwendung machen sollen. Die deutsche Literatur kennt ein
    Städtchen Schilda, dessen Einwohnern alle möglichen klugen
    Streiche nachgesagt werden. Die Schildbürger, so wird erzählt,
    besaßen auch ein Pferd, mit dessen Kraftleistungen sie sehr
    zufrieden waren, an dem sie nur eines auszusetzen hatten, daß
    es soviel teuern Hafer verzehrte. Sie beschlossen, ihm diese Unart
    schonend abzugewöhnen, indem sie seine Ration täglich um
    mehrere Halme verringerten, bis sie es an die völlige Enthalt-
    samkeit gewöhnt hätten. Es ging eine Weile vortrefflich, das
    Pferd war bis auf einen Halm im Tag entwöhnt, am nächsten
    Tage sollte es endlich haferfrei arbeiten. Am Morgen dieses Tages

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    wurde das tückische Tier tot aufgefunden; die Bürger von Schilda
    konnten sich nicht erklären, woran es gestorben war.

    Wir werden geneigt sein zu glauben, das Pferd sei verhungert,
    und ohne eine gewisse Ration Hafer sei von einem Tier über-
    haupt keine Arbeitsleistung zu erwarten.

    Ich danke Ihnen für die Berufung und für die Aufmerk-
    samkeit, die Sie mir geschenkt haben.