[Vortrag] Émile Zola 1902-412/1903

N. N. (1902-412/1903): [Vortrag] Émile Zola

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    Editorische Anmerkung 
    Im Vierteljahrs-Bericht für die Mitglieder der österr. israel. Humanitätsvereine „B’nai B’rith”, 5, 1903, 3-4 (März) finden sich Mitteliungen zu zwei Vorträgen von Sigmund Freud.

    Freud, Sigmund (1902-411/1903): [Einleitung der Diskussion] Ueber die Stellung der Frau zu unserer Vereinigung. In: N. N. (1903): Vierteljahrs-Bericht für die Mitglieder der österr. israel. Humanitätsvereine „B’nai B’rith”, 5, 1903, 3-4 (März):104

    Freud, Sigmund (1902-411/1903): [Bericht über Vortrag zu: Emile Zola]. In: N. N. (1903): Vierteljahrs-Bericht für die Mitglieder der österr. israel. Humanitätsvereine „B’nai B’rith”, 5, 1903, 3-4 (März):104.

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    […]

    „WIEN“ B. B.

    Mit dem abgelaufenen Jahre haben wir den zehnten Termin
    unserer Tätigkeit vollendet.

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    In Anbetracht der Aufgaben, die unser harrten und harren,
    ist uns der uns zu Gebote gestandene Zeitraum ein viel zu kurzer,
    als dass wir ein abgeschlossenes Bild über unsere Leistungen
    bringen könnten.

    An sich schon wäre es ein hinlänglicher Beweis für den
    Ernst, mit dem wir an die Erfüllung der bei der Gründung
    unserer Vereinigung übernommenen Pflichten getreten sind, wenn
    wir nichts anderes getan hätten, als das zu erreichende Ziel
    fest ins Auge zu fassen und die Mittel zu beraten, welche zur
    Befruchtung des zum Anbaue übernommenen Arbeitsfeldes
    führen sollen.

    Allein wir sind weiter gegangen. Die Zeiten, wo in den
    eifrig geführten Diskussionen der unbezähmbare Tatendurst der
    einzelnen Brüder die Debatten ausfüllte, sind geschwunden und
    wir dürfen es wohl ohne Ueberhebung sagen, an die Stelle des
    Wortes ist die Tat getreten.

    Die Gründung und Erhaltung des Vereines für unentgelt-
    lichen Arbeitsnachweis hat einem wirklichen Bedürfnisse Rechnung
    getragen und wir können nicht oft und laut genug unseren
    Brüdern, die sich um die Organisation und Weiterentwicklung
    dieser Institution so sehr und erfolgreich bemüht haben, unseren
    innigsten Dank aussprechen.

    Nicht vergessen dürfen wir bei deren Erwähnung des uns
    leider so bald und so jäh entrissenen Br. Sigmund Rosenfeld.

    Die Mitarbeiterschaft bei der Gründung des galizischen
    Hilfsvereines und bei der Organisierung der Ortsgruppen in
    Wien stellte gleichfalls namhafte Anforderungen an den Pflicht-
    eifer und die Arbeitsfreudigkeit einer grossen Anzahl von Brüdern.

    Der gute Ruf, den unsere stille und geräuschlose Arbeit
    uns in den jüdischen Kreisen der Residenz erworben, bringt es
    mit sich, dass eine grössere Anzahl humanitärer Vereine ihre Unter-
    nehmungen am liebsten uns ganz in Entreprise geben möchte.

    Wenn wir diese für uns so schmeichelhafte Belastung auch
    nicht zur Gänze übernehmen wollen und können, so haben wir uns
    doch stets bereit gefunden, dort mit tätig zu sein, wo es not
    tut und wo unsere Mitarbeiterschaft voraussichtlich von Erfolg
    begleitet sein wird.

    Wir sind in dem Vorstande des Vereines zur Verpflegung
    Brustleidender auf dem Lande, des Vereines Kinderschutz, des
    Vereines Kinderheim, in der Toynbeehalle vertreten. Unsere
    Brüder arbeiten daselbst mit gewohntem Pflichteifer; die Be-
    strebungen anderer humanitärer Vereine, in denen wir aus Rück-
    sichten der örtlichen Entfernung oder aus anderen Gründen nicht
    aktiv tätig sein können, unterstützen wir materiell. 

    Allein wir dürfen es hiebei nicht bewenden lassen. Wollen
    wir den guten Ruf bewahren, den wir uns in verhältnismässig
    kurzer Frist erworben, wollen wir weiters ein leuchtendes Beispiel
    dafür sein, wie auf humanitärem Gebiete gearbeitet werden muss,

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    dann müssen wir auch fernerhin tatkräftig eingreifen, wo es gilt,
    eine Lücke in den Institutionen humanitären Charakters auszu-
    füllen, wo es gilt, unseren Wahrspruch in die Tat umzusetzen.

    Anlangend die innere Tätigkeit unserer Vereinigung im
    Jahre 1902 teilen wir mit, dass die Mitgliederzahl von 188 auf
    200 gestiegen ist: die 17 Vollsitzungen im abgelaufenen Jahre
    waren im Durchschnitt von 95 Brüdern besucht.

    An bemerkenswerten Vorträgen wurden gehalten:
          Dr. Max Grunwald: Sudermann’s „Johannes“
          Dr. Josef Jerusalem: Häckel’s „Welträtsel“
          Dr. W. Knöpfmacher: „Die Ethik des Judentums“ von
                Prof. Dr. M. Lazarus


          Dr. Freud: Einleitung der Diskussion „Ueber die Stellung
                der Frau zu unserer Vereinigung“

          Kais. Rat Schwarz: Handelspolitische Revue
          Prof. Ehrmann: Berufswahl der Juden
          Prof. Königstein: Religion und Medizin
          Karl Goldmann: Erinnerungen und Eindrücke meiner
                Reise in Egypten und Palästina
          Prof. Ehrmann: „Bibel und Babel“
          Architekt Fleischer: Einiges über die Kunst im
                Mittelalter

          Prof. Freud: Emile Zola.

    Die in Aussicht genommene Gründung einer zweiten
    Vereinigung in Wien wird voraussichtlich im Herbste d. J. zur
    Tat werden und so eine neue Pflanzstätte für die Pflege der
    erhabenen Ziele unseres Bundes geschaffen werden. 
    Für den Termin 1903 wurden durch das Vertrauen der
    Brüder folgende Beamte in die Leitung der Vereinigung gewählt: 
     Zum Präsidenten: Prof. Dr. Leopold Königstein
                „   Vize-Präsidenten: Expr. Dr. Gustav Langstein
                „   prot. Sekretär: Dr. Julius Monath
                „   Finanz-Sekretär: Br. Hermann Lemberger
                „   Schatzmeister: Br. Karl Goldmann. 
    Wir können diesen Bericht nicht besser schliessen, als mit
    dem Wunsche, dass es der „Wien“ auch in Zukunft gelinge,
    das bei ihrer Gründung in sie allerseits gesetzte und bisher
    bewährte Vertrauen zu rechtfertigen.

    […]