• S.

    24. 1. 15
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor

    Ich freue mich von Ihnen gehört zu haben.  Seit einem Monat waren Sie verschollen.  Dass Sie auch Ihren Anteil an der Influenzaepidemie gehabt haben, hatte ich gehört.  Den Preis von 10 K. nannte ich der Patientin nicht, sondern bloss den Preis einer analytischen Stunde bei mir, u auf die Frage, was eine hypnotische Behandlung kosten würde, sagte ich: wie eine andere Ordination.  Natürlich bedarf die Frau einer ΨA, aber sie hat kein Geld dafür.  Lassen Sie sich nicht zu einer Verletzung einer bedeutsamen technischen Regel hinreissen.

    Den Fall von Dr Abel habe ich in einer Woche sondirt u sehr unbrauchbar befunden.  Geld habe ich auch in diesem Falle nicht zu Gesicht bekommen.

    Worauf spielen Sie mit der Bemerkung an, dass Sie keine Antwort aus NY erhalten haben?  Auf das Angebot von Morgan?  Die Kriegsveränderung würde eine partielle Erklärung geben.  Übrigens erinnern Sie sich dann, wie skeptisch ich die Angelegenheit aufgenommen habe, und wie entrüstet Sie

  • S.

    über meine Auffassung waren.

    Es ist jetzt keine Zeit für Wissenschaft und für Erwerb.  Man muss seine Kräfte darauf konzentrieren, sie irgendwie zu überstehen.

    Mein Sohn Martin ist am letzten Mittwoch als Korporal auf der Durchreise nach dem galizischen Kriegsschauplatz hier durchgekommen.

    Ihre liebe Frau wird willkommen sein, wenn sie sich einen Besuch bei uns möglich macht.  Ihren Kindern geht es offenbar gut.

    Mit herzlichem Gruss auf Wiedersehen

    Ihr Freud