-
S.
PROF. DR. FREUD WIEN,
IX. BERGGASSE 196.6.12.
Sehr geehrte Frau Doktor
Nehmen Sie nicht an, dass ich Ihre Mit-
theilungen unterschätze, wenn Sie
hören daß ich dieselben ungelesen
bei Seite gelegt habe. Dieß war im
Gegenteil die Reaktion auf Ihr be-
gleitendes Schreiben, welches mir die Person
des Kollegen noch in anderem Sinne
wichtig gemacht hat. Ich beschloß ihn dann
so korrekt, dh so streng als möglich zu
behandeln, und für diese Absicht ist jede
Information, die nicht vom Kranken
selbst kommt, störend.Es handelt sich also um ganz ernsthafte
Störungen bei ihm, u 5 Wochen sind
leider keine Zeit, eine Änderung
herbeizuführen. Was ich thun kann, ist,
ihn möglichst tief aufzuwülen. Er hat
sich in der ersten Stunde sehr garstig
benom̄en, mir dabei also sehr viel
Verborgenes gezeigt. In der zweiten
war er bereits nett u lässt mich befürchten,
daß er nun seine Widerstände vor
der Entdeckung verbergen wird. Aber -
S.