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S.
22. 6. 14
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Lieber Herr Doktor
Da ich nicht weiss ob ich das Mnsk behalten kann, sende ich es Ihnen unter einem Couvert zurück. Die Arbeit ist nicht nur legitim, sondern auch das Klarste und Beste, was ich von Ihnen kenne. Nur die mit ? bezeichnete Stelle über Ambivalenz entspringt einer Verwirrung. Sie haben auch Recht, dass man den Gegensatz der beiden Prinzipien ebensowol auf anderen Gebieten wie auf dem der Kulturentwicklg verfolgen könnte, and you are free to do so. Bei Besprechg des Einwandes von Bleuler, dass so oft Peinliches im Seelenleben durchdringt, haben Sie sich das starke Argument entgehen lassen, dass dies ja stets durch Misglücken der Verdrängg geschieht, wobei jedes System ja sein Prinzip festhält, das Ubw etwas durchsetzt, was an sich lustvoll wäre, das Bw es weil schädlich zum Unlustvollen macht.
Also im Ganzen sehr gefallen! -
S.
In wenigen Tagen werden Sie den S. Abdruck aus dem Jahrbuch bekommen, von dessen Wirkung ich die Befreiung unseres Vereins von den Schweizern erwarte. Es wird hoffentlich viel Geschrei darüber geben, und es wird sehr schön sein, wenn Sie die Überlegenheit Ihrer Pfister'schen Trivalenz während dieser Diskussionen zurückstellen. Mac Curdy und Brill, die ich für eindeutig halte, haben diese Ihre Eigentümlichkeit wol bemerkt in Briefen, die sonst sehr freundlich von Ihnen sprechen.
Ihre Erfolge u selbst Ihr Ausbleiben freuen mich sehr.
Ihr enthusiastischer Schlusssatz über die Beziehungen zwischen unserer Vaterstadt und mir hat merkwürdiger Weise an die Wiener Operette vergessen.
Ich grüsse Sie herzlich
Ihr Freud