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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX. BERGGASSE 19.4 Dez 1914
Hochgeehrter Herr
Heller hat die 11 Blätter erst heute abholen
lassen, darum schrieb ich Ihnen nicht früher
und wollte selbst kommen, war dann ver-
hindert usw u so verzögerte es sich. Sie
werden die gewünschten Äußerungen nicht
unten vermißen; ich traute mir da
keine Entscheidung zu, kann aber sagen,
daß mir bes. von den Lithographien
die kräftigeren Drucke (rot und schwarz)
besseren Eindruck machten als die matten.Die Unterschriften werde ich Ihnen
gewiß nicht verweigern und den Leonardo
spare ich mir, um nicht ganz hilflos zu
erscheinen, als Revanche für die
fertigen Bilder auf, wenn wie gesagt,
der homosexuelle Grundton der
Schrift (dh der Persönlichkeit L’s) Sie
nicht abstößt.Ob Heller für den Vertrieb der
richtige Mann ist, kann ich schwer beur-
teilen. Er hat selbst in diesem Frühjahr
die Radierungen von Max Pollak
veranlaßt. Übrigens dürfte es bei der
durch den Krieg herbeigeführten Ver-
teilung der Interessen ziemlich gleich-
giltig sein, wer diese Funktion übernimmt. -
S.
Ich wußte nicht, dass Sie meine Schwester
und ihre Kinder kennen würde mich
sehr freuen, wenn unsere Begegnung
dazu den Anlaß gegeben hätte. Ich
halte den sonderbaren „Tom“ für ein
recht braves und begabtes Kind.
Sie schafft so aus dem Vollen harmlos
und absichtslos, aus einer großen
Zärtlichkeit, deren Objekt der kleine
Bruder war.Meiner Frau, die gestern aus Hamburg
zurückgekom̄en ist, konnte ich mit
Ihrem Gruß eine große Freude bereiten.
Die Tage von Karlsbad verschönern
sich in der Erinnerung noch durch
den Kontrast.Mit herzlichem Gruß
Ihr ergebener
Freud