• S.

    HERMANN STRUCK
    BERLIN, BRUECKEN‑ALLEE 33.

    2. XI. 14

    Verehrter Herr Professor, 

    heute werde ich Ihnen 
    eingeschrieben fünf Probedrucke 
    meiner Lithographie und 
    drei der Radierung zur Ansicht. 
    Ich bitte Sie, nur die Drucke 
    nach erfolgter Prüfung mit 
    Ihrer und Ihrer Gattin Kritik 
    und Änderungsvorschlägen zurück-
    senden zu wollen, wofür 
    ich einen Klebezettel beilege. 
    Ein Exemplar der Lithographie 
    habe ich ohne die Kleidung 
    drucken lassen und finde es 
    besser; nur schneidet  unneidetes zu 

  • S.

    plötzlich ab; das müsste mehr 
    verlaufend gemacht werden. 
    Aber ich finde, das ohne die 
    Kleidung das Geistige mehr 
    betont wird, das ich besonders 
    im Auge konzentrierte.

    Die Radierung, von der ich ihnen 
    die 3 ersten Zustandsdrucke 
    sende, ist ein „Vernis‑mon“ 
    Ich brauche Sie nicht darauf 
    hinzuweisen, dass solche Bildnisse 
    nicht die Ansprüche erheben 
    wie eine photographie, sondern 
    den Eindruck geben, den ich 

  • S.

    von Ihnen habe. Sie sind auch 
    nicht für Sie oder Ihre Familie 
    gemacht, sondern für Ihre 
    anderen Verehrer. Trotzdem bitte 
    ich um die Erlaubnis, Ihnen 
    nach Fertigstellung des Steins 
    und der platte von jedem 
    enige gute Abzüge dedizieren. 
    zu dürfen. Die übersanten 
    Drucke sind noch roh und 
    bedürfen mehrfachen Feielens. 

    Der Moses hat mir sehr 
    grosse Freude bereitet und 
    Appetit nach mehr geweckt. 
    Haben Sie nur dies über Kunst 
    geschrieben? Ich lege einige Zeilen

  • S.

    bei und hoffe auf einen 
    günstigen Zufall, der mir 
    wieder einmal einen ¿¿¿ endlichen 
    Gedankenaustausch mit ihnen 
    schenkt.

    Mit herzlichen Grüssen für Sie 
    und Ihre Gattin Ihr in Verehrung erg. 

    Hermann Struck

    Friedmann lässt sich bestens 
    empfehlen. 

    Die Bemkerungen folgen 
    morgen.

    Vernis‑mou] druckgrafische Technik
    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Weichgrundätzung [2026-02-03]
    "Die Weichgrundätzung, auch Vernis mou genannt, ist ein Ätzverfahren des grafischenTiefdrucks.

    Bei der Weichgrundätzung wird ein wachsweicher Säureschutz auf die Druckplatte aufgebracht. In diesen „weichen Grund“ kann man nun strukturierte Gegenstände pressen, deren Oberflächenstruktur den Lack abhebt und zur Ätzung freilegt. Für die Zeichentechnik legt man ein weiches Zeichenpapier auf den Abdecklack und zeichnet das Motiv darauf. Dabei drückt sich der Strich in den weichen Grund. Zieht man dann das Papier ab, so wird an den Druckstellen der Säureschutz von der Platte gehoben, nun wird die Platte mit Salpetersäure (bei Zinkplatten) oder Eisen(III)-chlorid (bei Kupferplatten) geätzt. Das Ergebnis ist ein weicher, malerischer Strich. Sowohl der Charakter des Zeichenstiftes als auch die Körnung des aufgelegten Papiers bleiben im Druck erhalten.

    Der Schweizer Dietrich Meyer soll um 1620 als Erster damit begonnen haben, dem harten Ätzgrund Fett zuzusetzen. Félicien Rops hat diese Technik um 1860 wiederentdeckt und neu belebt. Weichgrundätzungen ermöglichen auch das Abreiben oder das Durchdrücken von Textilstrukturen. Dies wurde beispielsweise von Käthe Kollwitz praktiziert.

    Eine Variante wurde von Wolfgang Autenrieth entwickelt. Wird ein Übertragungspapier mit leicht ablösbarem Abdecklack präpariert, löst sich dieser beim Zeichnen ab und haftet auf der darunter liegenden, mit Aquatinta präparierten Platte. Bei diesem Verfahren verwendete er Matrizen der Hektografie als Abdecklack. Weil dabei wie im fotografischen Negativ die hell verbleibenden Stellen gezeichnet werden, nennt er das Verfahren negative Weichgrundätzung.

    Merkmale einer Weichgrundätzung 
    - Im Unterschied zur Kaltnadel zeigen Abzüge der Druckplatte keinen Gratschatten und keine spitz an- und auslaufende Linien. 
    - Die geätzte Linie ist meist gleich stark und zeigt raue, etwas körnige Ränder. Sie ist klarer und gleichmäßiger als bei der Kaltnadel. -
    Flächige Darstellungen sind nur in Kombination mit einer Aquatinta oder durch Verwendung fein strukturierter Materialien beim Abheben der Abdeckschicht möglich (z. B. durch Auflegen und Überreiben von Stoff oder strukturiertem Papier)."