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14 Nov. 1926
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Dear Dr Burrow
Ich möchte nicht, dass Sie sich von meiner Stellung zu Ihren Neuerungen eine unrichtige Idee machen. Mein endgiltiges Urteil muss ich freilich aufschieben, bis ich einen besseren Einblick in Ihre Technik habe, aber meine Erwartungen sind Ihnen keineswegs günstig. Vorläufig glaube ich nicht, daß sich die Analyse eines Kranken in einer anderen als der Familiensituation, also unter vier Augen, durchführen lässt. Die Massensituation wird entweder sofort einen Führer und von ihm Geführte ergeben, also der Familiensituation ähnlich werden, dabei aber grosse Erschwerungen der Aussprache und unnötige Komplikation von Eifersucht u des Wettbewerbs mit sich bringen, oder sie [wird] die gleichberechtigte "Brüderhorde" realisieren, in der, meine ich, analytische Beeinflussung unmöglich ist.
Ich habe im Allgemeinen den Eindruck, dass Sie sich durch spekulative Analogien zu weit führen lassen u zu Gunsten gewisser Übereinstimmungen die praktisch bedeutsamen Unterschiede vernachlässigen. An Ihrem Versuch, Gesichtspunkte der Relativitätstheorie auf die Psychologie zu übertragen, denke ich mit Misvergnügen. Die Neurosen der Gesellschaft sind denen der Individuen nicht ohne Weiteres gleichzustellen, man vergleicht sie wol besser mit den Charakterverbildungen und Hemmungen der Einzelnen. Ich glaube nicht, dass
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wir Ihnen dankbar sein sollen, dafür dass Sie unsere therapeutische Aufgabe zur Weltverbesserung erweitern wollen.
Das ungelöste Problem, zu dessen Klärung ich Sie arbeiten sehe, ist wol die Umgrenzung der Anforderungen, die an den ausübenden Analytiker zu stellen sind. Es ist offenbar, dass er anders sein muss als andere Leute, und doch kann man von ihm nicht die Erfüllung der am schwersten realisirbaren Ideale verlangen.
In kollegialer Hochachtung
Ihr Freud