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S.
Prof. Dr. Freud
IX., Berggasse 19.16. Dez 07
Verehrter Herr
Verzeihen Sie, wenn ich Sie in Sachen
der „Gradiva“, die mich nicht zur Ruhe
kom̄en läßt, nochmals belästige.
Die Möglichkeit, den Prozeß der dichter-
ischen Produktion an uns bekannte
seelische Vorgänge anzuknüpfen, lockt
mich zu sehr und mag es entschuldigen
wenn ich mich Ihnen ungebeten mit
einer Erkundigung nähere.Anlaß der Wideraufnahme der
Forschung ist aber geworden, daß mich
ein kundiger Freund auf zwei
andere Ihrer Novellen aufmerk-
sam gemacht hat, die Sie unter einem
Titel „Übermächte“ vereinigt haben.
Von diesen weist die erste – Der rote
Schirm – auffällig viele Züge auf, die
auch der Gradiva eigen sind; auch
die andere – Im gotischen Hause – erscheint
durch Vermittlung der ersteren
an die Gradiva geknüpft. -
S.
Meine Frage lautet nämlich: Haben Sie
eine Jugendgespielin – am liebsten ein
jüngeres Schwesterchen – gehabt, das krank
war u früh starb, eventuell eine Ver-
wandte, die Sie zur Schwester wünschten?
Und wenn ja, woran u wann starb sie?
Welches war ihr Gang? War nicht gerade
dieser durch ihr Kranksein beeinträchtigt?Verzeihen Sie; es ist nicht müßige
Neugierde, die mich fragen läßt.Ihr in Verehrung ergebener
Dr Freud