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                                                                                         Annenheim  5 Sept 07
    Prof. Dr. Freud                                                           Wien IX., Berggasse 19

    Sehr geehrter Herr Doktor

    Ihr Schreiben hat mich wiederum in der Einsicht bestärkt, dass gebildete Nicht-Ärzte meine psych. Arbeiten viel besser zu verstehen pflegen als Ärzte.  Es ist bemerkenswert, mit welcher Sicherheit Sie den centralen Grund des Widerspruchs, den ich so oft erfahre, treffen.  Ich muss wirklich immer hören: Aber ebensogut hätte Ihnen doch etwas Anderes einfallen können, und: Zu jeder Idee kann einem ja alles Mögliche einfallen, oder: Auf diese Art kann man ja alles beweisen, was man will.  Die Idee einer strengen Determinirg des Psychischen wird von den Allermeisten überhaupt

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    nicht in Betracht gezogen. -  Gestatten Sie mir darum, dass ich mir den Wortlaut Ihrer Ausführungen aneigne, um dieselben bei Gelegenheit in einem gewissen Zusammenhange zu reproduziren.

    Auf Ihre weiteren, sehr belangreichen Bemerkungen möchte ich nun der Reihe nach, soweit ich es vermag, Antwort geben.

    a) Die sex. Wurzeln Ihrer Träume. -  Ich kann es nicht ziffermässig angeben, wie sich das Verhältniss der sex. Wunscherfüllungen im Tr. zu den andern stellt.  Denn erstens kommt man nicht bei allen Tr. die man analysirt, soweit, dass man entscheiden könnte.  Zweitens lassen sich Tr. die zunächst ganz unverdächtig scheinen, bei tieferem Eindringen doch als sexuell motivirte erkennen.  Ich habe mich im Trbuch über diesen Punkt zurückhaltender geäussert, als ich es eigentlich meine.

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    Wer ehrlich ist, wird sagen müssen, dass es bei seinen eigenen Tr. nicht viel anders zugeht als nach Ihrer Mittheilg bei den Ihrigen.  Zur Erklärung darf man sich wol darauf berufen, dass auf keinem Wunsch-(Trieb-)Gebiet die Abstinenz so vorherrscht u die Verdrängg so mächtig geworden ist.  Ehrgeizige u a. Wünsche finden im Wachdenken gewiss weniger Censur.

    b) Die Umkehrg oder Gegensatzersetzg in Ihren Tr.  Sie beurtheilen dieselbe wol richtig als eine Technik des Versteckens oder Verleugnens.  Sie könnte aber ebensowol das Element "Umgekehrt", "Verkehrt" das eine sex. Bedeutg wol besitzt darstellen, wofür Sie im Trbuch reichlich andere Beispiele fänden.

    Für die Zusendg Ihrer Traumanalysen kann ich Ihnen nur sehr dankbar sein, wiewol eine zweite Auflage des Trbuches derzeit in weiter Ferne steht.

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    Sie sind sich wol bewusst, dass mit solcher Mittheilung ein gutes Stück Selbstdarstellg verbunden ist.

    c) Meine Publikationen, von denen ich in der That meine, dass auch das Fachwissenschaftliche einem Leser wie Ihnen unschwer verständlich sein wird:

    Sammlung kl. Schriften zur Neurosenlehre (1893, 1906)
    Deuticke Wien 1906.

    x Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie       ibid. 1905

    Der Witz u seine Beziehung z. Unbewussten    "   1905

    x Der Wahn u die Träume in W. Jensens "Gradiva"
    H. Heller Wien 1907

    Bruchstück einer Hysterieanalyse
    S Karger Berlin 1905

    Die erste Publikation "Studien über Hysterie" 1895 von J. Breuer u Fr. dürfte Ihnen bekannt worden sein.

    Nehmen Sie die beiden Sternlein nicht übel u lassen Sie mich mit dem Ausdruck der Freude schliessen, einen Gleichstrebenden u Verständnisvollen gefunden zu haben.

    Ihr sehr ergebener
    Dr Freud