• S.

    24. XI. 07
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Geehrter Herr Doktor

    Ich danke für Ihren liebenswürdigen, Ihr Verhältnis zu den Juden erörternden Brief, muss aber ein kleines Missverständniss vorweg beseitigen.  Wie Sie realiter über die Judenfrage denken, musste mir aus einigen scharfen Äusserungen in Ihrem Briefe bekannt sein.  Das schliesst antisemitische Gedanken hinter Ihren Träumen nicht aus, aber es ist ganz ausgeschlossen, dass ich Ihnen aus denselben einen Vorwurf mache.  Ohne genaue Deutung der Träume wäre der Wirklichkeitsgehalt dieser Gedanken ohnediess nicht festzustellen.

    Welches die unleserliche Klammer in meinem Brief war, kann ich leider aus der Erinnerung nicht entscheiden.  War der Inhalt das -tus selbst, oder stand die Klammer bei Trou (Loch)?

  • S.

    Ihr Stil braucht sich nicht zu verbergen, gibt Ihre Eigenart vortrefflich wider u macht die Lektüre zum Vergnügen.

    Die Genese Ihrer Beziehungen zur Traumdeutung war mir sehr interessant.  Herrn Dr Treumann bewahre ich ein freundliches Vorurtheil für den Fall, dass ich doch einmal in der Literatur auf ihn stossen sollte. Ihre Träume werde ich natürlich noch ein zweites Mal u mit mehr Vertiefung vornehmen.  Ich trage noch vom ersten Mal nach, dass Sie sich verhältnismässig häufig bei sexuellen Vorgängen in passiver oder in weiblicher Rolle befinden.

    Ihr in Hochachtung
    ergebenster
    Dr Freud