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    Abschluß ist. Wie immer man sich theoretisch zu dieser Frage stellen mag,
    die Beendigung einer Analyse ist, meine ich, eine Angelegenheit der Praxis.
    Jeder erfahrene Analytiker wird sich an eine Reihe von Fällen erinnern
    können, in denen er rebus bene gestis vom Patienten dauernden Abschied
    genommen hat. Weit weniger entfernt sich die Praxis von der Theorie in
    Fällen der sogenannten Charakteranalyse. Hier wird man nicht leicht ein
    natürliches Ende voraussehen können, auch wenn man sich von übertriebenen
    Erwartungen ferne hält und der Analyse keine extremen Aufgaben stellt.
    Man wird sich nicht zum Ziel setzen, alle menschlichen Eigenarten zugunsten
    einer schematischen Normalität abzuschleifen oder gar zu fordern, daß der
    „gründlich Analysierte“ keine Leidenschaften verspüren und keine inneren
    Konflikte entwickeln dürfe. Die Analyse soll die für die Ichfunktionen gün-
    stigsten psychologischen Bedingungen herstellen; damit wäre ihre Aufgabe
    erledigt.

    VIII.

    In therapeutischen ebenso wie in Charakteranalysen wird man auf die
    Tatsache aufmerksam, daß zwei Themen sich besonders hervortun und dem
    Analytiker ungewöhnlich viel zu schaffen machen. Man kann das Gesetz-
    mäßige, das sich darin äußert, nicht lange verkennen. Die beiden Themen
    sind an die Differenz der Geschlechter gebunden; das eine ist ebenso cha-
    rakteristisch für den Mann wie das andere für das Weib. Trotz der Ver-
    schiedenheit des Inhalts sind es offenbare Entsprechungen. Etwas, das beiden
    Geschlechtern gemeinsam ist, ist durch den Geschlechtsunterschied in eine
    andere Ausdrucksform gepreßt worden.

    Die beiden einander entsprechenden Themen sind für das Weib der
    Penisneid – das positive Streben nach dem Besitz eines männlichen Geni-
    tales –, für den Mann das Sträuben gegen seine passive oder feminine Ein-
    stellung zum anderen Mann. Das Gemeinsame hat die psychoanalytische
    Nomenklatur frühzeitig als Verhalten zum Kastrationskomplex herausge-
    hoben, Alfred Adler hat später die für den Mann voll zutreffende Bezeich-
    nung „männlicher Protest“ in Gebrauch gebracht; ich meine, „Ablehnung
    der Weiblichkeit“ wäre vom Anfang an die richtige Beschreibung dieses so
    merkwürdigen Stückes des menschlichen Seelenlebens gewesen.

    Beim Versuch einer Einfügung in unser theoretisches Lehrgebäude darf
    man nicht übersehen, daß dieser Faktor seiner Natur nach nicht die gleiche
    Unterbringung bei beiden Geschlechtern finden kann. Beim Mann ist das
    Männlichkeitsstreben von Anfang an und durchaus ichgerecht; die passive
    Einstellung wird, da sie die Annahme der Kastration voraussetzt, energisch

  • S.

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    verdrängt, und oftmals weisen nur exzessive Überkompensationen auf ihr
    Vorhandensein hin. Auch beim Weib ist das Streben nach Männlichkeit zu
    einer gewissen Zeit ichgerecht, nämlich in der phallischen Phase, vor der Ent-
    wicklung zur Femininität. Dann aber unterliegt es jenem bedeutsamen Ver-
    drängungsprozeß, von dessen Ausgang, wie oft dargestellt, die Schicksale
    der Weiblichkeit abhängig sind. Sehr viel wird darauf ankommen, ob genug
    vom Männlichkeitskomplex sich der Verdrängung entzieht und den Cha-
    rakter dauernd beeinflußt; große Anteile des Komplexes werden normaler
    Weise umgewandelt, um zum Aufbau der Weiblichkeit beizutragen; aus
    dem ungestillten Wunsch nach dem Penis soll der Wunsch nach dem Kind
    und nach dem Manne werden, der den Penis trägt. Ungewöhnlich oft aber
    werden wir finden, daß der Männlichkeitswunsch im Unbewußten erhalten
    geblieben ist und von der Verdrängung her seine störenden Wirkungen ent-
    faltet.

    Wie man aus dem Vorstehenden ersieht, ist es in beiden Fällen das Gegen-
    geschlechtliche, das der Verdrängung verfällt. Ich habe bereits an anderer
    Stelle erwähnt,10 daß mir dieser Gesichtspunkt seinerzeit von Wilhelm Fließ
    vorgetragen wurde, der geneigt war, den Gegensatz der Geschlechter für den
    eigentlichen Anlaß und das Urmotiv der Verdrängung zu erklären. Ich
    wiederhole nur meinen damaligen Widerspruch, wenn ich es ablehne, die
    Verdrängung in solcher Art zu sexualisieren, also sie biologisch anstatt nur
    psychologisch zu begründen.

    Die hervorragende Bedeutung dieser beiden Themen – des Peniswunsches
    beim Weibe und des Sträubens gegen die passive Einstellung beim Manne
    – ist der Aufmerksamkeit Ferenczis nicht entgangen. In seinem 1927
    gehaltenen Vortrag stellt er die Forderung auf, daß jede erfolgreiche Ana-
    lyse diese beiden Komplexe bewältigt haben müßte.11 Ich möchte aus eigener
    Erfahrung hinzufügen, daß ich Ferenczi hier besonders anspruchsvoll
    finde. Zu keiner Zeit der analytischen Arbeit leidet man mehr unter dem be-
    drückenden Gefühl erfolglos wiederholter Anstrengung, unter dem Verdacht,
    daß man „Fischpredigten“ abhält, als wenn man die Frauen bewegen will,
    ihren Peniswunsch als undurchsetzbar aufzugeben, und wenn man die
    Männer überzeugen möchte, daß eine passive Einstellung zum Mann nicht
    immer die Bedeutung einer Kastration hat und in vielen Lebensbeziehungen

    10) „Ein Kind wird geschlagen“, Ges. Schr., Bd. V, S. 369.

    11) „... jeder männliche Patient muß dem Arzt gegenüber als Zeichen der Über-
    windung der Kastrationsangst ein Gefühl der Gleichberechtigung erlangen, alle weiblichen
    Kranken müssen, soll ihre Neurose als eine vollständig erledigte gelten, mit ihrem Männ-
    lichkeitskomplex fertig werden und sich ohne Ranküne den Denkmöglichkeiten der weib-
    lichen Rolle hingeben“. (l. c., S. 8.)

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    unerläßlich ist. Aus der trotzigen Überkompensation des Mannes leitet sich
    einer der stärksten Übertragungswiderstände ab. Der Mann will sich einem
    Vaterersatz nicht unterwerfen, will ihm nicht zu Dank verpflichtet sein, will
    also auch vom Arzt die Heilung nicht annehmen. Eine analoge Übertragung
    kann sich aus dem Peniswunsch des Weibes nicht herstellen, dagegen
    stammen aus dieser Quelle Ausbrüche von schwerer Depression um die
    innere Sicherheit, daß die analytische Kur nichts nützen wird und daß der
    Kranken nicht geholfen werden kann. Man wird ihr nicht unrecht geben,
    wenn man erfährt, daß die Hoffnung, das schmerzlich vermißte männliche
    Organ doch noch zu bekommen, das stärkste Motiv war, das sie in die Kur
    gedrängt hat.

    Man lernt aber auch daraus, daß es nicht wichtig ist, in welcher Form der
    Widerstand auftritt, ob als Übertragung oder nicht. Entscheidend bleibt, daß
    der Widerstand keine Änderung zustande kommen läßt, daß alles so bleibt,
    wie es ist. Man hat oft den Eindruck, mit dem Peniswunsch und dem männ-
    lichen Protest sei man durch alle psychologische Schichtung hindurch zum
    „gewachsenen Fels“ durchgedrungen und so am Ende seiner Tätigkeit. Das
    muß wohl so sein, denn für das Psychische spielt das Biologische wirklich
    die Rolle des unterliegenden gewachsenen Felsens. Die Ablehnung der Weib-
    lichkeit kann ja nichts anderes sein als eine biologische Tatsache, ein Stück
    jenes großen Rätsels der Geschlechtlichkeit.12) Ob und wann es uns in einer
    analytischen Kur gelungen ist, diesen Faktor zu bewältigen, wird schwer
    zu sagen sein. Wir trösten uns mit der Sicherheit, daß wir dem Analysierten
    jede mögliche Anregung geboten haben, seine Einstellung zu ihm zu über-
    prüfen und zu ändern.

    12)Man darf sich durch die Bezeichnung „männlicher Protest“ nicht zur Annahme
    verleiten lassen, die Ablehnung des Mannes gelte der passiven Einstellung, dem sozusagen
    sozialen Aspekt der Femininität. Dem widerspricht die leicht zu bestätigende Beobachtung,
    daß solche Männer häufig ein masochistisches Verhalten gegen das Weib, gradezu eine
    Hörigkeit zur Schau tragen. Der Mann wehrt sich nur gegen die Passivität im Verhältnis
    zum Mann, nicht gegen die Passivität überhaupt. Mit anderen Worten, der „männliche
    Protest“ ist in der Tat nichts anderes als Kastrationsangst.