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In den Sitzungen vom 12. Oktober bis zum 16. November
1897 fand außer den Beratungen über vielfache, die Betätigung
der Vereinigung nach außen betreffende Anträge auch eine interes-
sante Diskussion im Anschlusse an einen, von Br. Sigm. Rosen-
feld gehaltenen lehrreichen Vortrag über „Finanzielles“ statt. In
der Sitzung vom 23. November 1897 hielt Br. Dr. Gustav Lang-
stein einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die neue
Personaleinkommensteuer, deren Inkrafttreten bevorstand.In der Sitzung vom 7. Dezember 1897, in welcher die Ein-
führung von 4 neuen Mitgliedern erfolgte, hielt Br. Dr. Freud,
der rühmlich bekannte Begründer der Psychoanalyse, seinen
ersten Vortrag in unserer Vereinigung, u. zw. unter dem Titel
„Traumdeutung“.Der überaus geistvolle und das allgemeine menschliche In-
teresse lebhaft berührende Inhalt des Vortrages, sowie insbe-
sondere die, trotz der Schwierigkeit des Themas auch dem
Verständnisse des Laien entgegenkommende, meisterhafte Dar-
stellungskunst des Vortragenden, gestaltete diesen Abend zu
einem der genußreichsten und die Versammlung gab ihrer Dankes-
empfindung durch lebhaftesten Beifall Ausdruck.Anläßlich der durch Exzesse gegen die Juden in Prag ver-
ursachten großen Schäden wurden von der Vereinigung „Wien“
sofort 1000 K gespendet und überdies eine Sammlung durch
Mitglieder und unter denselben eingeleitet, welche ein Ergebnis
von 6300 K hatte.In der V. Amtsperiode wurden 9 offizielle Sitzungen abge-
halten und es wurden in dieser Zeit folgende 7 neuen Mitglieder
der Vereinigung „Wien“ zugeführt, während 2 Mitglieder, u. zw.
Br. Albert Baruch aus Gründen privater Natur und Br. Arthur
Pollak mangels persönlicher Beteiligung freiwillig aus-
geschieden sind.Die Gesamtzahl der Vereinsmitglieder am Schlusse dieser
Amtsperiode betrug daher 110.Eingetreten sind:
Med. Dr. Sigm. Freud, Univ.-Prof. in Wien,
Med. Dr. Max Neumann, Arzt in Wien,
Siegfried Karpeles, Kaufmann in Wien,
Emanuel Raumann, Prokurist in Wien,
Alois Weishut, Bankdirektor in Wien,
Ignaz Gewitsch, beeid. Börsensensal in Wien,
Armin Kohn, Bankier in Wien.VI. Beamtenrat.
(Präs. Dr. Gustav Langstein).In der Generalversammlung vom 11. Jänner 1898 erfolgte
die Neuwahl und Installierung der Beamten für die VI. Amts-
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Glaubensgenossen auf’s Tapet gebracht wurde, welche mehrere
Sitzungen in Anspruch nahm.
Für ein von Br. Dr. Gustav Karpeles in Aussicht ge-
stelltes literarisches Werk wurden 250 Mark gewidmet, der
Volksküche für jüdische Schulkinder 100 K, für Wohltätigkeits-
übung nach außen 1000 K zu Handen des Unterstützungskomitees.
Eine Aktion wegen Beteiligung unserer Vereinigung an der
Bekämpfung des Ritualmordmärchens durch Widmung eines Be-
trages für diesen Zweck dienende literarische Schriften wurde
nach eingehender Beratung und Behandlung seitens eines beson-
deren Komitees gegen den Vorschlag des letzteren abgelehnt.
Für die Unterbringung des Rabbiners Dr. Goldberg aus
Polna wird eine Aktion eingeleitet und von der Vereinigung
„Wien“ zu diesem Zwecke ein Beitrag von 200 K gespendet.
An der Installierung der Vereinigung „Leopolis“ B’nai B’rith
in Lemberg beteiligte sich die Vereinigung „Wien“ durch Ent-
sendung einer, aus dem Vizepräs. Br. Dr. Wilhelm Knöpf-
macher und dem Expräs. Dr. Alois Klemperer und Dr.
Ehrmann bestehenden Delegation.
Außer den bereits erwähnten Diskussionen wurden im Laufe
des Jahres 1899 folgende Vorträge gehalten, u. zw.:1. am 3. Februar 1899 von Br. Dr. Freud „Über Traum-
deutung“, Fortsetzung und Schluß.
2. am 28. März 1899 von Br. Jos. Jerusalem „Über
kaufmännische Ehre“.
3. am 30. April 1899 von Br. Sigm. Rosenfeld „Vom
Egoismus zum Altruismus“.
4. am 28. April von Br. Prof. Ehrmann „Über die
Geschichte der Juden zur Zeit der Jagellonen“.Verbandstag.
Gegen Ende April 1899 wurde der Verbandstag in Wien
abgehalten, bei welchem Anlasse unser erster Expräs. Br. Dr.
Edmund Kohn in das Generalkomitee gewählt wurde.
Die Sitzung vom 30. April 1899, in welcher die Einführung
von 3 Mitgliedern über Einladung des Präsidenten vom Groß-
präsidenten vorgenommen wurde, war durch die Anwesenheit
mehrerer Verbandsmitglieder ausgezeichnet und fand nach der-
selben ein festliches Brudermahl im Hotel „Weißes Roß“ in der
Taborstraße statt.
Außer 17 offiziellen Sitzungen und einem Vortragsabend
wurde am 28. Dezember 1899 auch ein sehr animierter, musi-
kalisch-deklamatorischer Geselligkeitsabend mit Tanz im Hotel
„Kreuz“ abgehalten.
Eingeführt wurden in der VII. Amtsperiode 17 neue Mit-
glieder, u. zw.:
Die Vorträge fanden statt am 7. & 21.12.1897