Die Traumdeutung 1900-001/1930
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    Auch das Material dieses Buches, diese zum größten Teil durch
    die Ereignisse entwerteten oder überholten eigenen Träume, an denen
    ich die Regeln der Traumdeutung erläutert hatte, erwies bei der Revision
    ein Beharrungsvermögen, das sich eingreifenden Änderungen widersetzte.
    Für mich hat dieses Buch nämlich noch eine andere subjektive Bedeutung,
    die ich erst nach seiner Beendigung verstehen konnte. Es erwies sich mir
    als ein Stück meiner Selbstanalyse, als meine Reaktion auf den Tod meines
    Vaters, also auf das bedeutsamste Ereignis, den einschneidendsten Verlust
    im Leben eines Mannes. Nachdem ich dies erkannt hatte, fühlte ich mich
    unfähig, die Spuren dieser Einwirkung zu verwischen. Für den Leser mag
    es aber gleichgültig sein, an welchem Material er Träume würdigen und
    deuten lernt.

    Wo ich eine unabweisbare Bemerkung nicht in den alten Zusammen-
    hang einfügen konnte, habe ich ihre Herkunft von der zweiten
    Bearbeitung durch eckige Klammern angedeutet*.

    Berchtesgaden, im Sommer 1908.

     

    Vorwort zur dritten Auflage

    Während zwischen der ersten und der zweiten Auflage dieses Buches
    ein Zeitraum von neun Jahren verstrichen ist, hat sich das Bedürfnis einer
    dritten bereits nach wenig mehr als einem Jahre bemerkbar gemacht. Ich
    darf mich dieser Wandlung freuen; wenn ich aber vorhin die Vernach-
    lässigung meines Werkes von Seite der Leser nicht als Beweis für dessen
    Unwert gelten lassen wollte, kann ich das nunmehr zu Tage getretene
    Interesse auch nicht als Beweis für seine Trefflichkeit verwerten.

    Der Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis hat auch die „Traum-
    deutung“ nicht unberührt gelassen. Als ich sie 1899 niederschrieb, bestand
    die „Sexualtheorie“ noch nicht, war die Analyse der komplizierteren Formen
    von Psychoneurosen noch in ihren Anfängen. Die Deutung der Träume
    sollte ein Hilfsmittel werden, um die psychologische Analyse der Neurosen
    zu ermöglichen; seither hat das vertiefte Verständnis der Neurosen auf die
    Auffassung des Traumes zurückgewirkt. Die Lehre von der Traumdeutung
    selbst hat sich nach einer Richtung weiterentwickelt, auf welche in der
    ersten Auflage dieses Buches nicht genug Akzent gefallen war. Durch eigene
    Erfahrung wie durch die Arbeiten von W. Stekel und anderen habe
    ich seither den Umfang und die Bedeutung der Symbolik im Traume
    (oder vielmehr im unbewußten Denken) richtiger würdigen gelernt. So hat
    sich im Laufe dieser Jahre vieles angesammelt, was Berücksichtigung ver-
    langte. Ich habe versucht, diesen Neuerungen durch zahlreiche Einschaltungen

    * Diese wurden in den folgenden Auflagen wieder fallen gelassen.

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    VII

    in den Text und Anfügung von Fußnoten Rechnung zu tragen. Wenn diese
    Zusätze nun gelegentlich den Rahmen der Darstellung zu sprengen drohen,
    oder wenn es doch nicht an allen Stellen gelungen ist, den früheren Text
    auf das Niveau unserer heutigen Einsichten zu heben, so bitte ich für diese
    Mängel des Buches um Nachsicht, da sie nur Folgen und Anzeichen der
    nunmehr beschleunigten Entwicklung unseres Wissens sind. Ich getraue
    mich auch vorherzusagen, nach welchen anderen Richtungen spätere Auf-
    lagen der Traumdeutung — falls sich ein Bedürfnis nach solchen ergeben
    würde — von der vorliegenden abweichen werden. Dieselben müßten einer-
    seits einen engeren Anschluß an den reichen Stoff der Dichtung, des Mythus,
    des Sprachgebrauchs und des Folklore suchen, anderseits die Beziehungen
    des Traumes zur Neurose und zur Geistesstörung noch eingehender, als
    es hier möglich war, behandeln.

    Herr Otto Rank hat mir bei der Auswahl der Zusätze wertvolle
    Dienste geleistet und die Revision der Druckbogen allein besorgt, Ich bin
    ihm und vielen anderen für ihre Beiträge und Berichtigungen zu Dank
    verpflichtet.

    Wien, im Frühjahr 1911.

     

    Vorwort zur vierten Auflage

    Im Vorjahre (1913) hat Dr. A. A. Brill in New York eine eng-
    lische Übersetzung dieses Buches zu Stande gebracht. [The interpretation
    of dreams. G. Allen & CY., London.]

    Herr Dr. Otto Rank hat diesmal nicht nur die Korrekturen besorgt,
    sondern auch den Text um zwei selbständige Beiträge bereichert. (Anhang
    zu Kap. VI.)

    Wien, im Juni 1914.

     

    Vorwort zur fünften Auflage

    Das Interesse für die „Traumdeutung“ hat auch während des Welt-
    krieges nicht geruht und noch vor Beendigung desselben eine neue Auf-
    lage notwendig gemacht. In dieser konnte aber die neue Literatur seit 1914
    du voll berücksichtigt werden; soweit sie fremdsprachig war, kam sie
    überhaupt nicht zu meiner und Dr. Rank’s Kenntnis.