Das Ich und das Es1923-003/1923
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    II 
    DAS ICH UND DAS ES

    Die pathologische Forschung hat unser Interesse
    allzu ausschließlich auf das Verdrängte gerichtet. Wir
    möchten mehr vom Ich erfahren, seitdem wir wissen,
    daß auch das Ich unbewußt im eigentlichen Sinne sein
    kann. Unser einziger Anhalt während unserer Unter-
    suchungen war bisher das Kennzeichen des Bewußt- oder 
    Unbewußtseins; zuletzt haben wir gesehen, wie
    vieldeutig es sein kann.

    Nun ist all unser Wissen immer an das Bewußtsein
    gebunden. Auch das Ubw können wir nur dadurch
    kennen lernen, daß wir es bewußt machen. Aber halt,
    wie ist das möglich? Was heißt: etwas bewußt machen?
    Wie kann das vor sich gehen?

    Wir wissen schon, wo wir hiefür anzuknüpfen haben.
    Wir haben gesagt, das Bewußtsein ist die Oberfläche
    des seelischen Apparats, d. h. wir haben es einem
    System als Funktion zugeschrieben, welches räumlich
    das erste von der Außenwelt her ist. Räumlich übrigens
    nicht nur im Sinne der Funktion, sondern diesmal auch

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    im Sinne der anatomischen Zergliederung.1 Auch unser
    Forschen muß diese wahrnehmende Oberfläche zum
    Ausgang nehmen.

    Von vornherein bw sind alle Wahrnehmungen, die
    von außen herankommen (Sinneswahrnehmungen), und
    von innen her, was wir Empfindungen und Gefühle
    heißen. Wie aber ist es mit jenen inneren Vorgängen,
    die wir etwa – roh und ungenau – als Denkvorgänge
    zusammenfassen können? Kommen sie, die sich irgendwo
    im Innern des Apparats als Verschiebungen seelischer
    Energie auf dem Wege zur Handlung vollziehen, an
    die Oberfläche, die das Bewußtsein entstehen läßt,
    heran? Oder kommt das Bewußtsein zu ihnen? Wir
    merken, das ist eine von den Schwierigkeiten, die sich
    ergeben, wenn man mit der räumlichen, topischen, Vor-
    stellung des seelischen Geschehens Ernst machen will.
    Beide Möglichkeiten sind gleich unausdenkbar, es müßte
    etwas drittes der Fall sein.

    An einer anderen Stelle2 habe ich schon die An-
    nahme gemacht, daß der wirkliche Unterschied einer
    ubw von einer vbw Vorstellung (einem Gedanken) darin
    besteht, daß die erstere sich an irgendwelchem Mate-
    rial, das unerkannt bleibt, vollzieht, während bei der
    letzteren (der vbw) die Verbindung mit Wortvorstellungen 

    1)S. Jenseits des Lustprinzips.

    2)Das Unbewußte. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse,
    III. 1915 (auch: Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre,
    4. Folge. 1918.)

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    hinzukommt. Hier ist zuerst der Versuch
    gemacht, für die beiden Systeme Vbw und Ubw Kenn-
    zeichen anzugeben, die anders sind als die Beziehung
    zum Bewußtsein. Die Frage: Wie wird etwas bewußt?
    lautet also zweckmäßiger: Wie wird etwas vorbewußt?
    Und die Antwort wäre: durch Verbindung mit den
    entsprechenden Wortvorstellungen.

    Diese Wortvorstellungen sind Erinnerungsreste, sie
    waren einmal Wahrnehmungen und können wie alle
    Erinnerungsreste wieder bewußt werden. Ehe wir noch
    weiter von ihrer Natur handeln, dämmert uns wie eine
    neue Einsicht auf: bewußt werden kann nur das, was
    schon einmal bw Wahrnehmung war, und was außer
    Gefühlen von innen her bewußt werden will, muß
    versuchen sich in äußere Wahrnehmungen umzusetzen.
    Dies wird mittels der Erinnerungsspuren möglich.

    Die Erinnerungsreste denken wir uns in Systemen
    enthalten, welche unmittelbar an das System W-Bw
    anstoßen, so daß ihre Besetzungen sich leicht auf die
    Elemente dieses Systems von innen her fortsetzen können.
    Man denkt hier sofort an die Halluzination und an die
    Tatsache, daß die lebhafteste Erinnerung immer noch
    von der Halluzination wie von der äußeren Wahrnehmung
    unterschieden wird, allein ebenso rasch stellt sich die Aus-
    kunft ein, daß bei der Wiederbelebung einer Erinnerung
    die Besetzung im Erinnerungssystem erhalten bleibt,
    während die von der Wahrnehmung nicht unterscheid-
    bare Halluzination entstehen mag, wenn die Besetzung

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    nicht nur von der Erinnerungsspur auf das W-Element
    übergreift, sondern völlig auf dasselbe übergeht.

    Die Wortreste stammen wesentlich von akustischen
    Wahrnehmungen ab, so daß hiedurch gleichsam ein
    besonderer Sinnesursprung für das System Vbw gegeben
    ist. Die visuellen Bestandteile der Wortvorstellung kann
    man als sekundär, durch Lesen erworben, zunächst
    vernachlässigen und ebenso die Bewegungsbilder des
    Wortes, die außer bei Taubstummen die Rolle von
    unterstützenden Zeichen spielen. Das Wort ist doch
    eigentlich der Erinnerungsrest des gehörten Wortes.

    Es darf uns nicht beifallen, etwa der Vereinfachung
    zuliebe, die Bedeutung der optischen Erinnerungs-
    reste – von den Dingen – zu vergessen, oder zu ver-
    leugnen, daß ein Bewußtwerden der Denkvorgänge
    durch Rückkehr zu den visuellen Resten möglich ist
    und bei vielen Personen bevorzugt scheint. Von der
    Eigenart dieses visuellen Denkens kann uns das Studium
    der Träume und der vorbewußten Phantasien nach den
    Beobachtungen J. Varendoncks eine Vorstellung geben.
    Man erfährt, daß dabei meist nur das konkrete Material
    des Gedankens bewußt wird, für die Relationen aber, die
    den Gedanken besonders kennzeichnen, ein visueller Aus-
    druck nicht gegeben werden kann. Das Denken in Bildern
    ist also ein nur sehr unvollkommenes Bewußtwerden.

    Es steht auch irgendwie den unbewußten Vorgängen
    näher als das Denken in Worten und ist unzweifelhaft
    onto‑ wie phylogenetisch älter als dieses.

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    Wenn also, um zu unserem Argument zurückzukehren, 
    dies der Weg ist, wie etwas an sich Unbewußtes vor-
    bewußt wird, so ist die Frage, wie machen wir etwas 
    Verdrängtes (vor)bewußt, zu beantworten: indem wir 
    solche vbw Mittelglieder durch die analytische Arbeit 
    herstellen. Das Bewußtsein verbleibt also an seiner 
    Stelle, aber auch das Ubw ist nicht etwa zum Bw auf-
    gestiegen.

    Während die Beziehung der äußeren Wahrnehmung
    zum Ich ganz offenkundig ist, fordert die der inneren
    Wahrnehmung zum Ich eine besondere Untersuchung
    heraus. Sie läßt noch einmal den Zweifel auftauchen,
    ob man wirklich Recht daran tut, alles Bewußtsein
    auf das eine oberflächliche System W-Bw zu beziehen.

    Die innere Wahrnehmung ergibt Empfindungen von
    Vorgängen aus den verschiedensten, gewiß auch tiefsten
    Schichten des seelischen Apparats. Sie sind schlecht
    gekannt, als ihr bestes Muster können noch die der
    Lust‑Unlustreihe gelten. Sie sind ursprünglicher,
    elementarer, als die von außen stammenden, können
    noch in Zuständen getrübten Bewußtseins zu Stande
    kommen. Über ihre größere ökonomische Bedeutung
    und deren metapsychologische Begründung habe ich
    mich an anderer Stelle geäußert. Diese Empfindungen
    sind multilokulär wie die äußeren Wahrnehmungen,
    können gleichzeitig von verschiedenen Stellen kommen
    und dabei verschiedene, auch entgegengesetzte Quali-
    täten haben.

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    Die Empfindungen mit Lustcharakter haben nichts
    Drängendes an sich, dagegen im höchsten Grad die
    Unlustempfindungen. Diese drängen auf Veränderung,
    auf Abfuhr und darum deuten wir die Unlust auf eine
    Erhöhung, die Lust auf eine Erniedrigung der Energie-
    besetzung. Nennen wir das, was als Lust und Unlust
    bewußt wird, ein quantitativ‑qualitativ Anderes im
    seelischen Ablauf, so ist die Frage, ob ein solches
    Anderes an Ort und Stelle bewußt werden kann, oder
    bis zum System W fortgeleitet werden muß.

    Die klinische Erfahrung entscheidet für das Letztere.
    Sie zeigt, daß dies Andere sich verhält wie eine ver-
    drängte Regung. Es kann treibende Kräfte entfalten,
    ohne daß das Ich den Zwang bemerkt. Erst Wider-
    stand gegen den Zwang, Aufhalten der Abfuhrreaktion
    macht dieses Andere sofort als Unlust bewußt. Eben-
    so wie Bedürfnisspannungen kann auch der Schmerz
    unbewußt bleiben, dies Mittelding zwischen äußerer
    und innerer Wahrnehmung, der sich wie eine innere
    Wahrnehmung verhält, auch wo er aus der Außenwelt
    stammt. Es bleibt also richtig, daß auch Empfindungen
    und Gefühle nur durch Anlangen an das System W
    bewußt werden; ist die Fortleitung gesperrt, so kommen
    sie nicht als Empfindungen zu Stande, obwohl das ihnen
    entsprechende Andere im Erregungsablauf dasselbe ist.
    Abgekürzter, nicht ganz korrekter Weise sprechen wir
    dann von unbewußten Empfindungen, halten die
    Analogie mit unbewußten Vorstellungen fest, die nicht

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    ganz gerechtfertigt ist. Der Unterschied ist nämlich,
    daß für die ubw Vorstellung erst Verbindungsglieder
    geschaffen werden müssen, um sie zum Bw zu bringen,
    während dies für die Empfindungen, die sich direkt
    fortleiten, entfällt. Mit anderen Worten: die Unter-
    scheidung von Bw und Vbw hat für die Empfindungen
    keinen Sinn, das Vbw fällt hier aus, Empfindungen sind
    entweder bewußt oder unbewußt. Auch wenn sie an
    Wortvorstellungen gebunden werden, danken sie nicht
    diesen ihr Bewußtwerden, sondern sie werden es direkt.

    Die Rolle der Wortvorstellungen wird nun vollends
    klar. Durch ihre Vermittlung werden die inneren Denk-
    vorgänge zu Wahrnehmungen gemacht. Es ist, als sollte
    der Satz erwiesen werden: alles Wissen stammt aus
    der äußeren Wahrnehmung. Bei einer Überbesetzung
    des Denkens werden die Gedanken wirklich – wie von
    außen – wahrgenommen und darum für wahr gehalten.

    Nach dieser Klärung der Beziehungen zwischen
    äußerer und innerer Wahrnehmung und dem Ober-
    flächensystem W-Bw können wir daran gehen, unsere
    Vorstellung vom Ich auszubauen. Wir sehen es vom
    System W als seinem Kern ausgehen und zunächst
    das Vbw, das sich an die Erinnerungsreste anlehnt,
    umfassen. Das Ich ist aber auch, wie wir erfahren
    haben, unbewußt.

    Nun meine ich, wir werden großen Vorteil davon
    haben, wenn wir der Anregung eines Autors folgen,
    der vergebens aus persönlichen Motiven beteuert, er

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    habe mit der gestrengen, hohen Wissenschaft nichts
    zu tun. Ich meine G. Groddeck, der immer wieder
    betont, daß das, was wir unser Ich heißen, sich im
    Leben wesentlich passiv verhält, daß wir nach seinem
    Ausdruck „gelebt“ werden von unbekannten unbe-
    herrschbaren Mächten.1 Wir haben alle dieselben Ein-
    drücke empfangen, wenngleich sie uns nicht bis zum
    Ausschluß aller anderen überwältigt haben, und ver-
    zagen nicht daran, der Einsicht Groddecks ihre Stelle
    in dem Gefüge der Wissenschaft anzuweisen. Ich schlage
    vor, ihr Rechnung zu tragen, indem wir das vom
    System W ausgehende Wesen, das zunächst vbw ist,
    das Ich heißen, das andere Psychische aber, in welches
    es sich fortsetzt, und das sich wie ubw verhält, nach
    Groddecks Gebrauch das Es.2

    Wir werden bald sehen, ob wir aus dieser Auf-
    fassung Nutzen für Beschreibung und Verständnis ziehen
    können. Ein Individuum ist nun für uns ein psychisches
    Es, unerkannt und unbewußt, diesem sitzt das Ich ober-
    flächlich auf, aus dem W-System als Kern entwickelt.
    Streben wir nach graphischer Darstellung, so werden
    wir hinzufügen, das Ich umhüllt das Es nicht ganz,

    1)G. Groddeck, Das Buch vom Es. Internationaler Psycho-
    analytischer Verlag 1923.

    2)Groddeck selbst ist wohl dem Beispiel Nietzsches 
    gefolgt, bei dem dieser grammatikalische Ausdruck für das 
    Unpersönliche und sozusagen Naturnotwendige in unserem Wesen
    durchaus gebräuchlich ist.

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    sondern nur insoweit das System W dessen Ober-
    fläche bildet, also etwa so wie die Keimscheibe dem
    Ei aufsitzt. Das Ich ist vom Es nicht scharf getrennt,
    es fließt nach unten hin mit ihm zusammen.

    Aber auch das Verdrängte fließt mit dem Es zu-
    sammen, ist nur ein Teil von ihm. Das Verdrängte ist
    nur vom Ich durch die Verdrängungswiderstände scharf
    geschieden, durch das Es kann es mit ihm kommuni-
    zieren. Wir erkennen sofort, fast alle Sonderungen, die
    wir auf die Anregung der Pathologie hin beschrieben
    haben, beziehen sich nur auf die – uns allein be-
    kannten – oberflächlichen Schichten des seelischen
    Apparats. Wir könnten von diesen Verhältnissen eine

     

    Zeichnung entwerfen, deren Konturen allerdings nur
    der Darstellung dienen, keine besondere Deutung

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    beanspruchen sollen. Etwa fügen wir hinzu, daß das Ich
    eine „Hörkappe“ trägt, nach dem Zeugnis der Gehirn-
    anatomie nur auf einer Seite. Sie sitzt ihm sozusagen
    schief auf.

    Es ist leicht einzusehen, das Ich ist der durch den
    direkten Einfluß der Außenwelt unter Vermittlung von
    W-Bw veränderte Teil des Es, gewissermaßen eine
    Fortsetzung der Oberflächendifferenzierung. Es bemüht
    sich auch, den Einfluß der Außenwelt auf das Es und
    seine Absichten zur Geltung zu bringen, ist bestrebt,
    das Realitätsprinzip an die Stelle des Lustprinzips zu
    setzen, welches im Es uneingeschränkt regiert. Die
    Wahrnehmung spielt für das Ich die Rolle, welche im
    Es dem Trieb zufällt. Das Ich repräsentiert, was man
    Vernunft und Besonnenheit nennen kann, im Gegen-
    satz zum Es, welches die Leidenschaften enthält. Dies
    alles deckt sich mit allbekannten populären Unter-
    scheidungen, ist aber auch nur als durchschnittlich oder
    ideell richtig zu verstehen.

    Die funktionelle Wichtigkeit des Ichs kommt darin
    zum Ausdruck, daß ihm normaler Weise die Herrschaft
    über die Zugänge zur Motilität eingeräumt ist. Es gleicht
    so im Verhältnis zum Es dem Reiter, der die über-
    legene Kraft des Pferdes zügeln soll, mit dem Unter-
    schied, daß der Reiter dies mit eigenen Kräften ver-
    sucht, das Ich mit geborgten. Dieses Gleichnis trägt
    ein Stück weiter. Wie dem Reiter, will er sich nicht
    vom Pferd trennen, oft nichts anderes übrig bleibt,

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    als es dahin zu führen, wohin es gehen will, so pflegt
    auch das Ich den Willen des Es in Handlung umzu-
    setzen, als ob es der eigene wäre.

    Auf die Entstehung des Ichs und seine Ab-
    sonderung vom Es scheint noch ein anderes Moment
    als der Einfluß des System W hingewirkt zu haben.
    Der eigene Körper und vor allem die Oberfläche des-
    selben ist ein Ort, von dem gleichzeitig äußere und
    innere Wahrnehmungen ausgehen können. Er wird
    wie ein anderes Objekt gesehen, ergibt aber dem
    Getast zweierlei Empfindungen, von denen die eine
    einer inneren Wahrnehmung gleichkommen kann. Es
    ist in der Psychophysiologie hinreichend erörtert
    worden, auf welche Weise sich der eigene Körper
    aus der Wahrnehmungswelt heraushebt. Auch der
    Schmerz scheint dabei eine Rolle zu spielen und die
    Art, wie man bei schmerzhaften Erkrankungen eine
    neue Kenntnis seiner Organe erwirbt, ist vielleicht vor-
    bildlich für die Art, wie man überhaupt zur Vor-
    stellung seines eigenen Körpers kommt.

    Das Ich ist vor allem ein körperliches, es ist nicht
    nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst die Projek-
    tion einer Oberfläche. Wenn man eine anatomische
    Analogie für dasselbe sucht, kann man es am ehesten
    mit dem „Gehirnmännchen“ der Anatomen identi-
    fizieren, das in der Hirnrinde auf dem Kopf steht,
    die Fersen nach oben streckt, nach hinten schaut und
    wie bekannt, links die Sprachzone trägt.

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    Das Verhältnis des Ichs zum Bewußtsein ist wieder-
    holt gewürdigt worden, doch sind hier einige wichtige
    Tatsachen neu zu beschreiben. Gewöhnt, den Gesichts-
    punkt einer sozialen oder ethischen Wertung überall-
    hin mitzunehmen, sind wir nicht überrascht zu hören,
    daß das Treiben der niedrigen Leidenschaften im Un-
    bewußten vor sich geht, erwarten aber, daß die see-
    lischen Funktionen umso leichter sicheren Zugang
    zum Bewußtsein finden, je höher sie in dieser Wertung
    angesetzt sind. Hier enttäuscht uns aber die psycho-
    analytische Erfahrung. Wir haben einerseits Belege
    dafür, daß selbst feine und schwierige intellektuelle
    Arbeit, die sonst angestrengtes Nachdenken erfordert,
    auch vorbewußt geleistet werden kann, ohne zum Be-
    wußtsein zu kommen. Diese Fälle sind ganz unzweifel-
    haft, sie ereignen sich z. B. im Schlafzustand und
    äußern sich darin, daß eine Person unmittelbar nach
    dem Erwachen die Lösung eines schwierigen mathe-
    matischen oder anderen Problems weiß, um das sie
    sich am Tage vorher vergeblich bemüht hatte.1

    Weit befremdender ist aber eine andere Erfahrung.
    Wir lernen in unseren Analysen, daß es Personen
    gibt, bei denen die Selbstkritik und das Gewissen, also
    überaus hochgewertete seelische Leistungen, unbewußt
    sind und als unbewußt die wichtigsten Wirkungen

    1)Ein solcher Fall ist mir erst kürzlich und zwar als Einwand 
    gegen meine Beschreibung der „Traumarbeit“ mitgeteilt
    worden.

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    äußern; das Unbewußtbleiben des Widerstandes in der
    Analyse ist also keineswegs die einzige Situation dieser
    Art. Die neue Erfahrung aber, die uns nötigt, trotz
    unserer besseren kritischen Einsicht, von einem unbewußten 
    Schuldgefühl zu reden, verwirrt uns weit
    mehr und gibt uns neue Rätsel auf, besonders wenn
    wir allmählich erraten, daß ein solches unbewußtes
    Schuldgefühl bei einer großen Anzahl von Neurosen
    eine ökonomisch entscheidende Rolle spielt und der
    Heilung die stärksten Hindernisse in den Weg legt.
    Wollen wir zu unserer Wertskala zurückkehren, so
    müssen wir sagen: Nicht nur das Tiefste, auch das
    Höchste am Ich kann unbewußt sein. Es ist, als würde
    uns auf diese Weise demonstriert, was wir vorhin vom
    bewußten Ich ausgesagt haben, es sei vor allem ein
    Körper‑Ich.