• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN IX., BERGGASSE 19

    Dietfeldhof

    17. 8. 08

    Sehr geehrter Herr College

    Vielen Dank für Ihre Bemühung, den 
    Titel „Über infantile Sexualtheorien“ 
    zurecht zu bekom̄en, womit Sie einen Zweifel 
    bei mir behoben haben. Es muß nämlich 
    heißen: infantile Sexualtheorien 
    weil es die Theorien sind, die sich die 
    Kinder über das Sexualleben machen
    Das ist der Inhalt des deskriptiven Aufsatzes. 
    Sie haben mir nun gezeigt, daß jeder 
    andere Sinn anders ausgedrückt 
    werden müßte, so daß für diesen 
    unerwarteten thatsächlich dieser Ausdruck 
    gewält werden darf.

    Gerne würde ich Ihrem Wunsch Rechnung 
    tragen, die Publikation bis Jan oder 
    Febr aufzuschieben, aber ich kann es 
    dießmal nicht u will Ihnen sagen, 
    warum. Abgesehen von Moll’s Buch 
    über die kindliche Sexualität, das 
    ich bereits überall angekündigt 
    finde – ist diese Arbeit bestim̄t 
    eine Analyse zu erläutern, die 
    am 1 Jan 09 in unserem Jahrbuch für

  • S.

    psychoanal. Forschungen (redigirt von Jung
    erscheinen soll. Sie muß um diesen 
    Zweck zu erfüllen am 1 Jan bereits 
    gelesen worden sein.

    Es wird aber für die Zukunft gar 
    nichts ausmachen, wenn Sie mir 
    antworten, daß Sie den Aufsatz 
    nicht früher bringen können; da 
    er rein wissenschaftlich beschreibend 
    ist ohne jede soziale Beziehung, werden 
    Sie ihn vielleicht nicht ungern ver-
    missen. Ich erwarte im̄erhin Ihre Ent-
    scheidg, da ich vor dem 1 Sept. zum 
    Termin meiner Reise alles geordnet 
    haben muß.

    In colleg Hochachtung
    Ihr
    Freud