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S.
Prof. Dr. Freud
IX., Berggasse 19.11. 7. 06
Geehrter Herr Doktor
Ich bin Ihnen sehr verbunden dafür,
daß Sie auch mir das Recht zugestehen,
in Privatbriefen wie jeder
andere abzureagiren. Ich vermute,
Sie räumen mir dann noch ein
besonderes Recht darauf ein,
wenn Sie sich der Behandlung
erinnern, die Sie in Ihren Publik-
ationen meinem Unterricht
u meinen Schriften zugewendet
haben. Im Übrigen wird das „neue
Material“ nicht enthalten können,
was Ihnen im Wesen nicht schon
aus dem früheren bekannt
wäre. Sie scheinen im̄er zu befürchten,
daß etwas anderes sich dahinter
verbirgt, obwol ich Sie des Gegenteils
versichert habe. -
S.
Es kann nicht unser Vorsatz sein,
Fl. zum Schweigen zu bringen
oder das letzte Wort zu behalten
oder ihn seines Irrtums zu über-
führen. Die Diagnose für die
Motive seiner Handlungen
muß solche Absicht widerraten.
Mir wenigstens hat es sich nur
darum gehandelt, Sie einer
gefährlichen u unverdienten Dif-
famirung zu entziehen; ich
hätte sonst geschwiegen, u da
dieser Zweck mir erreicht
scheint, werde ich weiter schweigen.Ich verstehe übrigens nicht,
wie es Fl. gestattet sein kann,
vor Erledigung des schwebenden
Prozesses mit einer Publikation
hervorzutreten. Wollen Sie mich -
S.
darüber aufklären?
Nebenbei bin ich überzeugt, daß
eine Fortsetzung des Streites
bei Niemand Interesse hervor-
rufen wird, u daß eine neue
Brochüre von Fl. wenn Sie nicht
darauf antworten, ein Schlag
in‘s Wasser sein wird. Eine
Harmonie der Deutungen meiner
damaligen Briefstellen mit
meiner jetzigen Gegnerschaft
gegen Fl. ist sehr wahrscheinlich gut
möglich u dürfte jedem Fremden
gelingen, der sich erin̄ert, daß
dazwischen sein unmotivirter
Verrat an der Freundschaft liegt,
dürfte aber niemand in der Welt
interessiren. -
S.
Da Sie Wert darauf legen, daß ich
mich des Mittels der Confiscation
gegen Fl. bediene, habe ich heute
Ihrem Rechtsanwalt die Er-
mächtigg dazu telegraphirt. Ihres
Wunsches wegen u weil Fl. nicht
an Schüchternheit meinerseits
glauben soll. Sonst erwarte ich
nicht viel davon, Fl. wird sich
einen anderen Ausweg schaffen.
Den Zeitpunkt der Verwendung
dieses Einspruchs überlasse ich
Ihnen, resp. Dr Fleischer in Berlin
Im Übrigen scheint mir baldige
Beendigg das Wünschenswerteste.Ihr ergebener
Dr FreudAdresse v 15 Juli: Lavarone
Hotel du Lac Südtirol