• S.

    [Briefpapier: 
    HÔTEL
    DU LAC
    PR. P. BERTOLDI
    LAVARONE
    1177 m.s s. l. m.]

    19. 7. 06

     

    Geehrter Herr Doktor

    „In eigener Sache“ von Fliess ist mir
    heute zugekom̄en.  Ich finde es
    zurückhaltend, also lahm u ganz
    u gar ungeeignet, Ihnen weiter
    zu schaden oder die allgemeine
    Aufmerksamkeit auf sich zu
    ziehen.  Die verschiedenen Bosheiten
    u Indiscretionen gegen mich gehen
    Sie ja weiter nichts an.  Wir
    waren intime Freunde, so lange
    sich der Verfolgungswahn seiner
    nicht bemächtigt hatte; ich hatte

  • S.

    damals viel von seinem Umgang
    u lernte viel von seinem ihm. 
    Er ist trotz seiner Verrücktheit
    nicht der erste Beste u soll nicht
    mit Hunden gehetzt werden 
    außer wo Notwehr es entschuldigt. 
    Ich glaube nicht, daß mein Charakter
    durch seine Indiscretionen
    viel bei der Nachwelt einbüßen
    wird, wenn sie sich überhaupt
    um uns kümmert, höchstens
    der seinige.  Die Bemerkg
    über Ihre „neurotische Dankbarkeit“ 
    ist, wie Sie wissen, wolverdient. 
    Daß Ihre andere Befürchtung
    unbegründet war, finden Sie
    jetzt selbst bestätigt.  Ich meine
    also, es ist durchaus wünschens-
    wert, daß dieser Streit ein
    Ende hat u bitte Sie, keinen
    weiteren Schritt zu unternehmen  
    Sie haben versprochen, sich in dieser
    Sache von mir leiten zu

  • S.

    lassen.  Gleichzeitig schreibe ich den
    Rechtsanwälten nach Berlin, die
    Verfolgg Fl‘s wegen unbefugter
    Veröffentlichg einzustellen, wenn
    sie schon begonnen hat. Mir sind
    Polizeimaßnahmen noch viel ver-
    haßter als Indiscretionen.

    Mit besten Grüßen
    Ihr Dr Freud