• S.

    27. X. 07
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Geehrter Herr Doktor

    Ich habe die Lektüre Ihres überaus gescheiten, gesunden u erfrischenden Buches nun vollendet.  Ich ahne hinter Ihren Abweisungen die Grundzüge einer rein psycholog. Aesthetik in welcher der aesthetische Genuss etwa die Rolle der Vorlust (in meiner Witztheorie) spielen wird.  Der letzte Abschnitt ist wol sehr anregend, aber recht fragmentarisch.

    Mit einem der Verleger habe ich bereits gesprochen.  Die Anonymität ist wol eher ein Anreiz des Buches, meinte er, aber er erklärte sich durch zeitliche Verhältnisse ausser Stande, sich vor Januar um etwas Neues zu bekümmern.  Den anderen (Deuticke) habe ich eingeladen mich demnächst zu besuchen, da ich ihn im Laden nicht treffen kann.  Leider sind die Chancen ihn zu gewinnen gering; er ist brav, aber ein Philister und die Kunst hat bisher in seinem Verlag keine Rolle gespielt.

  • S.

    Da ich andere Beziehungen nicht habe, werde ich Ihnen also wahrscheinlich demnächst einen negativen Bescheid geben müssen.  Ich möchte nur hinzufügen, dass ich mich an der Veröffentlichung dieser Schrift durch die Ablehnung der Verleger nicht behindern lassen, sondern es eventuell auf eigene Kosten thun würde, wenn ich der Autor wäre.  Einen Verleger zu finden der das Buch in Commission nimmt, hat ja doch keine Schwierigkeiten.

    Ich danke Ihnen noch besonders für das Vergnügen, das Sie mir durch die Mittheilg des Manuscriptes bereitet haben.

    Ihr in Hochachtung ergebener
    Dr Freud