S.
29 Sept 10
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Geehrter Herr Doktor
Es hat mich gefreut, nach so langer Zeit wieder von Ihnen zu hören. Ihr Brief fiel aber in meine Reisezeit und konnte so erst nach meiner Rückkehr Beantwortung finden.
Es wird wol auch eine Folge der Sommerstörung sein, dass ich mich nicht erinnern kann, eine Arbeit über das "Wiedererkennen" von Ihnen erhalten zu haben. Ich meine, ich hätte sie doch gelesen. Was Ihre neue Arbeit betrifft, so denke ich wol, dass Jung sie aufnehmen wird, wenn sie von Ihrer gewohnten Klarheit in Stück mitbekommen hat u bin gerne bereit, sie ihm einzuschicken. Im Jahrbuch von 1910 fände sie keinen Raum mehr; wir sind Ende Sept u der zweite Halbband ist druckfertig. Natürlich hängt die Aufnahme doch von dem Eindruck der Lektüre ab u meine Empfehlung beabsichtigt nicht, die Entschliessung des Redakteurs zu binden.
Ich vermute, dass Ihr Rekurriren auf die "Einstellungen" noch nicht radikal genug ist. Doch wir werden sehen.
Hochachtungsvoll
Ihr Freud