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    39 Elsworthy Road

    N.W.3

    PROF. DR. FREUD       WIEN, IX., BERGGASSE 19.

    17.7. 1938

     

    Lieber Alexander

     

    Berghoch häufen sich noch auf meinem Schreibtisch die unbeantworteten Briefe, Einladungen, Aufforderungen usw., aber ich fühle, da ich eben den letzten Satz an meinem Moses III geschrieben, das nächste Anrecht hast Du mit Deinem letzten klugen und bitteren Brief erworben.

     

    In einem gewissen, Dir nicht unbekannten Sinn, bist Du ja beneidenswert.  Der Einzige so weit unsere Kenntnis reicht, dem man eine Ablöse zalt anstatt ein Lösegeld von ihm zu erpressen.  Gewiss hängen allerlei Unsicherheiten daran, aber was ist heute überhaupt sicher?  Wir wissen überhaupt [sic], ob wir unsere Möbel, Bücher usw herausbekommen werden.  Es ist uns zugesagt worden, aber seit unserer Ausreise sind jetzt 7 Wochen vergangen und die Verpackung wird noch immer aufgehalten.  Es ist unheimlich, dass wir nicht erfahren können, warum.  Eines Tages kann uns dann die Nachricht von der Beschlagnahme überreichen [sic].

     

    Die Bitte, die Du an mich wegen Harry an mich gerichtet [sic], hat mir sehr leid gethan.  Ich habe doch keinen Einfluss und kann nichts durchsetzen.  Eine Bestätigung, dass er mein Neffe ist und ich für seinen anständigen Charakter bürgen kann, habe ich ihm für's Home Office schon gegeben.  Meine Freunde hier, zB Dr Jones haben allerlei für Emigranten erreicht, aber immer nur, wenn es sich um Analytiker handelte.  Komme ich einmal in die Lage, etwas für ihn

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    zu thun, nun, so weisst Du ja [sic].  Ich glaube, er wird die verschiedenen Erlaubnisse am Ende doch bekommen.  Es geht alles so langsam.

     

    Unsere Situation hier wäre sehr befriedigend, wenn nicht - wenn nicht a) die Nachrichten aus Wien und die Unfähigkeit, den vielen, die es brauchen, zu Hilfe zu kommen, jedes Behagen ersticken würden, b) wenn nicht Minna noch immer und noch für lange Zeit krank im ersten Stock läge, c) wenn nicht alles den Stempel des Provisorismus an sich trüge, d) wenn Martin schon wüsste, wo man ihn aufnehmen wird, ob in Südafrika, New Zealand, Palaestina oder sonstwo, und wenn Robert einen neuen Erwerb gefunden hätte.  Also Sorgen genug, das Idyll zu verstören.  Das nächste und schwierigste Problem ist ein Haus zu finden, das unseren komplizirten Ansprüchen und unseren bescheidenen Mitteln gleichzeitig gerecht wird.  Aber Du bist mit eigenen Sorgen reichlich versehen.

     

    Wenn Du einmal hier sein wirst, hoffentlich noch in demselben Zimmer mit derselben Aussicht, werden wir allerlei interessante Dinge aus dieser Zeit mit einander besprechen.  Für heute nur noch einen herzlichen Gruss und mehrere gute Geduldwünsche für Dich, Sophie und Harry von

     

    Deinem

    Sigmund