• S.

    1

    Berlin 27/4 04

    Lieber Sigmund,

    über Deine Nachricht habe ich
    mich sehr gefreut obwol Deine
    Zeilen Deiner eigenen Angabe nach
    keinem Gefühlsimpuls entsprungen
    sind. Besonders die Kunde, dass
    Du mehr Anerkennung findest,
    hat mir von Herzen wohlgetan.

    Bleuler ist mir nicht unbekannt.
    Ich habe seine vor vielen Jahren
    gemeinsam mit Lehmann gemachte
    schöne Studie über das Farben-
    sehen bei acustischen Eindrücken

  • S.

    2

    in gutem Gedenken. Für die
    neue Zeitschrift werde ich
    zunächst nichts schreiben
    können (ich habe auch alle
    anderweitigen Aufforderungen
    abgelehnt), weil ich mit
    der Abfassung meines Buches
    alle Hände voll zu tun
    habe. Und ehe nicht das
    letzte Stück unter Dach
    und Fach ist, kann ich
    mich anderen Aufgaben nicht
    widmen.

    Dass Du als intellektueller
    Urheber von Swobodas Buch

  • S.

    3

    gelten mußt, tut mir eigent-
    lich leid; nicht, weil der Ver-
    fasser keine Ahnung hat, wo
    das Problem der Perioden
    steckt, auch nicht wegen
    der vielen tatsächlichen
    Irrtümer, sondern wegen des
    Zuges tiefer Unehrlichkeit,
    der durch das Buch weht.
    Das deutest Du ja selbst
    mit dem Wort „Gattel" an.
    Ich habe das erst bei genauerer
    Lektüre gemerkt, sonst wären
    die Zeilen, mit denen ich mich
    für die Zusendung etc. beim
    Autor bedankt habe, einen
    Ton anders ausgefallen. Swob.

  • S.

    4

    hat nicht ein einziges Mal
    das Jahr verraten, aus denen
    seine Beobachtungen und
    die Bekanntschaft mit meinem
    Buche stammen.

    Hast Du übrigens schon
    den „Witz" fertig, dessen Material
    Du mir gerade vor einem Jahre
    zeigtest?

    Am liebsten hätte ich Dir münd-
    lich geantwortet; aber wir kom-
    men jetzt nicht nach Wien
    (was von unzuständiger Seite
    verbreitet wurde), und so
    sende ich Dir mit vielen
    Grüßen diesen Händedruck!

    Dein
    Wilhelm