• S.

    [Briefkopf:
    Hotels Meissl & Schadn
    Wien

    TELEGRAMME:
    SCHADNHOTEL.
    TELEPHON 1230.]

    Wien, 20/7 04

    Lieber Sigmund,

    ein Werk von Weinigner ist mir
    zur Kenntnis gekommen, in dessen
    erstem biologischen Teil ich zu
    meiner Verblüffung die Ausführung
    von meinen Ideen über Bisexualität
    und die daraus folgende Art der

  • S.

    Sexualanziehung (weibl. Männer
    ziehen männl. Frauen an u. 
    vice versa ) beschrieben finde.
    Ich ersehe aus einem Citat
    dort, dass
    Weininger Swoboda
    – Deinen Schüler – gekannt
    hat u. zw. vor der Veröffent-
    lichung von dessen Buch,
    u höre hier, dass die beiden
    Männer intimi waren. Ich
    habe keinen Zweifel, dass
    Weininger über Dich zur

  • S.

    Kenntniss meiner Iedeen ge-
    kommen ist, und dass von
    seiner Seite ein Missbrauch
    mit fremdem Gut getrieben
    wurde. Was weisst Du da-
    rüber? Ich bitte Dich um
    ein offenes Wort (an meine
    Berliner Adresse, da ich am
    23t abends schon von hier ab-
    reise).

    Mit herzlichem Gruss
    Dein Wilhelm