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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX. BERGGASSE 19.20.2.12.
Lieber Freund
Also kommen Sie nur gewiß. Es wird
auch mir dießmal ein Bedürfnis
erfüllen. Ich bin gerade bei einem Ab-
schnitt der Tabuarbeit u kann Ihnen
etwa die Hälfte als fertig vorlegen.
Elma sage ich nichts von Ihrer Reise, sonst
müßten Sie ja zu ihr kom̄en. Des Aus-
gangs bei ihr bin ich ja auch noch gar
nicht sicher. Nach dem letzten Anlauf
kamen wir zum Hauptwiderstand[,] der
(vom Vater übertragenen) Rachsucht,
u seitdem geht es hart. Heute war ich
scharf, so daß sie mit sehr bösem Gesicht
weggegangen ist. Von dem Briefe an
Sie wußte ich. Er ist ganz von derselben
Rachsucht diktirt, über die natürlich
noch ein dichter Schleier liegt, wie
über allem, was bei ihr zum Vorschein
kom̄t. Ich bemühe mich, diesen zu
zerreißen.Von den verschiedenen Neuheiten
in der Wissenschaft erspare ich
mir zu schreiben, da ich Sie in
einigen Tagen sprechen soll. -
S.
Ich habe den Eindruck, daß die Sache un-
aufhaltsam weiter schreitet. In den
letzten Tagen habe ich die 2t Auflagen
von Witz u Gradiva abgeliefert,
jetzt kom̄t die 4te des Alltagslebens
dran.Jung hat ein zweites Mal ganz arglos
geschrieben. Es wird da also keinen
Sturm geben; ich habe in meiner
letzten Antwort etwas entferntes
Grollen hören lassen. Pfister beken̄t,
daß er ein Mädchen gefunden hat, wegen
dessen es sich ihm lohnt, seine Ehescheidung
zu betreiben.Mich quält ein elender Katarrh. Im
Hause ist alles wol. Ich erwarte
Nachricht von Ihnen vor Ihrer
Ankunft.Herzliche Grüße
Ihr
Freud„Imago“ liegt bei.
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Wien 1090
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