• S.

    1

    I.

    Analyse der Phobie eines 5jährigen Knaben1).


    I. Einleitung.

    Die auf den folgenden Blättern darzustellende Kranken-
    und Heilungsgeschichte eines sehr jugendlichen Patienten ent-
    stammt, streng genommen, nicht meiner Beobachtung. Ich habe
    zwar den Plan der Behandlung im ganzen geleitet und auch
    ein einziges Mal in einem Gespräche mit dem Knaben persönlich
    eingegriffen; die Behandlung selbst hat aber der Vater des
    Kleinen durchgeführt, dem ich für die Überlassung seiner No-
    tizen zum Zwecke der Veröffentlichung zu ernstem Danke ver-
    pflichtet bin. Das Verdienst des Vaters reicht aber weiter; ich
    meine, es wäre einer andern Person überhaupt nicht gelungen,
    das Kind zu solchen Bekenntnissen zu bewegen; die Sachkenntnis,
    vermöge welcher der Vater die Äußerungen seines 5jährigen
    Sohnes zu deuten verstand, hätte sich nicht ersetzen lassen, die
    technischen Schwierigkeiten einer Psychoanalyse in so zartem
    Alter wären unüberwindbar geblieben. Nur die Vereinigung der
    väterlichen und der ärztlichen Autorität in einer Person, das
    Zusammentreffen des zärtlichen Interesses mit dem wissen-
    lichen bei derselben, haben es in diesem einen Falle ermöglicht,
    von der Methode eine Anwendung zu machen, zu welcher sie
    sonst ungeeignet gewesen wäre.

    Der besondere Wert dieser Beobachtung ruht aber in Fol-
    gendem: Der Arzt, der einen erwachsenen Nervösen psycho-
    analytisch behandelt, gelangt durch seine Arbeit des schichtweisen
    Aufdeckens psychischer Bildungen schließlich zu gewissen An-
     

    1) Jahrbuch f. psychoanalyt. u. psychopathol. Forschungen, Bd. I, 1909.
    Freud, Neurosenlehre, III.

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    2

    nahmen über die infantile Sexualität, in deren Komponenten er
    die Triebkräfte aller neurotischen Symptome des späteren Lebens
    gefunden zu haben glaubt. Ich habe diese Annahmen in meinen
    1905 veröffentlichten „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“
    dargelegt; ich weiß, daß sie dem Fernerstehenden ebenso be-
    fremdend erscheinen wie dem Psychoanalytiker unabweisbar. Aber
    auch der Psychoanalytiker darf sich den Wunsch nach einem
    direkteren, auf kürzerem Wege gewonnenen Beweise jener funda-
    mentalen Sätze eingestehen. Sollte es denn unmöglich sein, un-
    mittelbar am Kinde in aller Lebensfrische jene sexuellen Re-
    gungen und Wunschbildungen zu erfahren, die wir beim Gealterten
    mit soviel Mühe aus ihren Verschüttungen ausgraben, von denen
    wir noch überdies behaupten, daß sie konstitutionelles Gemeingut
    aller Menschen sind und sich beim Neurotiker nur verstärkt oder
    verzerrt zeigen?

    In solcher Absicht pflege ich meine Schüler und Freunde
    seit Jahren anzueifern, daß sie Beobachtungen über das zumeist
    geschickt übersehene oder absichtlich verleugnete Sexualleben
    der Kinder sammeln mögen. Unter dem Material, welches infolge
    dieser Aufforderung in meine Hände gelangte, nahmen die fort-
    laufenden Nachrichten über den kleinen Hans bald eine hervor-
    ragende Stelle ein. Seine Eltern, die beide zu meinen nächsten
    Anhängern gehörten, waren übereingekommen, ihr erstes Kind
    mit nicht mehr Zwang zu erziehen, als zur Erhaltung guter Sitte
    unbedingt erforderlich werden sollte, und da das Kind sich zu
    einem heiteren, gutartigen und aufgeweckten Buben entwickelte,
    nahm der Versuch, ihn ohne Einschüchterung aufwachsen und
    sich äußern zu lassen, seinen guten Fortgang. Ich gebe nun die
    Aufzeichnungen des Vaters über den kleinen Hans wieder, wie
    sie mir zugetragen wurden, und werde mich selbstverständlich
    jedes Versuches enthalten, die Naivität und Aufrichtigkeit der
    Kinderstube durch konventionelle Entstellungen zu stören.

    Die ersten Mitteilungen über Hans datieren aus der Zeit,
    da er noch nicht ganz drei Jahre alt war. Er äußerte damals
    durch verschiedene Reden und Fragen ein ganz besonders leb-
    haftes Interesse für den Teil seines Körpers, den er als „Wiwi-
    macher“ zu bezeichnen gewohnt war. So richtete er einmal an
    seine Mutter die Frage:

  • S.

    3

    Hans: „Mama hast du auch einen Wiwimacher?“
    Mama: „Selbstverständlich. Weshalb?“
    Hans: „Ich hab’ nur gedacht.“

    Im gleichen Alter kommt er einmal in einen Stall und
    sieht, wie eine Kuh gemolken wird. „Schau, aus dem Wiwimacher
    kommt Milch.“

    Schon diese ersten Beobachtungen machen die Erwartung
    rege, daß vieles, wenn nicht das meiste, was uns der kleine Hans
    zeigt, sich als typisch für die Sexualentwicklung des Kindes
    herausstellen wird. Ich habe einmal ausgeführt1), daß man nicht
    zu sehr entsetzt zu sein braucht, wenn man bei einem weiblichen
    Wesen die Vorstellung vom Saugen am männlichen Gliede findet.
    Diese anstößige Regung habe eine sehr harmlose Abkunft, da
    sie sich vom Saugen an der Mutterbrust ableitet, wobei das Euter
    der Kuh, – seiner Natur nach eine Mamma, seiner Gestalt und
    Lage nach ein Penis – eine passende Vermittlung übernimmt.
    Die Entdeckung des kleinen Hans bestätigt den letzten Teil
    meiner Aufstellung.

    Sein Interesse für den Wiwimacher ist indes kein bloß
    theoretisches; wie zu vermuten stand, reizt es ihn auch zu Be-
    rührungen des Gliedes. Im Alter von 31/2 Jahren wird er von
    der Mutter, die Hand am Penis, betroffen. Diese droht: „Wenn
    du das machst, laß’ ich den Dr. A. kommen, der schneidet dir
    den Wiwimacher ab. Womit wirst du dann Wiwi machen?“

    Hans: „Mit dem Popo.“

    Er antwortet noch ohne Schuldbewußtsein, aber er erwirbt
    bei diesem Anlasse den „Kastrationskomplex“, den man in den
    Analysen der Neurotiker so oft erschließen muß, während sie
    sich sämtlich gegen die Anerkennung desselben heftig sträuben.
    Über die Bedeutung dieses Elementes der Kindergeschichte wäre
    viel Wichtiges zu sagen. Der „Kastrationskomplex“ hat im Mythus
    (und zwar nicht nur im griechischen) auffällige Spuren hinter-
    lassen; ich habe seine Rolle in einer Stelle der „Traumdeutung“
    (p. 385 der zweiten Auflage) und noch anderwärts gestreift.

    Etwa im gleichen Alter (31/2 Jahre) ruft er in Schönbrunn


    1)Bruchstück einer Hysterieanalyse, 1905. (Wieder abgedruckt in der
    Zweiten Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, 1909.)

  • S.

    1

    vor dem Löwenkäfige freudig erregt aus: „Ich hab’ den Wiwi-
    macher vom Löwen gesehen.“

    Die Tiere verdanken ein gutes Stück der Bedeutung, die
    sie im Mythus und im Märchen haben, der Offenheit, mit der
    sie dem kleinen, wißbegierigen Menschenkinde ihre Genitalien
    und ihre sexuellen Funktionen zeigen. Die sexuelle Neugierde
    unseres Hans leidet wohl keinen Zweifel, aber sie macht ihn
    – auch zum Forscher, gestattet ihm richtige begriffliche Erkenntnisse.

    Er sieht auf dem Bahnhofe, 33/4 Jahre alt, wie aus einer
    Lokomotive Wasser ausgelassen wird. „Schau, die Lokomotive
    macht Wiwi. Wo hat sie denn den Wiwimacher?“

    Nach einer Weile setzt er nachdenklich hinzu: „Ein Hund
    und ein Pferd hat einen Wiwimacher; ein Tisch und ein Sessel
    nicht.“ So hat er ein wesentliches Kennzeichen für die Unter-
    scheidung des Lebenden vom Leblosen gewonnen.

    Wißbegierde und sexuelle Neugierde scheinen untrennbar
    voneinander zu sein. Hans’ Neugierde erstreckt sich ganz be-
    sonders auf die Eltern.

    Hans. 33/4 Jahre: „Papa, hast du auch einen Wiwimacher?“
    Vater: „Ja, natürlich.“
    Hans: „Aber ich hab’ ihn nie gesehen, wenn du dich aus-
    gezogen hast.“

    Ein andermal sieht er gespannt zu, wie sich die Mama vor
    dem Schlafengehen entkleidet. Diese fragt: „Was schaust du
    denn so?“

    Hans: „Ich schau’ nur, ob du auch einen Wiwimacher hast?“
    Mama: „Natürlich. Hast du denn das nicht gewußt?“
    Hans: „Nein, ich hab’ gedacht, weil du so groß bist, hast
    du einen Wiwimacher wie ein Pferd.“

    Wir wollen uns diese Erwartung des kleinen Hans merken;
    sie wird später zu Bedeutung kommen.

    Das große Ereignis in Hansens Leben ist aber die Geburt
    seiner kleinen Schwester Hanna, als er genau 31/2 Jahre alt war
    [April 1903 bis Oktober 1906]. Sein Benehmen bei diesem An-
    lasse wurde vom Vater unmittelbar notiert: „Früh um 5 Uhr,
    mit dem Beginne der Wehen, wird Hans’ Bett ins Nebenzimmer
    gebracht; hier erwacht er um 7 Uhr und hört das Stöhnen der

  • S.

    5

    Gebärenden, worauf er fragt: „Was hustet denn die Mama?“
    – Nach einer Pause: „Heut’ kommt gewiß der Storch.“
    „Man hat ihm natürlich in den letzten Tagen oft gesagt, der
    Storch wird ein Mäderl oder Buberl bringen, und er verbindet das
    ungewohnte Stöhnen ganz richtig mit der Ankunft des Storches.“
    „Später wird er in die Küche gebracht; im Vorzimmer
    sieht er die Tasche des Arztes und fragt: „Was ist das?“,
    worauf man ihm sagt: „Eine Tasche.“ Er dann überzeugt: „Heut’
    kommt der Storch.“ Nach der Entbindung kommt die Hebamme
    in die Küche und Hans hört, wie sie anordnet, man möge einen
    Tee kochen, worauf er sagt: „Aha, weil die Mammi hustet, be-
    kommt sie einen Tee.“ Er wird dann ins Zimmer gerufen, schaut
    aber nicht auf die Mama, sondern auf die Gefäße mit blutigem
    Wasser, die noch im Zimmer stehen, und bemerkt, auf die
    blutige Leibschüssel deutend, befremdet: „Aber aus meinem
    Wiwimacher kommt kein Blut.“

    „Alle seine Ansprüche zeigen, daß er das Ungewöhnliche
    der Situation mit der Ankunft des Storches in Zusammenhang
    bringt. Er macht zu allem, was er sieht, eine sehr mißtrauische,
    gespannte Miene, und zweifellos hat sich das erste Miß-
    trauen gegen den Storch bei ihm festgesetzt.“
    „Hans ist auf den neuen Ankömmling sehr eifersüchtig
    und sagt, wenn irgend wer sie lobt, schön findet usw., sofort
    höhnisch: „Aber sie hat noch keine Zähne1).“ Als er sie nämlich
    zum erstenmal sah, war er sehr überrascht, daß sie nicht sprechen
    kann, und meinte, sie könne nicht sprechen, weil sie keine Zähne
    habe. Er wird in den ersten Tagen selbstverständlich sehr zurück-
    gesetzt und erkrankt plötzlich an Angina. Im Fieber hört man
    ihn sagen: „Aber ich will kein Schwesterl haben!“
    „Nach etwa einem halben Jahre ist die Eifersucht über-
    wunden, und er wird ein ebenso zärtlicher wie seiner Überlegenheit
    bewußter Bruder2).“

    1)Wiederum ein typisches Verhalten. Ein anderer, nur um zwei Jahre
    älterer Bruder pflegte unter den gleichen Verhältnissen ärgerlich mit dem
    Ausrufe: „zu k(l)ein, zu k(l)ein,“ abzuwehren.

    2)„Der Storch soll ihn wieder mitnehmen,“ äußerte ein anderes,
    älteres Kind zum Willkomm des Brüderchens. Vergleiche hierzu, was ich
    in der „Traumdeutung“ über die Träume vom Tode teuerer Verwandter
    bemerkt habe (p. 175 ff., 2. Aufl.).

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    „Ein wenig später sieht Hans zu, wie man seine ein-
    wöchentliche Schwester badet. Er bemerkt: „Aber ihr Wiwi-
    macher ist noch klein,“ und setzt wie tröstend hinzu: „Wenn
    sie wächst, wird er schon größer werden1).“

    „Im gleichen Alter, zu 33/4 Jahren, liefert Hans die erste
    Erzählung eines Traumes. „Heute, wie ich geschlafen habe, habe
    ich geglaubt, ich bin in Gmunden mit der Mariedl.“

    „Mariedl ist die 13jährige Tochter des Hausherrn, die
    oft mit ihm gespielt hat.“


    1)Das nämliche Urteil, in den identischen Worten ausgedrückt und
    von der gleichen Erwartung gefolgt, wurde mir von zwei anderen Knaben
    berichtet, als sie den Leib eines kleinen Schwesterchens zuerst neugierig
    beschauen konnten. Man könnte über diese frühzeitige Verderbnis des kind-
    lichen Intellektes erschrecken. Warum konstatieren diese jugendlichen
    Forscher nicht, was sie wirklich sehen, nämlich, daß kein Wiwimacher vor-
    handen ist? Für unseren kleinen Hans können wir allerdings die volle Auf-
    klärung seiner fehlerhaften Wahrnehmung geben. Wir wissen, er hat sich
    durch sorgfältige Induktion den allgemeinen Satz erworben, daß jedes be-
    lebte Wesen im Gegensatze zum Unbelebten einen Wiwimacher besitzt; die
    Mutter hat ihn in dieser Überzeugung bestärkt, indem sie ihm bejahende
    Auskünfte über solche Personen gab, die sich seiner eigenen Beobachtung
    entzogen. Er ist nun ganz und gar unfähig, seine Errungenschaft wegen der
    engen Beobachtung an der kleinen Schwester wieder aufzugeben. Er urteilt
    also, der Wiwimacher ist auch hier vorhanden, er ist nur noch sehr klein,
    aber er wird wachsen, bis er so groß geworden ist wie der eines Pferdes.
    Wir wollen zur Ehrenrettung unseres kleinen Hans ein Weiteres tun.
    Er benimmt sich eigentlich nicht schlechter als ein Philosoph der Wundt-
    schen Schule. Für einen solchen ist das Bewußtsein der nie fehlende Cha-
    rakter des Seelischen, wie für Hans der Wiwimacher das unentbehrliche
    Kennzeichen alles Lebenden. Stößt der Philosoph nun auf seelische Vor-
    gänge, die man erschließen muß, an denen aber wirklich nichts von Be-
    wußtsein wahrzunehmen ist – man weiß nämlich nichts von ihnen und
    kann doch nicht umhin, sie zu erschließen – so sagt er nicht etwa, dies
    seien unbewußte seelische Vorgänge, sondern er heißt sie dunkelbewußte.
    Der Wiwimacher ist noch sehr klein! Und bei diesem Vergleiche ist der
    Vorteil noch auf Seiten unseres kleinen Hans. Denn, wie so häufig bei den
    Sexualforschungen der Kinder, ist auch hier hinter dem Irrtume ein Stück
    richtiger Erkenntnis verborgen. Das kleine Mädchen besitzt allerdings auch
    einen kleinen Wiwimacher, den wir Klitoris heißen, wenn er auch nicht
    wächst, sondern verkümmert bleibt. (Vgl. meine kleine Arbeit „Über infantile
    Sexualtheorie“, Sexualprobleme, 1908; abgedruckt in der zweiten Folge
    der kleinen Schriften zur Neurosenlehre.)

  • S.

    7

    Wie nun der Vater den Traum der Mutter in seiner Gegen
    wart erzählt, bemerkt Hans richtigstellend: „Nicht mit der
    Mariedl, ganz allein mit der Mariedl.“

    Hierzu ist zu bemerken: „Hans war im Sommer 1906 in
    Gmunden, wo er sich den Tag über mit den Hausherrinkindern
    herumtrieb. Als wir von Gmunden abreisten, glaubten wir, daß
    ihm der Abschied und die Übersiedlung in die Stadt schwer
    fallen würden. Dies war überraschenderweise nicht der Fall. Er
    freute sich offenbar über die Abwechslung und erzählte durch
    mehrere Wochen sehr wenig von Gmunden. Erst nach Ablauf
    von Wochen stiegen öfter lebhaft gefärbte Erinnerungen an die
    in Gmunden verbrachte Zeit in ihm auf. Seit etwa 4 Wochen
    verarbeitet er diese Erinnerungen zu Phantasien. Er phantasiert,
    daß er mit den Kindern Berta, Olga und Fritzl spielt, spricht
    mit ihnen, als ob sie gegenwärtig wären, und ist imstande, sich
    stundenlang so zu unterhalten. Jetzt, wo er eine Schwester be-
    kommen hat und ihn offenbar das Problem des Kinderkriegens
    beschäftigt, nennt er Berta und Olga nur mehr „seine Kinder“
    und fügt einmal hinzu: „Auch meine Kinder, Berta und Olga,
    hat der Storch gebracht.“ Der Traum, jetzt nach 6monatlicher
    Abwesenheit von Gmunden, ist offenbar als Ausdruck seiner
    Sehnsucht, nach Gmunden zu fahren, zu verstehen.“

    So weit der Vater; ich bemerke vorgreifend, daß Hans mit
    der letzten Äußerung über seine Kinder, die der Storch gebracht
    haben soll, einem in ihm steckenden Zweifel laut widerspricht.

    Der Vater hat zum Glück man
    cherlei notiert, was später zu un
    geahntem Werte kommen sollte. „Ich
    zeichne Hans, der in letzter Zeit öfter
    in Schönbrunn war, eine Giraffe. Er
    sagt mir: „Zeichne doch auch den
    Wiwimacher.“ Ich darauf: „Zeichne
    du ihn selbst dazu.“ Hierauf fügt er
    an das Bild der Giraffe folgenden
    Strich [die Zeichnung liegt bei], den
    er zuerst kurz zieht und dem er dann
    ein Stück hinzufügt, indem er bemerkt:
    „Der Wiwimacher ist länger.“

    Fig. 1.

  • S.

    8

    „Ich gehe mit Hans an einem Pferde vorbei, das
    uriniert. Er sagt: „Das Pferd hat den Wiwimacher unten so
    wie ich.“

    „Er sieht zu, wie man seine 3monatliche Schwester badet,
    und sagt bedauernd: „Sie hat einen ganz, ganz kleinen Wiwi-
    macher.“

    „Er erhält eine Puppe zum Spielen, die er auskleidet. Er
    schaut sie sorgfältig an und sagt: „Die hat aber einen ganz
    kleinen Wiwimacher.“

    Wir wissen bereits, daß es ihm mit dieser Formel
    möglich gemacht ist, seine Entdeckung [vgl. p. 6] aufrecht-
    zuhalten.

    Jeder Forscher ist in Gefahr, gelegentlich dem Irrtume
    zu verfallen. Ein Trost bleibt es, wenn er, wie unser Hans im
    nächsten Beispiele, nicht allein irrt, sondern sich zur Ent-
    schuldigung auf den Sprachgebrauch berufen kann. Er sieht
    nämlich in seinem Bilderbuche einen Affen und zeigt auf
    dessen aufwärts geringelten Schwanz: „Schau, Vatti, der Wiwi-
    macher.“

    In seinem Interesse für den Wiwimacher hat er sich ein
    ganz besonderes Spiel ausgedacht. „Im Vorzimmer ist der Abort
    und eine dunkle Holzkammer. Seit einiger Zeit geht Hans in
    die Holzkammer und sagt: „Ich geh’ in mein Klosett.“ Einmal
    schaue ich hinein, um zu sehen, was er in der dunklen Kammer
    macht. Er exhibiert und sagt: „Ich mache Wiwi.“ Das heißt
    also: er „spielt“ Klosett. Der Spielcharakter erhellt nicht nur
    daraus, daß er das Wiwimachen bloß fingiert und nicht etwa
    wirklich ausführt, sondern auch daraus, daß er nicht ins Klosett
    geht, was eigentlich viel einfacher wäre, vielmehr die Holzkammer
    vorzieht, die er „sein Klosett“ heißt.“

    Wir würden Hans unrecht tun, wenn wir nur die auto-
    erotischen Züge seines Sexuallebens verfolgten. Sein Vater
    hat uns ausführliche Beobachtungen über seine Liebesbe-
    ziehungen zu anderen Kindern mitzuteilen, aus denen sich
    eine „Objektwahl“ wie beim Erwachsenen ergibt. Freilich auch
    eine ganz bemerkenswerte Beweglichkeit und polygamische
    Veranlagung.

  • S.

    9

    „Im Winter (3¾ Jahre) nehme ich Hans auf den Eislauf-
    platz mit und mache ihn mit den beiden um 10 Jahre
    alten Töchterchen meines Kollegen N. bekannt. Hans setzt sich
    neben sie, die im Gefühle ihres reifen Alters ziemlich verächtlich
    auf den Knirps herabblicken, und schaut sie verehrungsvoll an,
    was ihnen keinen großen Eindruck macht. Hans spricht trotz-
    dem von ihnen nur als „meine Mäderln“. „Wo sind denn meine
    Mäderln? Wann kommen denn meine Mäderln?“ und quält mich
    zu Hause einige Wochen lang mit der Frage: „Wann geh’ ich
    wieder auf den Eisplatz zu meinen Mäderln?“

    Ein 5jähriger Cousin von Hans ist bei dem nun 4jährigen
    zu Besuch. Hans umarmt ihn fortwährend und sagt einmal bei
    einer solcher zärtlichen Umarmung: „Ich hab’ dich aber lieb.“

    Es ist dies der erste, aber nicht der letzte Zug von
    Homosexualität, dem wir bei Hans begegnen werden. Unser
    kleiner Hans scheint wirklich ein Ausbund aller Schlechtigkeiten
    zu sein!

    „Wir sind in eine neue Wohnung eingezogen. (Hans ist
    4 Jahre alt.) Von der Küche führt die Tür auf einen Klopf-
    balkon, von wo aus man in eine vis-à-vis gelegene Hofwohnung
    sieht. Hier hat Hans ein etwa 7–8jähriges Mäderl entdeckt.
    Er setzt sich nun, um sie zu bewundern, auf die Stufe, die zum
    Klopfbalkon führt, und bleibt dort stundenlang sitzen. Speziell
    um 4 Uhr p. m., wenn das Mäderl aus der Schule kommt, ist
    er nicht im Zimmer zu halten und läßt sich nicht abbringen,
    seinen Beobachtungsposten zu beziehen. Einmal, als das Mäderl
    sich nicht zur gewohnten Stunde beim Fenster zeigt, wird Hans
    ganz unruhig und belästigt die Hausleute mit Fragen: „Wann
    kommt das Mäderl? Wo ist das Mäderl?“ usw. Wenn sie dann
    erscheint, ist er ganz selig und wendet den Blick von der
    Wohnung gegenüber nicht mehr ab. Die Heftigkeit, mit der
    diese „Liebe per Distanz1)“ auftrat, findet ihre Erklärung darin,
    daß Hans keinen Kameraden und keine Gespielin hat. Zur
    normalen Entwicklung des Kindes gehört offenbar reichlicher
    Verkehr mit anderen Kindern.“

    1)W. Busch: Und die Liebe per Distanz,
    Kurzgesagt, mißfällt mir ganz.

  • S.

    10

    „Dieser wird dann Hans zuteil, als wir kurz darauf (4½ Jahre)
    zum Sommeraufenthalte nach Gmunden übersiedeln. In unserem
    Hause sind seine Spielgefährten die Kinder des Hausherrn: Franzl
    (etwa 12 Jahre), Fritzl (8 Jahre), Olga (7 Jahre), Berta (5 Jahre)
    und überdies die Nachbarkinder: Anna (10 Jahre) und noch
    zwei Mäderl im Alter von 9 und 7 Jahren, deren Namen ich
    nicht mehr weiß. Sein Liebling ist Fritzl, den er oft umarmt
    und seiner Liebe versichert. Er wird einmal gefragt: „Welches
    von den Mäderln hast du denn am liebsten?“ Er antwortet:
    „Den Fritzl.“ Gleichzeitig ist er gegen die Mädchen sehr ag-
    gressiv, männlich, erobernd, umarmt sie und küßt sie ab, was
    sich namentlich Berta ganz gerne gefallen läßt. Als Berta eines
    Abends aus dem Zimmer kommt, umhalst er sie und sagt im
    zärtlichsten Tone: „Berta, du bist aber lieb“, was ihn übrigens
    nicht hindert, auch die anderen zu küssen und seiner Liebe zu
    versichern. Auch die etwa 14 Jahre alte Mariedl, ebenfalls eine
    Tochter des Hausherrn, die mit ihm spielt, hat er gerne und
    sagt eines Abends, als er zu Bette gebracht wird: „Die Mariedl
    soll bei mir schlafen.“ Auf die Antwort: „Das geht nicht,“
    sagt er: „So soll sie bei der Mammi oder dem Vatti schlafen.“
    Man erwidert ihm: „Auch das geht nicht, die Mariedl muß
    bei ihren Eltern schlafen“, und nun entwickelt sich folgender
    Dialog:

    Hans: „So geh’ ich halt hinunter zur Mariedl schlafen.“
    Mama: „Du willst wirklich von der Mammi weggehen, um
    unten zu schlafen?“
    Hans: „No, früh komm’ ich doch wieder herauf zum Kaffee-
    trinken und Aufdieseseitegehen.“
    Mama: „Wenn du wirklich von Vatti und Mammi gehen
    willst, so nimm dir deinen Rock und deine Hose und – adieu!“

    „Hans nimmt wirklich seine Kleider und geht zur Treppe,
    um zur Mariedl schlafen zu gehen, wird natürlich zurückgeholt.“

    „[Hinter dem Wunsche: „Die Mariedl soll bei uns schlafen“,
    steckt der andere: „Die Mariedl, mit der er so gerne beisammen
    ist, soll in unsere Hausgemeinschaft aufgenommen werden.
    Zweifellos sind aber dadurch, daß Vater und Mutter Hans
    wenn auch nicht allzuhäufig, in ihr Bett nahmen, bei diesem

  • S.

    11

    Beieinanderliegen erotische Gefühle in ihm erweckt worden, und
    der Wunsch, bei der Mariedl zu schlafen, hat auch seinen
    erotischen Sinn. Bei Vater oder Mutter im Bette liegen, ist für
    Hans wie für alle Kinder eine Quelle erotischer Regungen.“

    Unser kleiner Hans hat sich bei der Herausforderung der
    Mutter benommen wie ein rechter Mann, trotz seiner homo-
    sexuellen Anwandlungen.

    „Auch in dem folgenden Falle sagte Hans zur Mammi:
    „Du, ich möcht einmal so gerne mit dem Mäderl schlafen.“
    Dieser Fall gibt uns reichlich Gelegenheit zur Unterhaltung,
    denn Hans benimmt sich hier wirklich wie ein Großer, der ver-
    liebt ist. In das Gasthaus, wo wir zu Mittag essen, kommt seit
    einigen Tagen ein etwa 8jähriges hübsches Mädchen, in das
    sich Hans natürlich sofort verliebt. Er dreht sich auf seinem
    Sessel fortwährend um, um nach ihr zu schielen, stellt sich,
    nachdem er gegessen hat, in ihrer Nähe auf, um mit ihr zu
    kokettieren, wird aber feuerrot, wenn man ihn dabei beobachtet.
    Wird sein Blick von dem Mäderl erwidert, so schaut er sofort
    verschämt auf die entgegengesetzte Seite. Sein Benehmen ist
    natürlich ein großes Gaudium für alle Gasthausgäste. Jeden
    Tag, wenn er ins Gasthaus geführt wird, fragt er: „Glaubst du,
    wird das Mäderl heute dort sein?“ Wenn sie endlich kommt,
    wird er ganz rot wie ein Erwachsener im gleichen Falle. Ein-
    mal kommt er glückselig zu mir und flüstert mir ins Ohr: „Du,
    ich weiß schon, wo das Mäderl wohnt. Dort und dort habe ich
    gesehen, wie sie die Stiege hinaufgegangen ist.“ Während er
    sich gegen die Mäderl im Hause aggressiv benimmt, ist er hier
    ein platonisch schmachtender Verehrer. Dies hängt vielleicht
    damit zusammen, daß die Mäderl im Hause Dorfkinder sind,
    diese aber eine kultivierte Dame. Daß er einmal sagt, er möchte
    mit ihr schlafen, ist schon erwähnt worden.“

    „Da ich Hans nicht in der bisherigen seelischen Spannung
    lassen will, in die ihn seine Liebe zu dem Mäderl versetzt hat,
    habe ich seine Bekanntschaft mit ihr vermittelt, und das Mäderl
    eingeladen, nachmittags zu ihm in den Garten zu kommen,
    wenn er seinen Nachmittagsschlaf absolviert hat. Hans ist durch
    die Erwartung, daß das Mäderl zu ihm kommen wird, so auf-
    geregt, daß er zum erstenmal am Nachmittage nicht schläft,

  • S.

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    12

    sondern sich unruhig im Bette hin und her wälzt. Die Mama
    fragt thn: ,,Warum schläfst du nicht? Denkst du vielleicht an
    das Mäderl?“, worauf er beglückt „ja“ sagt. Er hat auch, als
    er aus dem Gasthofe nach Hause kam, allen Leuten im Hause
    erzählt: „Du, heute kommt mein Mäderl zu mir,“ und 6
    14jährige Мале berichtet, daß er sie fortwährend gefragt hat:
    „Du, glaubst du, daß sie mit mir lieb sein wird? Glaubst du,
    daß sie mir einen Kuß geben wird, wenn ich sie küß?“ udgl.“

    „Nachmittags regnete es aber und so unterblieb der Be-
    such, worauf sich Hans mit Berta und Olga tröstete.“

    Weitere Beobachtungen noch aus der Zeit des Sommer-
    aufenthaltes lassen vermuten, daß sich bei dem Kleinen allerlei
    Neues vorbereitet.

    „Hans, 41/, Jahre. Heute früh wird Hans von seiner Mama.
    wie täglich gebadet und nach dem Bade abgetrocknet und ein-
    gepudert. Wie die Mama bei seinem Penis, und zwar vorsichtig,
    um ihn nicht zu beriihren, pudert, sagt Hans: , Warum gibst
    du denn nicht den Finger hin?“

    Mama: „Weil das eine Schweinerei ist.“

    Hans: „Was ist das? Eine Schweinerei? Warum denn?“

    Mama: „Weil es unanstiindig ist.“

    Hans (lachend): „Aber lustig)!“

    Ein etwa gleichzeitiger Traum unseres Hans kontrastiert
    recht auffällig mit der Dreistigkeit, die er gegen die Mutter ge-
    zeigt hat. Es ist der erste durch Entstellung unkenntliche Traum
    des Kindes. Dem Scharfsinne des Vaters ist es aber gelungen,
    ihm die Lösung abzugewinnen.

    „Hans, 41/, Jahre. Traum. Heute früh kommt Hans auf
    und erzählt: „Du, heute nachts habe ich gedacht: Einer sagt:
    Wer will zu mir kommen? Dann sagt jemand: Ich. Dann
    muß er ihn Wiwi machen lassen.“

    . 1) Einen ühnlichen Verfiihrungsversuch berichtete mir eine selbst
    neurotische Mutter, die an die infantile Masturbation nicht glauben wollte,
    von ihrem ⑧ り 。 Jahre alten Tóchterchen. Sie hatte der Kleinen Unterhüschen
    anfertigen lassen und probierte nun, ob sie nicht im Schritt zu eng seien,
    indem sie mit ihrer Hand an der Innenflüche des Oberschenkels nach auf-
    wärts strich. Die Kleine schloß plötzlich die Beine über dic Hand zusammen
    und bat: „Mama, laß die Hand doch da. Das tut so gut.“

  • S.

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    „Weitere Fragen stellten klar, daß diesem Traume alles
    Visuelle fehlt, daß er dem reinen Type auditif angehört. Hans
    spielt seit einigen Tagen mit den Kindern des Hausherrn, dar-
    unter seine Freundin Berta (7 Jahre) und Olga (5 Jahre),
    Gesellschaftsspiele, auch Pfänderauslösen. (A.: Wem gehört das
    Pfand in meiner Hand? B.: Mir. Dann wird bestimmt, was B.
    zu tun hat.) Diesem Pfänderspiele ist der Traum nachgebildet,
    nur wünscht Hans, daß derjenige, der das Pfand gezogen hat,
    nicht zu den usuellen Küssen oder Ohrfeigen verurteilt werde,
    sondern zum Wiwimachen, oder genauer: jemand muß ihn Wiwi
    machen lassen.“
    „Ich lasse mir den Traum noch einmal erzählen; er er-
    zählt ihn mit denselben Worten, nur ersetzt er anstatt: „dann
    sagt jemand“ – „dann sagt sie“. Diese „sie“ ist offenbar Berta
    oder Olga, mit denen er gespielt hat. Der Traum lautet also
    übersetzt: Ich spiele mit den Mäderln Pfänderauslösen. Ich
    frage: Wer will zu mir kommen? Sie (Berta oder Olga) ant-
    wortet: Ich. Dann muß sie mich Wiwi machen lassen. [Beim
    Urinieren behilflich sein, was Hans offenbar angenehm ist.]“
    „Es ist klar, daß das Wiwimachenlassen, wobei dem Kinde
    die Hose geöffnet und der Penis herausgenommen wird, für Hans
    lustbetont ist. Auf Spaziergängen ist es ja zumeist der Vater,
    der dem Kinde diese Hilfe leistet, was Anlaß zur Fixierung
    homosexueller Neigung auf den Vater gibt.“
    „Zwei Tage vorher hat er, wie berichtet, die Mama beim
    Waschen und Einpudern der Genitalgegend gefragt: „Warum
    gibst du nicht den Finger hin?“ Gestern, als ich Hans auf die
    Seite gehen ließ, sagte er mir zum erstenmal, ich solle ihn
    hinters Haus führen, damit niemand zuschauen könne, und fügte
    hinzu: „Voriges Jahr, wie ich Wiwi gemacht habe, haben mir
    die Berta und die Olga zugesehen.“ Ich meine, das heißt, voriges
    Jahr war ihm dieses Zuschauen der Mädchen angenehm, jetzt
    aber nicht mehr. Die Exhibitionslust unterliegt jetzt der Ver-
    drängung. Daß der Wunsch, Berta und Olga mögen ihm beim
    Wiwimachen zuschauen [oder ihn Wiwi machen lassen], jetzt
    im Leben verdrängt wird, ist die Erklärung für dessen Auf-
    treten im Traume, in dem er sich die hübsche Einkleidung
    durch das Pfänderspiel geschaffen hat. – Ich beobachtete

  • S.

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    seither wiederholt, daß er beim Wiwimachen nicht gesehen
    werden will.“

    Ich bemerke hierzu nur, daß auch dieser Traum sich der
    Regel fügt, die ich in der „Traumdeutung“ [p. 255, 2. Aufl.]
    gegeben habe: Reden, die im Traume vorkommen, stammen
    von gehörten oder selbst gehaltenen Reden der nächstvorigen
    Tage ab.

    Aus der Zeit bald nach der Rückkehr nach Wien hat der
    Vater noch eine Beobachtung fixiert: „Hans (4½ Jahre) sieht
    wieder zu, wie seine kleine Schwester gebadet wird, und fängt
    an zu lachen. Man fragt ihn: „Warum lachst du?“
    Hans: „Ich lache über den Wiwimacher der Hanna.“ –
    „Warum?“ – „Weil der Wiwimacher so schön ist.“
    „Die Antwort ist natürlich eine falsche. Der Wiwimacher
    kam ihm eben komisch vor. Es ist übrigens das erstemal, daß
    er den Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Genitale
    in solcher Weise anerkennt, anstatt ihn zu verleugnen.“

    II. Krankengeschichte und Analyse.

    „Geehrter Herr Professor! Ich sende Ihnen wieder ein
    Stückchen Hans, diesmal leider Beiträge zu einer Kranken-
    geschichte. Wie Sie daraus lesen, hat sich bei ihm in den
    letzten Tagen eine nervöse Störung entwickelt, die mich und
    meine Frau sehr beunruhigt, weil wir kein Mittel zu ihrer Be-
    seitigung finden konnten. Ich erbitte mir die Erlaubnis, Sie
    morgen . . . . . . zu besuchen, habe Ihnen aber . . . . . . das ver-
    fügbare Material schriftlich aufgezeichnet.“

    „Sexuelle Übererregung durch Zärtlichkeit der Mutter hat
    wohl den Grund gelegt, aber den Erreger der Störung weiß ich
    nicht anzugeben. Die Furcht, daß ihn auf der Gasse ein
    Pferd beißen werde, scheint irgendwie damit zusammen-
    zuhängen, daß er durch einen großen Penis geschreckt ist –
    den großen Penis des Pferdes hat er, wie Sie aus einer frü-
    heren Aufzeichnung wissen, schon zeitig bemerkt, und er hat
    damals den Schluß gezogen, daß die Mama, weil sie so groß-
    ist, einen Wiwimacher haben müsse wie ein Pferd.“