Studien über Hysterie1895-005/1925
  • S.

    VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE

    Die unveränderte Wiedergabe des Textes der ersten Auflage war auch
    für meinen Anteil an diesem Buche das einzig Mögliche. Die Entwicklung
    und Veränderungen, welche meine Anschauungen im Laufe von 13 Arbeits-
    jahren erfahren haben, sind doch zu weitgehend, als daß es gelingen
    könnte, sie an meiner Darstellung von damals zur Geltung zu bringen,
    ohne deren Charakter völlig zu zerstören. Es fehlt mir aber auch das
    Motiv, das mich veranlassen könnte, dieses Zeugnis meiner anfänglichen
    Meinungen zu beseitigen. Ich betrachte 'dieselben auch heute nicht als
    Irrtümer, sondern als schätzenswerte erste Annåherungen an Einsichten,
    die sich erst nach linger fortgesetzter Bemühung vollständiger gewinnen
    ließen. Ein aufmerksamer Leser wird von allen späteren Zutaten zur
    Lehre von der Katharsis (wie: die Rolle der psychosexuellen Momente,
    des Infantilismus, die Bedeutung der Träume und der Symbolik des

    UnbewuBten) die Keime schon in dem vorliegenden Buche auffinden

    1) Dr. Breuers Vorwort zur zweiten Auflage lautete: ,Das Interesse, welches in
    steigendem Maße der Psychoanalyse entgegengebracht wird, scheint sich jetzt auch
    den ‚Studien über Hysterie‘ zuzuwenden. Der Verleger wünscht eine Neuauflage des
    vergriffenen Buches. Es erscheint nun hier in unverändertem Neudrucke, obwohl die
    Anschauungen und Methoden, welche in der ersten Auflage dargestellt wurden, seitdem
    eine weit- und tiefgehende Entwicklung erfahren haben. Was mich selbst betrifft, so
    habe ich mich seit damals mit dem Gegenstande nicht aktiv beschäftigt, habe keinen
    Anteil an seiner bedeutsamen Entwicklung und wüßte dem 1895 Gegebenen nichts
    Neues hinzuzufügen. So konnte ich nur wünschen, daß meine beiden in dem Buche
    enthaltenen Abhandlungen bei der Neuauflage desselben in unverändertem Abdrucke
    wieder erscheinen mögen.“

  • S.

    6 Studien über Hysterie

    können. Auch weiß ich für jeden, der sich für die Entwicklung der
    Katharsis zur Psychoanalyse interessiert, keinen besseren Rat als den, mit
    den „Studien über Hysterie“ zu beginnen und so den Weg zu gehen,
    den ich selbst zurückgelegt habe.

    Wien, im Juli 1908.
    Freud.