• S.

    PROF. DR. FREUD
    WIEN IX., BERGGASSE 19.

    Dr Sarasin

    16.2.1928

    Lieber Herr doktor

    Gerne unterhalte ich mit 
    Ihnen über Ihre Vereins-
    angelegenheiten. Aber all3es 
    was ich Ihnen schreibe ist 
    rein vertraulich, inoffiziell 
    u soll überdies die Zensur 
    unserer oberen Stellen pass.
    iren. 

    Ich habe das ausfürhliche Memor-
    andum Oberholzers erhalten 
    und nicht starken Ein-
    druck gelesen. Er hat sich so 
    ungeschickt benom̄en als nur 
    möglich aber es ist doch schade 
    um ihn u die anderen in 
    sind ernsthaft bei unserer 
    Sache und ich denke nicht viel 
    anders über Pfisters Tätig-
    keit als O und gewiß 
    auch Sie bei aller Sympathie 
    für P’s Person. 

    Nun ist mir folgender Weg 
    zur Heilung des Schadens 
    eingefallen. Sagen Sie, ob 
    es möglich ist. Sie könnten 
    in Verhandlungen mit 
    O. eintreten und ihm 
    zwei Bedingungen stellen. 
    Erstens voller Verzicht auf 
    eine Sonderstellung in̄erhalb 

  • S.

    der Internat. psa V. wie sie durch 
    den Punkt der blos formalen 
    Zugehörigkeit gefordert wird, 
    zweitens Aufhebung des Unter-
    schiedes zwischen ärztlichen 
    u Laienmitgliedern. Wenn 
    die analytische Ausbildung der 
    Grundsatz der Mitgliedschaft 
    sein soll so braucht es 
    nicht das ärztliche Diplom 
    zu sein. Das ist bei O inkon-
    sequent und zweideutig. 
    Geht er auf diese beiden Be-
    dingungen ein, so lösen Sie 
    den alten Verein auf u 
    treten mit allen, die Ihnen 
    würdig scheinen in den 
    neuen ein, dessen Aner-
    kennung durch den Vorstand 
    gewiss nicht ohne jeden Anstoß 
    erfolgen wird, Sie sind dabei 
    aber allen unnötigen Ballast 
    los geworden. 

    Geht O. nicht darauf ein, so ist 
    nicht zu helfen. Ihnen bleibt 
    dann die Aufgabe, Ihren 
    Verein von innen her 
    zu prifiziren

    Ich schreibe Ihnen bald in 
    unserer literarischen 
    Sache. –

    Herzlich Ihr 
    Freud