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Sanat. Schloss Tegel
PROF. DR. FREUD WIEN, IX., BERGGASSE 19.
4. 9. 1928
Lieber Alex
Ein Grapholog müsste doch meiner Schrift ansehen, dass ich bereits mehrere Zähne verloren habe. Vielleicht auch, dass mir die absolute Sicherheit, bei Schröder in den besten Händen zu sein, sehr wolthut. Ich kann noch immer reden und behandle täglich. Ob ich auch essen kann, wird sich Mittags zeigen. Wir leben hier mitten in einem Park, einige Minuten von den Ufern eines schönen Sees, eine halbe Stunde mit Auto vom Zentrum Berlins entfernt. Wir werden gehalten wie Grossfürsten oder wie Säuglinge, meint Anna. Das Sanatorium, durch einige Bäume unsichtbar gemacht, liegt lautlos zu unseren Füssen. Dr Simmel, der Chefarzt,
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hat uns den ersten Stock der Ärztevilla überlassen. Es hängen nur drei Bilder von mir herum, aber ich brauche sie nicht anzusehen. Anna hat ein Boot gemietet und bringt lange Stunden rudernd und schwimmend auf dem See zu. Da Schr. einen Ehrgeiz darein setzt, die Behandlung "ohne Berufsstörung" durchzuführen, bringe ich mir leicht alle Kosten des Unternehmens herein. Ich bin sehr froh, mich dazu entschlossen zu haben.
Ernst's Familie ist in Hiddensee, aber das kleine Evchen lohnt allein die Reise. Wir erwarten Dich also. Sophie ist hoffentlich in voller Erholung und Harry bereits Autobesitzer.
Herzlich Dein
Sigm
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Wien 1090
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C1F23