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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN IX., BERGGASSE 1927. I. 25.
Lieber Herr Doktor!
Ich lese sehr gern Ihre Berichte über die
französische Literatur, Ihre mir zugesandten
Arbeiten und habe den Eindruck, dass Ihr
Aufenthalt in Frankreich sehr viel für
unsere Sache geleistet hat. Ich verkenne auch
nicht, dass Sie trotz der Mässigung, welche
Ihnen das Zusammenarbeiten mit anderen auf-
erlegt, in keinem Punkt etwas von unsern
Ergebnissen verleugnet haben.Ueber einen Punkt in einer Ihrer Pub-
likationen wollen Sie mein Urteil wissen.
Ich wäre ganz damit einverstanden, wenn ich
anstatt inconscient (unbewusst), préconscient
(vorbewusst) setzen dürfte, wie Sie es selber
in Ihrem Brief tun. Einen Beitrag zur
Theorie des Traumes kann ich darin nicht er-
blicken. Es handelt sich ja bei dieser An-
passung an neue Lebensmöglichkeiten um eine -
S.
Leistung des Vorbewussten, welche die des
Bewussten fortsetzt oder ergänzt und der
Traum kommt dabei nur als eine Form des
Denkens in Betracht. Ueber den Mechanismus
des Traumes (Zusammenwirken von unbewusstem
Wunsch und Traumarbeit auf das vorbewusste
Material) erfährt man dabei nichts Neues.
Gegen Maeder habe ich diese Verwechslung
von Traum und latenten Traumgedanken wieder-
holt geltend gemacht. Ohne Erfolg. Sie werden
die Differenz gewiss ohne Schwierigkeit
einsehen.Mit herzlichen Grüssen für Sie und Ihre
Frau
Ihr
Freud