• S.

    PROF DR. FREUD                                
    39 ELSWORTHY ROAD                                                                   
    LONDON, N.W. 3

    11. 6. 1938

    Lieber Herr Doktor

    Herzlichen Dank für die 
    schönen Worte, die Sie 
    während meines kurzen 
    Aufenthalts in Paris an 
    mich gerichtet haben. Alles 
    ist richtig, was Sie sagen, 
    aber vielleicht haben 
    Sie den einen Punkt 
    ausgelassen, den der Emigrant 
    so besonders schmerzlich 
    empfindet.  Es ist – man 
    kann nur sagen: der 
    Verlust der Sprache, in 
    der man gelebt und ge-
    dacht hat und die man 
    bei aller Mühe zur Ein-
    fühlung durch eine 
    andere nicht wird er-
    setzen kön̄en. Mit 
    schmerzlichem Verständ-
    nis beobachte ich, wie 
    sich mir sonst vertraute 
    Mittel des Ausdrucks 
    im Englischen versagen, 
    und wie Es sich sogar 
    sträuben will, die gewohnte 

  • S.

    gothische Schrift aufzugeben. 
    Und dabei hat man so oft 
    gehört, daß man kein Deut-
    scher ist. Und dazu ist man 
    selbst so froh, daß man 
    ein Deutscher nicht mehr 
    zu sein braucht.

    Mit herzlichem Gruß 
    Ihr 
    Freud