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Lehrausschuß der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung
II. Quartal 1932A. Kurse
Dr. E. Bibring: Einführung in das Verständnis der theoretischen Schriften
Freuds. 4stündig.
Dr. Helene Deutsch: Psychoanalytische Probleme der weiblichen Sexualität.
Dr. Paul Federn: Zur Technik der Psychoanalyse. 4stündig.
Dr. R. Wälder: Über Freuds „Hemmung, Symptom und Angst“. 5stündig.B. Seminare
Dr. E. Bibring u. Dr. H. Hartmann: Grundprobleme der Psychoanalyse.
Wöchentlich.
Anna Freud: Seminar zur Technik der Kinderanalyse. Wöchentlich.
Dr. E. Hitschmann: Seminar für psychoanalytische Therapie. (Am
Ambulatorium der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.) Jede zweite Woche.
Dr. L. Jekels: Lektüre und Diskussionen über ausgewählte Schriften Freuds.
(Nur für Mitglieder des Akademischen Vereins für Medizinische Psychologie.)C. Arbeitsgemeinschaften
Dr. Helene Deutsch: Kontrollanalyse in Gruppen. Wöchentlich.
D. Pädagogik
A. Aichhorn: Praktikum für psychoanalytische Pädagogik (Verwahrlosung
und Schwererziehbarkeit). Wöchentlich.
Dr. W. Hoffer: Seminar für Pädagogen. Jede zweite Woche.
II) Berichte der Zweigvereinigungen
British Psycho=Analytical SocietyII. Quartal 1932
Wissenschaftliche Sitzung.
13. April 1932. Mrs. Riviere: „Eifersucht als Abwehrmechanismus.“ – Die
Analyse zeigte, daß vorübergehende Anfälle von Eifersuchtswahn nicht nur die
Projektionen von Untreue der Patientin selbst waren (oft waren sie es nicht), son-
dern sie waren stets Projektionen einer zugrunde liegenden unbewußten Bedeutung
von Untreue auf oral-erotisch-sadistischer Basis, wie z. B.: Befriedigungssituationen,
dadurch entstanden, daß Elternfiguren (Gatte, Analytiker usw.) ihres Eigentums,
ihrer Organe und ihrer Liebesobjekte beraubt werden, daß sie vernichtet und daß
über sie triumphiert wurde. Eifersuchtsszenen ereignen sich, nachdem die PatientinS.
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(in Phantasie oder Wirklichkeit) auf Kosten anderer Triumphe oder Vorteile er-
zielt, was wiederum Angst und die Erwartung einer talionartigen Vergeltung aus-
löste. Diese Angst führt zu dem Zwang zu vermeiden, daß durch Besitzergreifung,
das ist durch Abbeißen, totale und andauernde Verluste verursacht werden (die
primäre ontogenetische Todesvorstellung, daß ein Objekt durch Verschlucktwerden
verschwindet). Zur Vermeidung dieser Angst entsteht eine Fixierung (oder Regres-
sion) zur saugenden Methode der oralen Besitzergreifung, einem Prozeß, der ständig
fortgesetzt, aber niemals zu Ende geführt werden soll.Schlußfolgerung, daß in jeder Eifersucht, auch in der sogenannten normalen, ein
Teil der Bitterkeit in dem unbewußten Urteil liegt, daß der Verlust eine Vergeltung
für Taten oder Phantasien oraler Aggression des Eifersüchtigen selbst ist. Othello.4. Mai 1932. Mrs. Klein: „Homosexualität beim Manne“. Auszüge eines
Kapitels ihres im Erscheinen begriffenen Buches „Die Psychoanalyse des Kindes“.26. Mai 1932. Dr. Brierley: Ein Referat über Frau Kleins Vortrag „Homo-
sexualität beim Manne“.Mrs. Isaacs: „Eine Serie illustrativer Träume.“ – Die vertagte Diskussion
über Frau Kleins Vortrag wurde hernach zu Ende geführt.1. Juni 1932. Miß Searl: „Spiel, Realität und Aggression.“ – Die Einrichtung
des Realitätsprinzips nur ein Resultat der Versagung. Das vollkommen befriedigte
Kind braucht keine Außenwelt. Das sehr unbefriedigte und ungeduldige Kind ver-
sucht nur das in sich aufzunehmen, dem es in seiner Suche nach Befriedigung eine
vorübergehende Existenzberechtigung zuerkennt. Introjektions- und Projektions-
prozesse schaffen keine stabile Beziehung zu einer zusammenhängenden Realität.Die Grundlage hierfür ist in den frühesten Spielsituationen zu finden, z. B. in der
Stellung des glücklich begehrenden und nicht zu ungeduldigen Kindes gegenüber
der sich nähernden, aber noch nicht erreichten Mutterbrust. Ein Spiel, hervorgehoben
nicht durch das Fehlen von Aggression, aber durch das Fehlen von aggressivem
Haß oder Wut. Verdrängte Wut, wenn in großer Quantität vorhanden, kann jede
Möglichkeit dessen, was man gewöhnlich Spiel nennt, vollkommen ausschalten.
Studium eines Falles einer sehr schweren Zwangsvorstellung gab das Beispiel eines
zwanghaften Spieles, das eher den Zweck verfolgt, Angst zu vermeiden, als Lust
zu bringen. Die Möglichkeiten, eine Beziehung zu einer begrenzten Form von
Realität aufrechtzuerhalten, waren abhängig davon, daß diese Form des „Spieles“
beibehalten wurde, bis irgendeine Entwicklung eines lustbringenden Spieles die Basis
für eine weitere und stabilere Objektbeziehung schaffte.29. Juni 1932. Dr. Erie: „Die Phylacterie und andere jüdische rituelle Zier-
geräte.“ – Gewisse Ziergeräte, die von den Juden im täglichen Leben gebraucht
werden, werden in Kürze von den verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet. Die
Ziergeräte sind:1. Phylacterien (Teffillin);
2. Gewänder mit Fransen und Quasten:
a) ein kleines Umschlagtuch für alle Tage (tsitsith),
b) ein großer Gebetmantel (Thalis);3. Türpfostenzeichen (mezuzah).
Traditionsgemäß werden diese Gegenstände in Befolgung der Gottesgebete ge-
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braucht; historisch sieht man in ihnen Amulette, die man mit ähnlichen rituellen
Bräuchen bei anderen Völkern vergleichen kann. Juwelen haben einen ähnlichen
Ursprung. Wie gezeigt wurde, haben sie eine phallische Bedeutung. Psychoanaly-
tische Untersuchungen (Abraham, Fromm-Reichmann, Reik, Langer) haben ihre
totemistische Natur gezeigt. Ein Überblick über liturgische und historische Beweise
wird gegeben, und es werden klinische Daten zur Bestätigung der psychoanalytischen
Forschungsergebnisse hinzugefügt.Eduard Glover
Wissenschaftlicher Sekretär.Geschäftliche Sitzungen, II. und III. Quartal 1932
4. Mai 1932. Dr. Jones macht eine Mitteilung über die finanzielle Lage des
Internationalen psychoanalytischen Verlages und übermittelt der Sitzung einen
Appell von Professor Freud. Nach Diskussion wurde beschlossen, zur weiteren Be-
handlung der Frage ein Subkomitee einzusetzen, bestehend aus Dr. Jones, Dr. Glo-
ver, Dr. Payne, Dr. Rickman und Mr. Strachey.1. Juli 1932. Dr. Jones erstattet einen Bericht dieses Komitees und las eine von
Dr. Eitingon eingelangte Mitteilung vor. Hierauf brachte Dr. Jones folgenden
Antrag ein: Die englische Vereinigung unterstützt auf herzliche Weise Professor
Freuds Appell, daß die Verantwortlichkeit für den „Internationalen psychoanaly-
tischen Verlag“ aus privaten Händen in jene der „Internationalen psychoanaly-
tischen Vereinigung“ übergehe, wobei die Führung voraussichtlich von einem Exe-
kutivkomitee ausgeübt werden soll, welches der Kongreß einsetzt, und zur Er-
reichung dieses Zieles empfiehlt die Vereinigung ihren Mitgliedern, einen Geldbetrag
zu zeichnen, wenn möglich nicht weniger als 15 s pro Mitglied und Monat durch
20 Monate. Der Beschluß wurde einstimmig angenommen.6. Juli 1932. Generalversammlung. Die Berichte der Sekretäre, des Kassiers und
Bibliothekars werden den Mitgliedern übermittelt. Folgende Funktionäre werden
für das kommende Jahr gewählt:Präsident: Dr. Ernest Jones;
Wissenschaftlicher Sekretär: Dr. Edward Glover;
Geschäftlicher Sekretär: Dr. Sylvia Payne;
Kassier: Dr. Douglas Bryan;
Mitglieder des Vorstandes: Dr. Rickman, Dr. Stoddart, Dr. Adrian Stephen.
Unterrichtskomitee: Dr. Glover, Dr. Jones, Mrs. Klein, Dr. Payne, Dr. Rickman
und Miß Sharpe.
Bibliothekssubkomitee: Bibliothekar: Miß Low;
Mitglieder des Bibliothekssubkomitees: Dr. Brierley, Miß Chadwick, Mr. Strachey.Infolge des Rücktrittes von Herrn Dr. Stoddart vom Komitee wird ihm von der
Versammlung für die erwiesenen Dienste der Dank ausgesprochen. Dr. Stoddart
und Miß Chadwick werden damit betraut, den „James Glover Memorial Fund“
zu verwalten.Dr. Stoddart erteilt einen Bericht über die „James Glover Memorial Library“.
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Dr. Denis Carroll wurde zum außerordentlichen Mitglied der Gesellschaft
gewählt.Miß Sheehan-Dare wurde zum Mitglied gewählt.
Die Frage von öffentlichen, nichttechnischen Vorlesungen über Psychoanalyse
kam zur Diskussion, und der Vorstand des Psychoanalytischen Instituts wurde
ersucht, in dieser Hinsicht das Notwendige zu veranlassen.S. M. Payne
Geschäftlicher SekretärAdressen:
Mr. Cyril Burt, 4 Eton Road, London NW. 3.
Dr. Denis Carroll, 22 Queen Anne Street, London W. 1.
Miß Barbara Low, 3 Bulstrode Street W. 1.
Dr. Bernard Hart, Harcourt House, Cavendish Square W. 1.
Dr. Rees Thomas, 26 Queens Gardens, W. 2.
Dr. E. R. Winton, 1 Drosier Road, Cambridge.Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft
II. Quartal 193212. April 1932. Vortrag Dr. Wulff: Über einen interessanten oralen Sym-
ptomenkomplex. (Erscheint im Druck.) – Diskussion: Fenichel, Bally Frau Deri
(a. G.), Sachs, Lampl.19. April 1932. Vortrag Dr. Sachs: Die Verspätung des Maschinenzeitalters.
(Erscheint im Druck.) – Diskussion: Staub, Hoffmann, Reich, Lantos, Bernfeld,
Fenichel, Bally, Boehm, Simmel.30. April 1932. Vortrag Dr. Lampl-de Groot: Ein Beitrag zu den Pro-
blemen der Libidostrebungen mit aktiver und passiver Zielsetzung. – „Die Lehre
der Bisexualität.“ Endgültige Entwicklung zur Männlichkeit (Aktivität) und zur
Weiblichkeit (Passivität) erst in der Pubertätszeit, aber Vorbereitung dazu in der
frühen Kindheit. Zum aktiven Lieben benötigt ein Individuum ein bestimmtes
Niveau seines narzißtischen Libidoreservoirs, um Libido auf das Objekt verschieben
zu können. Bei Beeinträchtigung des Narzißmus muß es sich passiv lieben lassen,
um denselben wieder zu stärken. Im Mittelpunkt der frühen narzißtischen Krän-
kungen steht die phallische, beim Knaben eine pathologisch starke Kastrationsangst,
beim Mädchen die Entdeckung seiner Penislosigkeit. Diese Kränkungen verursachen
das Aufgeben der Aktivität und die Bevorzugung der Passivität. Letztere wird
fixiert durch ein Nach-Innen-Wenden des Aggressionstriebes (Masochismus). Dieser
Vorgang führt bei Knaben zur Fehlentwicklung, beim Mädchen zur normalen Weib-
lichkeit.Unter Anwendung von Freuds Triebtheorie wird untersucht, welche Libidoanteile
sich aktiver und welche sich passiver Zielsetzungen bedienen. Der narzißtischen
Libido scheint die Aufgabe zuzukommen, den im Organismus wirksamen Todestrieb
zu binden. Die Beziehungen zu den Objekten werden durch Aggressionstrieb (nach
außen gewandter Todestrieb) eingeleitet, der von Libido begleitet wird (Verhalten
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II) Berichte der Zweigvereinigungen1932-761/1932
1932-761/1932