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Uber „Das Unbehagen in der Kultur" von
Sigm.Freud schrieben anläßlich des Erscheinens
der 1. Auflage (Januar 1930):Rudolf Kayser in der „Neuen Rundschau“:
„Ein begnadeter Schriftsteller, mit allen Gaben sprachlicher
Meisterschaft und einer überzeugenden Logik, Immer folgt man
seinen Gedankengängen mit größter Anspannung und ist bis zur
letzten Seite gepackt von der Souveränität dieses Denkens, dieser
Persönlichkeit.“Max Ermers im „Wiener Tag“:
„Sigmund Freud, der zu Osterreichs Ruhm im Ausland mehr
beigetragen hat, als alle unsere Schlachten und Heldentaten, hat
uns im achten Jahrzehnt seines Lebens ein Buch der Altersweis-
heit geschenkt, das keiner, der seiner ganz inne wird, ohne
Schwermut und Dankbarkeit lesen wird.“Prof. Dr. J. Triebl in der Wiener „Reichspost“:
„Von Freuds neuester Schrift gilt das Wort: So viele Sätze, so
viele Ir rtü mer oder doch wenigstens Unrichtigkeiten, Schie f-
heiten, unbewiesene und unbeweisbare Behauptungen, falsche
und gewaltsame Deutungen, willkürliche Annahmen...
Hätte man bisher noch keine klare Einsicht in das Problematische
dieser neuesten ‚Wissenschaft‘ gehabt, die vorliegende jüngste
Publikation Freuds müßte auch dem Blindesten die Augen
öffnen... Wozu all dieser Aufwand von Beredsamkeit...
Manche Behauptungen klingen geradezu romanhaft, muten
wie tolle Phantasien eines Irrsinnigen an, ja fordern
zu schallender Heiterkeit heraus... Was gegen das
Gebot der christlichen Nächstenliebe eingewendet wird, erhebt
sich nicht über das Niveau frivoler Witze. Die Befolgung
der hohen ethischen Forderungen bedeutet eine Schädigung der
Kulturabsichten. Die Krone Polens aber gebührt dem, der aus
Freuds ebenso abenteuerlichen und bizarren, wie ver-
worrenen und widerspruchsvollen Ausführungen über
die Entstehung des Gewissens klug zu werden vermag.“S.
Uber „Das Unbehagen in der Kultur von
Sigm. Freud schrieben anläßlich des Erscheinens
der 1. Auflage (Januar 1930):Stefan Zweig im „Berliner Tageblatt“ :
„Nun ergänzt ein neues Werk Freuds in willkommenster Weise
sein philosophisches Weltbild, abermals die Weite und
Spannkraft dieses strengen und unbeugsamen
Geistes erweisend, ein Werk, durchaus produktiv, eigen-
artig und wie jedes seiner friiheren vehement zur Diskussion an-
reizend. Fragen in die Welt werfen, also in sokratischer Methode
Probleme zu erlichten, war von je Freuds besondere Kunst und
Leidenschaft: auch an dieser neuen und unerwarteten wird sich
die allgemeine Aufmerksamkeit unbedingt erregen müssen... Hier
ist das psychologische Lot tief hinabgelassen in den Abgrund cines
zeitgenóssisch wichtigen Problems, eines unlåsbaren, gewiß, aber
welche Probleme darf man wirklich Probleme nennen, die glatt
lósbare sind; hier handelt es sich nicht um optimistische oder
pessimistische Ausdeutung, die Zeiten sind vorbei, wo eine Aka-
demie die billige Preisfrage stellte, ob der Fortschritt den Men-
schen besser mache oder nicht, und Jean Jacques Rousseau durch
sein glattes Nein die Begeisterung der Welt errang. Gerade die
harte, sachliche, von keiner Gläubigkeit und
Tendenz verzuckerte Art, wie Freud seine Thesen stellt,
geben jedem, der sie ernstlich mitdenken will, etwas von seiner
hohen Strenge und Entschlossenheit. Uberreich an Anregungen,
gedrängt voll mit Denkstoff, merkwürdig in vielen Einzelheiten,
erweist abermals dieses Werk, einen wie ernsten und weitråumigen
Denker wir gleichzeitig mit dem genialen Forscher in Sigmund
Freud zu bewundcrn haben... Seine Wirkung erweitert ständig
ihre Grenzen und tritt auf allen Gebieten geistiger Produktivität
schöpferisch anregend zutage.“Max Hochdorf in der Berliner „Nationalzeitung“ :
„Den Lämmern Gottes und den Ehrenbürgern der sozial unend-
lich raffiniert eingerichteten Existenzhölle, setzt heute der Psycho-
analytiker Sigmund Freud auseinander, warum sie in unserer Kul-
tur nichts als unglücklich sein dürfen.“S.
SIGM. FREUD
Die Zukunft einer Illusion1. Auflage 1927 一 2. Auflage (6.—16. Tausend) 1928.
Geheftet M 2.30, in Ganzleinen M 3.60Die religiösen Ideen — führt der Schöpfer der Psychoanalyse
aus — sind sämtlich Illusionen, niemand darf gezwungen werden,
an sie zu glauben. Einige von ihnen stehen so sehr im Wider-
spruch zu allem, was wir mühselig über die Realität der Welt er-
fahren haben, daß man sie den Wahnideen vergleichen kann. In
den Jahrtausenden, durch die die Religion die menschliche Gesell-
schaft beherrscht hat, ist es ihr nicht gelungen, die Mehrzahl der
Menschen glücklich zu machen; vielmehr empfindet eine er-
schreckend große Anzahl der Menschen die Gesellschaftsordnung
als ein Joch, das man abschütteln muß. Unsittlichkeit hat zu
allen Zeiten an der Religion keine mindere Stütze gefunden als
die Sittlichkeit.Wenn man den betriibenden Kontrast zwischen der strahlenden
Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des
durchschnittlichen Erwachsenen ins Auge faßt, kann man er-
messen, welch großen Anteil an der intellektuellen Verkümmerung
neben der sexuellen Denkhemmung und der Verzögerung der
sexuellen Entwicklung besonders auch die religiöse Erziehung
hat. Freuds Ausführungen gipfeln in der Forderung: „Erziehung
zur Realität!“ Was soll dem Menschen die Vorspiegelung
eines Großgrundbesitzes auf dem Mond, von dessen Ertrag doch
noch nie jemand etwas gesehen hat? Als ehrlicher Kleinbauer
wird der Mensch auf dieser Erde seine Scholle zu bearbeiten
wissen, so daß sie ihn nährt. Eine Menschheit, die auf Illusionen
verzichtet, wird wahrscheinlich erreichen können, daß ihre Ein-
richtungen keinen mehr erdrücken. Die Stimme des Intellekts ist
leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör geschafft hat; dies ist
einer der wenigen Punkte, in denen man für die Zukunft der
Menschheit optimistisch sein darf... Auf die Dauer kann der
Vernunft und der Erfahrung nichts widerstehen und der Wider-
spruch der Religion gegen beide ist allzu greifbar. Auch die
geläuterten religiösen Ideen können sich diesem Schicksal nichtentziehen, solange sie noch etwas vom Trostgehalt der Religion
retten wollen.S.
Pressestimmen über
„Die Zukunft einer Illusion"„Leipziger Volkszeitung“:
„Es ist hochinteressant zu verfolgen, wie Freud, auch im Alter
noch ein Geistesriese unter den deutschen Gelehrten, von Schrift
zu Schrift klarer, erbarmungsloser, wenn man will, radikaler in
der Aufdeckung der Schäden und Fehlkonstruktionen unserer Ge-
sellschaft wird. Freud selbst und die meisten seiner Schüler sind
keine politischen Menschen; der Wiener Meister kommt zu einer
Kritik unserer Welt ausschließlich von der psychologischen Seite
her. Da aber diese Kritik erbarmungslos objektiv, unbeeinflußt
von persönlichen oder klassenmäßigen Wünschen und Vorurteilen
ist, müssen sich ihre Ergebnisse schließlich treffen mit dem, was
eine marxistische Analyse der menschlichen ‚Ideologien‘ auch er-
geben würde.“„Süddeutsche Monatshefte“:
„Es scheint gewiß, daß ein nicht genau zu bestimmender Teil
der Menschheit nichts anderes anstrebt als Lust und darauf be-
ruhen die diagnostischen Erfolge des Panschweinismus.“„Freie Welt“:
„Freud spricht zu dem heute so überaus großen Haufen von
Neurotikern und Entfesselten, die von ihm wie von einem wissen-
schaftlichen Tetzel einen Generalablaß für alle ihre auch ihnen
selbst unerträglichen Ekelhaftigkeiten und Laster und ein gnädiges
Admittatur für ihre libidinösen Sättigungsbedürfnisse erwarten.
Nur für diese Sorte kann er ein Abgott und der Vertreter
höchster Wissenschaftlichkeit sein. Wir hielten es für eine Pflicht,
unser Volk und unsere deutsche Jugend vor dieser Sumpfwissen-
schaft eindringlich zu warnen, und da dies geschehen, ist der
Wiener ‚Gelehrte‘ für uns abgetan.“„Theologische Literaturzeitung“:
„Freud unter den Propheten... Die Plattheit ist nicht zu über-
treffen.“
»Literar. Jahresbericht des Dürerbundes“:
„Es wäre allzu bequem und verhängnisvoll, wenn die christlicheApologetik glaubte, solche scharfsinnigen Darlegungen als ‚Teufels-
werk‘ abtun zu können und zu dürfen.“S.
SIGM. FREUD
Totem und labuEinige Ubereinstimmungen im Seelenleben
der Wilden und der NeurotikerIn Ganzleinen M 7.—
Fragte man mich, welcher unter den kiihnen und umwilzen-
den Beitrigen Sigmund Freuds zur Erkenntnis des Menschlichen
auf mich den stårksten Eindruck gemacht habe, und welche seiner
literarischen Arbeiten mir zuerst in den Sinn kommen, wenn sein
Name fällt, so würde ich ohne Besinnen die große, viergeteilte
Abhandlung über „Totem und Tabu“ nennen. Unwahrscheinlich
übrigens, daß ich mit solcher Vorliebe allein stehe, denn mag es
auch, angesichts des Weltruhmes, von dem heute die Gesamt-
leistung des großen Forschers getragen ist, eine Kundgebung fast
rührender Gelehrtenbescheidenheit bedeuten, wenn er diese Auf-
sätze, im Vorwort, von seinem übrigen Lebenswerk unter-
scheiden zu sollen glaubt, indem er ihnen ausnahmsweise einen
„Anspruch auf das Interesse eines größeren Kreises von Gebil-
deten“ zuschreibr, so ist wohl richtig, daß sie die 一 in einem
relativen und anspruchsvollen Sinn 一 populärste von seinen
Schriften bilden, und zwar weil sie nach ihren Absichten und Ein-
sichten die medizinische Sphäre weit ins allgemein Geisteswissen-
schaftliche hinaus überschreiten und vor dem der Frage des Men-
schen nachhängenden Leser ungeheure Perspektiven seelischer
Vergangenheit, — Urwelttiefen — moralischer, gesellschaftlicher,
mythisch-religiöser Früh- und Vorgeschichte der Menschheit er-
hellend aufreifien.Der außerordentliche Reiz der Abhandlung ist verschiedentlich
erklärbar. Zunächst ist sie ohne Zweifel die rein künstlerisch
hóchststehende unter den Arbeiten Freuds, nach Aufbau und
literarischer Form ein allen groften Beispielen deutscher Essayistik
verwandres und zugehóriges Meisterstück.Thomas Mann
S.
SIGM. FREUD
Zeitgemåfjes über Krieg und Tod
Geheftet M 1.—Wer so wie Freud die Kraft besaß, jahrzehntelang in verhôhnter
Isolierung den Vorurteilen, Widerstinden und Verfolgungen einer
Welt zu trotzen, an deren „Schlaf er gerüttelt hat“, und auf ein
Lebenswerk von geradezu heroischer Selbständigkeit zurückblicken
kann, hat begreiflicherweise auch im großen Krieg seine über-
ragende geistige Unabhängigkeit bewahrt. Noch in den ersten
Kriegsmonaten schrieb er seine — heute bereits klassisch gewor-
dene — Studie „Zeitgemäßes über Krieg und Tod.“ Was er über
die schweren Enttäuschungen durch den Krieg ausführt, bleibt
nicht an der Oberfläche der Probleme. Insbesondere untersucht
Freud mit den Methoden der Psychoanalyse die Einstellung des
Primitiven als auch des Kulturmenschen zum Tode. Der Kultur-
mensch hat mit seiner Einstellung zum Tod psychologisch wieder
einmal über seine Verhältnisse gelebt und ein Rückschritt hat
gelegentlich den Vorteil, der Wahrhaftigkeit mehr Rechnung zu
tragen, das Leben erträglicher zu machen. Das Leben zu ertragen,
bleibt ja doch die erste Pflicht der Lebenden. Die Illusion wird
wertlos, wenn sie uns darin stört. Die Forderung nach mehr Wahr-
haftigkeit und Aufrichtigkeit in den Beziehungen der Menschen
zueinander und zwischen ihnen und den sie Regierenden hallt uns
aus dieser tiefsinnigen Studie mahnend entgegen.SIGM. FREUD
Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert
Geheftet M 1—Wie man ein religióses Schicksal psychoanalytisch auffassen
kann, ohne plate, trivial, unehrfürchtig zu werden: dafür ist das
Schriftchen ein feinsinniges Beispiel. Die Grazie der Darstellung
bietet überdies einen literarischen Genuß.Archiv für Frauenkunde
S.
ZUR PSYCHOANALYSE
DER RELIGIONC. D. Daly: Hindumythologie und Kastrationskom-
plex. Gehefiet M 2.80, Ganzleinen M 4.20Erich Fromm: Die Entwicklung des Christusdogmas.
Geheftet サ ョ ーErnest Jones: Zur Psychoanalyse der christlichen
Religion. Geheftet M 4.50, Ganzleinen M 6.—Georg Langer 2 Die jüdischen Gebetriemen. Ge' efie M 2.—
Oskar Pfister: Religiosität und Hysterie. Gehefiet M 4.—,
Leinen M 5.50Theodor Reik : Das Ritual. Geheftet M 12.—, Ganzleinen M 14.—
Theodor Reik: Der eigene und der fremde Gott.
Gehefiet M 8.50, Ganzleinen M 10.50Theodor Reik: Gebetmantel und Gebetriemen der
Juden. Geheftet M s 一Theodor Reik: Dogma und Zwangsidee. Gehefiet М 5.60,
Ganzleinen M 7.—Geza Róheim: Mondmythologie und Mondreligion.
Geheftet M 3.60, Ganzleinen M 5.—ー —
Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Wien, L, In der Bórse=
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Das Unbehagen in der Kultur1930-001/1931