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7/2 1932 Neue Vorlesungen.
Die „Vorlesungen zur Einführung in
die Psychoanalyse“ wurden in den beiden
Wintersemestern 1915/16 und 1916/17 in
einem Hörsaal der Wiener psychiatr.
schen Klinik vor einem aus Hörern aller
Fakultäten gemischten Auditorium ge-
halten. Die Vorlesungen der ersten
Hälfte wurden improvisiert und unmittel-
bar nachher niedergeschrieben, die der
zweiten während eines dazwischen
liegenden Sommeraufenthalts in Salzburg
entworfen und im folgenden Winter
wortgetreu vorgetragen. Ich besaß
damals noch die Gabe eines phono-
graphischen Gedächtnisses.Zum Unterschied hievon sind diese
neuen Vorlesungen niemals gehalten
worden. Mein Alter hatte mich in-
zwischen der Verpflichtung enthoben,
die – wenn auch nur peripherische –
Zugehörigkeit zur Universität durch
Abhaltung von Vorlesungen zum
Ausdruck zu bringen, und eine
chirurgische Operation hatte mich als
Redner unmöglich gemacht. Es ist
also nur eine Vorspiegelung der
Phantasie, wenn ich mich während
der nachfolgenden Ausführungen wieder
in den Hörsaal versetze; sie mag
mithelfen, bei der Vertiefung in
den Gegenstand die Rücksicht auf
den Leser nicht zu vergessen.Diese neuen Vorlesungen wollen keines-
wegs an die Stelle der früheren treten.
Sie sind überhaupt nichts Selbständiges, das
erwarten kann, sich einen eigenen
Leserkreis zu finden, sondern sie sind
Fortsetzungen und Ergänzungen, die in
ihrer Beziehung zu den früheren in drei
Gruppen zerfallen. In eine erste Gruppe
gehören Neubearbeitungen von Themen,
die schon vor fünfzehn Jahren behandelt
worden sind, aber infolge der Vertiefung
unserer Einsichten und der Veränderung
unserer Anschauungen heute
eine andere Darstellung verlangen, also
kritische Revisionen. Die beiden anderen GruppenS.
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umfassen die eigentlichen Erweiterungen, indem
sie Dinge behandeln, die es entweder in der
Zeit der ersten Vorlesungen in der
Psychoanalyse noch nicht gab, oder von denen
damals zu wenig vorhanden war, um eine besondere
Kapitelüberschrift zu rechtfertigen. Es
ist nicht zu vermeiden, aber auch nicht zu
bedauern, daß einzelne der neuen Vorles-
ungen die Charaktere dieser und jener
Gruppe in sich vereinigen.Die Abhängigkeit dieser neuen Vorlesungen
von den „Vorlesungen zur Einführung“ kommt
auch darin zum Ausdruck, daß sie deren
Zählung fortsetzen. Die erste dieses Bandes
wird als dieersteXXIX. bezeichnet. Wiederum
bieten sie dem Analytiker von Fach wenig
Neues und wenden sich an jene große
Menge Gebildeter, denen man ein wohl-
wollendes, wenn auch zurückgehaltenes Interesse
für die Eigenart und die Erwerbungen
der jungen Wissenschaft zuschreiben
möchte. Auch diesmal ist es meine leitende
Absicht gewesen, dem Schein der Ein-
fachheit, Vollständigkeit und Abgeschlossen-
heit keine Opfer zu bringen, Probleme
nicht zu verhüllen, Lücken und Unsicher-
heiten nicht zu verleugnen. Auf keinem
anderen Gebiet wissenschaftlicher Arbeit
dürfte man sich solcher Vorsätze zu nüchterner
Selbstbescheidung rühmen. Sie gelten überall
als selbstverständlich, das Publikum
erwartet es nicht anders. Kein Leser
einer Darstellung der Astronomie wird
sich enttäuscht und der Wissenschaft überlegen
fühlen, wenn man ihm die Grenzen zeigt,
an denen unsere Kenntnis des Weltalls
ins Nebelhafte zerflattert. Nur in der
Psychologie ist es anders, hier kommt
die konstitutionelle Untauglichkeit
des Menschen zu wissenschaftlicher
Forschung in vollem Ausmaß zum
Vorschein. Man scheint von der Psycho-
logie nicht Fortschritte im Wissen zu ver-
langen, sondern irgend welche andere
Befriedigungen; man macht ihr aus jedem
ungelösten Problem, aus jeder einge-
standenen Unsicherheit einen Vorwurf,
mißbraucht im Grunde unsere Ungewißheit
um dieses Wissen herabzuwürdigen.
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Neue Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse1933-001/1932.01
1933-001/1932.01/V