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    27 Sept 10
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor

    Gestern von Italien zurückgekehrt, wo ich eine köstlich schöne u dann eine durch Scirocco gestörte Zeit verlebt habe, von wo ich schliesslich übereilig geflohen bin, um der Choleraquarantaine zu entgehen, finde ich Ihren lieben Brief vor, der sofortige Beantwortung wegen eines nicht gewöhnlichen Umstandes erfordert.  Ich habe nämlich meine ψα Offenheit nur zum Geständnis zu verwerten, dass ich ---- Ihre Arbeit noch nicht gelesen habe.  Nun will ich aber sicher sein, dass Sie nicht meinen, es sei aus Geringschätzg geschehen u Ihnen die nötigen Aufklärungen dafür geben.  Ich habe das Jahrbuch erst spät nach seinem Erscheinen -- in Holland -- erhalten, aber das ist ein Akzidens ohne weitere Bedeutung.  Das Wesentliche liegt darin, dass ich in diesen Ferien zu einer zunächst theoretischen Beschäftigg mit dem Problem des paranoischen Mechanismus gedrängt worden bin u einiges zusammenphantasirt habe, was nun der Prüfung unterzogen werden sollte.  Ich setzte mir vor, zu diesem Zweck zuerst den Schreber, den Sie wol kennen, durchzuarbeiten, u dann Ihre Arbeit herzunehmen.  Im Schreber bin ich nun durch die Rückreise

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    unterbrochen worden.  Sowie ich hier in geregelte Verhältnisse gekommen bin, soll der Plan wieder aufgenommen werden, der Schreber beendigt u Ihre Arbeit angefangen.

    "Den hebt mir auf, sagt Polyphem,
    Dass ich zuletzt ihn speise."

    Ich behalte mir vor, von Ihrer Erlaubnis nachher Gebrauch zu machen u rechne darauf, dass Sie mir Ihre Adresse in England mittheilen.

    Die Nachricht, dass Sie im Dez. heiraten sollen, giebt mir wol ein Recht, Ihnen herzlich Glück zu wünschen., u Ihnen zu versichern, dass mir Ihr Wolbefinden und Ihre Gesinnung gegen mich nicht minder wertvoll sind als Ihre schönen Beiträge zur ΨA.

    Mit freundschaftl. Gruss
    Ihr Freud