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    VI.

    Verlesen und Verschreiben.

    Daß für die Fehler im Lesen und Schreiben die nämlichen Gesichts-
    punkte und Bemerkungen Geltung haben, wie für die Sprechfehler,
    ist bei der inneren Verwandtschaft dieser Funktionen nicht zu ver-
    wundern. Ich werde mich hier darauf beschränken, einige sorgfältig
    analysierte Beispiele mitzuteilen, und keinen Versuch unternehmen,
    das Ganze der Erscheinungen zu umfassen.

    A. Verlesen.

    a) Ich durchblättere im Caféhaus eine Nummer der „Leipziger
    Illustrierten“, die ich schräg vor mir halte, und lese als Unterschrift
    eines sich über die Seite erstreckenden Bildes: Eine Hochzeitsfeier
    in der Odyssee. Aufmerksam geworden und verwundert rücke ich
    mir das Blatt zurecht und korrigiere jetzt: Eine Hochzeitsfeier an
    der Ostsee. Wie komme ich zu diesem unsinnigen Lesefehler?
    Meine Gedanken lenken sich sofort auf ein Buch von Ruths „Expe-
    rimentaluntersuchungen über Musikphantome usw.“, das mich in der
    letzten Zeit viel beschäftigt hat, weil es nahe an die von mir behan-
    delten psychologischen Probleme streift. Der Autor verspricht für
    nächste Zeit ein Werk, welches „Analyse und Grundgesetze der Traum-
    phänomene“ heißen wird. Kein Wunder, daß ich, der ich eben eine
    „Traumdeutung“ veröffentlicht habe, mit größter Spannung diesem
    Buche entgegensehe. In der Schrift Ruths über Musikphantome
    fand ich vorne im Inhaltsverzeichnis die Ankündigung des ausführ-
    lichen induktiven Nachweises, daß die althellenischen Mythen und Sagen
    ihre Hauptwurzeln in Schlummer-
    und Musikphantomen, in Traum-
    phänomenen und auch in Delirien haben. Ich schlug damals sofort im
    Texte nach, um herauszufinden, ob er auch um die Zurückführung der
    Szene, wie Odysseus vor Nausikaa erscheint, auf den gemeinen
    Nacktheitstraum wisse. Mich hatte ein Freund auf die schöne Stelle
    in G. Kellers „Grünem Heinrich“ aufmerksam gemacht, welche
    diese Episode der Odyssee als Objektivierung der Träume des fern von
    der Heimat irrenden Schiffers aufklärt, und ich hatte die Beziehung
    zum Exhibitionstraum der Nacktheit hinzugefügt (S. 170). Bei Ruths
    entdeckte ich nichts davon. Mich beschäftigen in diesem Falle offenbar
    Prioritätsgedanken.

    b) Wie kam ich dazu, eines Tages aus der Zeitung zu lesen: „Im
    Faß durch Europa, anstatt: zu Fuß?“ Diese Auflösung bereitete

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    mir lange Zeit Schwierigkeiten. Die nächsten Einfälle deuteten aller-
    dings: Es müsse das Faß des Diogenes gemeint sein, und in einer Kunst-
    geschichte hatte ich unlängst etwas über die Kunst zur Zeit Alexanders
    gelesen. Es lag dann nahe, an die bekannte Rede Alexanders zu denken:
    „Wenn ich nicht Alexander wäre, möchte ich Diogenes sein.“ Auch
    schwebte mir etwas von einem gewissen Hermann Zeitung vor,
    der in eine Kiste verpackt sich auf Reisen begeben hatte. Aber weiter
    wollte sich der Zusammenhang nicht herstellen, und es gelang mir
    nicht, die Seite in der Kunstgeschichte wieder aufzuschlagen, auf
    welcher mir jene Bemerkung ins Auge gefallen war. Erst Monate
    später fiel mir das beiseite geworfene Rätsel plötzlich wieder ein, und
    diesmal zugleich mit seiner Lösung. Ich erinnerte mich an die Bemer-
    kung in einem Zeitungsartikel, was für sonderbare Arten der Be-
    förderung die Leute jetzt wählten, um nach Paris zur Weltau-
    stellung zu kommen, und dort war auch, wie ich glaube, scherzhaft
    mitgeteilt worden, daß irgend ein Herr die Absicht habe, sich von
    einem anderen Herrn in einem Faß nach Paris rollen zu lassen.
    Natürlich hätten diese Leute kein anderes Motiv, als durch solche Tor-
    heiten Aufsehen zu machen. Hermann Zeitung war in der
    Tat der Name desjenigen Mannes, der für solche außergewöhnliche
    Beförderungen das erste Beispiel gegeben hatte. Dann fiel mir ein,
    daß ich einmal einen Patienten behandelt, dessen krankhafte Angst
    vor der Zeitung sich als Reaktion gegen den krankhaften Ehrgeiz
    auflöste, sich gedruckt und als berühmt in der Zeitung erwähnt zu sehen.
    Der mazedonische Alexander war gewiß einer der ehrgeizigsten Männer,
    die je gelebt haben. Er klagte ja, daß er keinen Homer finden werde,
    der seine Taten besinge. Aber wie konnte ich nur nicht daran
    denken, daß ein anderer Alexander mir näher stehe, daß
    Alexander der Name meines jüngeren Bruders ist! Ich fand nun sofort
    dieses Alexanders und die aktuelle Veranlassung für ihn. Mein Bruder
    ist Sachverständiger in Dingen, die Tarife und Transporte an-
    gehen, und sollte zu einer gewissen Zeit für seine Lehrtätigkeit an einer
    kommerziellen Hochschule den Titel Professor erhalten. Für die
    gleiche Beförderung war ich an der Universität seit mehreren
    Jahren vorgeschlagen, ohne sie erreicht zu haben. Unsere Mutter
    äußerte damals ihr Befremden darüber, daß ihr kleiner Sohn eher
    Professor werden sollte als ihr großer. So stand es zur Zeit, als ich die
    Lösung für jenen Leseirrtum nicht finden konnte. Dann erhoben sich
    Schwierigkeiten auch bei meinem Bruder; seine Chancen, Professor
     

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    zu werden, fielen noch unter die meinigen. Da aber wurde mir plötzlich
    der Sinn jenes Verlesens offenbar; es war, als hätte die Minderung in
    den Chancen des Bruders ein Hindernis beseitigt. Ich hatte mich so
    benommen, als läse ich die Ernennung des Bruders in der Zeitung
    und sagte mir dabei: Merkwürdig, daß man wegen solcher Dumm-
    heiten (wie er sie als Beruf betreibt!) in der Zeitung stehen (d. h. zum
    Professor ernannt werden) kann! Die Stelle über die hellenistische
    Kunst im Zeitalter Alexanders schlug ich dann ohne Mühe auf und
    überzeugte mich zu meinem Erstaunen, daß ich während des vorherigen
    Suchens wiederholt auf derselben Seite gelesen und jedesmal wie unter
    der Herrschaft einer negativen Halluzination den betreffenden Satz
    übergangen hatte. Dieser enthielt übrigens gar nichts, war mir Auf-
    klärung brachte, was des Vergessens wert gewesen wäre. Ich meine,
    das Symptom des Nichtauffindens im Buche ist nur zu meiner Irre-
    führung geschaffen worden. Ich sollte die Fortsetzung der Gedanken-
    verknüpfung dort suchen, wo meiner Nachforschung ein Hindernis
    in den Weg gelegt war, also in irgend einer Idee über den mazedonischen
    Alexander, und sollte so vom gleichnamigen Bruder sicherer abgelenkt
    werden. Dies gelang auch vollkommen; ich richtete alle meine Be-
    mühungen darauf, die verlorene Stelle in jener Kunstgeschichte wieder
    aufzufinden.

    Der Doppelsinn des Wortes „Beförderung“ ist in diesem
    Falle die Assoziationsbrücke zwischen den zwei Komplexen, dem
    unwichtigen, der durch die Zeitungsnotiz angeregt wird, und dem
    interessanteren, aber anstößigen, der sich hier als Störung des zu
    Lesenden geltend machen darf. Man ersieht aus diesem Beispiel, daß
    es nicht immer leicht wird, Vorkommnisse wie diesen Lesefehler aufzu-
    klären. Gelegentlich ist man auch genötigt, die Lösung des Rätsels
    auf eine günstigere Zeit zu verschieben. Je schwieriger sich aber die
    Lösungsarbeit erweist, desto sicherer darf man erwarten, daß der
    endlich aufgedeckte störende Gedanke von unserem bewußten Denken
    als fremdartig und gegensätzlich beurteilt werden wird.

    c) Ich erhalte eines Tages einen Brief aus der Nähe Wiens, der
    mir eine erschütternde Nachricht mitteilt. Ich rufe auch sofort meine
    Frau an und fordere sie zur Teilnahme daran auf, daß die arme
    Wilhelm M. so schwer erkrankt und von den Ärzten aufgegeben ist.
    An den Worten, in welche ich mein Bedauern kleide, muß aber etwas
    falsch geklungen haben, denn meine Frau wird mißtrauisch, verlangt
    den Brief zu sehen und äußert als ihre Überzeugung, so könne es nicht
    darin stehen, denn niemand nenne eine Frau nach dem Namen des

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    Mannes, und überdies sei der Korrespondentin der Vorname der Frau
    sehr wohl bekannt. Ich verteteidige meine Behauptung hartnäckig und
    verweise auf die so gebräuchlichen Visitkarten, auf denen eine Frau
    sich selbst mit dem Vornamen des Mannes bezeichnet. Ich muß endlich
    den Brief zur Hand nehmen, und wir lesen darin tatsächlich „d-
    er arme W. M.“, ja sogar was ich ganz übersehen hatte: „d-
    er arme Dr. W. M.“. Mein Versehen bedeutete also einen, sozusagen krampfhaften,
    Versuch, die traurige Neuigkeit von dem Manne auf die Frau zu über-
    wälzen. Der zwischen Artikel, Beiwort und Name eingeschobene Titel
    paßte schlecht zu der Forderung, es müßte die Frau gemeint sein. Darum
    wurde er auch beim Lesen beseitigt. Das Motiv dieser Verfälschung
    war aber nicht, daß mir die Frau weniger sympathisch wäre als der Mann,
    sondern das Schicksal des armen Mannes hatte meine Besorgnisse um
    eine andere, mir nahe stehende Person rege gemacht, welche eine der
    mir bekannten Krankheitsbedingungen mit diesem Falle gemeinsam
    hatte.

    d) Ärgerlich und lächerlich ist mir ein Verlesen, dem ich sehr
    häufig unterliege, wenn ich in den Ferien in den Straßen einer fremden
    Stadt spaziere. Ich lese dann jede Ladentafel, die dem irgendwie
    entgegenkommt als: Antiquitäten. Hierin äußert sich der Abenteuer-
    lust des Sammlers.

    B. Verschreiben.

    a) Auf einem Blatte, welches kurze tägliche Aufzeichnungen
    meist von geschäftlichem Interesse enthält, finde ich zu meiner Über-
    raschung mitten unter den richtigen Daten des Monats September ein-
    geschlossen das verschriebene Datum „Donnerstag, den 20. Okt.“ Es
    ist nicht schwierig, diese Antizipation aufzuklären, und zwar als Aus-
    druck eines Wunsches. Ich bin wenige Tage vorher frisch von der
    Ferienreise zurückgekehrt und fühle mich bereit für ausgiebige ärztliche
    Beschäftigung, aber die Anzahl der Patienten ist noch gering. Bei
    meiner Ankunft fand ich einen Brief von einer Kranken vor, die sich
    für den 20. Oktober ankündigte. Als ich die gleiche Tageszahl im
    September niederschrieb, kann ich wohl gedacht haben: Die X. sollte
    doch schon da sein; wie schade um den vollen Monat! und in diesem
    Gedanken rückte ich das Datum vor. Der störende Gedanke ist in
    diesem Falle kaum ein anstößiger zu nennen; dafür weiß ich auch
    sofort die Auflösung des Schreibfehlers, nachdem ich ihn erst bemerkt
    habe. Ein ganz analoges und ähnlich motiviertes Verschreiben wieder-
    hole ich dann im Herbst des nächsten Jahres.

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    b) Ich erhalte die Korrektur meines Beitrags zum Jahresbericht
    für Neurologie und Psychiatrie und muß natürlich mit besonderer
    Sorgfalt die Autornamen revidieren, die, weil verschiedenen Nationen
    angehörig, dem Setzer die größten Schwierigkeiten zu bereiten pflegen.
    Manchen fremd klingenden Namen finde ich wirklich noch zu korrigieren,
    aber einen einzigen Namen hat merkwürdiger Weise der Setzer gegen
    mein Manuskript verbessert und zwar mit vollem Rechte. Ich hatte
    nämlich Buckrhard geschrieben, woraus der Setzer Burck-
    hard erriet. Ich hatte die Abhandlung eines Geburtshelfers über den
    Einfluß der Geburt auf die Entstehung der Kinderlähmungen selbst als
    verdienstlich gelobt, wußte auch nichts gegen deren Autor zu sagen,
    aber den gleichen Namen wie er trägt auch ein Schriftsteller in Wien,
    der mich durch eine unverständige Kritik über meine „Traumdeutung“
    geärgert hat. Es ist gerade so, als hätte ich mir bei der Niederschrift
    des Namen Burckhard, der den Geburtshelfer bezeichnete, etwas
    Arges über den anderen B., den Schriftsteller, gedacht, denn Namen-
    verdrehen bedeutet häufig genug, wie ich schon beim Versprechen
    erwähnt habe, Schmähung.1)

    c) Ein anscheinend ernsterer Fall von Verschreiben, den ich viel-
    leicht mit ebensoviel Recht dem „Vergreifen“ einordnen könnte: Ich
    habe die Absicht, mir aus der Postsparkassa die Summe von 300 Kronen
    kommen zu lassen, die ich einem zum Kurgebrauch abwesenden Ver-
    wandten schicken will. Ich bemerke dabei, daß mein Konto auf 4380 Kr.
    lautet, und nehme mir vor, es jetzt auf die runde Summe von 4000 Kr.
    herunterzusetzen, die in der nächsten Zeit nicht angegriffen werden
    soll. Nachdem ich den Check ordnungsmäßig ausgeschrieben und die der
    Zahl entsprechenden Ziffern ausgeschnitten habe, merke ich plötzlich,
    daß ich nicht 380 Kr., wie ich wollte, sondern gerade 438 bestellt habe,
    und erschrecke über die Unzuverlässigkeit meines Tuns. Den Schreck
    erkenne ich bald als unberechtigt; ich bin ja jetzt nicht ärmer geworden,
    als ich vorher war. Aber ich muß eine ganze Weile darüber nachsinnen,
    welcher Einfluß hier meine erste Intention gestört hat, ohne sich meinem
    Bewußtsein anzukündigen. Ich gerate zuerst auf falsche Wege, will


    1)Vgl. etwa die Stelle im Julius Caesar III. 3:

    Cinna. Ehrlich, mein Name ist Cinna.
    Bürger. Reißt ihn in Stücke! er ist ein Verschworener.
    Cinna. Ich bin Cinna der Poet! Ich bin nicht Cinna der Verschworene.
    Bürger. Es tut nichts; sein Name ist Cinna, reißt ihm den Namen aus
    dem Herzen und laßt ihn laufen.

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    die beiden Zahlen, 380 und 438, von einander abziehen, weiß aber dann
    nicht, was ich mit der Differenz anfangen soll. Endlich zeigt mir ein
    plötzlicher Einfall den wahren Zusammenhang. 438 entspricht ja
    zehn Prozent des ganzen Konto von 4380 Kr.! 10% Rabatt hat
    man aber beim Buchhändler! Ich besinne mich, daß ich vor
    wenigen Tagen eine Anzahl medizinischer Werke, die ihr Interesse für
    mich verloren haben, ausgesucht, um sie dem Buchhändler gerade
    für 300 Kronen anzubieten. Er fand die Forderung zu hoch und ver-
    sprach, in den nächsten Tagen endgültige Antwort zu sagen. Wenn er
    mein Angebot annimmt, so hat er mir gerade die Summe ersetzt, welche
    ich für den Kranken verausgaben soll. Es ist nicht zu verkennen, daß
    es mir um diese Ausgabe leid tut. Der Affekt bei der Wahrnehmung
    meines Irrtums läßt sich besser verstehen als Furcht, durch solche Aus-
    gaben arm zu werden. Aber beides, das Bedauern wegen dieser Aus-
    gabe und die an sie geknüpfte Verarmungsangst, sind meinem Bewußtsein
    völlig fremd; ich habe das Bedauern nicht verspürt, als ich jene Summe
    zusagte, und fände die Motivierung desselben lächerlich. Ich würde
    mir eine solche Regung wahrscheinlich gar nicht zutrauen, wenn ich nicht
    durch die Übung in Psychoanalysen bei Patienten mit dem Verdrängten
    im Seelenleben ziemlich vertraut wäre, und wenn ich nicht vor einigen
    Tagen einen Traum gehabt hätte, welcher die nämliche Lösung er-
    forderte.1)

    d) Nach meinem Kollegen Dr. W. Stekel zitiere ich folgenden
    Fall, für dessen Authentizität ich gleichfalls einstehen kann: „Ein geradezu
    unglaubliches Beispiel im Verschreiben und Verlesen ist in der Redaktion
    eines verbreiteten Wochenblattes vorgekommen. Die betreffende
    Leitung wurde öffentlich als „käuflich“ bezeichnet; es galt, einen
    Artikel der Abwehr und Verteidigung zu schreiben. Das geschah auch
    — mit großer Wärme und großem Pathos. Der Chefredakteur des
    Blattes las den Artikel, der Verfasser selbstverständlich mehrmals im
    Manuskript, dann noch im Bürstenabzuge, alle waren sehr befriedigt.
    Plötzlich meldet sich der Korrektor, und macht auf einen kleinen Fehler
    aufmerksam, der der Aufmerksamkeit aller entgangen war. Dort stand
    es ja deutlich: Unsere Leser werden uns das Zeugnis ausstellen, daß wir
    immer in Eigennützigster Weise für das Wohl der Allgemeinheit
    eingetreten sind. Selbstverständlich sollte es uneigennützig-
    eingetreten sind.

    1)Es ist dies jener Traum, den ich in einer kurzen Abhandlung, „Über
    den Traum“, No. VIII der „Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens“, heraus-
    gegeben von Löwenfeld und Kurella, 1901, zum Paradigma genommen habe.

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    ster Weise heißen. Aber die wahren Gedanken brachen mit elemen-
    tarer Gewalt durch die pathetische Rede.“

    Wundt gibt eine bemerkenswerte Begründung für die leicht zu
    bestätigende Tatsache, daß wir uns leichter verschreiben als ver-
    sprechen (l. c. S. 374). „Im Verlaufe der normalen Rede ist fortwährend
    die Hemmungsfunktion des Willens dahin gerichtet, Vorstellungsvorlauf
    und Artikulationsbewegung mit einander in Einklang zu bringen.
    Wird die den Vorstellungen folgende Ausdrucksbewegung durch mecha-
    nische Ursachen verlangsamt wie beim Schreiben-
    ..., so treten daher
    solche Antizipationen besonders leicht ein.“

    Die Beobachtung der Bedingungen, unter denen das Verlesen
    auftritt, gibt Anlaß zu einem Zweifel, den ich nicht unerwähnt lassen
    möchte, weil er nach meiner Schätzung der Ausgangspunkt einer frucht-
    baren Untersuchung werden kann. Es ist jedermann bekannt, wie
    häufig beim Vorlesen die Aufmerksamkeit des Lesenden den Text
    verläßt und sich eigenen Gedanken zuwendet. Die Folge dieses Ab-
    schweifens der Aufmerksamkeit ist nicht selten, daß er überhaupt
    nicht anzugeben weiß, was er gelesen hat, wenn man ihn im Vorlesen
    unterbricht und befragt. Er hat dann wie automatisch gelesen, aber
    er hat fast immer richtig vorgelesen. Ich glaube nicht, daß die Lese-
    fehler sich unter solchen Bedingungen merklich vermehren. Von einer
    ganzen Reihe von Funktionen sind wir auch gewöhnt, anzunehmen,
    daß sie automatisch, also von kaum bewußter Aufmerksamkeit be-
    gleitet, am exaktesten vollzogen werden. Daraus scheint zu folgen,
    daß die Aufmerksamkeitsbedingung der Sprech-, Lese- und Schreib-
    fehler anders zu bestimmen ist, als sie bei Wundt lautet (Wegfall oder
    Nachlaß der Aufmerksamkeit). Die Beispiele, die wir der Analyse
    unterzogen haben, gaben uns eigentlich nicht das Recht, eine quantita-
    tive Verminderung der Aufmerksamkeit anzunehmen; wir fanden,
    was vielleicht nicht ganz dasselbe ist, eine Störung der Aufmerksam-
    keit durch einen fremden, Anspruch erhebenden Gedanken.