S.
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der Quantität der Libido. Eine solche unabhängig auftretende
Konfliktneigung wird man kaum auf anderes zurückführen können
als auf das Eingreifen eines Stückes von freier Aggression.Wenn man den hier erörterten Fall als Äusserung des
Destruktions- oder Aggressionstriebs anerkennt, so erhebt sich
sofort die Frage, ob man nicht dieselbe Auffassung auf andere
Beispiele von Konflikt ausdehnen, ja ob man nicht überhaupt
all unser Wissen vom psychischen Konflikt unter diesem neuen
Gesichtspunkt revidieren soll. Wir nehmen doch an, dass auf dem
Weg der Entwicklung vom Primitiven zum Kulturmenschen eine sehr
erhebliche Verinnerlichung, Einwärtswendung der Aggression
stattfindet, und für die Aussenkämpfe, die dann unterbleiben,
wären die inneren Konflikte sicherlich das richtige Äquivalent.
Es ist mir wohl bekannt, dass die dualistische Theorie, die
einen Todes-, Destruktions- oder Aggressionstrieb als gleich-
berechtigten Partner neben den in der Libido sich kundgebenden
Eros hinstellen will, im allgemeinen wenig Anklang gefunden
und sich auch unter Psychoanalytikern nicht eigentlich durch-
gesetzt hat. Umsomehr mußte es mich erfreuen, als ich unlängstS.
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unsere Theorie bei einem der großen Denker der griechischen
Frühzeit wiederfand. Ich opfere dieser Bestätigung gern das
Prestige der Originalität, zumal da ich bei dem Umfang meiner
Lektüre in früheren Jahren doch nie sicher werden kann, ob
meine angebliche Neuschöpfung nicht eine Leistung der
Kryptomnesie war.Empedokles aus Akragas (Girgenti)5), etwa 495 a.Chr.
5)Das Folgende nach Wilhelm Capelle: Die Vorsokratiker,
Alfred Kröner, Leipzig, 1935.geboren, erscheint als eine der großartigsten und merkwürdigsten
Gestalten der griechischen Kulturgeschichte. Seine vielseitige
Persönlichkeit betätigte sich in den verschiedensten Richtungen;
er war Forscher und Denker, Prophet und Magier, Politiker,
Menschenfreund und naturkundiger Arzt; er soll die Stadt Selinunt
von der Malaria befreit haben, von seinen Zeitgenossen wurde er
wie ein Gott verehrt. Sein Geist scheint die schärfsten Gegen-
sätze in sich vereinigt zu haben; exakt und nüchtern in seinenS.
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physikalischen und physiologischen Forschungen, scheut er doch
vor dunkler Mystik nicht zurück, baut kosmische Spekulation auf
von erstaunlich phantastischer Kühnheit. Capelle vergleicht ihn
dem Dr. Faust, „dem gar manch Geheimnis wurde kund“. Zu einer
Zeit entstanden, da das Reich des Wissens noch nicht in so viele
Provinzen zerfiel, müssen manche seiner Lehren uns primitiv
anmuten. Er erklärte die Verschiedenheiten der Dinge durch
Mischungen der vier Elemente, Erde, Wasser, Feuer und Luft,
glaubte an die Allbelebtheit der Natur und an die Seelenwanderung,
aber auch so moderne Ideen wie die stufenweise Entwicklung der
Lebewesen, das Überbleiben des Tauglichsten und die Anerkennung
der Rolle des Zufalls (τύχη) bei dieser Entwicklung gehen in
sein Lehrgebäude ein.Unser Interesse gebührt aber jener Lehre des Empedokles,
die der psychoanalytischen Triebtheorie so nahe kommt, dass man
versucht wird zu behaupten, die beiden wären identisch, bestünde
nicht der Unterschied, dass die des Griechen eine kosmische
Phantasie ist, während unsere sich mit dem Anspruch auf biologische
Geltung bescheidet. Der Umstand freilich, daß Empedokles demS.
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Weltall dieselbe Beseelung zuspricht wie dem einzelnen Lebewesen,
entzieht dieser Differenz ein großes Stück ihrer Bedeutung.Der Philosoph lehrt also, dass es zwei Prinzipien
des Geschehens im weltlichen wie im seelischen Leben gibt, die
in ewigem Kampf mit einander liegen. Er nennt sie φιλία – Liebe –
und νεῖκος – Streit. Die eine dieser Mächte, die für ihn, im
Grunde triebhaft wirkende Naturkräfte, durchaus keine zweck-
bewussten Intelligenzen“6) sind, strebt darnach, die Urteilchen
der vier Elemente zu einer Einheit zusammenzuballen, die andere
im Gegenteile will all diese Mischungen rückgängig machen und
die Urteilchen der Elemente von einander sondern. Den Weltprozeß
denkt er sich als fortgesetzte, niemals aufhörende Abwechslung
von Perioden, in denen die eine oder die andere der beiden
Grundkräfte den Sieg davonträgt, so dass einmal die Liebe, das
nächste Mal der Streitihreseine Absicht voll durchsetzt und die
Welt beherrscht, worauf der andere, unterlegene, Teil einsetzt6)l.c., S. 186.
S.
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und nun seinerseits den Partner niederringt.
Die beiden Grundprinzipien des Empedokles – φιλία
und νεῖκος – sind dem Namen wie der Funktion nach das Gleiche
wie unsere beiden Urtriebe Eros und Destruktion, der eine bemüht,
das Vorhandene zu immer größeren Einheiten zusammenzufassen,
der andere, diese Vereinigungen aufzulösen und die durch sie
entstandenen Gebilde zu zerstören. Wir werden uns aber auch
nicht verwundern, dass diese Theorie in manchen Zügen verändert
ist, wenn sie nach zweiundeinhalb Jahrtausenden wieder auftaucht.
Von der Einschränkung auf das Biopsychische abgesehen, die uns
auferlegt ist, unsere Grundstoffe sind nicht mehr die vier
Elemente des Empedokles, das Leben hat sich für uns scharf vom
Unbelebten gesondert, wir denken nicht mehr an Vermengung und
Trennung von Stoffteilchen, sondern an Verlötung und Entmischung
von Triebkomponenten. Auch haben wir das Prinzip des „Streites“
gewissermassen biologisch unterbaut, indem wir unseren Destruktions-
trieb auf den Todestrieb zurückführten, den Drang des Lebenden,
zum Leblosen zurückzukehren. Das will natürlich nicht behaupten,
dass ein solcher Trieb erst mit dem Erscheinen des Lebens ent-S.
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standen ist, und nicht in Abrede stellen, dass er schon vorher
bestanden hat. Und niemand kann vorhersehen, in welcher Ein-
kleidung der Wahrheitskern in der Lehre des Empedokles sich
späterer Einsicht zeigen wird.VII.
Ein inhaltreicher Vortrag, den S. Ferenczi 1927
gehalten, „Das Problem der Beendigung der Analysen“,7) schliesst
mit der tröstlichen Versicherung, „dass die Analyse kein endloser7)Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIV, 1928.
Prozeß ist, sondern bei entsprechender Sachkenntnis und Geduld
des Analytikers zu einem natürlichen Abschluß gebracht werden
kann“. Ich meine, im ganzen kommt dieser Aufsatz doch einer
Mahnung gleich, sich nicht die Abkürzung, sondern die Vertiefung
der Analyse zum Ziel zu setzen. Ferenczi fügt noch die wertvolle
Bemerkung an, es sei so sehr entscheidend für den Erfolg, dass
der Analytiker aus seinen eigenen „Irrungen und Irrtümern“
genügend gelernt und die „schwachen Punkte der eigenen Persönlich-S.
- 62 -
keit“ in seine Gewalt bekommen habe. Das ergibt eine wichtige
Ergänzung zu unserem Thema. Nicht nur die Ichbeschaffenheit
des Patienten, auch die Eigenart des Analytikers fordert ihre
Stelle unter den Momenten, die die Aussichten der analytischen
Kur beeinflussen und dieselbe nach Art der Widerstände erschweren.Es ist unbestreitbar, dass die Analytiker in ihrer
eigenen Persönlichkeit nicht durchwegs das Maß von psychischer
Normalität erreicht haben, zu dem sie ihre Patienten erziehen
wollen. Gegner der Analyse pflegen auf diese Tatsache höhnend
hinzuweisen und sie als Argument für die Nutzlosigkeit der
analytischen Bemühung zu verwerten. Man könnte diese Kritik als
ungerechte Anforderung zurückweisen. Analytiker sind Personen,
die eine bestimmte Kunst auszuüben gelernt haben und daneben
Menschen sein dürfen wie auch andere. Man behauptet doch sonst
nicht, dass jemand zum Arzt für interne Krankheiten nicht taugt,
wenn seine internen Organe nicht gesund sind; man kann im Gegen-
teil gewisse Vorteile dabei finden, wenn ein selbst von Tuber-
kulose Bedrohter sich in der Behandlung von Tuberkulösen spezia-
lisiert. Aber die Fälle liegen doch nicht gleich. Der lungen-S.
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oder herzkranke Arzt wird, insoweit er überhaupt leistungsfähig
geblieben ist, durch sein Kranksein weder in der Diagnostik
noch in der Therapie interner Leiden behindert sein, während
der Analytiker infolge der besonderen Bedingungen der analy-
tischen Arbeit durch seine eigenen Defekte wirklich darin
gestört wird, die Verhältnisse des Patienten richtig zu erfassen
und in zweckdienlicher Weise auf sie zu reagieren. Es hat also
seinen guten Sinn, wenn man vom Analytiker als Teil seines
Befähigungsnachweises ein höheres Maß von seelischer Normalität
und Korrektheit fordert; dazu kommt noch, dass er auch eine
gewisse Ueberlegenheit benötigt, um auf den Patienten in gewissen
analytischen Situationen als Vorbild, in anderen als Lehrer zu
wirken. Und endlich ist nicht zu vergessen, dass die analytische
Beziehung auf Wahrheitsliebe, d.h. auf die Anerkennung der
Realität gegründet ist und jeden Schein und Trug ausschließt.Machen wir einen Moment halt, um den Analytiker
unserer aufrichtigen Anteilnahme zu versichern, dass er bei
Ausübung seiner Tätigkeit so schwere Anforderungen erfüllen soll.S.
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Es hat doch beinahe den Anschein, als wäre das Analysieren der
dritte jener „unmöglichen“ Berufe, in denen man des ungenügenden
Erfolgs von vornherein sicher sein kann. Die beiden anderen, weit
länger bekannten, sind das Erziehen und das Regieren. Dass der
zukünftige Analytiker ein vollkommener Mensch sei, ehe er sich mit
der Analyse beschäftigt hat, also dass nur Personen von so hoher
und so seltener Vollendung sich diesem Beruf zuwenden, kann man
offenbar nicht verlangen. Wo und wie soll aber der Ärmste sich
jene ideale Eignung erwerben, die er in seinem Berufe brauchen
wird? Die Antwort wird lauten: in der Eigenanalyse, mit der
seine Vorbereitung für seine zukünftige Tätigkeit beginnt. Aus
praktischen Gründen kann diese nur kurz und unvollständig sein,
ihr hauptsächlicher Zweck ist, dem Lehrer ein Urteil zu ermög-
lichen, ob der Kandidat zur weiteren Ausbildung zugelassen werden
kann. Ihre Leistung ist erfüllt, wenn sie dem Lehrling die
sichere Überzeugung von der Existenz des Unbewußten bringt, ihm
die sonst unglaubwürdigen Selbstwahrnehmungen beim Auftauchen
des Verdrängten vermittelt und ihm an einer ersten Probe die
Technik zeigt, die sich in der analytischen Tätigkeit alleinS.
- 65 -
bewährt hat. Dies allein würde als Unterweisung nicht ausreichen,
allein man rechnet darauf, dass die in der Eigenanalyse erhal-
tenen Anregungen mit deren Aufhören nicht zu Ende kommen, dass
die Prozesse der Ichumarbeitung sich spontan beim Analysierten
fortsetzen und alle weiteren Erfahrungen in dem neu erworbenen
Sinn verwenden werden. Das geschieht auch wirklich, und soweit
es geschieht, macht es den Analysierten tauglich zum Analytiker.Es ist bedauerlich, dass außerdem noch anderes geschieht.
Man bleibt auf Eindrücke angewiesen, wenn man dies beschreiben
will; Feindseligkeit auf der einen, Parteilichkeit auf der
anderen Seite schaffen eine Atmosphäre, die der objektiven
Erforschung nicht günstig ist. Es scheint also, dass zahlreiche
Analytiker es erlernen, Abwehrmechanismen anzuwenden, die ihnen
gestatten, Folgerungen und Forderungen der Analyse von der
eigenen Person abzulenken, wahrscheinlich indem sie sie gegen
andere richten, so dass sie selbst bleiben, wie sie sind, und
sich dem kritisierenden und korrigierenden Einfluß der Analyse
entziehen können. Es mag sein, dass dieser Vorgang dem DichterS.
- 66 -
recht gibt, der uns mahnt, wenn einem Menschen Macht verliehen
wird, falle es ihm schwer, sie nicht zu mißbrauchen.8) Mitunter8)Anatole France: La revolte des anges.
drängt sich dem um ein Verständnis Bemühten die unliebsame
Analogie mit der Wirkung der Röntgenstrahlen auf, wenn man ohne
besondere Vorsichten mit ihnen hantiert. Es wäre nicht zu ver-
wundern, wenn durch die unausgesetzte Beschäftigung mit all dem
Verdrängten, was in der menschlichen Seele nach Befreiung ringt,
auch beim Analytiker alle jene Triebansprüche wachgerüttelt
würden, die er sonst in der Unterdrückung erhalten kann. Auch
dies sind „Gefahren der Analyse“, die zwar nicht dem passiven,
sondern dem aktiven Partner der analytischen Situation drohen,
und man sollte es nicht unterlassen, ihnen zu begegnen. Es kann
nicht zweifelhaft sein, auf welche Weise. Jeder Analytiker sollte
periodisch, etwa nach Verlauf vonvielleichtfünf Jahren, sich wieder
zum Objekt der Analyse machen, ohne sich dieses Schrittes zu
schämen. Das hieße also, auch die Eigenanalyse würde aus einerS.
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endlichen eine unendliche Aufgabe, nicht nur die therapeutische
Analyse am Kranken.Indes hier ist es an der Zeit, ein Mißverständnis
abzuwehren. Ich habe nicht die Absicht zu behaupten, dass die
Analyse überhaupt eine Arbeit ohne Abschluß ist. Wie immer man
sich theoretisch zu dieser Frage stellen mag, die Beendigung
einer Analyse ist, meine ich, eine Angelegenheit der Praxis.
Jeder erfahrene Analytiker wird sich an eine Reihe von Fällen
erinnern können, in denen er rebus bene gestis vom Patienten
dauernden Abschied genommen hat. Weit weniger entfernt sich die
Praxis von der Theorie in Fällen der sogenannten Charakter-
analyse. Hier wird man nicht leicht ein natürliches Ende voraus-
sehen können, auch wenn man sich von übertriebenen Erwartungen
ferne hält und der Analyse keine extremen Aufgaben stellt. Man
wird sich nicht zum Ziel setzen, alle menschlichen Eigenarten
zu Gunsten einer schematischen Normalität abzuschleifen oder gar
zu fordern, dass der „gründlich Analysierte“ keine Leidenschaften
verspüren und keine inneren Konflikte entwickeln dürfe. DieS.
- 68 -
Analyse soll die für die Ichfunktionen günstigsten psychologischen
Bedingungen herstellen; damit wäre ihre Aufgabe erledigt.VIII.
In therapeutischen ebenso wie in Charakteranalysen
wird man auf die Tatsache aufmerksam, dass zwei Themen sich
besonders hervortun und dem Analytiker ungewöhnlich viel zu
schaffen machen. Man kann das Gesetzmässige, das sich darin
äußert, nicht lange verkennen. Die beiden Themen sind an die
Differenz der Geschlechter gebunden; das eine ist ebenso
charakteristisch für den Mann wie das andere für das Weib.
Trotz der Verschiedenheit des Inhalts sind es offenbare Ent-
sprechungen. Etwas, das beiden Geschlechtern gemeinsam ist, ist
durch den Geschlechtsunterschied in eine andere Ausdrucksform
gepreßt worden.Die beiden einander entsprechenden Themen sind für
das Weib der Penisneid – das positive Streben nach dem Besitz
eines männlichen Genitales –, für den Mann das Sträuben gegen
seine passive oder feminine Einstellung zum anderen Mann. Das
Gemeinsame hat die psychoanalytische Nomenklatur frühzeitig alsS.
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Verhalten zum Kastrationskomplex herausgehoben, Alfred Adler
hat später die für den Mann voll zutreffende Bezeichnung
„männlicher Protest“ in Gebrauch gebracht; ich meine, „Ablehnung
der Weiblichkeit“ wäre vom Anfang an die richtige Beschreibung
dieses so merkwürdigen Stücks des menschlichen Seelenlebens
gewesen.Beim Versuch einer Einfügung in unser theoretisches
Lehrgebäude darf man nicht übersehen, dass dieser Faktor seiner
Natur nach nicht die gleiche Unterbringung bei beiden Geschlech-
tern finden kann. Beim Mann ist das Männlichkeitsstreben von
Anfang an und durchaus ichgerecht; die passive Einstellung wird,
da sie die Annahme der Kastration voraussetzt, energisch verdrängt,
und oftmals weisen nur exzessive Überkompensationen auf ihr
Vorhandensein hin. Auch beim Weib ist das Streben nach Männlich-
keit zu einer gewissen Zeit ichgerecht, nämlich in der phallischen
Phase, vor der Entwicklung zur Feminität. Dann aber unterliegt
es jenem bedeutsamen Verdrängungsprozeß, von dessen Ausgang, wie
oft dargestellt, die Schicksale der Weiblichkeit abhängig sind.S.
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Sehr viel wird darauf ankommen, ob genug vom Männlichkeits-
komplex sich der Verdrängung entzieht und den Charakter dauernd
beeinflußt; grosse Anteile des Komplexes werden normaler Weise
umgewandelt, um zum Aufbau der Weiblichkeit beizutragen; aus
dem ungestillten Wunsch nach dem Penis soll der Wunsch nach
dem Kind und nach dem Manne werden, der den Penis trägt.
Ungewöhnlich oft aber werden wir finden, dass der Männlichkeits-
wunsch im Unbewußten erhalten geblieben ist und von der Verdrän-
gung her seine störenden Wirkungen entfaltet.Wie man aus dem Vorstehenden ersieht, ist es in beiden
Fällen das Gegengeschlechtliche, das der Verdrängung verfällt.
Ich habe bereits an anderer Stelle erwähnt,9) dass mir dieser
Gesichtspunkt seinerzeit von Wilhelm Fliess vorgetragen wurde,
der geneigt war, den Gegensatz der Geschlechter für den eigent-
lichen Anlaß und das Urmotiv der Verdrängung zu erklären. Ich
wiederhole nur meinen damaligen Widerspruch, wenn ich es ablehne,
die Verdrängung in solcher Art zu sexualisieren, also sie
biologisch anstatt nur psychologisch zu begründen.9) ? ? ?
S.
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Die hervorragende Bedeutung dieser beiden Themen – des
Peniswunsches beim Weibe und des Sträubens gegen die passive
Einstellung beim Manne – ist der Aufmerksamkeit Ferenczis nicht
entgangen. In seinem 1927 gehaltenen Vortrag stellt er die
Forderung auf, dass jede erfolgreiche Analyse diese beiden
Komplexe bewältigt haben müßte.10) Ich möchte aus eigener Erfahrung
hinzufügen, dass ich Ferenczi hier besonders anspruchsvoll finde.
Zu keiner Zeit der analytischen Arbeit leidet man mehr unter
dem bedrückenden Gefühl erfolglos wiederholter Anstrengung,
unter dem Verdacht, dass man „Fischpredigten“ abhält,
als wenn man die Frauen bewegen will, ihren Peniswunsch als
undurchsetzbar aufzugeben, und wenn man die Männer überzeugen
möchte, dass eine passive Einstellung zum Mann nicht immer die
Bedeutung einer Kastration hat und in vielen Lebensbeziehungen
unerläßlich ist. Aus der trotzigen Überkompensation des Mannes
leitet sich einer der stärksten Übertragungswiderstände ab.
Der Mann will sich einem Vaterersatz nicht unterwerfen, will
ihm nicht zu Dank verpflichtet sein, will also auch vom Arzt
die Heilung nicht annehmen. Eine analoge Übertragung kann sich10) „…jeder männliche Patient muss dem Arzt gegenüber als
Zeichen der Ueberwindung der Kastrationsangst ein Gefühl der
Gleichberechtigung erlangen, alle weiblichen Kranken müssen,
soll ihre Neurose als eine vollständig erledigte gelten, mit
ihrem Männlichkeitskomplex fertig werden und sich ohne Ranküne
den Denkmöglichkeiten der weiblichen Rolle hingeben.“ (l.c., S. 8).S.
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aus dem Peniswunsch des Weibes nicht herstellen, dagegen stammen
aus dieser Quelle Ausbrüche von schwerer Depression um die
innere Sicherheit, dass die analytische Kur nichts nützen wird
und dass der Kranken nicht geholfen werden kann. Man wird ihr
nicht unrecht geben, wenn man erfährt, dass die Hoffnung,
das schmerzlich vermißte männliche Organ doch noch zu bekommen,
das stärkste Motiv war, das sie in die Kur gedrängt hat.Man lernt aber auch daraus, dass es nicht wichtig
ist, in welcher Form der Widerstand auftritt, ob als Übertragung
oder nicht. Entscheidend bleibt, dass der Widerstand keine
Änderung zustande kommen lässt, dass alles so bleibt, wie es ist.
Man hat oft den Eindruck, mit dem Peniswunsch und dem männlichen
Protest sei man durch alle psychologische Schichtung hindurch
zum „gewachsenen Fels“ durchgedrungen und so am Ende seiner
Tätigkeit. Das muß wohl so sein, denn für das Psychische spielt
das Biologische wirklich die Rolle des unterliegenden gewach-
senen Felsens. Die Ablehnung der Weiblichkeit kann ja nichts
anderes sein als eine biologische Tatsache, ein Stück jenesS.
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grossen Rätsels der Geschlechtlichkeit.11) Ob und wann es uns in
einer analytischen Kur gelungen ist, diesen Faktor zu bewältigen,
wird schwer zu sagen sein. Wir trösten uns mit der Sicherheit,
dass wir dem Analysierten jede mögliche Anregung geboten haben,
seine Einstellung zu ihm zu überprüfen und zu ändern.11) Man darf sich durch die Bezeichnung „männlicher Protest“
nicht zur Annahme verleiten lassen, die Ablehnung des Mannes
gelte der passiven Einstellung, dem sozusagen sozialen Aspekt
der Feminität. Dem widerspricht die leicht zu bestätigende
Beobachtung, dass solche Männer häufig ein masochistisches
Verhalten gegen das Weib, gradezu eine Hörigkeit zur Schau tragen.
Der Mann wehrt sich nur gegen die Passivität im Verhältnis
zum Mann, nicht gegen die Passivität überhaupt. Mit anderen
Worten, der „männliche Protest“ ist in der Tat nichts anderes
als Kastrationsangst.
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Die endliche und die unendliche Analyse1937-001/1937.02