Die Traumdeutung1900-001/1925.2
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    VORBEMERKUNG

     

    Indem ich hier die Darstellung der Traumdeutung versuche, glaube ich
    den Umkreis neuropathologischer Interessen nicht überschritten zu haben.
    Denn der Traum erweist sich bei der psychologischen Prüfung als das
    erste Glied in der Reihe abnormer psychischer Gebilde, von deren weiteren
    Gliedern die hysterische Phobie, die Zwangs- und die Wahnvorstellung den
    Arzt aus praktischen Gründen beschäftigen müssen. Auf eine ähnliche prak-
    tische Bedeutung kann der Traum – wie sich zeigen wird – Anspruch
    nicht erheben; um so größer ist aber sein theoretischer Wert als Paradigma,
    und wer sich die Entstehung der Traumbilder nicht zu erklären weiß,
    wird sich auch um das Verständnis der Phobien, Zwangs- und Wahn-
    ideen, eventuell um deren therapeutische Beeinflussung, vergeblich bemühen.

    Derselbe Zusammenhang aber, dem unser Thema seine Wichtigkeit ver-
    dankt, ist auch für die Mängel der vorliegenden Arbeit verantwortlich zu
    machen. Die Bruchflächen, welche man in dieser Darstellung so reichlich
    finden wird, entsprechen ebenso vielen Kontaktstellen, an denen das Problem
    der Traumbildung in umfassendere Probleme der Psychopathologie eingreift,
    die hier nicht behandelt werden konnten, und denen, wenn Zeit und Kraft
    ausreichen und weiteres Material sich einstellt, spätere Bearbeitungen ge-
    widmet werden sollen.

    Eigentümlichkeiten des Materials, an dem ich die Traumdeutung erläutere,
    haben mir auch diese Veröffentlichung schwer gemacht. Es wird sich aus
    der Arbeit selbst ergeben, warum alle in der Literatur erzählten oder von
    Unbekannten zu sammelnden Träume für meine Zwecke unbrauchbar sein
    mußten; ich hatte nur die Wahl zwischen den eigenen Träumen und
    denen meiner, in psychoanalytischer Behandlung stehenden Patienten. Die
    Verwendung des letzteren Materials wurde mir durch den Umstand ver-
    wehrt, daß hier die Traumvorgänge einer unerwünschten Komplikation

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    durch die Einmengung neurotischer Charaktere unterlagen. Mit der Mit-
    teilung meiner eigenen Träume aber erwies sich als untrennbar verbunden,
    daß ich von den Intimitäten meines psychischen Lebens fremden Ein-
    blicken mehr eröffnete, als mir lieb sein konnte und als sonst einem
    Autor, der nicht Poet sondern Naturforscher ist, zur Aufgabe fällt. Das
    war peinlich aber unvermeidlich; ich habe mich also darein gefügt, um
    nicht auf die Beweisführung für meine psychologischen Ergebnisse über-
    haupt verzichten zu müssen. Natürlich habe ich doch der Versuchung
    nicht widerstehen können, durch Auslassungen und Ersetzungen manchen
    Indiskretionen die Spitze abzubrechen; so oft dies geschah, gereichte es
    dem Werte der von mir verwendeten Beispiele zum entschiedensten Nach-
    teile. Ich kann nur die Erwartung aussprechen, daß die Leser dieser Arbeit
    sich in meine schwierige Lage versetzen werden, um Nachsicht mit mir
    zu üben, und ferner, daß alle Personen, die sich in den mitgeteilten
    Träumen irgendwie betroffen finden, wenigstens dem Traumleben Ge-
    dankenfreiheit nicht werden versagen wollen.