S.
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und der die Beziehung zur mittleren Phase herstellt ist der folgende:
die Phantasie ist jetzt der Träger einerhohenunzweideutig
sexuellen Erregung und vermittelt als solche die onanistische
Befriedigung. Gerade das ist aber das Rätselhafte; auf welchem
Wege ist die nunmehr sadistische Phantasie, daß fremde
und unbekannte Buben geschlagen werden, zu dem von
da an dauernden Besitz der libidinösen Strebung
des kleinen Mädchens gekommen?
Wir verhehlen uns auch nicht, daß Zusammenhang und
Aufeinanderfolge der drei Phasen der Schlagephan--
tasie wie alle ihreanderenEigentümlichkeiten bisher ganz un--
verständlich geblieben sind.IV.
Führt man die Analyse durch jene frühe Zeiten,
in die die Schlagephantasien verlegt, und aus
denen sie erinnert werden, so zeigt sie das Kind
in die Erregungen seines Elternkomplexes
verstrickt.
Das kleine Mädchen ist zärtlich an den Vater fixiert
der wahrscheinlich alles getan hat um seine Liebe
zu gewinnen und legt dabei den Keim zu einer
Haß- und Konkurrenzeinstellung gegen
die Mutter, die neben einer Strömung von
zärtlicher Anhänglichkeit bestehen kann, und der
vorbehalten ist, mit den Jahren immer stärker und
deutlicher bewußt zu werden oder den Anstoß zu
einer übergroßen reaktiven Liebesbindung an
sie zu geben. Aber nicht an das Verhältnis zur
Mutter knüpft die Schlagephantasie an. Es giebt
in der Kinderstube noch andere Kinder, um ganz
wenige Jahre älter oder jünger, die man aus allen
anderen Gründen, hauptsächlich aber darum nicht
mag, weil man die Liebe der Eltern mit ihnen
teilen soll, und die man darum mit der ganzen
wilden Energie, die dem Gefühlsleben dieser
Jahre eigen ist, von sich stößt. Ist es ein jüngeres
Geschwisterchen (wie in 3 von meinen 4 Fällen),
so verachtet man es, außerdem daß man es haßt, und
muß doch zusehen wie es jenen Anteil von
Zärtlichkeit an sich zieht den die verblendeten
Eltern jedesmal für das Jüngste bereit haben.
Man versteht bald, daß Geschlagenwerden, auch wenn
es nicht sehr wehe tut, eine Absage der Liebe
und eine Demütigung bedeutet. So manches Kind,
das sich für sicher thronend in der unerschütterlichen
Liebe seiner Eltern hielt, ist durch einen einzigen
Schlag aus allen Himmeln seiner eingebildeten
Allmacht gestürzt worden. Also ist es eine behagliche
Vorstellung, daß der Vater dieses verhaßte Kind schlägt,S.
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ganz unabhängig davon, ob man gerade ihn schlagen gesehen
hat. Es heißt: der Vater liebt dieses andere Kind nicht,
er liebt nur mich.
Dies ist also Inhalt und Bedeutung der Schlagephantasie
in ihrer ersten Phase. Die Phantasie befriedigt offenbar
die Eifersucht des Kindes und hängt von seinem
Liebesleben ab, aber sie wird auch von dessen egoistischen
Interessen kräftig gestützt. Es bleibt also zweifelhaft
ob man sie als eine rein „sexuelle“ bezeichnen darf;
auch eine „sadistische“ getraut man sich nicht, sie zu nennen.
Man weiß ja, daß gegen den Ursprung hin alle die
Kennzeichen zu verschwimmen pflegen auf welche
wir unsere Unterscheidungen aufzubauen gewohnt
sind. Also vielleicht ähnlich wie die Verheißung der
drei Schicksalsschwestern an Banquo lautete: nicht
sicher sexuell, nicht selbst sadistisch aber doch der
Stoff aus dem später beides werden soll. Keinesfalls
aber liegt ein Grund zur Vermutung vor, daß
schon diese erste Phase der Phantasie einer Erregung
dient, welche sich unter Inanspruchnahme der
Genitalien Abfuhr in einem onanistischen Akt zu
verschaffenhatlernt.
In dieser vorzeitigen Objektwahl der inzestuösen Liebe
erreicht das Sexualleben des Kindes offenbar
die Stufe der genitalen Organisation. Es ist dies für
den Knaben leichter nachzuweisen, aber auch fürs
kleine Mädchen nicht zu bezweifeln. Etwas wie eine
Ahnung der späteren definitiven und normalen
Sexualziele beherrscht das libidinöse Streben des
Kindes; man mag sich füglich verwundern woher es
kommt, darf es aber als Beweis dafür nehmen, daß
die Genitalien ihre Rolle beim Erregungsvorgang
bereits angetreten haben. Der Wunsch mit der
Mutter ein Kind zu haben fehlt nie beim Knaben,
der Wunsch vom Vater ein Kind zu bekommen
ist beim Mädchen konstant, und dies bei völliger
Unfähigkeit sich Klarheit über den Weg zu schaffen,
der zur Erfüllung dieses Wunsches führen kann.
Daß die Genitalien etwas damit zu tun haben, scheint
beim Kinde festzustehen, wenngleich seine
grübelnde Tätigkeit das Wesen
der zwischen den Eltern vorausgesetzten Intimität
in andersartigen Beziehungen suchen mag, z.B. im Bei--
sammenschlafen, in gemeinsamer Harnentleerung u.dgl.
und solcher Inhalt eher in Wortvorstellungen er--
faßt werden kann als das Dunkle, das mit dem
Genitalen zusammenhängt.S.
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Allein es kommt die Zeit, zu der diese frühe Blüte vom
Frost geschädigt wird; keine dieser inzestuösen Verliebtheiten
kann dem Verhängnis der Verdrängung
entgehen. Sie verfallen ihr entweder bei nachweisbaren
äußeren Anlässen die eine Enttäuschung hervorrufen
bei unerwarteten Kränkungen, bei der unerwünschten
Geburt eines neuen Geschwisterchens die als Treu--
losigkeit empfunden wird usw., oder ohne solche
Veranlassungen, von innen heraus, vielleicht nur in
Folge des Ausbleibens der zu lange ersehnten
Erfüllung. Es ist unverkennbar, daß die Veranlassungen
nicht die wirkenden Ursachen sind, sondern daß
es diesen Liebesbeziehungen bestimmt ist, irgend einmal
unterzugehen, wir können nicht sagen woran. Am
wahrscheinlichsten ist es, daß sie vergehen weil ihre
Zeit um ist, weil das Kind in eine neue Entwicklungs--
phase eintritt, in welchersiees genötigtsindist, die
Verdrängung der inzestuösen Objektwahl aus
der Menschheitsgeschichte zu wiederholen wiesiees
vorher gedrängtwarenwar solche Objektwahl vorzu--
nehmen. (Siehe das Schicksal in der Oedipusmythe).
Was als psychisches Ergebnis der inzestuösen Liebes--
regungen unbewußt vorhanden ist, wird vom Bewußt--
sein der neuen Phase nicht mehr übernommen,
was davon bereits bewußt geworden war, wieder
herausgedrängt. Gleichzeitig mit diesem Verdrängungs--
vorgang erscheint ein Schuldbewußtsein, auch
dieses unbekannter Herkunft, aber ganz unzweifel--
haft an jene Inzestwünsche geknüpft und durch
deren Fortdauer im Unbewußten gerecht--
fertigt.
Die Phantasie der inzestuösen Liebeszeit hatte gesagt: Er
(der Vater) liebt nur mich, nicht das andere Kind,
denn dieses schlägt er ja. Das Schuldbewußtsein weiß
keine härtere Strafe zu finden, als die Umkehrung
dieses Triumphes: „Nein, er liebt dich nicht, denn er
schlägt dich.“ So würde die Phantasie der zweiten
Phase, selbst vom Vater geschlagen zu werden, zum
direkten Ausdruck des Schuldbewußtseins, dem
nun die Liebe zum Vater unterliegt. Sie ist nun
also masochistisch geworden; meines Wissens ist es immer
so, jedesmal ist das Schuldbewußtsein das Moment,
welches den Sadismus zum Masochismus umwandelt.S.
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Dies ist aber gewiß nicht der ganze Inhalt des Masochismus, das
Schuldbewußtsein kann nicht allein das Feld behauptet
haben; der Liebesregung muß auch ihr Anteil werden.
Erinnern wir uns daran, daß es sich um Kinder handelt
bei denen die sadistische Komponente aus konstitut--
ionellen Gründen vorzeitig und isoliert hervortreten
konnte. Wir brauchen diesen Gesichtspunkt nicht auf--
zugeben. Bei eben diesen Kindern ist ein Rückgreifen
auf die prägenitale, sadistisch-anale Organisation
des Sexuallebens besonders erleichtert. Wenn die
kaum erreichte genitale Organisation von der
Verdrängung betroffen wird, so tritt nicht nur
die eine Folge auf, daß jegliche psychische Vertretung
der inzestuösen Liebe unbewußt wird oder bleibt,
sondern es kommt noch als andere Folge hinzu, daß
die Genitalorganisation selbst eine regressive
Erniedrigung erfährt. Das: Der Vater liebt mich, war
im genitalen Sinne gemeint; durch die Regression
verwandelt es sich in: der Vater schlägt mich (ich
werde vom Vater geschlagen). Dies Geschlagenwerden
ist nun ein Zusammentreffen von Schuldbewußtsein
und Erotik; es ist nicht nur die Strafe für die ver--
pönte genitale Beziehung sondern auch der regressive
Ersatz für sie, und aus dieser letzteren Quelle
bezieht es die libidinöse Erregung, die ihm von nun
anhaften und in onanistischen Akten Abfuhr finden
wird. Dies ist aber erst das Wesen des Masochismus.
Die Phantasie der zweiten Phase, vom Vater
geschlagen zu werden, bleibt in der Regel unbewußt,
wahrscheinlich infolge der Intensität der Verdrängung.
Ich kann nicht angeben warum sie doch in einem meiner
sechs Fälle (einem männlichen) bewußt erinnert
wurde. Dieser jetzt erwachsene Mann hatte es klar
im Gedächtnis bewahrt, daß er die Vorstellung
von der Mutter geschlagen zu werden zu onanistischen
Zwecken zu gebrauchen pflegte; allerdings ersetzte
er die eigene Mutter bald durch die Mütter
von Schulkollegen oder andere, ihr irgendwie
ähnliche Frauen. Es ist nicht zu vergessen, daß bei der
Verwandlung der inzestuösen Phantasie des Knaben
in die entsprechende masochistische eine Umkehrung
mehr vor sich geht als im Falle des Mädchens nämlich
die Ersetzung von Aktivität durch Passivität, und
dies Mehr von Entstellung mag die Phantasie
vor dem Unbewußtbleiben als Erfolg der Ver--
drängung schützen. Dem Schuldbewußtsein hätte soS.
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die Regression an Stelle der Verdrängung genügt, in den
weiblichen Fällen wäre das, vielleicht an sich anspruchsvollere,
Schuldbewußtsein erst mitdurchdem Zusammenwirken beider
begütigt worden.
In zweien meiner vier weiblichen Fälle hatte sich über
der masochistischen Schlagephantasie ein kunstvoller,
für das Leben der Betreffenden sehr bedeutsamer
Überbau von Tagträumen entwickelt, dem die
Funktion zufiel bei Verzicht auf den onanistischen
Aktdieein das Gefühl der befriedigten Erregung
möglich zu machen. Ineinemeinem dieser Fälle durfte
der Inhalt, vom Vater geschlagen zu werden, sich
wieder ins Bewußtsein wagen wenn das eigene Ich
durch leichte Verkleidung unkenntlich gemacht war.
Der Held dieser Geschichten wurde regelmäßig vom
Vater geschlagen, später nur bestraft, gedemütigt usw.
Ich wiederhole aber, in der Regel bleibt die Phantasie
unbewußt und muß erst in der Analyse rekonstruiert
werden. Dies läßt vielleicht den Patienten Recht geben,
die sich erinnern wollen, die Onanie sei bei ihnen
früher aufgetreten als die – gleich zu besprechende –
Schlagephantasie der dritten Phase; letztere habe
sich erst später hinzugesellt, etwa unter dem
Eindruck von Schulszenen. Wenn wir diesen Angaben
Glauben schenkten waren wir immer geneigt anzu--
nehmen, die Onanie sei zunächst unter der Herr--
schaft unbewußter Phantasien gestanden, die
später durch bewußte ersetzt wurden.
Als solchen Ersatz fassen wir dann die bekannte
Schlagephantasie der dritten Phase auf, die endgiltige
Gestaltung derselben in der das phantasierende Kindundhöchstens noch als Zuschauer vorkommt, der
Vater in der Person eines Lehrers oder
sonstigen Vorgesetzten erhalten ist. Die Phantasie,
die nun jener der ersten Phase ähnlich ist, scheint sich
wieder ins Sadistische gewendet zu haben. Es macht
den Eindruck als wäre in dem Satze:
Der Vater schlägt das andere Kind, er liebt nur mich,
der Akzent auf den ersten Teil zurückgewichen,ebenso
nachdem der zweite der Verdrängung erlegen ist. Allein
nur die Form dieser Phantasie ist sadistisch, die
Befriedigung, die aus ihr gewonnen wird, ist eine maso--
chistische. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie die
libidinöse Besetzung des verdrängten Anteils über--
nommenhatund mit dieser auch das am Inhalt haftendeS.
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Schuldbewußtsein. Alle die vielen unbestimmten Kinder,
die vom Lehrer geschlagen werden, sind doch nur
Ersetzungen der eigenen Person.
Hier zeigt sich auch zum ersten Mal etwas wie eine
Konstanz des Geschlechts bei den der Phantasie dienenden
Personen. Die geschlagenen Kinder sind fast durchwegs
Knaben, in den Phantasien der Knaben ebensowol
wie in denen der Mädchen. Dieser Zug erklärt sich
greifbarer Weise nicht aus einer etwaigen Konkur--
renz der Geschlechter, denn sonst müßten ja in
den Phantasien der Knaben vielmehr Mädchen
geschlagen werden; er hat auch nichts mit dem Geschlecht
des gehaßten Kindes der ersten Phase zu tun,
sondern er weist auf einen komplizierteren Vor--
gang bei den Mädchen hin. Wenn sie sich von
der genital gemeinten inzestuösen Liebe zum
Vater abwenden, brechen sie überhaupt leicht
mit ihrer weiblichen Rolle, beleben ihren „Männ--
lichkeitskomplex“ (V. Ophuijsen) und wollen von da
an nur Buben sein. Daher sind auch ihre Prügel--
knaben die sie vertreten Buben. In beiden
Fällen von Tagträumen – der eine erhob sich beinahe
zum Niveau einer Dichtung – waren die Helden
immer nur junge Männer, ja Frauen kamen
in diesen Schöpfungen überhaupt nicht vor und fanden
erst nach vielen Jahren in Nebenrollen Aufnahme.
V.
Ich hoffe, ich habe meine analytischen Erfahrungen detailliert
genug vorgetragen und bitte nur noch in Betracht
zu ziehen, daß die oft erwähnten sechs Fälle nicht
mein Material erschöpfen, sondern daß ich
auch wie andere Analytiker über eine weit
größere Anzahl von minder gut untersuchten
Fällen verfüge. Diese Beobachtungen können nach
mehreren Richtungen verwertet werden, zur Aufklärung
über die Genese der Perversionen überhaupt, im be--
sonderen des Masochismus und zur Würdigung der
Rolle, welche der Geschlechtsunterschied in der Dynamik
der Neurose spielt.
Das augenfälligste Ergebnis einer solchen Diskussion
betrifft die Entstehung der Perversionen. An der
Auffassung die bei ihnen die konstitutionelle
Verstärkung oder Voreiligkeit einer Sexual--
komponente in den Vordergrund rückt, wird
zwar nicht gerüttelt, aber damit ist nicht alles gesagt.
Die Perversion steht nicht mehr isoliert im Sexual--
leben des Kindes, sondern sie wird in den
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"Ein Kind wird geschlagen"1919-002/1919.01