Die Traumdeutung1900-001/1914
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    Vorbemerkung.

    Indem ich hier die Darstellung der Traumdeutung versuche,
    glaube ich den Umkreis neuropathologischer Interessen nicht über-
    schreiten zu haben. Denn der Traum erweist sich bei der psycho-
    logischen Prüfung als das erste Glied in der Reihe abnormer psychischer
    Gebilde, von deren weiteren Gliedern die hysterische Phobie, die
    Zwangs- und die Wahnvorstellung den Arzt aus praktischen Gründen
    beschäftigen müssen. Auf eine ähnliche praktische Bedeutung kann
    der Traum – wie sich zeigen wird – Anspruch nicht erheben; um
    so größer ist aber sein theoretischer Wert als Paradigma, und wer
    sich die Entstehung der Traumbilder nicht zu erklären weiß, wird
    sich auch um das Verständnis der Phobien, Zwangs- und Wahnideen,
    eventuell um deren therapeutische Beeinflussung, vergeblich bemühen.

    Derselbe Zusammenhang aber, dem unser Thema seine Wichtig-
    keit verdankt, ist auch für die Mängel der vorliegenden Arbeit ver-
    antwortlich zu machen. Die Bruchflächen, welche man in dieser Dar-
    stellung so reichlich finden wird, entsprechen ebensovielen Kontakt-
    stellen, an denen das Problem der Traumbildung in umfassendere
    Probleme der Psychopathologie eingreift, die hier nicht behandelt
    werden konnten, und denen, wenn Zeit und Kraft ausreichen und
    weiteres Material sich einstellt, spätere Bearbeitungen gewidmet wer-
    den sollen.

    Eigentümlichkeiten des Materials, an dem ich die Traumdeutung
    erläutere, haben mir auch diese Veröffentlichung schwer gemacht. Es
    wird sich aus der Arbeit selbst ergeben, warum alle in der Literatur
    erzählten oder von Unbekannten zu sammelnden Träume für meine
    Zwecke unbrauchbar sein mußten; ich hatte nur die Wahl zwischen
    den eigenen Träumen und denen meiner in psychoanalytischer Behand-
    lung stehenden Patienten. Die Verwendung des letzteren Materials
    wurde mir durch den Umstand verwehrt, daß hier die Traumvorgänge

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    einer unerwünschten Komplikation durch die Einmengung neurotischer
    Charaktere unterlagen. Mit der Mitteilung meiner eigenen Träume
    aber erwies sich als untrennbar verbunden, daß ich von den Intimitäten
    meines psychischen Lebens fremden Einblicken mehr eröffnete als
    mir lieb sein konnte und als sonst einem Autor, der nicht Poet, son-
    dern Naturforscher ist, zur Aufgabe fällt. Das war peinlich, aber
    unvermeidlich; ich habe mich also darein gefügt, um nicht auf die
    Beweisführung für meine psychologischen Ergebnisse überhaupt ver-
    zichten zu müssen. Natürlich habe ich doch der Versuchung nicht
    widerstehen können, durch Auslassungen und Ersetzungen manchen
    Indiskretionen die Spitze abzubrechen; so oft dies geschah, gereichte
    es dem Werte der von mir verwendeten Beispiele zum entschiedensten
    Nachteile. Ich kann nur die Erwartung aussprechen, daß die Leser
    dieser Arbeit sich in meine schwierige Lage versetzen werden, um
    Nachsicht mit mir zu üben, und ferner daß alle Personen, die sich
    in den mitgeteilten Träumen irgendwie betroffen finden, wenigstens
    dem Traumleben Gedankenfreiheit nicht werden versagen wollen.