S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX. BERGGASSE 19.
14. X. 07
Verehrter Herr College
Gestatten Sie mir, dass ich an den Dank für die
mir letzthin übersandte Abhandlung „Über das Gehör-
organ der Vögel“ zwei andere Mittheilungen anknüpfe,
denen beiden der Zusammenhang mit unseren
früheren Beziehungen gemeinsam ist.
I. Herr Deuticke, der Verleger unserer „Studien über Hysterie“
will die zweite Auflage des Buches endlich im Jahre
1908 auf den Markt bringen und hat mich aufgefordert,
darüber in Verhandlung mit Ihnen zu treten. Sie haben
seinerzeit geäußert, dass Sie nichts anderes als einen
unveränderten Abdruck gut heißen würden; ich bin für
meinen Antheil der nämlichen Ansicht. Vielleicht
wäre eine kurze Vorrede zur zweiten Auflage erford-
erlich, deren Entwurf wol Ihnen als dem auf dem
Titel mit Recht voranstehenden Autor zufallen
würde. Ich erbitte mir hierüber Ihre Äußerung.
II. Ich habe mir erlaubt, die Summe von Kr 2000 von
meinem Postsparkassenkonto auf Ihres schreiben
zu lassen, um nach langer Unterbrechung wieder
einen Schritt zur Tilgung meiner alten Geldschuld
an Sie zu thun. Da ich zu meiner Beschämung
gestehen muß, daß ich deren Höhe nicht kenne, bitte
ich Sie, mich mit einem Wort darüber zu orientiren.
Ich bin mit einer, alle sonstigen Wandlungen
überdauernden, Hochachtung
Ihr ergebener
Dr Freud