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bereits über ein stattliches Material von Beobach-
tungen verfügte, die der seinigen analog waren, schlug ich ihm eine gemeinsame
Publikation vor, gegen die er sich anfangs heftig sträubte. Er
gab endlich nach, zumal da unterdes Janets Arbeiten einen Teil
seiner Ergebnisse, die Zurückführung hysterischer Symptome auf
Lebenseindrücke und deren Aufhebung durch hypnotische Re-
produktion in statu nascendi vorweggenommen hatten. Wir ließen
1893 eine vorläufige Mitteilung erscheinen: „Über den psychischen
Mechanismus hysterischer Phänomene“. 1895 folgte unser Buch
„Studien über Hysterie“.Wenn die bisherige Darstellung beim Leser die Erwartung
erweckt hat, die „Studien über Hysterie“ würden in allem Wesent-
lichen ihres materiellen Inhalts Breuers geistiges Eigentum sein,
so ist das dasjenige, was ich immer vertreten habe und
auch diesmal aussagen wollte. An der Theorie, welche das Buch
mitgearbeitet. Diese ist bescheiden, geht nicht weit über den
unmittelbaren Ausdruck der Beobachtungen hinaus. Sie will
nicht die Natur der Hysterie ergründen, sondern bloß die Ent-
stehung ihrer Symptome beleuchten. Dabei betont sie die Be-
deutung des Affektlebens, die Wichtigkeit der Unterscheidung
zwischen unbewußten und bewußten (besser: bewußtseinsfähigen)
seelischen Akten, führt einen dynamischen Faktor ein, indem sie
das Symptom durch die Aufstauung eines Affekts entstehen läßt,
und einen ökonomischen, indem sie dasselbe Symptom als das
Ergebnis der Umsetzung einer sonst anderswie verwendeten Energie-
menge betrachtet (sog. Konversion). Breuer nannte unser
Verfahren das kathartische; als dessen therapeutische Absicht
wurde angegeben, den zur Erhaltung des Symptoms verwendeten
Affektbetrag, der auf falsche Bahnen geraten und dort gleichsam
eingeklemmt war, auf die normalen Wege zu leiten, wo er zur
Abfuhr gelangen konnte (abreagieren). Der praktische Erfolg
der kathartischen Prozedur war ausgezeichnet. Die Mängel, die
sich später herausstellten, waren die einer jeden hypnotischen
Behandlung. Noch jetzt gibt es eine Anzahl von Psychothera-
peuten, die bei der Katharsis im Sinne Breuers stehen geblieben
sind und sie zu loben wissen. In der Behandlung der Kriegs-
neurotiker des deutschen Heeres während des Weltkriegs hat sie
sich als abkürzendes Heilverfahren unter den Händen von
E. Simmel von neuem bewährt. Von der Sexualität ist in derII
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Theorie der Katharsis nicht viel die Rede. In den Kranken
geschichten, die ich zu den „Studien“ beigesteuert, spielen Momente
aus dem Sexualleben eine gewisse Rolle, werden aber kaum anders
gewertet als sonstige affektive Erregungen. Von seiner berühmt
gewordenen ersten Patientin erzählt Breuer, das Sexuale sei
bei ihr erstaunlich unentwickelt gewesen. Aus den „Studien
über Hysterie“ hätte man nicht leicht erraten können, welche
Bedeutung die Sexualität für die Ätiologie der Neurosen hat.Das nun folgende Stück der Entwicklung, den Übergang
von der Katharsis zur eigentlichen Psychoanalyse, habe ich bereits
mehrmals so eingehend beschrieben, daß es mir schwer fallen wird,
hier etwas Neues vorzubringen. Das Ereignis, welches diese Zeit
einleitete, war der Rücktritt Breuers von unserer Arbeits
gemeinschaft, so daß ich sein Erbe allein zu verwalten hatte. Es
hatte schon frühzeitig Meinungsverschiedenheiten zwischen uns
gegeben, die aber keine Entzweiung begründeten. In der Frage,
wann ein seelischer Ablauf pathogen, d. h. von der normalen
Erledigung ausgeschlossen werde, bevorzugte Breuer eine so
zusagen physiologische Theorie; er meinte, solche Vorgänge ent
zögen sich dem normalen Schicksal, die in außergewöhnlichen
– hypnoiden – Seelenzuständen entstanden seien. Damit war
eine neue Frage, die nach der Herkunft solcher Hypnoide, auf
geworfen. Ich hingegen vermutete eher ein Kräftespiel, die Wirkung
von Absichten und Tendenzen, wie sie im normalen Leben zu beob
achten sind. So stand „Hypnoidhysterie“ gegen „Abwehrneurose“.
Aber dieser und ähnliche Gegensätze hätten ihn wohl der Sache
nicht abwendig gemacht, wenn nicht andere Momente hinzugetreten
wären. Das eine derselben war gewiß, daß er als Internist und
Familienarzt stark in Anspruch genommen war und nicht wie
ich seine ganze Kraft der kathartischen Arbeit widmen konnte.
Ferner wurde er durch die Aufnahme beeinflußt, welche unser
Buch in Wien wie im Reiche draußen gefunden hatte. Sein
Selbstvertrauen und seine Widerstandsfähigkeit standen nicht
auf der Höhe seiner sonstigen geistigen Organisation. Als z. B.
die „Studien“ von Strümpell eine harte Abweisung erfuhren,
konnte ich über die verständnislose Kritik lachen, er aber
kränkte sich und wurde entmutigt. Am meisten trug aber zu
seinem Entschluß bei, daß meine eigenen weiteren Arbeiten eine
Richtung einschlugen, mit der er sich vergeblich zu befreunden
versuchte.S.
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Die Theorie, die wir in den „Studien“ aufzubauen versucht
hatten, war ja noch sehr unvollständig gewesen, insbesondere
das Problem der Ätiologie, die Frage, auf welchem Boden der
pathogene Vorgang entstehe, hatten wir kaum berührt. Nun
zeigte mir eine rasch sich steigernde Erfahrung, daß nicht beliebige
Affekterregungen hinter den Erscheinungen der Neurose wirksam
waren, sondern regelmäßig solche sexueller Natur, entweder aktuelle
sexuelle Konflikte oder Nachwirkungen früherer sexueller Er-
lebnisse. Ich war auf dieses Resultat nicht vorbereitet, meine
Erwartung hatte keinen Anteil daran, ich war vollkommen arglos
an die Untersuchung der Neurotiker herangetreten. Als ich 1914
die „Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ schrieb, tauchte
in mir die Erinnerung an einige Aussprüche von Breuer, Charcot
und Chrobak auf, aus denen ich eine solche Erkenntnis hätte
frühzeitig gewinnen können. Allein ich verstand damals nicht,
was diese Autoritäten meinten; sie hatten mir mehr gesagt, als
sie selbst wußten und zu vertreten bereit waren. Was ich von
ihnen gehört hatte, schlummerte unwirksam in mir, bis es bei
Gelegenheit der kathartischen Untersuchungen als anscheinend
originelle Erkenntnis hervorbrach. Auch wußte ich damals noch
nicht, daß ich mit der Zurückführung der Hysterie auf Sexualität
bis auf die ältesten Zeiten der Medizin zurückgegriffen und an
Plato angeknüpft hatte. Ich erfuhr es erst später aus einem
Aufsatz von Havelock Ellis.Unter dem Einfluß meines überraschenden Fundes machte
ich nun einen folgenschweren Schritt. Ich ging über die Hysterie
hinaus und begann, das Sexualleben der sogenannten Neurastheniker
zu erforschen, die sich zahlreich in meiner Sprechstunde ein-
zufinden pflegten. Dieses Experiment kostete mich zwar meine
Beliebtheit als Arzt, aber es trug mir Überzeugungen ein, die
sich heute, fast 30 Jahre später, noch nicht abgeschwächt haben.
Man hatte viel Verlogenheit und Geheimtuerei zu überwinden,
aber wenn das gelungen war, fand man, daß bei all diesen Kranken
schwere Mißbräuche der Sexualfunktion bestanden. Bei der
großen Häufigkeit solcher Mißbräuche einerseits, der Neurasthenie
andererseits, hatte ein häufiges Zusammentreffen beider natürlich
nicht viel Beweiskraft, aber es blieb auch nicht bei dieser einen
großen Tatsache. Schärfere Beobachtung legte mir nahe, aus
dem bunten Gewirr von Krankheitsbildern, die man mit dem
Namen Neurasthenie deckte, zwei grundverschiedene Typen heraus-S.
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zugreifen, die in beliebiger Vermengung vorkommen konnten, aber
doch in reiner Ausprägung zu beobachten waren. Bei dem einen
Typus war der Angstanfall das zentrale Phänomen mit seinen
Äquivalenten, rudimentären Formen und chronischen Ersatz-
symptomen; ich hieß ihn darum auch Angstneurose. Auf den
anderen Typus beschränkte ich die Bezeichnung Neurasthenie.
Nun war es leicht festzustellen, daß jedem dieser Typen eine andere
Abnormität des Sexuallebens als ätiologisches Moment entsprach
(Coitus interruptus, frustrane Erregung, sexuelle Enthaltung hier,
exzessive Masturbation, gehäufte Pollutionen dort). Für einige
besonders instruktive Fälle, in denen eine überraschende Wendung
des Krankheitsbildes von dem einen Typus zum anderen statt-
gefunden hatte, gelang es auch, nachzuweisen, daß ein entsprechen-
der Wechsel des sexuellen Regimes zugrunde lag. Konnte man
den Mißbrauch abstellen und durch normale Sexualtätigkeit er-
setzen, so lohnte sich dies durch eine auffällige Besserung des Zu-
standes.So wurde ich dazu geführt, die Neurosen ganz allgemein als
Störungen der Sexualfunktion zu erkennen, und zwar die sogenannten
Aktualneurosen als direkten toxischen Ausdruck, die Psycho-
neurosen als psychischen Ausdruck dieser Störungen. Mein
ärztliches Gewissen fühlte sich durch diese Aufstellung befriedigt.
Ich hoffte, eine Lücke in der Medizin ausgefüllt zu haben, die
bei einer biologisch so wichtigen Funktion keine anderen Schädi-
gungen als durch Infektion oder grobe anatomische Läsion in
Betracht ziehen wollte. Außerdem kam der ärztlichen Auffassung
zugute, daß die Sexualität ja keine bloß psychische Sache war.
Sie hatte auch ihre somatische Seite, man durfte ihr einen be- sondern Chemismus zuschreiben und die Sexualerregung von der
Anwesenheit bestimmter, wenn auch noch unbekannter Stoffe
ableiten. Es mußte auch seinen guten Grund haben, daß die
echten, spontanen Neurosen mit keiner anderen Krankheitsgruppe
so viel Ähnlichkeit zeigen wie mit den Intoxikations- und Ab-
stinenzerscheinungen, hervorgerufen durch die Einführung und
die Entbehrung gewisser toxisch wirkender Stoffe oder mit dem
M. Basedowii, dessen Abhängigkeit vom Produkt der Schilddrüse
bekannt ist.Ich habe später keine Gelegenheit mehr gehabt, auf die Unter-
suchungen über die Aktualneurosen zurückzukommen. Auch von
anderen ist dieses Stück meiner Arbeit nicht fortgesetzt worden.14
S.
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Blicke ich heute auf meine damaligen Ergebnisse zurück, so kann
ich sie als erste, rohe Schematisierungen erkennen an einem wahr-
scheinlich weit komplizierteren Sachverhalt. Aber sie scheinen
mir im ganzen heute noch richtig zu sein. Gern hätte ich später
noch Fälle von reiner juveniler Neurasthenie dem psychoanalytischen
Examen unterzogen; es hat sich leider nicht gefügt. Um miß-
verständlichen Auffassungen zu begegnen, will ich betonen, daß
es mir ferne liegt, die Existenz des psychischen Konflikts und
der neurotischen Komplexe bei der Neurasthenie zu leugnen.
Die Behauptung geht nur dahin, daß die Symptome dieser Kranken
nicht psychisch determiniert und analytisch auflösbar sind, sondern
als direkte toxische Folgen des gestörten Sexualchemismus auf-
gefaßt werden müssen.Als ich in den nächsten Jahren nach den „Studien“ diese
Ansichten über die ätiologische Rolle der Sexualität bei den
Neurosen gewonnen hatte, hielt ich über sie einige Vorträge in
ärztlichen Vereinen, fand aber nur Unglauben und Widerspruch.
Breuer versuchte noch einige Male, das große Gewicht seines
persönlichen Ansehens zu meinen Gunsten in die Wagschale zu
werfen, aber er erreichte nichts, und es war leicht zu sehen, daß
die Anerkennung der sexuellen Ätiologie auch gegen seine Neigungen
ging. Er hätte mich durch den Hinweis auf seine eigene erste
Patientin schlagen oder irre machen können, bei der sexuelle
Momente angeblich gar keine Rolle gespielt hatten. Er tat es
aber nie; ich verstand es lange nicht, bis ich gelernt hatte, mir
diesen Fall richtig zu deuten und nach einigen früheren Bemerkungen
von ihm den Ausgang seiner Behandlung zu rekonstruieren.
Nachdem die kathartische Arbeit erledigt schien, hatte sich bei
dem Mädchen plötzlich ein Zustand von „Übertragungsliebe“ ein-
gestellt, den er nicht mehr mit ihrem Kranksein in Beziehung
brachte, so daß er sich bestürzt von ihr zurückzog. Es war ihm
offenbar peinlich, an dieses anscheinende Mißgeschick erinnert
zu werden. Im Benehmen gegen mich schwankte er eine Weile
zwischen Anerkennung und herber Kritik, dann traten Zufällig-
keiten hinzu, wie sie in gespannten Situationen niemals ausbleiben,
und wir trennten uns voneinander.Nun hatte meine Beschäftigung mit den Formen allgemeiner
Nervosität die weitere Folge, daß ich die Technik der Katharsis
abänderte. Ich gab die Hypnose auf und suchte sie durch eine
andere Methode zu ersetzen, weil ich die Einschränkung der Be-S.
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handlung auf hysteriforme Zustände überwinden wollte. Auch
hatten sich mir mit zunehmender Erfahrung zwei schwere Be-
denken gegen die Anwendung der Hypnose selbst im Dienste der
Katharsis ergeben. Das erste war, daß selbst die schönsten
Resultate plötzlich wie weggewischt waren, wenn sich das persön-
liche Verhältnis zum Patienten getrübt hatte. Sie stellten sich
zwar wieder her, wenn man den Weg zur Versöhnung fand, aber
man wurde belehrt, daß die persönliche affektive Beziehung doch
mächtiger war als alle kathartische Arbeit und gerade dieses
Moment entzog sich der Beherrschung. Sodann machte ich eines
Tages eine Erfahrung, die mir in grellem Lichte zeigte, was ich
längst vermutet hatte. Als ich einmal einer meiner gefügigsten
Patientinnen, bei der die Hypnose die merkwürdigsten Kunst-
stücke ermöglicht hatte, durch die Zurückführung ihres Schmerz-
anfalls auf seine Veranlassung von ihrem Leiden befreite, schlug
sie beim Erwachen ihre Arme um meinen Hals. Der unvermutete
Eintritt einer dienenden Person enthob uns einer peinlichen Aus-
einandersetzung, aber wir verzichteten von da an in stillschweigender
Übereinkunft auf die Fortsetzung der hypnotischen Behandlung.
Ich war nüchtern genug, diesen Zufall nicht auf die Rechnung
meiner persönlichen Unwiderstehlichkeit zu setzen und meinte,
jetzt die Natur des mystischen Elements, welches hinter der
Hypnose wirkte, erfaßt zu haben. Um es auszuschalten oder
wenigstens zu isolieren, mußte ich die Hypnose aufgeben.Die Hypnose hatte aber der kathartischen Behandlung außer-
ordentliche Dienste geleistet, indem sie das Bewußtseinsfeld der
Patienten erweiterte und ihnen ein Wissen zur Verfügung stellte,
über das sie im Wachen nicht verfügten. Es schien nicht leicht,
sie darin zu ersetzen. In dieser Verlegenheit kam mir die Er-
innerung an ein Experiment zu Hilfe, das ich oft bei Bernheim
mit angesehen hatte. Wenn die Versuchsperson aus dem Som-
nambulismus erwachte, schien sie jede Erinnerung an die Vorfälle
während dieses Zustands verloren zu haben. Aber Bernheim
behauptete, sie wisse es doch, und wenn er sie aufforderte, sich
zu erinnern, wenn er beteuerte, sie wisse alles, sie solle es doch
nur sagen, und ihr dabei noch die Hand auf die Stirne legte, so
kamen die vergessenen Erinnerungen wirklich wieder, zuerst nur
zögernd, und dann im Strome und in voller Klarheit. Ich beschloß,
es ebenso zu machen. Meine Patienten mußten ja auch all das
„wissen“, was ihnen sonst erst die Hypnose zugänglich machte,S.
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und mein Versichern und Antreiben, etwa unterstützt durch Hand-
auflegen, sollte die Macht haben, die vergessenen Tatsachen und
Zusammenhänge ins Bewußtsein zu drängen. Das schien freilich
mühseliger zu sein als die Versetzung in die Hypnose, aber es war
vielleicht sehr lehrreich. Ich gab also die Hypnose auf und behielt
von ihr nur die Lagerung des Patienten auf einem Ruhebett bei,
hinter dem ich saß, so daß ich ihn sah, aber nicht selbst gesehen
wurde.III.
Meine Erwartung erfüllte sich, ich wurde von der Hypnose
frei, aber mit dem Wechsel der Technik änderte auch die kathar-
tische Arbeit ihr Gesicht. Die Hypnose hatte ein Kräftespiel
verdeckt, welches sich nun enthüllte, dessen Erfassung der Theorie
eine sichere Begründung gab.Woher kam es nur, daß die Kranken soviel Tatsachen des
äußeren und inneren Erlebens vergessen hatten, und diese doch
erinnern konnten, wenn man die beschriebene Technik auf sie
anwendete? Auf diese Fragen erteilte die Beobachtung erschöpfende
Antwort. All das Vergessene war irgendwie peinlich gewesen,
entweder schreckhaft oder schmerzlich oder beschämend für die
Ansprüche der Persönlichkeit. Es drängte sich von selbst der
Gedanke auf: gerade darum sei es vergessen worden, d. h. nicht
bewußt geblieben. Um es doch wieder bewußt zu machen, mußte
man etwas in dem Kranken überwinden, was sich sträubte, mußte
man eigene Anstrengung aufwenden, um ihn zu drängen und zu
nötigen. Die vom Arzt erforderte Anstrengung war verschieden
groß für verschiedene Fälle, sie wuchs im geraden Verhältnis zur
Schwere des zu Erinnernden. Der Kraftaufwand des Arztes war
offenbar das Maß für einen Widerstand des Kranken. Man
brauchte jetzt nur in Worte zu übersetzen, was man selbst verspürt
hatte, und man war im Besitz der Theorie der Verdrängung.Der pathogene Vorgang ließ sich jetzt leicht rekonstruieren.
Um beim einfachen Beispiel zu bleiben, es war im Seelenleben
eine einzelne Strebu-
ng aufgetreten, der aber mächtige andere
widerstrebten. Der nun entstehende seelische Konflikt sollte
nach unserer Erwartung so verlaufen, daß die beiden dynamischen
Größen – heißen wir sie für unsere Zwecke: Trieb und Wider-
stand – eine Weile unter stärkster Anteilnahme des Bewußtseins
miteinander rangen, bis der Trieb abgewiesen, seiner Strebu-
ng
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Selbstdarstellung1925-041/1934