Das Ich und das Es1923-003/1923
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    Nachstehende Erörterungen setzen Gedankengänge
    fort, die in meiner Schrift „Jenseits des Lustprinzips“
    1920 begonnen wurden, denen ich persönlich, wie dort
    erwähnt ist, mit einer gewissen wohlwollenden Neu-
    gierde gegenüber stand. Sie nehmen diese Gedanken
    auf, verknüpfen sie mit verschiedenen Tatsachen der
    analytischen Beobachtung, suchen aus dieser Vereinigung
    neue Schlüsse abzuleiten, machen aber keine neuen An-
    leihen bei der Biologie und stehen darum der Psycho-
    analyse näher als das „Jenseits“. Sie tragen eher den
    Charakter einer Synthese als einer Spekulation und
    scheinen sich ein hohes Ziel gesetzt zu haben. Ich
    weiß aber, daß sie beim Gröbsten Halt machen, und
    bin mit dieser Beschränkung recht einverstanden.

    Dabei rühren sie an Dinge, die bisher noch nicht
    Gegenstand der psychoanalytischen Bearbeitung gewesen
    sind, und können es nicht vermeiden, manche Theorien
    zu streifen, die von Nicht-Analytikern oder ehemaligen
    Analytikern auf ihrem Rückzug von der Analyse auf-
    gestellt wurden. Ich bin sonst immer bereit gewesen,
    meine Verbindlichkeiten gegen andere Arbeiter anzu-
    erkennen, fühle mich aber in diesem Falle durch keine

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    solche Dankesschuld belastet. Wenn die Psychoanalyse
    gewisse Dinge bisher nicht gewürdigt hat, so geschah
    es nie darum, weil sie deren Leistung übersehen hatte
    oder deren Bedeutung verleugnen wollte, sondern weil
    sie einen bestimmten Weg verfolgt, der noch nicht so
    weit geführt hatte. Und endlich, wenn sie dahin ge-
    kommen ist, erscheinen ihr auch die Dinge anders als
    den anderen.