• S.

    PROF. SIGM. FREUD
    20 MARESFIELD GARDENS, 
    LONDON, N. W. 3.
    TEL: HAMPSTEAD 2002.

    18.5.1939

    Meine liebe Marie

    Auch wir haben uns mit Ihrem 
    letzten Besucht besonders gefreut. 
    Die Aussicht Sie bald wiederzu-
    sehen ist sehr schön auch wenn Sie 
    diesmal nichts von S. mitbringen.

    Denken SIe Finzi ist so zufrieden, 
    daß er mir eine volle Woche 
    Ferien von jeder Behandlung 
    geschenkt hat. Die große Besserung 
    ist jedenfalls noch nicht bei mir 
    angeko‑en und wenn ich Lust 
    habe, kann ich erwarten, daß 
    das Gewächs in der Pause wieder 
    wachsen wird wie es während 
    einer anderen Pause geschah.

    Ihr Erlebnis mit Longman’s ist ein rich-
    tiger Americanism. Der Mann sagt ja 
    gerade heraus, was ihm nicht recht ist. 
    Sie sind ihm zu anerken̄end freundlich. 
    Man versteht vielleicht nicht gleich, 
    warum ihn das stören sollte. Aber 
    Alexander, der sich ausgezeichnet an-
    gepaßt hat, hat mir einmal das Ge-
    heimnis verraten. Um in Amerika 
    Eindruck zu machen, muß man sich ein
    air of superiority geben, muß kri-
    tisiren und schimpfen. Die Re-
    spektlosigkeit ist ein Charakter-
    zug an den die Amerikaner 
    historisch fixirt sind. Werfen 
    Sie es ihm nur hin, wenn er nicht 
    nachgiebt, aber auch Wälder sollte 
    sich nicht jede Art von Vorrede 
    gefallen lassen.

  • S.

    Unsere Topsy ist eingetroffen in nur zwei 
    Exemplare, sie macht sich sehr hübsch. 
    Von den geheimen Bedeutungen die 
    das Büchlein für uns hat, braucht die 
    Umwelt nichts zu wissen.

    Martin hat mir ein fertiges proof seines 
    Buches gezeigt. Ich wußte nicht, daß er es 
    Ihnen gewidmet hat. Es hat viel Humor 
    aber ist doch ein bischen canaille? 
    Anna läßt Ihnen sagen, daß meine 
    Schwester Rosa (Graf) auf dem Franzö-
    sischen Konsulat die Auskunft be-
    kom̄en hat, ihr Sache sei im Gange, 
    es sei jetzt der richtige Moment, 
    sie in Paris zu fördern.

    Der Frühling will nicht warm 
    werden. Jumbo schien krank zu 
    werden, hat sich anscheinend 
    erholt. Anna fliegt morgen 
    (Samstag) früh nach Amsterdam, 
    will am selben Tag spät zurück 
    sein.

    Herzliche Grüße auch 
    für Eugenie von Ihrem 
    Freud

  • S.

    18.5.1939 

    Meine liebe Marie

    Auch wir haben uns mit Ihrem letzten Besucht besonders gefreut. 
    Die Aussicht Sie bald wiederzusehen ist sehr schön auch wenn Sie nichts von S. mitbringen. 

    Denken SIe Finzie ist so zufrieden, dass er mir eine volle Woche Ferien von jeder Behandlung geschenkt hat. Die große Besserung ist jedenfalls noch nicht bei mir angekommen und wenn ich Lust habe kann ich erwarten, daß das Gewächs in der Pause wiederwachsen wird wie es während einer anderen Pause geschah. 

    Ihr Erlebnis mit Longmans ist ein richtiger Americanism. Der Mann sagt ja gerade heraus, was ihm nicht recht ist. sie sind ihm zu anerkennend freundlich. Man versteht vielleicht nicht gleich warum ihn das stören sollte. Aber Alexander der sich ausgezeichnet angepasst hat, hat mir einmal das Geheimnis verraten um in Amerika Eindruck zu machen, muß man sich ein air of superiority geben, muß kritisieren und schimpfen. Die Respektlosigkeit ist ein Charakterzug an den die Amerikaner historisch fixiert sind. Werfen Sie es ihm nur hin, wenn er nicht nachgibt, aber auch Wälder sollte sich nicht jede Art von Vorrede gefallen lassen. 

    Unsere Topsy ist eingetroffen in nur zwei nExemplare, sie macht 
    sich sehr hübsch, von den geheimen Bedeutungen die das Büchlein für uns hat, braucht die Umwelt nichts zu wissen.

    Martin hat mir ein fertiges Proof seines Buches gezeigt. Ich wußte nicht, daß er es Ihnen gewidmet hat. Es hat viel Humor aber ist doch ein bischen canaille. Anna lässt Ihnen sagen, daß meine Schwester Rosa (Graf) auf dem Französischen Konsulat die Auskunft bekommen hat, ihr Sache sei im Gange, es sei jetzt der richtige Moment, sie in Paris zu fördern.

    Der Frühling will nicht warm werden. Jumbo schien krank zu werden, 

  • S.

    hat sich anscheinend erholt. Anna fliegt morgen (Samstag) früh nach Amsterdam, will am selben tag spät zurück sein.

    Herzliche Grüße auch für Eugenie von Ihrem Freud