Die Frage der Laienanalyse1926-002/1926.01
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    scheint, habe ich bereits zusammengestellt. Wenn
    man sich anders entschließt, zu einer
    Politik des aktiven Eingreifens, dann
    allerdings scheint mir die eine lahme
    und ungerechte Maßregel des rücksicht-
    slosen Verbots der Analyse durch
    Nichtärzte keine genügende Leistung
    zu sein. Man muß sich dann um
    mehr bekümmern, die Bedingungen,
    unter denen die Ausübung der analyt-
    ischen Praxis gestattet ist, für alle, die
    sie ausüben wollen, feststellen, irgend
    eine Autorität aufrichten, bei der
    man sich Auskunft holen kann, was
    Analyse ist und was für Vorbereitung
    man für sie fordern darf, und die
    Möglichkeiten der Unterweisung in der
    Analyse fördern. Also entweder in
    Ruhe lassen oder Ordnung und Klar-
    heit schaffen, nicht aber in eine ver-
    wickelte Situation mit einem ver-
    einzelten Verbot dreinfahren, das
    mechanisch aus einer inadäquat ge-
    wordenen Vorschrift abgeleitet
    wird.
     

    VIII. VII.

       „Ja, aber die Ärzte, die Ärzte! Ich bringe
    Sie nicht dazu, auf das eigentliche Thema
    unserer Unterredungen einzugehen.
    Sie weichen mir noch immer aus. Es
    handelt sich doch darum, ob man nicht
    den Ärzten das ausschließliche Vor-
    recht auf die Ausübung der Analyse
    zugestehen muß, meinetwegen, nachdem
    sie gewisse Bedingungen erfüllt
    haben. Man hat mir Die Ärzte
    sind ja gewiß nicht in ihrer Mehrheit
    die Kurpfuscher in der Analyse, als die
    Sie sie geschildert haben. Sie sagen selbst, daß
    die überwiegende Mehrzahl Ihrer
    Schüler und Anhänger Ärzte sind. Und
    Man hat mir verraten, daß diese
    keineswegs Ihren Standpunkt in
    der Frage der Laienanalyse teilen.
    Ich bin darf natürlich annehmen,
    daß Ihre Schüler Schüler sich Ihren Forder-
    ungen nach genügender Vorbereitung
    u.s.w. anschließen, aber und doch finden
    diese Schüler es damit vereinbar,
    die Ausübung der Analyse den Laien
    zu versperren. Ist das so, und wenn,
    wie erklären Sie es?“
     

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    „Ich darf natürlich annehmen, daß sie sich
    Ihren Forderungen nach genügender
    Vorbereitung u.s.w. anschließen und doch
    finden sie es damit vereinbar,
    die Ausübung der Analyse den Laien
    zu versperren.“ Ist das so, und wenn,
    wie erklären Sie es?“
     

       „Ich sehe, Sie sind gut informiert. es ist so.
    Zwar nicht alle, aber ein guter Teil meiner
    ärztlichen Mitarbeiter hält in dieser Sache
    nicht zu mir, tritt für das ausschließ-
    liche Anrecht der Ärzte auf die
    analytische Behandlung der Nervösen
    ein. Sie ersehen daraus, daß es
    auch in unserem Lager Meinungs-
    verschiedenheiten geben darf; meine
    Parteinahme ist bekannt und der
    Gegensatz im Punkte der Laienanalyse
    hat mich nicht von meinen Freunden nicht ent-
    fremdet. Wie Wie ich Ihnen das Verhalten dieser
    meiner Schüler erklären kann?
    Sehr einfach, es ist nicht, ich denke, es wird
    nur das Standesbewußtsein
    sein. Sie haben eine andere Entwick-
    lung gehabt als ich, fühlen sich noch un-
    behaglich in der Isolierung von den
    Collegen, möchten gerne als vollbe-
    rechtigt aufgenommen werden
    von der Profession und sind bereit,
    für diese Toleranz ein Opfer zu
    bringen, an einer Stelle, deren Lebens-
    wichtigkeit ihnen nicht einleuchtet.
    Vielleicht ist es anderes, Ihnen Motive
    von Konkurrenz, unbewußten,
    zuzuschreiben hieße, nicht und sie einer niederen
    Gesinnung zu beschuldigen, sondern
    auch ihnen eine starke Überempfindlichkeit
    zuzutrauen. Sie sind ja immer bereit,
    andere Ärzte in die Analyse einzu-
    führen und ob sie die verfügbaren
    Patienten mit Collegen oder
    mit Laien zu teilen haben, kann
    für ihre materielle Lage nicht
    gleichgiltig sein. Wahrscheinlich kommt
    aber noch etwas anderes in Be-
    tracht. Diese meine Schüler mögen
    unter dem Einfluß gewisser
    Momente stehen, welche dem Arzt
     

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    in der analytischen Praxis den unzweifelhaften
    Vorzug vor dem Analytiker Laien sichern?
     

       „Den Vorzug sichern? Da haben wir's
    also, gestehen Sie diesen Vorzug endlich
    zu! Damit wäre ja die Frage entschieden.“
     

       Das Zugeständnis wird mir nicht schwer. Es
    mag Ihnen zeigen, daß ich nicht so un-
    schädlich verblendet bin, wie Sie an-
    nehmen. Ich habe die Erwähnung dieser
    Verhältnisse aufgeschoben, weil ihre
    Diskussion wieder eine theoretische
    Vorbereitung nötig machen wird.
     

       „Was meinen Sie jetzt?“
     

       Da ist zuerst die Frage der Diagnostik.
    Wenn man einen Kranken, der an
    sogenannt nervösen Störungen leidet,
    in analytische Behandlung nimmt, will
    man vorher die Gewißheit haben, soweit
    sie eben erreichbar ist, – daß er sich
    für diese Therapie eignet, daß man
    ihm also auf diesem Wege helfen kann.
    Das ist aber nur der Fall, wenn er wirk-
    lich eine Neurose hat.
     

       „Ich sollte meinen, das erkennt man
    eben an den Erscheinungen, an den
    Symptomen über die er klagt.“
     

       Da ist eben die Falle für eine neue
    Komplikation. Man erkennt es nicht
    immer mit voller Sicherheit. Der Kranke
    kann das äußere Bild einer Neurose
    zeigen und doch kann es etwas anderes
    sein. Der Beginn einer unheilbaren
    Geisteskrankheit, die Vorbereitung
    eines zerstörenden Gehirnprozesses.
    Die Unterscheidung, Differentialdiagnose
    ist nicht immer leicht und nicht in
    jeder Phase sofort zu machen. Die
    Verantwortlichkeit für eine solche
    Entscheidung kann natürlich nur der
    Arzt übernehmen. Sie wird ihm, wie gesagt,
    nicht immer leicht gemacht, der Krank-
    heitsfall kann längere Zeit ein harm-
    loses Gepräge tragen, bis sich endlich
    doch seine böse Natur herausstellt.
    Es ist ja auch eine regelmäßige Be-
    fürchtung der Nervösen, ob sie nicht
    geisteskrank werden können. Wenn
    der Arzt aber einen solchen Fall eine
    Zeitlang verkannt hat oder im Un-
    klaren über ihn geblieben ist, so
     

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    macht es nicht viel aus, es ist kein Schaden ange-
    stellt und nichts Überflüssiges gemacht
    worden, die analytische Behandlung dieses
    Kranken hätte ihm zwar auch keinen
    Schaden gebracht, aber sie wäre als über-
    flüssiger Aufwand bloßgestellt. Die Unsere
    überreizten und feindseligen Leute
    Leute würden sie dem schlechten Aus-
    gang der Analyse zur Last legen, was dann
    mit Unrecht freilich, aber solche Anlässe
    sollten vermieden werden.
     

       „Das klingt aber trostlos. So unbegreiflich
    ja alles was Sie uns über die Natur
    und Entstehung einer Neurose vor-
    getragen haben.“
     

       Durchaus nicht. Es bekräftigt uns von
    Neuem, daß die Neurotiker sich
    ebenso ein Ärgernis und eine Ver-
    legenheit sind für alle Parteien,
    also auch für die Analytiker. Viel-
    leicht löse ich aber Ihre Verwirrung
    wieder, wenn ich meine neuen Mit-
    teilungen in einen klaren anderen Ausdruck
    kleide. Es ist wahrscheinlich richtiger
    von den Fällen, die uns jetzt beschäft-
    igen, auszusagen: Sie haben wirklich
    eine Neurose entwickelt, aber
    diese sei nicht psychogen, sondern
    somatogen, habe nicht seelische, sondern
    körperliche Ursachen. Können Sie
    mich verstehen?“
     

       „Verstehen ja, aber ich kann es mit
    den anderen, den psychologischen,
    nicht vereinigen.“
     

       Nun, das läßt sich doch machen, wenn man
    nur von der Komplikation der lebenden
    Substanz Rechnung tragen will. Worin
    bestanden wir das Wesen einer Neurose?
    Darin, daß das Ich, durch den Einfluß
    der Außenwelt, um der gefürchteten höheren
    Organisation des seelischen Apparats
    nicht im Stande ist, seine Funktion, die
    Vermittlung zwischen Es und Realität,
    zu erfüllen, daß es sich in seiner Schwäche
    von Triebanteilen des Es zurückzieht,
    und sich dafür die Folgen dieser Ver-
    zichte in Form von Einschränkungen,
    Symptomen und erfolglosen Reaktions-
    bildungen gefallen lassen muß.
     

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    Eine solche Schwäche des Ichs hat bei uns allen
    regelmäßig in der Kindheit statt, darum
    bekommen die Erlebnisse der frühesten
    Kinderjahre eine so große Bedeutung
    für das spätere Leben. Unter der enge
    Belastung dieser Kinderzeit
    entwickeln sich oder setzen in wenigen Jahren die
    ungeheure Entwicklungsdistanz vom Stein-
    zeitlichen Primitiven bis zum Teilhaber
    der heutigen Kultur durchzumachen, und
    dabei insbesondere die Triebregungen der
    sexuellen Frühperiode abzuwehren –
    unter dieser Last erleidet unser Ich eine
    Zerreißung und setzt sich einer Niederlage aus
    aus deren Hinterlassenschaft die Disposition
    zur späteren nervösen Erkrankung
    in die Reife des Lebens mitgenommen
    wird. Hier kommt alles darauf, wie die
    unausweichliche Phase vom Ich behandelt
    wird. Wird das
    Leben zu hart, der Abstand zwischen den
    Triebforderungen und den Ansprüchen
    der Realität zu groß, so mag das Ich in
    seinen Bemühungen, beides zu ver-
    söhnen, scheitern – und dies umso eher,
    als es ja durch die mitgebrachte Schwäche
    Disposition gelähmt ist. Es wiederholt
    sich dann der Vorgang der Verdrängung,
    die Triebe reißen sich von der Herrschaft
    des Ichs auf den W los, schaffen sich auf
    dem Wege der R Regression ihre
    Ersatzbefriedigungen und das arme Ich
    ist heillos neurotisch geworden.
     

       Halten wir uns daran fest: der Knoten-
    Knoten- und Drehpunkt der ganzen Situation ist
    die relative Stärke der Ichorganisation.
    Wir haben es dann leicht, unsere aetiologische
    Lehre bis zu vervollständigen. Als die
    sozusagen normalen Ursachen der Neurose
    kennen wir bereits die kindliche
    Schwäche, die Aufgabe der Bewältigung
    der Frühregungen der Sexualität, und
    die Eindrücke Wirkungen der eher zufälligen
    Kindheitserlebnisse. Es war auch möglich,
    daß noch andere Momente eine Rolle
    spielen, die aus der Zeit vor dem
    Kinderleben stammen, z.B. eine ange-
    borene Stärke und Unbändigkeit des
    Trieblebens im Es, die dem Ich von
     

  • S.

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    vornherein zu große Aufgaben stellt.
    Oder eine besondere Entwicklungsschwäche
    des Ichs aus unbekannten Gründen. Selbst-
    verständlich müssen diese Momente zu
    einer aetiologischen Bedeutung kommen,
    in manchen Fällen zu einer überragenden.
    Mit der Triebstärke im Es haben wir
    jedesmal zu rechnen, wo sie relativ
    entwickelt ist, steht es schlecht um die
    Aussichten unserer Therapie. Von den
    Ursachen einer Entwicklungshemmung
    des Ichs wissen wir noch zu wenig; das
    waren also die Fälle von Neurosen
    mit wesentlicher konstitutioneller
    Grundlage. Ohne irgend eine solche kon-
    stitutionelle kongenitale Begünstig-
    ung kommt wol kaum eine Neurose
    zu Stande.
     

       Wenn aber die relative Schwäche des
    Ichs das für die Entstehung der Neurose
    entscheidende Moment ist, so muß es
    auch möglich sein, daß eine spätere
    körperliche Erkrankung eine Neurose erzeugt,
    indem sie uns eine Schwächung des Ichs
    herbeiführen kann. Und das ist wiederum
    ein so häufiger Ausbruch der Fall. Eine
    solche körperliche Störung kann das
    Triebleben im Es betreffen und die
    Triebstärke über die Grenze hinaus
    steigern, welches das Ich gewachsen ist.
    Das Normalvorbild solcher Vorgänge wäre
    etwa die Veränderung im Weib durch
    die Vorgänge der Menstruation und
    der Menopause. Oder eine körperliche
    Erkrankung, die Allgemeinerkrankung,
    ja eine organische Erkrankung des nervösen
    Zentralorgans, greift die Ernährungs-
    bedingungen des seelischen Apparats
    an, zwingt ihn, seine Funktion herab-
    zusetzen und seine feineren Leistungen
    zu denen die Aufrechterhaltung der
    Ichorganisation gehört, einzustellen. In
    all diesen Fällen entsteht dasselbe
    Bild der Neurose; die Neurose hat
    immer das gleiche psychologische Wesen,
    soweit aber wie wir erkennen, die
    mannigfachste oft sehr zusammengesetzte
    Aetiologie.
     

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       „Jetzt gefallen Sie mir besser. Sie haben endlich
    gesprochen, wie ein Arzt. Nun verstehe ich
    das Zugeständnis, daß eine komplizierte
    ärztliche Sache wie eine Neurose nur von
    einem Arzt gehandhabt werden kann.“
     

       Ich besorge, Sie schießen über das Ziel hinaus.
    Was ich da besprochen habe, war die Psycho-
    pathologie. Für die Analyse handelt es
    sich um ein therapeutisches Verfahren.
    Ich räume ein und ich fordere, daß der
    Arzt bei jedem Fall, der für die
    Analyse in Betracht kommt, die Diagnose
    stellen soll. Die übergroße Anzahl
    der Neurosen, die uns in Anspruch nehmen,
    sind zum Glück psychogener Natur und
    pathologisch unverdächtig. Hat der Arzt das
    konstatiert, so kann er die Behandlung
    ruhig dem Laienanalytiker überlassen.
    In unseren analytischen Gesellschaften
    ist es immer so gehalten worden, dank
    dem innigen Kontakt zwischen ärztlichen
    und nichtärztlichen Mitgliedern, sind die
    zu befürchtenden Irrtungen so gut wie
    völlig vermieden worden. Es giebt dann noch
    einen zweiten Fall, in dem der ärztliche
    Laienanalytiker muß den Arzt rufen. Im Laufe der analyt-
    ischen Behandlung können am ehesten kör-
    perliche Symptome auftreten, bei denen
    man zweifelhaft wird, ob man sie in
    den Zusammenhang der Neurose einbe-
    ziehen oder auf eine davon unabhäng-
    ige, als Störung auftretende organische
    Erkrankung beziehen soll. Diese Ent-
    scheidung muß wiederum dem Arzt
    überlassen werden.
     

       „Also kann der Laienanalytiker auch
    während der Analyse den Arzt nicht
    entbehren. Ein teures Argument
    gegen seine Brauchbarkeit.“
     

       Nein, aus dieser Möglichkeit läßt sich
    kein Argument gegen den Laien-
    analytiker ableiten, denn der ärztliche
    Analytiker würde im gleichen Fall
    nicht anders handeln.
     

       „Das verstehe ich nicht.“
     

       Es besteht nämlich die technische Vorschrift,
    daß der Analytiker, wenn solch zwei-
    deutige Symptome während der
    Behandlung auftauchen, sie nicht seinem
     

  • S.

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    eigenem Urteil unterwirft, sondern
    von einem der Analyse ferne stehenden
    Arzt, etwa einem Internisten beur-
    teilen läßt, auch wenn er selbst
    Arzt ist und seinen medizinischen
    Kenntnissen noch vertraut.
     

       „Und warum ist etwas, was mir so über-
    flüssig erscheint, vorgeschrieben?“
     

       Es ist nicht überflüssig, hat sogar mehrere
    Begründungen. Erstens läßt sich die
    Vereinigung organischer und psychischer
    Behandlung in einer Hand nicht gut
    durchführen, zweitens kann das Ver-
    hältnis der Übertragung es dem
    Analytiker unratsam machen den
    Kranken körperlich zu untersuchen
    und drittens hat der Analytiker
    allen Grund, an seiner Unbefangenheit
    zu zweifeln, da sein
    Interesse so intensiv auf die psychischen
    Momente eingestellt ist.
     

       „Ihre Stellung zur Frage der Laien-
    analyse wird mir jetzt klar. Sie be-
    harren dabei, daß es Laienanalytiker
    geben müsse. Da Sie deren Ausbildung
    Anstalt für ihre Aufgabe aber nicht
    bestreiten können, tragen Sie alles
    Zusammen, was zur Entschuldigung und
    Erleichterung ihrer Existenz dienen
    kann. Ich sehe aber überhaupt nicht
    ein, wozu es überhaupt Laienanalyt-
    iker geben soll. Sie doch auch von
    jenen zweiten Klasse sein können sind doch nur Surro-
    gate, zweite Klasse, für den
    echten ärztlichen Analytiker.
    Ich will's meiner meinetwegen von den
    Laien absehen, die bereits zu
    Analytikern ausgebildet sind. Aber
    neue sollten nicht geschaffen werden
    und die Lehrinstitute müßten sich
    verpflichten, Laien nicht mehr zur
    Ausbildung zuzulassen.“
     

       Ich bin mit Ihnen einverstanden, wenn
    sich zeigen läßt, daß durch diese Ein-
    schränkung allen in Betracht kom-
    menden Interessen gedient ist. Ge-
    stehen Sie mir zu, daß diese Interessen
    von dreierlei Art sind. Die des
    Kranken, das der Ärzte und – last
    not least – das der Wissenschaft,
    das ja die Interessen alles zukünftigen
    Kranken in sich schließt. Wollen
    wir diese drei Punkte mit einander
    untersuchen?“
     

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    Nun für den Kranken ist es gleichgültig,
    ob der Analytiker Arzt ist oder nicht,
    wenn nur die Gefahr eines Verkennens
    mindestens Zustandes durch die vorhergehende
    ärztliche Begutachtung, von Beginn der Behandlg
    und bei gewissen Zwischenfällen, während
    derselben ausgeschaltet wird. Für ihn
    ist es ungleich wichtiger, daß der Analyt-
    iker über die persönlichen Eigenschaften
    verfügt, die ihn vertrauenswürdig
    machen, und daß er jene Kenntnisse
    und Einsichten, sowie jenes Maß
    von Erfahrung erworben hat, die ihn allein
    zur Erfüllung seiner Aufgabe befähigen.
    Man könnte meinen, daß die Auto-
    rität des Analytikers schaden muß,
    wenn der Patient weiß, daß er kein
    Arzt ist und in manchen Situationen
    von Anweisungen den Arzt nicht
    entbehren kann. Wir haben so etwas
    verständlich niemals unterlassen, die
    Patienten über die Qualifikation
    des Laienanalytikers zu unterrichten
    und uns konnten uns überzeugen, daß
    wir die Standesvorurteile bei ihnen
    keinen Anklang finden, daß sie bereit
    sind, die Heilung anzunehmen, von
    welcher Seite immer sie ihnen geboten
    wird, – was übrigens der Ärztestand
    zu seinem Schaden lebhaftest Kranken
    längst erfahren hat. Auch sind
    ja die Laienanalytiker, die heute
    Analyse ausüben, keine beliebigen
    proletarischen Individuen, sondern
    Personen von akademischer Bildung,
    Doktoren der Philosophie, Paeda-
    gogen und einzelne Frauen von
    großer Lebenserfahrung und
    hervorragender Persönlichkeit. Die
    Analyse, der sich alle Kandidaten eines
    analytischen Lehrinstituts unterwerfen
    müssen, ist gleichzeitig das beste Wagnis
    über ihre persönliche Eignung zur
    Ausübung der anspruchsvollen Tätig-
    keit. Ich schließe für gewiß ab.
     

       Nun zum Interesse der Ärzte. Ich kann
    nicht glauben, daß es durch die Ein-
    reihung der Psychoanalyse in die
    Medizin im Geringsten gefördert wird. Die
    medizinischen Studenten haben ja, von den
     

  • S.

    84

    Jahre die Ablegung der letzten Prüfungen
    erfolgt, in denen es heißt alle
    paar Jahre neue Aufsätze an
    den Studenten auf den deren Füllung
    neuen Ausrüstung sind seine durch als
    unzureichend erklärt werden mußte,
    der Zugang zum ärztlichen Beruf ist ein
    sehr erschwerter, seine Ausübung weder
    sehr befriedigend noch sehr vorteilhaft.
    Macht man sich die gewiß vollberücksichtigte
    Forderung zu Eigen, daß der Arzt auch
    mit der seelischen Seite des Menschenspiels
    vertraut sein müsse, und daß darum
    die ärztliche Erziehung auf ein Stück
    Vorbereitung für die Analyse an-
    wendet, so bedeutet das eine enorme Vergrößer-
    ung des Lehrstoffes und ein entsprechendes
    Hinausrücken des Studiums von
    anderthalb bis zwei Jahren. Ich weiß nicht, ob die Ärzte mit
    einer solchen Forderung, die sie in
    aus ihrem Munde
    auf die Psychoanalyse trafen,
    befriedigt sein werden. Sie läßt sich
    aber kaum abweisen und durch in
    einer Zeitperiode, da die Bemühung,
    einen ungeheuren materiellen Rüstzeug für
    die Zwecke aus dem sich die Ärzte
    rekrutieren so sehr in Schwierigkeiten
    da die junge Generation sich dazu ge-
    nicht drängt wird, sie sich möglichst bald
    selbst zu erhalten.
     

       Sie wollen aber vielleicht das ärztliche
    Studium nicht mit der Vorbereitung
    für die analytische Praxis belasten und
    halten es für zweckmäßiger, daß der zu-
    künftige Analytiker sich erst nach
    Vollendung seines medizinischen Studiums
    um die erforderliche Ausbildung be-
    kümmere. Sie können sagen, daß der
    dadurch bewirkte Zeitverlust praktisch
    nicht in Betracht kommt, weil ein
    junger Mann von dreißig Jahren
    doch niemals das Zutrauen der Patienten
    erhalten kann, das welches die Be-
    dingung einer analytischen Hilfeleistung
    ist. Darauf wäre zwar zu antworten,
    daß auch der neugebackene Arzt für
    sorgfältigste Helfer nicht auf allgemeine
    großen Respekt bei den Kranken
    zu rechnen hat und daß der junge
    Analytiker seine Zeit sehr wol damit
     

  • S.

    85

    ausfüllen könnte, an einer psychoanalytischen
    Poliklinik unter der Kontrolle erfahrener
    Praktiker zu arbeiten.
    Wichtiger erscheint mir aber, daß Sie mit
    Ihrem Vorschlag eine Arbeitsvergeudung
    befürworten, die in diesen schweren
    Zeiten wirklich keine ökonomische
    Rechtfertigung finden kann. Die analyt-
    ische Ausbildung überschneidet jener der
    Zeit der ärztlichen Vorbereitung schlechthin,
    diese aber nicht ein und wird also von
    ihm ausgeschlossen. Wenn man, was heute
    noch phantastisch klingen mag, eine
    Hochschule für Psychoanalyse zu gründen
    hätte, so müßte an dieser vieles
    gelehrt werden, was auch die medizinische
    Fakultät lehrt, neben der Tiefen-
    psychologie, der immer das Hauptstück
    bliebe, würde eine Einführung in
    die Biologie, in möglichst großen
    Umfang die Kunde von Geschlechtsleben
    mit Bekanntheit mit den Krank-
    heitsbildern der Psychiatrie anderseits
    würde der analytische Unterricht Fächer
    umfassen, die dem Arzt ferne liegen und
    mit denen er in seiner Tätigkeit
    nicht zusammen kommt: Kulturgeschichte
    Mythologie, Religionspsychologie und
    Literaturgeschichte. Ohne eine gute
    Orientierung auf diesen Gebieten
    steht der Analytiker einem großen
    Teil seines Materials verständnislos
    gegenüber. Dafür kann er die Haupt-
    masse dessen, was die medizinische Schule
    lehrt, für seine Zwecke nicht gebrauchen.
    Weder die Kenntnisse der feineren
    Anatomie noch die der Konstitution
    des Knochengerüstes, der Verlauf
    der Hirnnerven u.s.w. alles, was
    die Medizin über bacilläre Krank-
    heitserreger und deren Bekämpfung
    über Serumreaktionen und Gewebs-
    neubildungen an den Tag gebracht hat,
    alles gewiß an sich höchst schätzenswert
    ist für ihn doch völlig belanglos, geht
    ihn nichts an; ihn treibt direkt
    dazu, eine Neurose zu verstehen und
     

  • S.

    86

    zu heilen, noch trägt dieses Wissen zur
    Schärfung jener intellektuellen Fähigkeiten
    bei, an welche seine Tätigkeit die größten
    Anforderungen stellt. Man wende
    nicht ein, das selbe liege ja ähnlich, wenn
    sich der Arzt einem anderen medizini-
    schen Spezialteil, z.B. der Zahnheilkunde
    zuwendet. Auch dann kann er manches,
    worüber er vorher eine Prüfung
    ablegen mußte, entbehren, es giebt vieles,
    was er lernen muß, worauf ihn die Schule
    nicht vorbereitet hatte. Dies ist ein Fall
    und doch nicht gleichzusetzen. Auch
    für die Zahnheilkunde behalten die
    großen Gesichtspunkte der Pathologie,
    die Lehre von der Entzündung,
    Eiterung, Nekrose, von der Wechsel-
    wirkung des Lebensorgans, ihre
    Bedeutung; den Analytiker führt
    seine Erfahrung aber in eine
    andere Welt, mit anderen
    Phänomenen und anderen Gesetzen.
    Wir mögen sich die Philosophen über
    die Kluft zwischen Physischem und
    Seelischem hinwegsetzen, für
    unsere Erfahrung besteht sie zunächst
    und gar für unsere praktischen Be-
    mühungen.
     

       Es ist ungemäß und unzweckmäßig, einem
    Menschen, der den Anderen von der Kein-
    niere, Phobie oder einer Zwangsvorstell-
    ung befreien will den Weg über
    das medizinische Studium zu erzwingen.
    Es wird auch keinen Erfolg haben. Wenn
    es nicht gelingt, die Analyse überhaupt
    zu unterdrücken, – stellen Sie sich diese
    Landschaft vor, in der Sie einen gewissen
    Aussichtspunkt zweier Wege führen, der
    eine kurz und geradlinig, der andere
    lang, gewunden und umwegig. Den kurzen
    Weg versuchen Sie durch ein Verbot-
    täfelchen zu sperren, vielleicht weil
    er an einigen Blumenbeeten vor-
    beiführt. Die so geführt wissen
    wollen, sie haben nun die Absicht
    daß Ihr Verbot respektiert wird,
    wenn der kurze Weg steil und müh-
    selig ist, während der längere sanft
    aufwärtsführt. Verhält es sich aber
     

  • S.

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    anders und ist im Gegenteil der Umweg der
    beschwerlichere, so können Sie leicht den
    Nutzen Ihres Verbots erraten. Sie können
    ja auch die menschliche Natur.
     

       „Wenn Sie Recht haben, daß die analytische
    Behandlung auch ohne besondere Ausbildung
    auszuüben ist, daß aber das medizinische
    Studium die Vorbelastung durch eine
    Vorbereitung dafür nicht verträgt, und
    daß die medizinischen Kenntnisse für den
    Analytiker größtenteils überflüssig sind,
    wohin können wir dann mit der Erziehung
    der vollgültigen ärztlichen Persönlichkeit,
    die alle Aufgaben ihres Berufes gewachsen
    machen sein soll?“
     

       „Ich kann nicht vorhersehen, welche der Ant-
    wort aus diesen Schwierigkeiten sein
    wird, bin auch nicht dazu berufen ihn
    anzugeben. Ich sehe nur soviel voraus,
    daß die Analyse für Sie eine Verlegen-
    heit ist, Sie sollten, am besten nicht
    existieren. – Gewiß auch der Neurotiker
    ist eine Verlegenheit – und zweitens
    daß vorläufig allen Interessen Rechnung
    getragen wird, wenn sich die Ärzte
    entschließen einander da von Therapeuten
    zu tolerieren, die ihnen die mühevolle
    Behandlung der P Psychoneurosen abnehmen, so stürm-
    diesen Kranken in steter Fühlung
    mit ihnen bleibt.“
     

       „Was Ihr letztes Wort in dieser Ange-
    legenheit, oder haben Sie noch etwas
    zu sagen?“
     

       „Gewiß, ich wollte ja noch ein drittes
    Interesse in Betracht ziehen, das der
    Wissenschaft. Was ich da zu sagen habe,
    wird Ihnen wenig erfreuen, des-
    halb bedeuten, so wird es.
     

       Wir halten es nämlich gar nicht für
    wünschenswert, daß die Psychoanalyse
    von der Medizin verschluckt werde
    und dann ihre endgültige Ablagerung
    im Lehrbuch der Psychiatrie finde,
    im Kapitel Therapie, neben Verfahren
    wie hypnotische Suggestion, Autosuggestion
    Persuasion, die, aus unseren Unterforschungen
     

  • S.

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    geschöpft ihre kurzlebigen Wirkungen
    der Trägheit und Feigheit der Menschen
    verdanken. Sie verdient ein besseres
    Schicksal und wird es hoffentlich kreiren.
    Als Tiefenpsychologie, Lehre vom seelisch
    Unbewußten, kann sie all den
    Wissenschaften unentbehrlich werden
    die sich mit der Entstehungsgeschichte
    der menschlichen großen Institutionen
    wie Kunst, Religion und Gesellschafts-
    ordnung beschäftigen. Sie meine, sie
    hat diesen Wissenschaften schon bis jetzt
    anschauliche Hilfe zur Lösung ihrer Probleme
    geleistet, aber dies sind nur kleine Bei-
    träge im Vergleich zu dem, was sich erreich-
    en ließe, wenn Historiker, Religions-
    psychologen, Sprachforscher u.s.w. sich den Weg über
    dazu werden, zu ihren das Werkzeug
    zu handhaben, die psychoanalytische Forschung selbst
    zur Therapie der Neurosen ist nur
    eine ihrer Anwendungen; vielleicht
    wird die Zukunft zeigen, daß es nicht
    die wichtigste ist. Jedenfalls wäre es
    unbillig die eine Anwendung wegen
    aller anderen zu opfern bloß, weil sie
    den ärztlichen Kreis berührt.
     

       Dank ihr kontrolliert sich ein weiterer Zu-
    sammenhang, in den man nicht ohne
    Schaden eingreifen kann. Wenn die
    Vertreter der verschiedenen Geistes-
    wissenschaften die Psychoanalyse er-
    lernen sollen, um ihre Methoden
    und Gesichtspunkte auf ihr Material
    anzuwenden, so reicht es nicht aus,
    daß sie sich an die Beschreibungen halten
    wie sie in der analytischen Literatur
    niedergelegt sind. Sie werden die Analyse
    verstehen lernen müssen auf dem
    einzigen Weg, der dazu offen steht,
    indem sie sich selbst einer Analyse
    unterziehen. Zu den Neurotikern
    die der Analyse bedürfen, käme
    so eine zweite Klasse von Personen
    hinzu, die die Analyse aus intell-
    ektuellen Motiven annehmen.
    Die unbunte soziale Erhöhung ihres
    Leistungsfähigkeit aber gewiß ihrer