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wertvollste Hilfsmittel zur Deutung gerade dort eintreten, wo die Einfälle
des Träumers versagen oder ungenügend werden.Die Traumsymbolik erweist sich als unentbehrlich auch für das
Verständnis der sog. „typischen“ Träume der Menschen und der „wieder-
kehrenden“ Träume des Einzelnen. Wenn die Würdigung der symboli-
schen Ausdrucksweise des Traumes in dieser kurzen Darstellung so
unvollständig ausgefallen ist, so rechtfertigt sich diese Vernachlässigung
durch den Hinweis auf eine Einsicht, die zu dem Wichtigsten gehört,
was wir über diesen Gegenstand aussagen können. Die Traumsymbolik
führt weit über den Traum hinaus; sie gehört nicht dem Traume zu eigen
an, sondern beherrscht in gleicher Weise die Darstellung in den Märchen,
Mythen und Sagen, in den Witzen und im Folklore. Sie gestattet uns,
die innigen Beziehungen des Traumes zu diesen Produktionen zu ver-
folgen; wir müssen uns aber sagen, dass sie nicht von der Traumarbeit
hergestellt wird, sondern eine Eigentümlichkeit — wahrscheinlich unseres
unbewussten Denkens ist, welches der Traumarbeit das Material zur
Verdichtung, Verschiebung und Dramatisierung liefert1).XIII.
Ich erhebe weder den Anspruch, hier auf alle Traumprobleme Licht
geworfen, noch die hier erörterten überzeugend erledigt zu haben. Wer
sich für den ganzen Umfang der Traumliteratur interessiert, der sei auf
das Buch von Sante de Sanctis: I sogni, Torino 1899 ver-
wiesen; wer die eingehendere Begründung der von mir vorgetragenen
Auffassung des Traumes sucht, der wende sich an meine Schrift: Die
Traumdeutung, Leipzig und Wien 19002). Ich werde nur noch
darauf hinweisen, in welcher Richtung die Fortsetzung meiner Dar-
legungen über die Traumarbeit zu verfolgen ist.Wenn ich als die Aufgabe einer Traumdeutung die Ersetzung des
Traumes durch die latenten Traumgedanken, also die Auflösung dessen,
was die Traumarbeit gesponnen hat, hinstelle, so werfe ich einerseits
eine Reihe von neuen psychologischen Problemen auf, die sich auf den
Mechanismus dieser Traumarbeit selbst wie auf die Natur und die Be-
dingungen der sog. Verdrängung beziehen; anderseits behaupte ich die
1) Weiteres über die Traumsymbolik findet man ausser in den alten Schriften
zur Traumdeutung (Artemidorus von Daldis, Scherner, Das Leben des
Traumes 1861) in der „Traumdeutung“ des Verfassers, in den mythologischen
Arbeiten der psychoanalytischen Schule, und auch in den Arbeiten von W. Stekel
(„Die Sprache des Traumes" 1911).2) 1921 in sechster Auflage erschienen.
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Existenz der Traumgedanken, als eines sehr reichhaltigen Materiales
psychischer Bildungen von höchster Ordnung und mit allen Kennzeichen
normaler intellektueller Leistung versehen, welches Material sich doch
dem Bewusstsein entzieht, bis es ihm durch den Trauminhalt entstellte
Kunde gegeben hat. Solche Gedanken bin ich genötigt, bei jedermann
als vorhanden anzunehmen, da ja fast alle Menschen, auch die normalsten,
des Träumens fähig sind. An das Unbewusste der Traumgedanken, an
dessen Verhältnis zum Bewusstsein und zur Verdrängung knüpfen die
weiteren, für die Psychologie bedeutsamen Fragen an, deren Erledigung
wohl aufzuschieben ist, bis die Analyse die Entstehung anderer psycho-
pathischer Bildungen, wie der hysterischen Symptome und der Zwangs-
ideen, klargelegt hat.
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Über den Traum1901-001/1921