Die Traumdeutung1900-001/1922
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    wiederfand. Meine zahlreichen wissenschaftlichen Gegner zeigen also
    einen sicheren Instinkt, wenn sie mir gerade auf das Gebiet der
    Traumforschung nicht folgen wollen.

    Auch das Material dieses Buches, diese zum größten Teil durch
    die Ereignisse entwerteten oder überholten eigenen Träume, an denen
    ich die Regeln der Traumdeutung erläutert hatte, erwies bei der
    Revision ein Beharrungsvermögen, das sich eingreifenden Änderungen
    widersetzte. Für mich hat dieses Buch nämlich noch eine andere
    subjektive Bedeutung, die ich erst nach seiner Beendigung verstehen
    konnte. Es erwies sich mir als ein Stück meiner Selbstanalyse, als
    meine Reaktion auf den Tod meines Vaters, also auf das bedeutsamste
    Ereignis, den einschneidendsten Verlust im Leben eines Mannes.
    Nachdem ich dies erkannt hatte, fühlte ich mich unfähig, die Spuren
    dieser Einwirkung zu verwischen. Für den Leser mag es aber gleich-
    gültig sein, an welchem Material er Träume würdigen und deuten
    lernt.

    Wo ich eine unabweisbare Bemerkung nicht in den alten Zu-
    sammenhang einfügen konnte, habe ich ihre Herkunft von der zweiten
    Bearbeitung durch eckige Klammern angedeutet*).

    Berchtesgaden, im Sommer 1908.


    Vorwort zur dritten Auflage.

    Während zwischen der ersten und der zweiten Auflage dieses
    Buches ein Zeitraum von neun Jahren verstrichen ist, hat sich das
    Bedürfnis einer dritten bereits nach wenig mehr als einem Jahre
    bemerkbar gemacht. Ich darf mich dieser Wandlung freuen; wenn
    ich aber vorhin die Vernachlässigung meines Werkes von Seite der
    Leser nicht als Beweis für dessen Unwert gelten lassen wollte, kann
    ich das nunmehr zu Tage getretene Interesse auch nicht als Beweis
    für seine Trefflichkeit verwerten.

    Der Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis hat auch die
    „Traumdeutung“ nicht unberührt gelassen. Als ich sie 1899 nieder-
    schrieb, bestand die „Sexualtheorie“ noch nicht, war die Analyse der
    komplizierteren Formen von Psychoneurosen noch in ihren Anfängen.
    Die Deutung der Träume sollte ein Hilfsmittel werden, um die psy-
    chologische Analyse der Neurosen zu ermöglichen; seither hat das
    vertiefte Verständnis der Neurosen auf die Auffassung des Traumes
    zurückgewirkt. Die Lehre von der Traumdeutung selbst hat sich
    nach einer Richtung weiterentwickelt, auf welche in der ersten Auf-
    lage dieses Buches nicht genug Akzent gefallen war. Durch eigene
    Erfahrung wie durch die Arbeiten von W. Stekel und anderen habe
    ich seither den Umfang und die Bedeutung der Symbolik im Traume

    *)Diese wurden bei den folgenden Auflagen wieder fallen gelassen.

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    (oder vielmehr im unbewußten Denken) richtiger würdigen gelernt.
    So hat sich im Laufe dieser Jahre vieles angesammelt, was Berück-
    sichtigung verlangte. Ich habe versucht, diesen Neuerungen durch
    zahlreiche Einschaltungen in den Text und Anfügung von Fußnoten
    Rechnung zu tragen. Wenn diese Zusätze nun gelegentlich den Rah-
    men der Darstellung zu sprengen drohen, oder wenn es doch nicht
    an allen Stellen gelungen ist, den früheren Text auf das Niveau
    unserer heutigen Einsichten zu heben, so bitte ich für diese Mängel
    des Buches um Nachsicht, da sie nur Folgen und Anzeichen der nun-
    mehr beschleunigten Entwicklung unseres Wissens sind. Ich getraue
    mich auch vorherzusagen, nach welchen anderen Richtungen spätere
    Auflagen der Traumdeutung – falls sich ein Bedürfnis nach solchen
    ergeben würde – von der vorliegenden abweichen werden. Dieselben
    müßten einerseits einen engeren Anschluß an den reichen Stoff der
    Dichtung, des Mythus, des Sprachgebrauchs und des Folklore suchen,
    andererseits die Beziehungen des Traumes zur Neurose und zur Geistes-
    störung noch eingehender, als es hier möglich war, behandeln.
    Herr Otto Rank hat mir bei der Auswahl der Zusätze wertvolle
    Dienste geleistet und die Revision der Druckbogen allein besorgt.
    Ich bin ihm und vielen anderen für ihre Beiträge und Berichtigungen
    zu Dank verpflichtet.

    Wien, im Frühjahr 1911.


    Vorwort zur vierten Auflage.

    Im Vorjahre (1913) hat Dr. A. A. Brill in New York eine eng-
    lische Übersetzung dieses Buches zu Stande gebracht. [The interpreta-
    tion of dreams. G. Allen & Cy., London.]
    Herr Dr. Otto Rank hat diesmal nicht nur die Korrekturen be-
    sorgt, sondern auch den Text um zwei selbständige Beiträge bereichert.
    (Anhang zu Kap. VI.)

    Wien, im Juni 1914.


    Vorwort zur fünften Auflage.

    Das Interesse für die „Traumdeutung“ hat auch während des
    Weltkrieges nicht geruht und noch vor Beendigung desselben eine
    neue Auflage notwendig gemacht. In dieser konnte aber die neue
    Literatur seit 1914 nicht voll berücksichtigt werden; soweit sie
    fremdsprachig war, kam sie überhaupt nicht zu meiner und
    Dr. Rank’s Kenntnis.