Die Traumdeutung1900-001/1922
  • S.

    V

    (oder vielmehr im unbewußten Denken) richtiger würdigen gelernt.
    So hat sich im Laufe dieser Jahre vieles angesammelt, was Berück-
    sichtigung verlangte. Ich habe versucht, diesen Neuerungen durch
    zahlreiche Einschaltungen in den Text und Anfügung von Fußnoten
    Rechnung zu tragen. Wenn diese Zusätze nun gelegentlich den Rah-
    men der Darstellung zu sprengen drohen, oder wenn es doch nicht
    an allen Stellen gelungen ist, den früheren Text auf das Niveau
    unserer heutigen Einsichten zu heben, so bitte ich für diese Mängel
    des Buches um Nachsicht, da sie nur Folgen und Anzeichen der nun
    mehr beschleunigten Entwicklung unseres Wissens sind. Ich getraue
    mich auch vorherzusagen, nach welchen anderen Richtungen spätere
    Auflagen der Traumdeutung – falls sich ein Bedürfnis nach solchen
    ergeben würde – von der vorliegenden abweichen werden. Dieselben
    müßten einerseits einen engeren Anschluß an den reichen Stoff der
    Dichtung, des Mythus, des Sprachgebrauchs und des Folklore suchen,
    andererseits die Beziehungen des Traumes zur Neurose und zur Geistes-
    störung noch eingehender, als es hier möglich war, behandeln.

    Herr Otto Rank hat mir bei der Auswahl der Zusätze wertvolle
    Dienste geleistet und die Revision der Druckbogen allein besorgt.
    Ich bin ihm und vielen anderen für ihre Beiträge und Berichtigungen
    zu Dank verpflichtet.

    Wien, im Frühjahr 1911.


    Vorwort zur vierten Auflage.

    Im Vorjahre (1913) hat Dr. A. A. Brill in New York eine eng-
    lische Übersetzung dieses Buches zu Stande gebracht. [The interpreta-
    tion of dreams. G. Allen & Cy., London.]

    Herr Dr. Otto Rank hat diesmal nicht nur die Korrekturen be-
    sorgt, sondern auch den Text um zwei selbständige Beiträge bereichert.
    (Anhang zu Kap. VI.)

    Wien, im Juni 1914.


    Vorwort zur fünften Auflage.

    Das Interesse für die „Traumdeutung“ hat auch während des
    Weltkrieges nicht geruht und noch vor Beendigung desselben eine
    neue Auflage notwendig gemacht. In dieser konnte aber die neue
    Literatur seit 1914 nicht voll berücksichtigt werden; soweit sie
    fremdsprachig war, kam sie überhaupt nicht zu meiner und
    Dr. Rank’s Kenntnis.

  • S.

    Eine ungarische Übersetzung der Traumdeutung, von den Herren
    Dr. Hollós und Dr. Ferenczi besorgt, ist dem Erscheinen nahe.
    In meinen 1916/17 veröffentlichten „Vorlesungen zur Einfüh-
    rung in die Psychoanalyse“ (bei H. Heller, Wien), ist
    das elf Vorlesungen umfassende Mittelstück einer Darstellung des
    Traumes gewidmet, welche elementarer zu sein bestrebt ist und einen
    innigeren Anschluß an die Neurosenlehre herzustellen beabsichtigt.
    Sie hat im ganzen den Charakter eines Auszugs aus der „Traum-
    deutung“, obwohl sie an einzelnen Stellen Ausführlicheres bietet.
    Zu einer gründlichen Umarbeitung dieses Buches, welche es auf
    das Niveau unserer heutigen psychoanalytischen Anschauungen heben,
    dafür aber seine historische Eigenart vernichten würde, konnte ich
    mich nicht entschließen. Ich meine aber, es hat in nahezu 20jähriger
    Existenz seine Aufgabe erledigt.

    Budapest-Steinbruch, im Juli 1918.


    Vorwort zur sechsten Auflage.

    Die Schwierigkeiten, unter denen gegenwärtig das Buchgewerbe steht,
    haben zur Folge gehabt, daß diese neue Auflage weit später erschienen ist, als
    dem Bedarf entsprochen hätte, und daß sie – zum ersten Mal – als unver-
    änderter Abdruck der ihr vorhergehenden auftritt. Nur das Literaturverzeichnis
    am Ende des Buches ist von Dr. O. Rank vervollständigt und fortgeführt
    worden.
    Meine Annahme, dieses Buch hätte in nahezu zwanzigjähriger Existenz
    seine Aufgabe erledigt, hat also keine Bestätigung gefunden. Ich könnte viel-
    mehr sagen, daß es eine neue Aufgabe zu erfüllen hat. Handelte es sich früher
    darum, einige Aufklärungen über das Wesen des Traumes zu geben, so wird es
    jetzt ebenso wichtig, den hartnäckigen Mißverständnissen zu begegnen, denen
    diese Aufklärungen ausgesetzt sind.

    Wien, im April 1921.