• S.

    216

    durch kein Anzeichen verrät, zum Zwecke der vorbeugenden Behandlung zu
    wecken, und daß man weise daran tut. Ich werfe diese Fragen auf, ohne sie
    gegenwärtig beantworten zu wollen. Vielleicht ist uns eine sichere Beant-
    wortung derzeit überhaupt nicht möglich.

    Theoretische Überlegungen werden uns wahrscheinlich gestatten, einiges
    zu ihrer Würdigung beizutragen. Aber etwas anderes ist uns jetzt schon klar
    geworden: Der Weg zur Erfüllung der gesteigerten Ansprüche an die ana-
    lytische Kur führt nicht zur oder über die Abkürzung ihrer Dauer.

    III.

    Analytische Erfahrung, die sich über mehrere Dezennien erstreckt, und
    ein Wechsel in der Art und Weise meiner Betätigung ermutigen mich, die
    Beantwortung der gestellten Fragen zu versuchen. In früheren Zeiten hatte
    ich es mit einer größeren Anzahl von Patienten zu tun, die, wie begreiflich,
    auf rasche Erledigung drängten; in den letzten Jahren haben die Lehranalysen
    überwogen und eine im Verhältnis geringe Zahl von schwerer Leidenden
    blieb bei mir zu fortgesetzter, wenn auch durch kurze oder längere Pausen
    unterbrochener Behandlung. Bei diesen letzteren war die therapeutische Ziel-
    setzung eine andere geworden. Eine Abkürzung der Kur kam nicht mehr in
    Betracht, die Absicht war, eine gründliche Erschöpfung der Krankheitsmög-
    lichkeiten und tiefgehende Veränderung der Person herbeizuführen.

    Von den drei Momenten, die wir als maßgebend für die Chancen der
    analytischen Therapie anerkannt haben: Einfluß von Traumen – konstitu-
    tionelle Triebstärke – Ichveränderung, kommt es uns hier nur auf das mitt-
    lere an, die Triebstärke. Die nächste Überlegung läßt uns in Zweifel ziehen,
    ob die Einschränkung durch das Beiwort konstitutionell (oder kongenital)
    unerläßlich ist. So entscheidend von allem Anfang das konstitutionelle Mo-
    ment sein mag, so bleibt es doch denkbar, daß eine später im Leben auf-
    tretende Triebverstärkung die gleichen Wirkungen äußern mag. Die Formel
    wäre dann abzuändern: derzeitige Triebstärke anstatt der konstitutionellen.
    Die erste unserer Fragen hat gelautet: ist es möglich, einen Konflikt des
    Triebs mit dem Ich oder einen pathogenen Triebanspruch an das Ich durch
    analytische Therapie dauernd und endgültig zu erledigen? Es ist wahrschein-
    lich zur Vermeidung von Mißverständnis nicht unnötig, näher auszuführen,
    was mit der Wortfügung: dauernde Erledigung eines Triebanspruchs ge-
    meint ist. Gewiß nicht, daß man ihn zum Verschwinden bringt, so daß er
    nie wieder etwas von sich hören läßt. Das ist im allgemeinen unmöglich, wäre
    auch gar nicht wünschenswert. Nein, sondern etwas anderes, was man un-
    gefähr als die „Bändigung“ des Triebes bezeichnen kann: das will heißen,

  • S.

    217

    daß der Trieb ganz in die Harmonie des Ichs aufgenommen, allen Beein-
    flussungen durch die anderen Strebungen im Ich zugänglich ist, nicht mehr
    seine eigenen Wege zur Befriedigung geht. Fragt man, auf welchen Wegen
    und mit welchen Mitteln das geschieht, so hat man’s nicht leicht mit der Be-
    antwortung. Man muß sich sagen: „So muß denn doch die Hexe dran“.
    Die Hexe Metapsychologie nämlich. Ohne metapsychologisches Spekulieren
    und Theoretisieren – beinahe hätte ich gesagt: Phantasieren – kommt man
    hier keinen Schritt weiter. Leider sind die Auskünfte der Hexe auch diesmal
    weder sehr klar noch sehr ausführlich. Wir haben nur einen Anhaltspunkt
    – der allerdings unschätzbar – an dem Gegensatz zwischen Primär- und
    Sekundärvorgang, und auf den will ich auch hier verweisen.

    Wenn wir jetzt zu unserer ersten Frage zurückkehren, so finden wir, daß
    unser neuer Gesichtspunkt uns eine bestimmte Entscheidung aufdrängt. Die
    Frage hat gelautet, ob es möglich ist, einen Triebkonflikt dauernd und end-
    gültig zu erledigen, d. h.: den Triebanspruch in solcher Weise zu „bän-
    digen“. In dieser Fragestellung wird die Triebstärke überhaupt nicht erwähnt,
    aber gerade von ihr hängt der Ausgang ab. Gehen wir davon aus, daß die
    Analyse beim Neurotiker nichts anderes leistet, als was der Gesunde ohne
    diese Hilfe zustande bringt. Beim Gesunden aber, lehrt die tägliche Erfah-
    rung, gilt jede Entscheidung eines Triebkonflikts nur für eine bestimmte
    Triebstärke, richtiger gesagt, nur innerhalb einer bestimmten Relation zwi-
    schen Stärke des Triebs und Stärke des Ichs.2) Läßt die Stärke des Ichs nach,
    durch Krankheit, Erschöpfung u. dgl., so können alle bis dahin glücklich
    gebändigten Triebe ihre Ansprüche wieder anmelden und auf abnormen
    Wegen ihre Ersatzbefriedigungen anstreben.3) Den unwiderleglichen Beweis
    für diese Behauptung gibt schon der nächtliche Traum, der auf die Schlaf-
    einstellung des Ichs mit dem Erwachen der Triebansprüche reagiert.

    Ebenso unzweifelhaft ist das Material von der anderen Seite. Zweimal
    im Laufe der individuellen Entwicklung treten erhebliche Verstärkungen
    gewisser Triebe auf, zur Pubertät und um die Menopause bei Frauen. Wir
    sind nicht im geringsten überrascht, wenn Personen, die vorher nicht neuro-
    tisch waren, es um diese Zeiten werden. Die Bändigung der Triebe, die ihnen
    bei geringerer Stärke derselben gelungen war, mißlingt nun bei deren Ver-

    2)In gewissenhafter Korrektur: für eine gewisse Breite dieser Relation.

    3)Dies zur Rechtfertigung des ätiologischen Anspruchs so unspezifischer Momente wie
    Überarbeitung, Schockwirkung usw., die immer der allgemeinen Anerkennung sicher waren
    und grade von der Psychoanalyse in den Hintergrund gedrängt werden mußten. Ge-
    sundheit läßt sich eben nicht anders denn metapsychologisch beschreiben, bezogen
    auf Kräfteverhältnisse zwischen den von uns erkannten, wenn man will, erschlossenen,
    vermuteten, Instanzen des seelischen Apparats.

  • S.

    218

    stärkung. Die Verdrängungen benehmen sich wie Dämme gegen den An-
    drang der Gewässer. Dasselbe, was diese beiden physiologischen Triebver-
    stärkungen leisten, kann in irregulärer Weise zu jeder anderen Lebenszeit
    durch akzidentelle Einflüsse herbeigeführt werden. Es kommt zu Triebver-
    stärkungen durch neue Traumen, aufgezwungene Versagungen, kollaterale
    Beeinflussungen der Triebe untereinander. Der Erfolg ist alle Male der
    gleiche und erhärtet die unwiderstehliche Macht des quantitativen Moments
    in der Krankheitsverursachung.

    Ich bekomme hier den Eindruck, als müßte ich mich all dieser schwer-
    fälligen Erörterungen schämen, da doch das, was sie sagen, längst bekannt
    und selbstverständlich ist. Wirklich, wir haben uns immer so benommen,
    als wüßten wir es; nur, daß wir in unseren theoretischen Vorstellungen zu-
    meist versäumt haben, dem ökonomischen Gesichtspunkt in demselben
    Maß Rechnung zu tragen wie dem dynamischen und dem topischen.
    Meine Entschuldigung ist also, daß ich an dieses Versäumnis mahne.

    Ehe wir uns aber für eine Antwort auf unsere Frage entscheiden, haben
    wir einen Einwand anzuhören, dessen Stärke darin besteht, daß wir wahr-
    scheinlich von vornherein für ihn gewonnen sind. Er sagt, unsere Argumente
    sind alle aus den spontanen Vorgängen zwischen Ich und Trieb hergeleitet
    und setzen voraus, daß die analytische Therapie nichts machen kann, was
    nicht unter günstigen, normalen Verhältnissen von selbst geschieht. Aber ist
    das wirklich so? Erhebt nicht gerade unsere Theorie den Anspruch, einen
    Zustand herzustellen, der im Ich spontan nie vorhanden ist und dessen Neu-
    schöpfung den wesentlichen Unterschied zwischen dem analysierten und dem
    nicht analysierten Menschen ausmacht? Halten wir uns vor, worauf sich
    dieser Anspruch beruft. Alle Verdrängungen geschehen in früher Kindheit;
    es sind primitive Abwehrmaßregeln des unreifen, schwachen Ichs. In späteren
    Jahren werden keine neuen Verdrängungen vollzogen, aber die alten erhalten
    sich und ihre Dienste werden vom Ich weiterhin zur Triebbeherrschung in
    Anspruch genommen. Neue Konflikte werden, wie wir es ausdrücken, durch
    „Nachverdrängung“ erledigt. Von diesen infantilen Verdrängungen mag
    gelten, was wir allgemein behauptet haben, daß sie voll und ganz vom rela-
    tiven Kräfteverhältnis abhängen und einer Steigerung der Triebstärke nicht
    standhalten können. Die Analyse aber läßt das gereifte und erstarkte Ich eine
    Revision dieser alten Verdrängungen vornehmen; einige werden abgetragen,
    andere anerkannt, aber aus soliderem Material neu aufgebaut. Diese neuen
    Dämme haben eine ganz andere Haltbarkeit als die früheren; ihnen darf man
    zutrauen, daß sie den Hochfluten der Triebsteigerung nicht so leicht nach-

  • S.

    219

    geben werden. Die nachträgliche Korrektur des ursprünglichen Verdrän-
    gungsvorganges, die der Übermacht des quantitativen Faktors ein Ende
    macht, wäre also die eigentliche Leistung der analytischen Therapie.

    So weit unsere Theorie, auf die wir ohne unwidersprechlichen Zwang nicht
    verzichten können. Und was sagt die Erfahrung dazu? Die ist vielleicht noch
    nicht umfassend genug für eine sichere Entscheidung. Oft genug gibt sie
    unseren Erwartungen recht, doch nicht jedesmal. Man hat den Eindruck,
    daß man nicht überrascht sein dürfte, wenn sich am Ende herausstellt, daß
    der Unterschied zwischen dem nicht Analysierten und dem späteren Ver-
    halten des Analysierten doch nicht so durchgreifend ist, wie wir es erstreben,
    erwarten und behaupten. Demnach würde es der Analyse zwar manchmal
    gelingen, den Einfluß der Triebverstärkung auszuschalten, aber nicht regel-
    mäßig. Oder ihre Wirkung beschränkte sich darauf, die Widerstandskraft
    der Hemmungen zu erhöhen, so daß sie nach der Analyse weit stärkeren
    Anforderungen gewachsen wären als vor der Analyse oder ohne eine solche.
    Ich getraue mich hier wirklich keiner Entscheidung, weiß auch nicht, ob
    sie derzeit möglich ist.

    Man kann sich dem Verständnis dieser Unstetigkeit in der Wirkung der
    Analyse aber von anderer Seite her nähern. Wir wissen, es ist der erste Schritt
    zur intellektuellen Bewältigung der Umwelt, in der wir leben, daß wir Allge-
    meinheiten, Regeln, Gesetze herausfinden, die Ordnung in das Chaos
    bringen. Durch diese Arbeit vereinfachen wir die Welt der Phänomene,
    können aber nicht umhin, sie auch zu verfälschen, besonders wenn es sich
    um Vorgänge von Entwicklung und Umwandlung handelt. Es kommt uns
    darauf an, eine qualitative Änderung zu erfassen, und wir vernachlässigen
    dabei in der Regel, wenigstens zunächst, einen quantitativen Faktor. In der
    Realität sind die Übergänge und Zwischenstufen weit häufiger als die scharf
    gesonderten gegensätzlichen Zustände. Bei Entwicklungen und Verwand-
    lungen richtet sich unsere Aufmerksamkeit allein auf das Resultat; wir über-
    sehen gern, daß sich solche Vorgänge gewöhnlich mehr oder weniger unvoll-
    ständig vollziehen, also eigentlich im Grunde nur partielle Veränderungen
    sind. Der scharfsinnige Satiriker des alten Österreichs, J. Nestroy, hat
    einmal geäußert: „Ein jeder Fortschritt ist nur immer halb so groß, als wie
    er zuerst ausschaut“. Man wäre versucht, dem boshaften Satz eine recht all-
    gemeine Geltung zuzusprechen. Es gibt fast immer Resterscheinungen, ein
    partielles Zurückbleiben. Wenn der freigebige Mäzen uns durch einen ver-
    einzelten Zug von Knauserei überrascht, der sonst Übergute sich plötzlich
    in einer feindseligen Handlung gehen läßt, so sind diese „Resterscheinungen“

  • S.

    220

    unschätzbar für die genetische Forschung. Sie zeigen uns, daß jene lobens-
    werten und wertvollen Eigenschaften auf Kompensation und Überkompen-
    sation beruhen, die, wie zu erwarten stand, nicht durchaus, nicht nach dem
    vollen Betrag gelungen sind. Wenn unsere erste Beschreibung der Libidoent-
    wicklung gelautet hat, eine ursprüngliche orale Phase mache der sadistisch-
    analen und diese der phallisch-genitalen Platz, so hat spätere Forschung dem
    nicht etwa widersprochen, sondern zur Korrektur hinzugefügt, daß diese
    Ersetzungen nicht plötzlich, sondern allmählich erfolgen, so daß jederzeit
    Stücke der früheren Organisation neben der neueren fortbestehen, und daß
    selbst bei normaler Entwicklung die Umwandlung nie vollständig geschieht,
    so daß noch in der endgültigen Gestaltung Reste der früheren Libidofixie-
    rungen erhalten bleiben können. Auf ganz anderen Gebieten sehen wir das
    nämliche. Keiner der angeblich überwundenen Irr- und Aberglauben der
    Menschheit, von dem nicht Reste heute unter uns fortleben, in den tieferen
    Schichten der Kulturvölker oder selbst in den obersten Schichten der Kultur-
    gesellschaft. Was einmal zu Leben gekommen ist, weiß sich zäh zu behaupten.
    Manchmal könnte man zweifeln, ob die Drachen der Urzeit wirklich ausge-
    storben sind.

    Um nun die Anwendung auf unseren Fall zu machen, ich meine, die Ant-
    wort auf die Frage, wie sich die Unstetigkeit unserer analytischen Therapie
    erklärt, könnte leicht sein, daß wir unsere Absicht, die undichten Verdrän-
    gungen durch zuverlässige, ichgerechte Bewältigungen zu ersetzen, auch nicht
    immer im vollen Umfang, also nicht gründlich genug erreichen. Die Um-
    wandlung gelingt, aber oft nur partiell; Anteile der alten Mechanismen
    bleiben von der analytischen Arbeit unberührt. Es läßt sich schwer beweisen,
    daß dem wirklich so ist; wir haben ja keinen anderen Weg, es zu beurteilen,
    als eben den Erfolg, den es zu erklären gilt. Aber die Eindrücke, die man
    während der analytischen Arbeit empfängt, widersprechen unserer Annahme
    nicht, scheinen sie eher zu bestätigen. Man darf nur die Klarheit unserer
    eigenen Einsicht nicht zum Maß der Überzeugung nehmen, die wir beim
    Analysierten hervorrufen. Es mag ihr an „Tiefe“ fehlen, wie wir sagen
    können; es handelt sich immer um den gerne übersehenen quantitativen
    Faktor. Wenn dies die Lösung ist, so kann man sagen, die Analyse habe mit
    ihrem Anspruch, sie heile Neurosen durch die Sicherung der Triebbeherr-
    schung, in der Theorie immer recht, in der Praxis nicht immer. Und zwar
    darum, weil es ihr nicht immer gelingt, die Grundlagen der Triebbeherr-
    schung in genügendem Ausmaß zu sichern. Der Grund dieses partiellen
    Mißerfolgs ist leicht zu finden. Das quantitative Moment der Triebstärke

  • S.

    221

    hatte sich seinerzeit dem Abwehrstreben des Ichs widersetzt; wir haben
    darum die analytische Arbeit zur Hilfe gerufen, und nun setzt dasselbe Mo-
    ment der Wirksamkeit dieser neuen Bemühung eine Grenze. Bei übergroßer
    Triebstärke mißlingt dem gereiften und von der Analyse unterstützten Ich
    die Aufgabe, ähnlich wie früher dem hilflosen Ich; die Triebbeherrschung
    wird besser, aber sie bleibt unvollkommen, weil die Umwandlung des Ab-
    wehrmechanismus nur unvollständig ist. Daran ist nichts zu verwundern,
    denn die Analyse arbeitet nicht mit unbegrenzten, sondern mit beschränkten
    Machtmitteln und das Endergebnis hängt immer vom relativen Kräftever-
    hältnis der mit einander ringenden Instanzen ab.

    Es ist unzweifelhaft wünschenswert, die Dauer einer analytischen Kur ab-
    zukürzen, aber der Weg zur Durchsetzung unserer therapeutischen Absicht
    führt nur über die Verstärkung der analytischen Hilfskraft, die wir dem Ich
    zuführen wollen. Die hypnotische Beeinflussung schien ein ausgezeichnetes
    Mittel für unsere Zwecke zu sein; es ist bekannt, warum wir darauf ver-
    zichten mußten. Ein Ersatz für die Hypnose ist bisher nicht gefunden wor-
    den, aber man versteht von diesem Gesichtspunkt aus die leider vergeblichen
    therapeutischen Bemühungen, denen ein Meister der Analyse wie Ferenczi
    seine letzten Lebensjahre gewidmet hat.

    IV.

    Die beiden anschließenden Fragen, ob man den Patienten während der
    Behandlung eines Triebkonflikts gegen zukünftige Triebkonflikte schützen
    kann und ob es ausführbar und zweckmäßig ist, einen derzeit nicht mani-
    festen Triebkonflikt zum Zwecke der Vorbeugung zu wecken, sollen mit-
    einander behandelt werden, denn es ist offenbar, daß man die erste Aufgabe
    nur lösen kann, indem man das zweite tut, also den in der Zukunft mög-
    lichen Konflikt in einen aktuellen verwandelt, den man der Beeinflussung
    unterzieht. Diese neue Fragestellung ist im Grunde nur eine Fortführung
    der früheren. Handelte es sich vorhin um eine Verhütung der Wiederkehr
    desselben Konflikts, so jetzt um seine mögliche Ersetzung durch einen
    anderen. Was man da vorhat, klingt sehr ehrgeizig, aber man will sich nur
    klar machen, welche Grenzen der Leistungsfähigkeit einer analytischen The-
    rapie gesteckt sind.

    So sehr es den therapeutischen Ehrgeiz verlocken mag, sich derartige Auf-
    gaben zu stellen, die Erfahrung hat nur eine glatte Abweisung bereit. Wenn
    ein Triebkonflikt nicht aktuell ist, sich nicht äußert, kann man ihn auch durch
    die Analyse nicht beeinflussen. Die Warnung, schlafende Hunde nicht zu
    wecken, die man unseren Bemühungen um die Erforschung der psychischen