Das Ich und das Es1923-003/1931
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    IV

    Die beiden Triebarten

    Wir sagten bereits, wenn unsere Gliederung des seelischen
    Wesens in ein Es, ein Ich und ein Über‑Ich einen Fortschritt
    in unserer Einsicht bedeutet, so muß sie sich auch als Mittel

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    zum tieferen Verständnis und zur besseren Beschreibung der
    dynamischen Beziehungen im Seelenleben erweisen. Wir
    haben uns auch bereits klar gemacht, daß das Ich unter
    dem besonderen Einfluß der Wahrnehmung steht und daß
    man im Rohen sagen kann, die Wahrnehmungen haben für
    das Ich dieselbe Bedeutung wie die Triebe für das Es. Dabei
    unterliegt aber auch das Ich der Einwirkung der Triebe wie
    das Es, von dem es ja nur ein besonders modifizierter
    Anteil ist.

    Über die Triebe habe ich kürzlich (Jenseits des Lust-
    prinzips) eine Anschauung entwickelt, die ich hier festhalten
    und den weiteren Erörterungen zugrunde legen werde. Daß
    man zwei Triebarten zu unterscheiden hat, von denen die
    eine, Sexualtriebe oder Eros, die bei weitem auf-
    fälligere und der Kenntnis zugänglichere ist. Sie umfaßt
    nicht nur den eigentlichen ungehemmten Sexualtrieb und
    die von ihm abgeleiteten zielgehemmten und sublimierten
    Triebregungen, sondern auch den Selbsterhaltungstrieb, den
    wir dem Ich zuschreiben müssen und den wir zu Anfang
    der analytischen Arbeit mit guten Gründen den sexuellen
    Objekttrieben gegenübergestellt hatten. Die zweite Triebart
    aufzuzeigen, bereitete uns Schwierigkeiten; endlich kamen
    wir darauf, den Sadismus als Repräsentanten derselben an-
    zusehen. Auf Grund theoretischer, durch die Biologie ge-
    stützter Überlegungen supponierten wir einen Todestrieb, 
    dem die Aufgabe gestellt ist, das organische Lebende
    in den leblosen Zustand zurückzuführen, während der Eros
    das Ziel verfolgt, das Leben durch immer weitergreifende
    Zusammenfassung der in Partikel zersprengten lebenden
    Substanz zu komplizieren, natürlich es dabei zu erhalten.
    Beide Triebe benehmen sich dabei im strengsten Sinne kon-
    servativ, indem sie die Wiederherstellung eines durch die
    Entstehung des Lebens gestörten Zustandes anstreben. Die

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    Entstehung des Lebens wäre also die Ursache des Weiter-
    lebens und gleichzeitig auch des Strebens nach dem Tode,
    das Leben selbst ein Kampf und Kompromiß zwischen diesen
    beiden Strebungen. Die Frage nach der Herkunft des Lebens
    bliebe eine kosmologische, die nach Zweck und Absicht des
    Lebens wäre dualistisch beantwortet.

    Jeder dieser beiden Triebarten wäre ein besonderer physio-
    logischer Prozeß (Aufbau und Zerfall) zugeordnet, in jedem
    Stück lebender Substanz wären beiderlei Triebe tätig, aber
    doch in ungleicher Mischung, so daß eine Substanz die
    Hauptvertretung des Eros übernehmen könnte.

    In welcher Weise sich Triebe der beiden Arten miteinander
    verbinden, vermischen, legieren, wäre noch ganz unvor-
    stellbar; daß dies aber regelmäßig und in großem Ausmaß
    geschieht, ist eine in unserem Zusammenhang unabweisbare
    Annahme. Infolge der Verbindung der einzelligen Elementar-
    organismen zu mehrzelligen Lebewesen wäre es gelungen,
    den Todestrieb der Einzelzelle zu neutralisieren und die
    destruktiven Regungen durch Vermittlung eines besonderen
    Organs auf die Außenwelt abzuleiten. Dies Organ wäre die
    Muskulatur und der Todestrieb würde sich nun – wahr-
    scheinlich doch nur teilweise – als Destruktionstrieb 
    gegen die Außenwelt und andere Lebewesen äußern.

    Haben wir einmal die Vorstellung von einer Mischung
    der beiden Triebarten angenommen, so drängt sich uns auch
    die Möglichkeit einer – mehr oder minder vollständigen –
    Entmischung derselben auf. In der sadistischen Kom-
    ponente des Sexualtriebes hätten wir ein klassisches Beispiel
    einer zweckdienlichen Triebmischung vor uns, im selb-
    ständig gewordenen Sadismus als Perversion das Vorbild
    einer, allerdings nicht bis zum äußersten getriebenen Ent-
    mischung. Es eröffnet sich uns dann ein Einblick in ein
    großes Gebiet von Tatsachen, welches noch nicht in diesem

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    Licht betrachtet worden ist. Wir erkennen, daß der
    Destruktionstrieb regelmäßig zu Zwecken der Ab-
    fuhr in den Dienst des Eros gestellt ist, ahnen, daß der
    epileptische Anfall Produkt und Anzeichen einer Triebent-
    mischung ist, und lernen verstehen, daß unter den Erfolgen
    mancher schweren Neurosen, zum Beispiel der Zwangs-
    neurosen, die Triebentmischung und das Hervortreten des
    Todestriebes eine besondere Würdigung verdient. In rascher
    Verallgemeinerung möchten wir vermuten, daß das Wesen
    einer Libidoregression, zum Beispiel von der genitalen zur
    sadistisch-analen Phase, auf einer Triebentmischung beruht,
    wie umgekehrt der Fortschritt von der früheren zur defini-
    tiven Genitalphase einen Zuschuß von erotischen Kompo-
    nenten zur Bedingung hat. Es erhebt sich auch die Frage,
    ob nicht die reguläre Ambivalenz, die wir in der kon-
    stitutionellen Anlage zur Neurose so oft verstärkt finden,
    als Ergebnis einer Entmischung aufgefaßt werden darf; allein
    diese ist so ursprünglich, daß sie vielmehr als nicht voll-
    zogene Triebmischung gelten muß.

    Unser Interesse wird sich natürlich den Fragen zuwenden,
    ob sich nicht aufschlußreiche Beziehungen zwischen den an-
    genommenen Bildungen des Ichs, Über‑Ichs und des Es
    einerseits, den beiden Triebarten anderseits auffinden lassen,
    ferner, ob wir dem die seelischen Vorgänge beherrschenden
    Lustprinzip eine feste Stellung zu den beiden Triebarten und
    den seelischen Differenzierungen zuweisen können. Ehe wir
    aber in diese Diskussion eintreten, haben wir einen Zweifel
    zu erledigen, der sich gegen die Problemstellung selbst richtet.
    Am Lustprinzip ist zwar kein Zweifel, die Gliederung des
    Ichs ruht auf klinischer Rechtfertigung, aber die Unter-
    scheidung der beiden Triebarten scheint nicht genug gesichert
    und möglicherweise heben Tatsachen der klinischen Analyse
    ihren Anspruch auf.

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    Eine solche Tatsache scheint es zu geben. Für den Gegen-
    satz der beiden Triebarten dürfen wir die Polarität von Liebe
    und Haß einsetzen. Um eine Repräsentanz des Eros sind wir
    ja nicht verlegen, dagegen sehr zufrieden, daß wir für den
    schwer zu fassenden Todestrieb im Destruktionstrieb, dem
    der Haß den Weg zeigt, einen Vertreter aufzeigen können.
    Nun lehrt uns die klinische Beobachtung, daß der Haß nicht
    nur der unerwartet regelmäßige Begleiter der Liebe ist (Ambi-
    valenz), nicht nur häufig ihr Vorläufer in menschlichen Be-
    ziehungen, sondern auch, daß Haß sich unter mancherlei
    Verhältnissen in Liebe und Liebe in Haß verwandelt. Wenn
    diese Verwandlung mehr ist als bloß zeitliche Sukzession,
    also Ablösung, dann ist offenbar einer so grundlegenden
    Unterscheidung wie zwischen erotischen und Todestrieben,
    die entgegengesetzt laufende physiologische Vorgänge voraus-
    setzt, der Boden entzogen.

    Nun der Fall, daß man dieselbe Person zuerst liebt und
    dann haßt, oder umgekehrt, wenn sie einem die Anlässe dazu
    gegeben hat, gehört offenbar nicht zu unserem Problem.
    Auch nicht der andere, daß eine noch nicht manifeste Ver-
    liebtheit sich zuerst durch Feindseligkeit und Aggressions-
    neigung äußert, denn die destruktive Komponente könnte da
    bei der Objektbesetzung vorangeeilt sein, bis die erotische
    sich zu ihr gesellt. Aber wir kennen mehrere Fälle aus der
    Psychologie der Neurosen, in denen die Annahme einer Ver-
    wandlung näher liegt. Bei der Paranoia persecutoria erwehrt
    sich der Kranke einer überstarken homosexuellen Bindung
    an eine bestimmte Person auf eine gewisse Weise, und das
    Ergebnis ist, daß diese geliebteste Person zum Verfolger
    wird, gegen den sich die oft gefährliche Aggression des
    Kranken richtet. Wir haben das Recht, einzuschalten, daß
    eine Phase vorher die Liebe in Haß umgewandelt hatte. Bei
    der Entstehung der Homosexualität, aber auch der de-

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    sexualisierten sozialen Gefühle, lehrte uns die analytische
    Untersuchung erst neuerdings die Existenz von heftigen, zu
    Aggressionsneigung führenden Gefühlen der Rivalität ken-
    nen, nach deren Überwindung erst das früher gehaßte Objekt
    zum geliebten oder zum Gegenstand einer Identifizierung
    wird. Die Frage erhebt sich, ob für diese Fälle eine direkte
    Umsetzung von Haß in Liebe anzunehmen ist. Hier handelt
    es sich ja um rein innerliche Änderungen, an denen ein ge-
    ändertes Benehmen des Objekts keinen Anteil hat.

    Die analytische Untersuchung des Vorganges bei der
    paranoischen Umwandlung macht uns aber mit der Mög-
    lichkeit eines anderen Mechanismus vertraut. Es ist von An-
    fang an eine ambivalente Einstellung vorhanden und die
    Verwandlung geschieht durch eine reaktive Besetzungsver-
    schiebung, indem der erotischen Regung Energie entzogen
    und der feindseligen Energie zugeführt wird.

    Nicht das nämliche, aber ähnliches geschieht bei der Über-
    windung der feindseligen Rivalität, die zur Homosexualität
    führt. Die feindselige Einstellung hat keine Aussicht auf
    Befriedigung, daher – aus ökonomischen Motiven also –
    wird sie von der Liebeseinstellung abgelöst, welche mehr
    Aussicht auf Befriedigung, das ist Abfuhrmöglichkeit, bietet.
    Somit brauchen wir für keinen dieser Fälle eine direkte Ver-
    wandlung von Haß in Liebe, die mit der qualitativen Ver-
    schiedenheit der beiden Triebarten unverträglich wäre, an-
    zunehmen.

    Wir bemerken aber, daß wir bei der Inanspruchnahme
    dieses anderen Mechanismus der Umwandlung von Liebe in
    Haß stillschweigend eine andere Annahme gemacht haben,
    die laut zu werden verdient. Wir haben so geschaltet, als
    gäbe es im Seelenleben – unentschieden, ob im Ich oder im
    Es – eine verschiebbare Energie, die, an sich indifferent, zu
    einer qualitativ differenzierten erotischen oder destruktiven

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    Regung hinzutreten und deren Gesamtbesetzung erhöhen
    kann. Ohne die Annahme einer solchen verschiebbaren
    Energie kommen wir überhaupt nicht aus. Es fragt sich nur,
    woher sie stammt, wem sie zugehört und was sie bedeutet.

    Das Problem der Qualität der Triebregungen und deren
    Erhaltung bei den verschiedenen Triebschicksalen ist noch
    sehr dunkel und derzeit kaum in Angriff genommen. An den
    sexuellen Partialtrieben, die der Beobachtung besonders gut
    zugänglich sind, kann man einige Vorgänge, die in denselben
    Rahmen gehören, feststellen, zum Beispiel, daß die Partial-
    triebe gewissermaßen miteinander kommunizieren, daß ein
    Trieb aus einer besonderen erogenen Quelle seine Intensität
    zur Verstärkung eines Partialtriebes aus anderer Quelle ab-
    geben kann, daß die Befriedigung des einen Triebes einem
    anderen die Befriedigung ersetzt und dergleichen mehr, was
    einem Mut machen muß, Annahmen gewisser Art zu wagen.

    Ich habe auch in der vorliegenden Diskussion nur eine
    Annahme, nicht einen Beweis zu bieten. Es erscheint
    plausibel, daß diese wohl im Ich und im Es tätige, verschieb-
    bare und indifferente Energie dem narzißtischen Libidovorrat
    entstammt, also desexualisierter Eros ist. Die erotischen
    Triebe erscheinen uns ja überhaupt plastischer, ablenkbarer
    und verschiebbarer als die Destruktionstriebe. Dann kann
    man ohne Zwang fortsetzen, daß diese verschiebbare Libido
    im Dienst des Lustprinzips arbeitet, um Stauungen zu ver-
    meiden und Abfuhren zu erleichtern. Dabei ist eine gewisse
    Gleichgültigkeit, auf welchem Wege die Abfuhr geschieht,
    wenn sie nur überhaupt geschieht, unverkennbar. Wir
    kennen diesen Zug als charakteristisch für die Besetzungs-
    vorgänge im Es. Er findet sich bei den erotischen Besetzungen,
    wobei eine besondere Gleichgültigkeit in bezug auf das
    Objekt entwickelt wird, ganz besonders bei den Übertragun-
    gen in der Analyse, die vollzogen werden müssen, gleichgültig

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    auf welche Personen. Rank hat kürzlich schöne
    Beispiele dafür gebracht, daß neurotische Racheaktionen
    gegen die unrichtigen Personen gerichtet werden. Man muß
    bei diesem Verhalten des Unbewußten an die komisch ver-
    wertete Anekdote denken, daß einer der drei Dorfschneider
    gehängt werden soll, weil der einzige Dorfschmied ein
    todwürdiges Verbrechen begangen hat. Strafe muß eben sein,
    auch wenn sie nicht den Schuldigen trifft. Die nämliche
    Lockerheit haben wir zuerst an den Verschiebungen des
    Primärvorganges in der Traumarbeit bemerkt. Wie hier die
    Objekte, so wären es in dem uns beschäftigenden Falle die
    Wege der Abfuhraktion, die erst in zweiter Linie in Betracht
    kommen. Dem Ich würde es ähnlich sehen, auf größerer
    Exaktheit in der Auswahl des Objekts, wie des Weges der
    Abfuhr zu bestehen.

    Wenn diese Verschiebungsenergie desexualisierte Libido ist,
    so darf sie auch sublimiert heißen, denn sie würde noch
    immer an der Hauptabsicht des Eros, zu vereinigen und zu
    binden, festhalten, indem sie zur Herstellung jener Einheit-
    lichkeit dient, durch die – oder durch das Streben nach
    welcher – das Ich sich auszeichnet. Schließen wir die Denk-
    vorgänge im weiteren Sinne unter diese Verschiebungen ein,
    so wird eben auch die Denkarbeit durch Sublimierung eroti-
    scher Triebkraft bestritten.

    Hier stehen wir wieder vor der früher berührten Möglich-
    keit, daß die Sublimierung regelmäßig durch die Vermittlung
    des Ichs vor sich geht. Wir erinnern den anderen Fall, daß
    dies Ich die ersten und gewiß auch spätere Objektbesetzungen
    des Es dadurch erledigt, daß es deren Libido ins Ich aufnimmt
    und an die durch Identifizierung hergestellte Ichveränderung
    bindet. Mit dieser Umsetzung in Ichlibido ist natürlich ein
    Aufgeben der Sexualziele, eine Desexualisierung, verbunden.
    Jedenfalls erhalten wir so Einsicht in eine wichtige Leistung

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    des Ichs in seinem Verhältnis zum Eros. Indem es sich in
    solcher Weise der Libido der Objektbesetzungen bemächtigt,
    sich zum alleinigen Liebesobjekt aufwirft, die Libido des Es
    desexualisiert oder sublimiert, arbeitet es den Absichten des
    Eros entgegen, stellt sich in den Dienst der gegnerischen
    Triebregungen. Einen anderen Anteil der Es-Objektbesetzun-
    gen muß es sich gefallen lassen, sozusagen mitmachen. Auf
    eine andere mögliche Folge dieser Ichtätigkeit werden wir
    später zu sprechen kommen.

    An der Lehre vom Narzißmus wäre nun eine wichtige
    Ausgestaltung vorzunehmen. Zu Uranfang ist alle Libido im
    Es angehäuft, während das Ich noch in der Bildung begriffen
    oder schwächlich ist. Das Es sendet einen Teil dieser Libido
    auf erotische Objektbesetzungen aus, worauf das erstarkte
    Ich sich dieser Objektlibido zu bemächtigen und sich dem
    Es als Liebesobjekt aufzudrängen sucht. Der Narzißmus des
    Ichs ist so ein sekundärer, den Objekten entzogener.

    Immer wieder machen wir die Erfahrung, daß die Trieb-
    regungen, die wir verfolgen können, sich als Abkömmlinge
    des Eros enthüllen. Wären nicht die im „Jenseits des Lust-
    prinzips“ angestellten Erwägungen und endlich die sadisti-
    schen Beiträge zum Eros, so hätten wir es schwer, an der
    dualistischen Grundanschauung festzuhalten. Da wir aber
    dazu genötigt sind, müssen wir den Eindruck gewinnen, daß
    die Todestriebe im wesentlichen stumm sind und der Lärm
    des Lebens meist vom Eros ausgeht18.

    Und vom Kampf gegen den Eros! Es ist die Anschauung
    nicht abzuweisen, daß das Lustprinzip dem Es als ein Kompaß
    im Kampf gegen die Libido dient, die Störungen in den
    Lebensablauf einführt. Wenn das Konstanz‑Prinzip im Sinne

    18)Nach unserer Auffassung sind ja die nach außen gerichteten
    Destruktionstriebe durch Vermittlung des Eros vom eigenen Selbst
    abgelenkt worden.

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    Fechners das Leben beherrscht, welches also dann ein
    Gleiten in den Tod sein sollte, so sind es die Ansprüche des
    Eros, der Sexualtriebe, welche als Triebbedürfnisse das Herab-
    sinken des Niveaus aufhalten und neue Spannungen ein-
    führen. Das Es erwehrt sich ihrer, vom Lustprinzip, das
    heißt der Unlustwahrnehmung geleitet, auf verschiedenen
    Wegen. Zunächst durch möglichst beschleunigte Nachgiebig-
    keit gegen die Forderungen der nicht desexualisierten Libido,
    also durch Ringen nach Befriedigung der direkt sexuellen
    Strebungen. In weit ausgiebigerer Weise, indem es sich bei einer
    dieser Befriedigungen, in der alle Teilansprüche zusammen-
    treffen, der sexuellen Substanzen entledigt, welche sozusagen
    gesättigte Träger der erotischen Spannungen sind. Die Ab-
    stoßung der Sexualstoffe im Sexualakt entspricht gewisser-
    maßen der Trennung von Soma und Keimplasma. Daher die
    Ähnlichkeit des Zustandes nach der vollen Sexualbefriedigung
    mit dem Sterben, bei niederen Tieren das Zusammenfallen
    des Todes mit dem Zeugungsakt. Diese Wesen sterben an
    der Fortpflanzung, insoferne nach der Ausschaltung des Eros
    durch die Befriedigung der Todestrieb freie Hand be-
    kommt, seine Absichten durchzusetzen. Endlich erleichtert,
    wie wir gehört haben, das Ich dem Es die Bewältigungs-
    arbeit, indem es Anteile der Libido für sich und seine
    Zwecke sublimiert.

    V
    Die Abhängigkeiten des Ichs

    Die Verschlungenheit des Stoffes mag entschuldigen, daß 
    sich keine der Überschriften ganz mit dem Inhalt 
    der Kapitel deckt, und daß wir immer wieder auf bereits